Emotionen

Tief!

Kann nicht

kann nicht sprechen
weil meine Gedanken wild
umhertanzen
mich nicht bewegen
weil mein Körper unkontrolliert
erzittert und bebt
und ich kann nicht atmen
weil mein um sich schlagendes Herz
so viel Raum einfordert

© Amy Herzog

Zeitumstellung

© Amy Herzog

Zugfahrtmelancholie

Morgengrauentau tropft Tränen
starre zu wenig aus dem
Fenster
und schreibe
Gefühle auf Durchreise
in Arme fallen
und zurückgelassen bleiben
Zugfahrtmelancholie
zerrt mich in ein Buch weil
ich nicht wissen will
wohin ich
denke
aber ich bringe
warme Brötchen mit

© Amy Herzog

was

ist das schon Bestimmung
oder wollen wir
nur endlich mal etwas
spüren?

© Amy Herzog

Lust auf:

Lust auf verbotene Gespräche unterm Vollmond. Auf Sand im Bett und Wasser zwischen der Haut. Auf Liebe ohne ersichtlichen Grund und fremde Geräusche, die nach Zuhause klingen. Darauf, die Unvollkommenheit festzuhalten und zu viel Menschlichkeit zu schmecken. Und auf das Gegenteil in jeder Sekunde. Auf Dinge, die niemand erwartet hat und auf Konsequenzen, über die man einfach lacht. Tiefsinn und Ewigkeit in jedem Atemzug und Sex, als würde er die ganze Welt retten. Lust auf Sein und nicht Sein, auf neue Definitionen, die niemand ausspricht. Verlieren und wiederfinden. Auf dumme Ideen, Enthusiasmus, Leichtsinn, und auf Gefühle, die in den Geschichtsbüchern stehen werden.

© Amy Herzog

trink

Komm,
und trink dich taumelnd
in mein Weltmeer
so komm,
und trink aus Lenden,
Lust und uns
mein ganzes Herz
leer

© Amy Herzog

sehe dich

so tief in dir
ver
borgen
schwerklar
die Phantasie nur wo
ist dein Leben
und wann kommst du
heraus

sag mir
was passiert ist
hier
und ich sehe
dich an

© Amy Herzog

Sonnenseufzen

Der Rhythmus fällt
aus verblühten Gedichten
Sonnenseufzen
schlägt jede Nacht tot
deinen ausgetrunkenen Vollmond
übergieße ich mit frisch aufgebrühtem Sex
und wenn mein Herz noch taumelnd fragt
atme ich Träume in deinen Nacken
die mein Mund nicht mehr
zu spüren wagt

© Amy Herzog

Aufhören

Moos wächst
auf meinen Worten
und Schwalben nisten sich ein
die Hoffnung sitzt mit gelassen baumelnden
Beinen auf der morschen Planke
ich höre auf durch dich durchzuschauen
– diese ausdruckslosen Blicke
weil es da draußen
nur noch leichte Fingerspuren
glattgeriebene Gedanken
und Nebelschwaden
für mich gibt

© Amy Herzog

Nichts auf meinen Lippen

Nichts auf meinen Lippen
und in meinen Händen nur Staub
aus grauem Herz
und zwischen.Menschlichkeit
mein Puls flüstert müde
in knisternd streichelndem Herbstlaub
ein Blatt halte ich
und gieße dich darin auf
wie den Tee vor der Dunkelheit
damit ein bisschen Wärme
aus meinem Mund
und Glassplitter in meine Ferse
fällt und fließt und sticht
ich wünsche wieder
nichts auf meinen Lippen
und einmal nur ein kleines Herz
das nicht so klirrend bricht

