Mal wieder etwas persönliches, das mich (leider) sehr bewegt.

Ich habe gestern einen Text geschrieben, den ich nicht veröffentlicht habe. Na, irgendwie habe ich unterschwellig daran gezweifelt, am Wahrheitsgehalt. Und das war berechtigt. Die Wahrheit ist, es hat mich getroffen. Das, was sie gesagt haben, worüber sie ‚ach so zufällig‘ geredet haben, hat mich getroffen.

In diesem Text von gestern habe ich geschrieben, ja sogar mir Ausrufungszeichen, dass es mich nicht getroffen hat. Dass es mich lediglich wütend gestimmt hat. Und das ist ja auch wahr. Ich war wütend darüber, ich bin es noch! Aber es hat mich eben auch doch getroffen. Darüber hinaus schrieb ich, dass es mich nicht beeinflusst. Aber das tut es. Als die beiden jugendlichen Mädchen gegangen waren, habe ich meinen Teller an meinen Partner weitergereicht mit den Worten, er solle aufessen, ich habe keinen Hunger mehr. Nun, den Hunger hatte ich tatsächlich nicht mehr.

Ich aß gebratene Nudeln im Einkaufzentrum. Es war 14 Uhr. Es war die erste Nahrung, die ich an diesem Tag zu mir genommen hatte. Und diese beiden Jugendlichen unterhielten sich sinngemäß darüber, dass manche Menschen ja unendlich viel essen würden, nicht aufhören würden zu essen. Nun, dass ich seit über zehn Jahren an Anorexie leide, konnten sie nicht wissen. Das ich vor einigen Jahren noch aussah, wie der Tod auf zwei Beinen, dass ich beinahe zwangsernährt wurde, dass mein Darm gar nicht mehr funktionierte und mein Herz einen irreparablen Schaden davongetragen hat, das konnten sie nicht wissen. Und auch all die anderen Dinge, die ich hier nun nicht erwähne, die konnten sie nicht wissen. Aber tut das etwas zur Sache???

Ja, ich bin fett, ja, ich stehe mehrfach am Tag auf der Waage und überdenke jedes Essen mehrfach. Ja, ich kämpfe noch immer jeden Tag gesund und ausreichend zu essen, weil mich auch mein hart erkämpftes Fett nicht davor schützen würde, zu verhungern oder zu verdursten. Oder, wie es meine Ärztin damals sagte, „Wenn Sie das weiter oder noch mal so machen, wird ihr Herz das nicht aushalten, sie würden sterben.“ Ich bin fett, denkt ihr, das weiß ich nicht? Aber ich lebe, ich kämpfe und ich lebe! Und an den meisten Tagen sogar so gesund, dass ich abnehme, denn das tue ich seit über einem Jahr. Nur eben langsam und gesund. Ich mache keine 5 Stunden Sport mehr am Tag. Und ich habe keine Angst mehr, einzuschlafen. Jeder, der an einer Essstörung leidet, kann mir nachfühlen, wie schwer das sein muss. Es ist schwer.

Und nun…na, es hat mich getroffen. Nun zwinge ich mir gleich ein Brötchen rein, weil es normal ist etwas zu essen, es ist auch nicht zu viel (das rede ich mir selbst ein, weil ich logisch betrachtet weiß, dass es wahr ist). Selbstverständlich Dinkelvollkorn. Bisschen Avocado. Ist zwar gesund, aber sehr kalorienreich. Also nur wenig. Es geht mir schlecht bei dem Gedanken, gleich essen zu müssen. Aber ich bin stärker als das, deswegen tue ich es.

Die Frage, die ich mir stelle: Musste das wirklich sein? Na, sie konnten es nicht wissen. Aber das tut gar nichts zur Sache! Es geht keinen etwas an, was und wie viel ich esse. Es hat mich tief getroffen und bis ich das wieder verarbeitet habe, werde ich eben wieder ein bisschen stärker sein müssen, als üblich.

Ich wünsche diesen beiden Jugendlichen und auch allen anderen Menschen, die sich so verhalten, dass ihnen beim Hände waschen die Ärmel runterrutschen. Und ehrlich gesagt wünsche ich ihnen auch n bisschen Genitalherpes.

7 Kommentare

  1. Du darfst den Jugendlichen alles wünschen… 😆
    Was ich jetzt nicht verstehe: Warum schreibst du, dass du „fett“ wärst? Also das Instagrambild spricht da eine andere Sprache. Unter „fett“ verstehe ich da etwas weitaus anderes. Einen Hungerhaken als Frau will ich nicht haben. Da muss man ja immer Angst haben, da bricht was weg. 😆
    Sei du selbst und lass dich von solch blöden Gequatsche nicht beeinflussen.

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  2. Tust du in dem Moment nicht das gleiche, indem du denen solch ein Erkrankung wünscht?
    Betroffene fühlen sich dadurch womöglich auch angegriffen und fühlen sich wie du.
    Ich oder mein Mann hätten in solch einer Situation zu denen etwas gesagt und gut ist.
    Allerdings haben wir auch nicht solch eine Erkrankung oder kennen jemanden im Umfeld. Da kann man nur erahnen was es mit einem macht.

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      1. Womöglich haben sie ähnlich gedacht, wie du jetzt.
        Es wäre wünschenswert wenn jeder nachdenken würde, als Hirnlos zu lästern, wird leider nicht geschehen.
        Ich hoffe du hast dich davon etwas erholt.

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    1. Wenn jemand ohne auch nur einen Funken Wissen oder Verstand, sorry, so einen geistigen Dünnschiss ablässt, dem wünsche ich so einiges an den Hals und mich daraufhin oder deswegen mich mit diesen geistigen Tieffliegern gleichzusetzen, zeugt von einer verqueren Denkweise, die daran erinnert, dass Täter zu Opfern gemacht werden…

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      1. Aber warum sollte man sich auf der gleichen Stufe stellen, mit Jugendlichen die Hirnlos lästern um Spaß zu haben?
        Weder kennen sie den Hintergrund von Amy oder sonstwen, noch sollte man so etwas ernst nehmen oder an sich heran lassen. Da hätte ein Spruch in deren Richtung gereicht und gut ist.

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