Fünf kurze und vielleicht auch witzige Geschichten aus Kindheit und Jugend.

  • Hab mich als Kind mal ganz schnell um die eigene Achse gedreht, in meinen Händen je eine Puppe. Ich wollte, dass die Haare fliegen. Irgendwann verlor ich das Gleichgewicht und landete auf dem Wohnzimmertisch. Leider stand darauf ne brennende Kerze, in so nem Teelichthalter, wo darüber noch Duftöl ist. Bin dann nach draußen gerannt und habe mich mit der Verbrennung 1. Grades in den Schnee gesetzt. Hatte nur ein Unterhemd und ne Unterhose an. Bin halt bis heute nicht empfindlich bei Kälte. Der Rettungsdienst musste auch grinsen. Passierte weiter nichts.

  • Auch als Kind spielte ich gern mit diversen Dingen. Trockentücher waren sehr beliebt, damit konnte ich über Stunden ruhig in einer Ecke sitzen. In dieser Geschichte beschäftigte ich mich aber mit einem Draht. So einen, womit man ne Brottüte verschließen kann. Ich stach ihn mir ins Auge. Nicht mit Absicht. Wie das aus Versehen geklappt hatte, weiß ich aber nicht mehr. Beim herausziehen spritzte ne Blutfontäne heraus. Auch das blieb ohne Folgen.

  • In der Jugend hatte ich einen Schulweg von etwa einer halben Stunde. Nun, meine Mutter musste beinahe täglich in der Schule anrufen, wo ich denn bliebe. Denn mein AD(H)S-Hirn ließ sich von allem ablenken. Zunächst musste ich einen Umweg gehen, weil ich auf einer Straße, die auf dem direkten Weg lag, immer Pipi musste. Keine Ahnung warum. Nun, aber einen Umweg später kam ich noch am Friedhof vorbei. Ich las die Grabsteine, zündete Kerzen an, säuberte Gräber, die verlassen aussahen, rechnete die Lebensjahre aus und weiß der Geier, was ich da sonst noch getrieben habe. Früher konnte ich mit dem Wort „Eheleute“ nichts anfangen. Habe es immer falsch gelesen. Ein Mal war die Friedhofs-Toilette bis zur Decke hin mit Kot bespritzt. Ich frage mich bis heute, wie und vor allem warum, das so passiert ist. Gewiss absichtlich. Derjenige, der das gereinigt hat, hat meinen Respekt. Nun, aber deshalb dauerte der Weg meist deutlich länger, als eine halbe Stunde.

  • Als Kind hatte ich eine Kinderküche. Daran „kochte“ ich alles, was ich in der echten Küche so fand. Dieses oder Ähnliches habe ich schon des Öfteren von anderen Autist:innen gehört. Grundlage war meistens Mehl. Dazu Wasser, einen Teebeutel, Zucker, Paniermehl, Essig, Gewürze, etc. Was ich eben so interessant fand. Die kleinen Porzellanschüsseln habe ich versteckt, damit meine Mutter diese Wochen später irgendwo finden und entsorgen durfte. Es war glücklicherweise nie schimmelig, es war einfach nur sehr ausgehärtet und nicht mehr zu retten. Hab übrigens auch Zwiebel gegessen, wie man gewöhnlich einen Apfel isst, und Flaschen voll Essig geext.
  • Als Jugendliche traute ich mich gelegentlich noch zum Friseur. So auch an diesem einen Tag, der mit einem Trauma enden sollte. Ich wollte einen Bob-Schnitt. Der junge Azubi bediente mich. Ich war glücklich darüber, denn er machte das zum einen mit meinen Haaren sehr gut, zum anderen laberte er mich nicht voll/zwang mich nicht zum Smalltalk. Als er fast fertig war – und ich total zufrieden, kam seine Chefin in den Salon. Sie war Mitte fünfzig, trug kurze, blonde Haare, war übergewichtig und recht schrill gekleidet. Mit einem Hüftstoß kickte sie den Azubi zur Seite mit den Worten „das machen wir jetzt mal richtig“. Und so wurde aus meinem Bob eine grauenhafte Kurzhaarfrisur. Mir stehen kurze Haare überhaupt nicht. Selbst der Dutt sieht schlimm aus, weil mein Gesicht zu rundlich ist. Na ja, trage ihn trotzdem, weil mich meine Haare nerven und mir zudem völlig egal ist, wie andere mein Aussehen bewerten. Aber sie, die Haare, sind immerhin da (seit ca. 2 Wochen aber wieder gute zehn cm kürzer, fällt bei der Länge aber kaum auf). Nun ja, als die gute Frau mit mir fertig war, sagte ich ihr selbstverständlich, höflich wie ich angepasst war, wie toll ich die Frisur finde. Darauf folgte ein halbes Jahr zusätzliches Mobbing, aufgrund meiner Haare.

Inzwischen schneide ich, meist ein mal im Monat, selbst meine Haare. Ist mir egal, wie das aussieht. Sieht man bei Locken eh nicht und im Dutt erst recht nicht. Meinem Partner schneide ich seit Corona aber auch die Haare und darin bin ich inzwischen sogar recht gut. Männerschnitte empfinde ich schwieriger, weil ein Fehler schnell auffällt bei kurzen Haaren. Und mein zukünftiger zweiter Exmann ( 😀 ) ist da eh sehr pingelig.

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