Vielleicht wirke ich oft abweisend, in mich gekehrt, kühl. Aber das bin ich nie. Nie. Wenn ich allein bin und in einer reizarmen Umgebung/wohlfühl-Umgebung, dann spüre ich meine Gefühle sehr intensiv. Die meisten davon kann ich nicht klar definieren, trotzdem sind sie da. Sehr stark. Befinde ich mich in einer fremden Umgebung, in einer überfüllten oder bin ich auch nur mit einem anderen Menschen zusammen, dann spüre ich ungefiltert alles, was in meiner Umgebung ist. So sehr, dass ich mich selbst kaum bis gar nicht wahrnehmen kann. Diese ganzen Eindrücke und die Empfindungen der/des anderen Menschen kann ich nicht zuordnen/nicht einordnen. Nur spüren. Und vermuten, sehr viele Vermutungen kommen zusammen. Erst durch gezieltes nachfragen kann ich in Erfahrung bringen, was ein anderer Mensch empfindet. Leider sprechen die Menschen selten über ihre wahren Empfindungen. Und so kommt es, dass ich inzwischen selten nachfrage. Denn das, was ich spüre unterscheidet sich oft von dem, was mir gesagt wird. Und auch das Verhalten anderer Person/en ist oft abweichend. Und am Ende bin ich verwirrt. Deshalb sind Kontakte sehr anstrengend für mich. Meist analysiere ich Tage, Wochen oder gar Monate an Situationen herum. Immer bleibe ich mit unzähligen Fragen zurück, weil nichts wirklich zusammenpasst.
Ich möchte nicht sagen, dass Menschen absichtlich bewusst lügen, ich denke, dass es oft Selbstschutz ist. Jeder ist das Produkt seiner Erfahrungen.
Unterm Strich entsteht der Eindruck, ich sei gefühllos. Selten kann ich meine Gefühle anderen Menschen mitteilen. In vollem Umfang. Oft wirke ich abwesend, meist suche ich das Alleinsein – nicht zu verwechseln mit Einsamkeit. Einsam fühle ich mich extrem selten. Wenn, dann fühle ich mich eher verloren. Als stünde ich in meinem riesigen Wald voller Emotionen und finde nicht allein heraus. Und dann schließe ich innerlich die Augen. Damit ich da draußen in der Welt noch funktionieren kann.
Trotzdem mag ich den emotionalen Austausch sehr, wenn er offen und ehrlich ist.
