Persönlicher Nachtrag zur gestrigen Geschichte.

Triggerwarnung – es geht um diese Geschichte: Vierzehn Jahre

Musste doch tatsächlich erst mal rückfragen, wie schlimm die Geschichte denn wirklich ist, denn ich habe keinen erwähnenswerten emotionalen Bezug mehr dazu. Nun, sie soll wohl schlimm sein, weshalb ich mich für diesen Nachtrag entschieden habe. Ausschlaggebend sind die abweichenden, ungewöhnlichen Aufrufzahlen in kurzer Zeit.

Nun erst mal, ja, diese Geschichte ist frei von Fiktion. Eine Momentaufnahme aus einer zweieinhalbjährigen Beziehung und gewiss nicht die schlimmste Geschichte. Aber es gab durchaus auch gute Momente, innerhalb der allgemeinen Gewalt (Psychisch/Körperlich).

Als ich diesen Beitrag gestern noch spät hochgeladen hatte, überkam mich einen Moment lang das Gefühl, diese Geschichte nicht teilen zu können. Nicht weil sie mich belastet, sondern weil ich diese niemandem antun wollte. Meine Gefühle darin, die Gefühle, die ich damals hatte, sind vermutlich schlimmer, als die unzähligen Taten selbst. Manch einer würde sagen, die Gefühle sind falsch. Aber das sind/waren sie nicht. Ich schäme mich nicht mehr dafür. Und ich fühle mich nicht schuldig. Und aus Selbsthass wurde inzwischen Selbstliebe. In diesem Sinne: ich bin seit ca. 5 Jahren (so genau weiß ich das nicht) clean (von selbstverletzendem Verhalten)

Ein paar Jahre später hat sich eben dieser Mann bei mir entschuldigt. Wenn man es so nennen mag. Er schrieb mich über Facebook an und ich erinnere mich sehr genau an seine Worte. Sinngemäß erklärte er sein Verhalten damit, dass er ein Aggressionsproblem hatte und dieses wohl therapieren ließe. Vor einigen Jahren stand ich im Kontakt mit einer Frau, die ebenfalls vergewaltigt wurde. Sie zeigte den Mann an, ich begleitete sie über diesen Weg (in Form von Gesprächen). Ich bewunderte ihre Stärke! Nun, der Mann in ihrer Geschichte bekam als „Strafe“ eine vom Staat bezahlte Therapie. Von solchen Urteilen habe ich schon öfter gelesen/gehört. Wahnsinn, oder?

Immer wieder werden Täter zu Opfern gemacht. Aussagen wie: wegen solch einer Kleinigkeit (und die Tat dauerte ja nur wenige Minuten), müssen wir ja kein Leben ruinieren. Kleine Therapie wird’s richten. Unterm Strich kann eine Vergewaltigung oder eine andere Gewalttat keinen großen Schaden angerichtet haben, wenn sie nur kurz andauerte. Bedeutet das, man darf einfach so einen Menschen abstechen? Das geht sehr schnell. Nein, bedeutet es nicht.

Ich frage mich, was hätte ein Gericht zu meiner Geschichte gesagt? Sie ist freiwillig dort hin?

Nun mir ist klar, dass meine Geschichte nicht besonders gut schmeckt. So wie alle anderen Geschichten. Und deswegen redet kaum jemand darüber. Selbst wenn über dieses Thema Aufklärung betrieben wird und auch vor Gericht manchmal eine gute Entscheidung getroffen wird, leben wir in einem System, in dem die zahlreichen Opfer den Mund zu halten haben, was genau geschieht, wird verschwiegen, Täter werden geschützt.

Ich komme nicht umhin, mich ein wenig für meine damaligen Gefühle zu schämen. Ich habe sie selbstverständlich schon öfter reflektiert, dadurch ändern sie sich aber nicht. Die Scham über das Schweigen darüber überwiegt jedoch. Und deshalb protestiere ich. Dieser Beitrag erforderte Mut, diese Zeilen zu schreiben, obwohl sie mich in keiner Weise mehr belasten, erforderte Stärke, (ein paar Salzheringe und einige Zigaretten). Insgesamt habe ich mehr als ein Jahrzehnt Missbrauchserfahrungen auf meinem Konto. Und ich gehe stark daraus hervor. Ich mag klein sein, aber ich kann Kühlschränke allein tragen.

Einige Frauen sind stark geworden, einige kämpfen noch immer, kämpfen lange, manche verlieren den Kampf. Viel zu viele schweigen. Fühlen sich schuldig und schämen sich für ihren Körper, für das, was damit passiert ist, für ihre Gefühle. Fühlen sich schmutzig, offen, verwundet. Haben Angst vor den Reaktionen.

Das ist falsch! Denn man ist niemals selbst schuld, auch nicht zum Teil. Man war nicht zur falschen Zeit am falschen Ort, man war nicht falsch gekleidet, man hat sich nicht falsch bewegt und nur weil man nicht nein gesagt hat, bedeutet das nicht ja.

Opfer fühlen sich gebrandmarkt. Dabei sollten sich Täter so fühlen! Deshalb bleibt meine Geschichte da stehen. Und falls es jemanden interessiert, was nach all den Jahren aus meinem Täter wurde: ein versoffener Harzt4-Empfänger, der sein Leben nicht auf die Reihe bekommt. Ich würde sagen, dass ist das Karma, von dem erzählt wird. Dieser Mensch ist mir egal, Angst habe ich auch keine. Ich lasse die Kommentare offen, werde diese aber nicht freischalten/genehmigen. Demnach auch nicht beantworten. Aber lesen. Wenn jemand ein Gespräch wünscht, (oder selbst seine Geschichte einfach kundtun möchte) der/die kann mich wie immer kontaktieren.

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