© Amy Herzog

Fragen

Wer hat dir das erste Mal dein Herz gebrochen? Und warum war es das letzte Mal gebrochen? Hast du es verschwiegen? Warum? Hast du dich schon mal vollkommen angenommen gefühlt, vollständig sicher in einem anderen Menschen? Warst du schon mal glücklich und bist du es noch? Wie viele Wünsche hast du dir bereits erfüllt und waren sie dir wichtig? Welche Sehnsucht hast du dir das letzte Mal verboten und warum hast du sie nicht vergessen? Belügst du dich manchmal selbst? Warum? Wann hast du das letzte Mal geweint, ohne den genauen Grund zu kennen? Wovon handelte dein letzter Albtraum? Hast du einen Wunsch, den du dir bewusst nicht erfüllst, weil du Angst hast, du könntest alles was damit zusammenhängt, verlieren? An was denkst du morgens als erstes und an was, bevor du einschläfst? Bist du dort angekommen, wo du ankommen wolltest? Wann hast du das letzte Mal etwas vollkommen anderes getan? Und wann warst du das letzte Mal absolut ehrlich? Was ist deine größte Angst? Welches Gefühl hast du jetzt gerade, welches du keinem verraten kannst? Warum nicht? Wenn du eine (legale) Sache tun könntest, die nicht länger als fünf Minuten dauert und du könntest sie anschließend ungeschehen machen, welche Sache wäre das? Warum würdest du sie ungeschehen machen wollen? An was denkst du, wenn du nachts nicht schlafen kannst? Und bist du manchmal wütend, ohne es zu sagen? Wann das letzte Mal? Und warum?

Fragen

Immer wieder fragst du mich, wie ich das mache, wie ich mich so parasitär in den Tiefen deiner Gedanken niederlassen, darin winden und räkeln kann. Und dann kniest du metaphorisch den ganzen Tag nieder, hin- und hergerissen, erschöpft, ängstlich, dann wieder voller Vertrauen, Stärke und Liebe. Siehst mich in deinen Träumen, fühlst meine Berührung in jedem Atemzug. Dann denkst du, zu viel, zu wenig, verwirrt und klar, versuchst dich auf deine Arbeit zu konzentrieren, bist aber gar nicht da. Nur dieses Zehren in dir, selbst wenn es nur ein flüchtiger Blick ist, den ich dir schenke. Immer wieder fragst du mich, mit welchem Zauber ich dich belegt habe, dieses wohlwollende Gift. Dann willst du, dass es verschwindet, ein Flehen in die Nacht, was immer es ist und zugleich willst du in mir verschwinden, mein sein und nie wieder danach fragen.

© Amy Herzog

sprichwörtlich.

Dich schweigend umzudrehen und die Faust so fest zu ballen, dass dich der dadurch entstehende Schmerz in deiner Handinnenfläche vom inneren Schmerz ablenkt, bringt nicht viel, oder? Warum machst du es dann? Man könnte fast meinen, du seist ein kleiner Masochist. Ne, den körperlichen Schmerz meine ich gar nicht. Ich spreche von deinem inneren Schmerz. Schon merkwürdig, dass ich darüber spreche, du aber nicht. Wovor hast du Angst? Was könnte denn schlimmstenfalls passieren? Und denkst du auch daran, was bestenfalls passiert? Wir haben es doch alle schon gelebt, dieses Sprichwort: „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“

(ein Drabble)

© Amy Herzog

Kaltgeworden

Dann sitze ich dir im Wohnzimmer gegenüber, zwischen uns eine brennende Kerze. Ich lausche deiner Stimme und betäube deine Fragen. Irgendwann fragst du, weshalb ich mich verändert habe, unerreichbar geworden bin, mich dir nicht öffne, nicht mehr antworte. Ich schaue dich mit ausdruckslosem Blick an, ziehe an meiner Zigarette, halte kurz inne. Dann frage ich, ob es dich interessiert, was ich zu sagen habe, oder ob du nur ficken willst. Du schweigst, dein Blick wird leer oder traurig. Das ist die Antwort, sage ich dir, stehe auf, lege meine Kleidung ab und nichts als meine kalte Haut auf dein Bett.

