Einsamkeit jammert auf hohem Niveau

Bevor ich heute mitten am Tag eingeschlafen bin, sehr untypisch für mich und es passiert auch nur dann, wenn mein Körper den Notschalter drückt, habe ich zuerst über das Alleinsein und dann weiter über die Einsamkeit nachgedacht. Ich liebe es, allein zu sein und inzwischen gestehe ich mir das Recht zu, viel allein sein zu dürfen, den Reiz (direkter) Gesellschaft abzuschirmen. Ich bin zwei Menschen nicht egal, weiß nicht was da der Standard ist, aber mir genügt das. Zwar schwanke ich, ob ich möglicherweise Platz für weitere Menschen hätte, aber als sozial unbeholfener Mensch, ist das seltener als ein Lottogewinn.

Es ist nicht so, dass ich keine Kontakte hätte, also dauerhafte, regelmäßige. Und einige davon sind mir immerhin auch so nahe, dass sie meine Adresse haben. Sind nur Autist:innen, die selbst keine Lust auf Menschen haben. Wir schicken uns ganz gern mal Päckchen zu. Hat sich jedoch länger nicht ergeben. Diese Menschen sind mir über die Jahre wichtig geworden, für diese bin ich auch Tag und Nacht erreichbar. Obwohl das kaum noch nötig ist, hab sie „groß bekommen“. Vielleicht hab ich n leichtes Helfersyndrom?! 😉 Nein, ich kann es nur einfach nicht ab, wenn etwas unfair ist und versuche selbst so fair wie möglich durch die Welt zu gehen. Ja, ich bin links-grün-versifft und inzwischen sogar Wahlhelferin. Aber ich komme vom Thema ab. Ach und noch einen wichtigen Kontakt, eine Tierschutzorganisation.

Diese zwei Menschen, die sich in meinem „inneren Kreis“ befinden und die Menschen, die ich darüber hinaus mag, die hasse ich gleichzeitig. Die einen mehr, die anderen weniger und wenige permanent. Menschen funktionieren eben nicht so wie Marionetten und das finde ich gut. Ich mag keine Menschen, die nur nach dem Mund sprechen. Aber es ist halt unterm Strich sehr anstrengend. Was aktuell auch dazu führt, dass meine allgemeine Misanthropie auf ein neues Level geklettert ist. Ich singe sogar spontane Lieder darüber. Irgendwie muss man ja kompensieren. Btw.: ich kann rappen. Ist aber eigentlich nicht meine Richtung, weshalb ich es nicht mache.

Das bringt mich weiter in meinen Gedanken. Das Gefühl egal zu sein, bin ich gewöhnt, war schon immer irgendwie so. Und vielleicht haben die Lehrer:innen von damals recht, ich bin selbst Schuld, könnt ja mal einfach auf andere zugehen. Aber meistens erleichtert es mir das Leben. Die zwei, denen ich nicht egal bin, die tauschen sich sogar miteinander aus, wenn ich mal wieder auf nem anderen Stern bin. Es reicht mir, mich auf die Dinge zu konzentrieren, die mir nicht egal sind. Gleichzeitig fühle ich mich deshalb gerade permanent sehr einsam. Ja, verrückt. Es gibt gewiss Menschen, die weniger haben, denen es schlechter geht. Ja, das weiß ich. Aber es ist dieses Gefühl, dass etwas fehlt. Ich weiß nicht was. Und obwohl das, was ich habe, mehr als genug ist, fühlt sich gerade dieses an, wie eine Pflicht. Ich bin diesen zwei Menschen nicht egal und deshalb muss ich mich um sie kümmern. Dabei möchte ich doch niemandem wegstoßen.

Aber diese Einsamkeit, während man nicht allein ist, ist schlimmer als die Einsamkeit, wenn man allein ist. Und ich weiß das, denn es gab Jahre in meinem Leben, da war ich tatsächlich völlig allein. Und in dieser Zeit war die Einsamkeit fast schon so weich, dass ich immerhin ab und zu damit kuscheln konnte. Diese permanente Einsamkeit, die ich aber gerade empfinde, tranchiert mich. Jammern auf höchstem Niveau, schon klar. Es ist auch nicht das Problem, dass ich zu viel mit Menschen kommuniziere, sondern dass ich zu viel in Oberflächlichkeiten investiere. Und mich dabei selbst verliere, weil es eben nicht meine Art ist/nicht meiner Natürlichkeit entspricht. Ich spreche deutlich weniger. Nicht, weil ich nicht könnte, sondern weil ich das Reden müde bin. Und dann wird wieder alles so laut, dass ich schlecht träume oder gar nicht schlafe. Und ich weiß nicht was ich brauche. Irgendwie schon, wenn ich ehrlich reflektiere. Und dann bin ich überfordert. Weniger ist mehr, eines ist alles, alles habe ich, alles fehlt. Und dann denke ich über Einsamkeit nach.