(Ein Drabble)

© Amy Herzog

Irgendwie Droge.

Dann ist das so ne Berührung
und ich mein hier nicht nur Haut, ja,
sondern unter der Seele
und du weißt nicht, was es ist,
aber es fühlt sich nach Drogen an
und wenn sie nicht da ist
bist du so’n Junky auf Entzug.

Das ist dann halt so
und du bist dann verrückt, oder?
Rhetorisch gemeint.

© Amy Herzog

Splitter

© Amy Herzog

Deine Kalliope

Dein hungriger Geist
so leergefühlt
wie ein einsam erfrorener Vogel
der vom Ast fiel

Wie treiben deine lauen Funken und
im Wellenschlag ertrunkene
Leidenschaft
verloren in der Nacht
und unsichtbar durch den Tag
über deiner ängstlichen Hülle nur eine
flackernde Glühbirne
die ihrer eigenen lauten Sehnsucht
vor deiner im Sterben lag

Mein hungriger Geist
so leergeküsst
nur lass mich schwimmen
im Kerzenschein durch die Vollmondnacht
und wie mein Leib aus Schmerz
die Kunst erschafft
lass mich die deine ewige
Kalliope sein

© Amy Herzog

[hier aussagekräftigen titel einfügen]

© Amy Herzog

(K)eine vermisste Person.

© Amy Herzog

w i e

Zeige mir w i e
SCHMERZhaft es sein kann
lass mich d e i n e n
Schmerz spüren
dein traumtötendes Leid
in verborgener Angst
und in zärtlichstiller Dunkelheit
wispere ich nah w i e
Hingebungsvoll meine Liebe ist

© Amy Herzog

An meinen Winter

© Amy Herzog

Angst

© Amy Herzog

Abgeflacht

© Amy Herzog

Skala eins bis schwer

Auf der Skala
von eins bis zehn
laufe ich hin und her
und finde die Metapher
eines arrhythmischen Klopfens
da ist Bedeutung in mir
Wahrheit im Wort
da ist Gefühl
schwer wie Meere
kann nicht vergessen
nur leugnen die weite See
schaffe Raum dafür
auf einer Skala
von eins bis schwer
laufe ich in diesem Ende
müde hin und her

© Amy Herzog

Angst

In letzter Zeit bist abgelenkt von deinen Gedanken, versuchst sie zu verdrängen, dich in Kunst zu flüchten, in Musik und in deine Arbeit, eine klare Sicht behalten ist die Hauptsache, sagst du dir immer wieder, willst stark sein, dein Kopf sieht das anders, sieht in deiner Hauptsache nur noch eine unbedeutende Nebensache. Deine Bemühungen nur, um dich am Ende wieder in diesen Gedanken zu verlieren, welche dir jeden Tag, den ganzen Tag im Hinterkopf klemmen, fast wie ein Parasit. Diese Gedankenöffnung voll Lust und Tiefe, aber dann diese Gedanken, die du nie wieder fühlen wolltest, weil sie dir einmal zu viel beinahe das Leben gekostet hätten. Du hast Angst, du bist erwachsen, aber du fühlst dich wie ein Kind, das niemand sieht, bist allein mit diesen Gedanken, der Angst. Nein, sagst du dir immer wieder, NEIN! Jetzt wird gearbeitet. Und heute Abend trinkst du dich in den Schlaf und hoffst, in deinen Träumen nicht zu denken, nicht zu fühlen. Hoffst, dort die Angst nicht zu verlieren, die Erde unter deinen Füßen, die dir, wenn du wach bist, sowohl das Leben rettet, als auch nimmt. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Es ist zwar kein Drabble (das hatte ich bereits geschrieben), trotzdem sind dort die aktuellen drei Worte von Lyrix untergebracht 🙂 Nur so aus Spaß an der Freud.

Von Lüge, Wahrheit, Sinn, Misanthropie und dem Sargnagel.

Der mir liebste Misanthrop ist wohl Schopenhauer. Ich hätte ihn, lebte ich in seiner Gegenwart, aus der Ferne sehr gemocht. In die Vergangenheit zu mögen finde ich jedoch ähnlich gut, wenn nicht sogar besser. Jetzt gerade finde ich mich in seinen Niederschriften wieder. Eines lässt mich nachdenken: „Nichts ist leichter, als so zu schreiben, dass kein Mensch es versteht; wie hingegen nichts schwerer, als bedeutende Gedanken so auszudrücken, dass jeder sie verstehen muss.“ (Schopenhauer) Nun, ich denke darüber nach und gleichzeitig auch über die Sinnhaftigkeit. Ich begehre und verachte gleichermaßen, die Welt und die Menschen, die ich nicht verstehe und/oder viel zu gut verstehe. Schopenhauer war im Übrigen auch ein moderner Tierschützer seinerzeit. Aus der Ferne hätte ich ihn gewiss sogar geliebt, selbst wenn ich dieses Gefühl verachte. „Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt“ – das ist, wie jeder wissen sollte, von Goethe. Ich begehre diese Melancholie in mir, die mir eines Tages ein Sargnagel sein wird.

Ich denke nicht, dass das was ich empfinde falsch ist. Es ist genau genommen weder richtig noch falsch. Allenfalls deplatziert. An ein Zitat von Schindler denke ich seit jungen Jahren immer mal wieder: „Weit entfernt davon bin ich, ein Heiliger zu sein, habe als maßloser Mensch viel mehr Fehler als der große Durchschnitt derer, die so sehr gesittet durchs Leben schreiten.“ Dabei denke ich nicht daran, wie/ob ich richtig oder falsch bin, sondern wie andere empfinden. Und wie ratsam es eben ist, „bedeutende Gedanken so auszudrücken, dass sie jeder verstehen muss“. Verändert das etwas? In meinem Handeln wohl, ja. Jedoch bemühe ich mich, brav meine Steuern zu zahlen und so wenig Leid wie möglich zu verursachen oder zu unterstützen. Juckt halt keinen, aber mich.

Wie ist es aber mit der anderen Welt, der eigenen, in der sich auch Schopenhauer bevorzugt aufgehalten hat? Diese Welt wage ich gerade kaum zu betreten. Diese gnadenlose Ehrlichkeit darin gleicht einer Eiszeit, einem Asteroiden-Einschlag, den kein Organismus überleben würde. Und es pocht und pocht und pocht, will heraus, will weinen, schreien. Womit ich wieder bei der Sinnhaftigkeit lande. Wenn man seinen eigenen Lügen, seinen Euphemismen glaubt, so kann man sie durchaus als Wahrheit in die Welt tragen. Niemand hat behauptet, dass es nicht weh tun würde, aber auch nichts gegenteiliges. Unterm Strich ist es ein alles erstickender Schleier, den ich selbst beschwere. Und selbst wenn es nicht falsch ist, so fühle ich es sowohl in der Lüge, als auch gelegentlich in der Wahrheit. Wäre mir die unverschleierte Ehrlichkeit ein Frühling, oder ein Untergang? Hätte ich darauf eine Antwort, stellte sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit nicht.

Wenn gestern morgen ist…

Manchmal, wenn ich dran denke,
aber nur wenn auch eine Träne
in die Wunde fließt,
kommt’s mir vor, als wäre es erst gestern gewesen
und wünsche mir dann,
es wäre doch das gestern von morgen

Aber sag mal, sagst du Bescheid,
wenn es soweit ist, wenn es morgen ist?
Denn heute lebe ich nicht.
Sind alle meine Figuren schon tot
und ich sehe nur den Staub.

Und.
Ich ersehne.
Dich. Und.
Dein Wort.

(das weiß nur ich)

© Amy Herzog

Furcht bleibt

tränen verschweißen meine augen
starre in verschwommenes
schreibe in fingerspuren auf sandpapier
glattgeschmirgeltes gedankengut
albträume räumen die nacht
und lassen die leiche spurlos verschwinden
ich denke an nichts, nichts, nichts..
aber wenn ich wieder klar sehe
atme ich tiefblutentkleidete furcht
in deine kalte richtung

(furcht sitzt da, wo das herz verblutete)
- der platz war noch warm

© Amy Herzog

Kaltes Herz


Suche nichts, mein Liebster
was nicht gefunden werden kann
kein Kompass ist dein
und die Sternbilder blenden
mein Herz in der Truhe
am Grund des tiefschwarzen
schimmert nur an der Oberfläche
anmutig salzigblautürkis
dein Herz aber muss schweigend still
zwischen den Welten verloren
gehen, leiden, enden
wenn’s mein erkaltetes Herz
schlagend finden will

© Amy Herzog

Wir

Ein dunkler Raum 
in zeitloser Zwischenwelt
rastet in unendlicher
grenzenlos
Poren sickernder
in hingebungsvollen
entblößten Seelenkörpern
durch Ewigkeit

Die Außenwelt zeigt
wie Farben
durcheinander
aneinander vorbei
verlieren und suchen
vermischt
in verbrauchten
Stunden

Wir liegen darin
suchen Liebe, Nähe, Sinn
Bedeutung im bedeutungslosen
Wahrheit in Lüge
und im verschiebenden
verschwiegenen
die Mitte
uns

Wir brauchen nichts
in der Dunkelheit
wir sind wir
wie wir sind
sind wir mehr
Sterne, Ozean, Mond
oder Pfütze

Fragen
die hier nicht
existieren
in der Zwischenwelt
wir sind klein
wir sind die Mitte
wir sind nackt
wir sind eins
wir sind wir

Mitte

© Amy Herzog

Tänzeln (Drabble Dienstag)

Drabble-Dienstag mit Lyrix. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Brücke, Spirale, Schmunzeln

Tänzeln

Zwischen Realität und Wahnsinn tänzelt sie, dreht sich in einer Abwärtsspirale, bis es dunkler wird. Äußerlich legt sie einen gusseisernen Kanaldeckel auf ihre innere Kloake und hofft, dass es nicht stinkt, während sie Fremden freundlich schmunzelt und winkt. Auf ihrem langen Weg nach Hause, von dem sie nicht weiß, wo das ist, geht sie bei Sonnenuntergang über eine menschenleere Brücke. Stundenlang balanciert sie über die Brüstung, unter ihr der eklatante Abgrund, der das Ende zeichnet, durch ihr Haar streichelt Wind. Sie liebt ihn hingebungsvoll und weiß, dass er sie irgendwann in eine Richtung mitnehmen würde. Solange tänzelt sie mit ihm.

© Amy Herzog

Nachtdienst (Drabble-Dienstag)

Wieder Drabble-Dienstag von Lyrix. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Balance, Augen, Wohnung

Nachtdienst

Tage verliefen gedanklich kräftezehrend. 

Auf vierundsechzig Kilometern Richtung
Arbeit denke ich an Dinge, die ich lieber
täte, wohin ich lieber fahren würde, ob ich
in meiner Wohnung bliebe, oder in deiner.

Meiner nichtvorhandenen Mimik sieht man’s
an. Die Augen leer. Ich rechtfertige in der
Übergabe mit Kopfschmerzen, dabei verliere
ich innerlich die Balance. Ich erinnere
mich an eine letzte Mail, die mir jemand
geschrieben hat: „eine Enttäuschung ist das
Ende einer Täuschung“.

Meine Phantasie reicht gerade noch, um
darin meine Identität wegzuwerfen und
davonzulaufen. Irgendwohin, nirgendwohin.
Möglicherweise an Orte, an die ich während
der Fahrt dachte.

Ich bin unfassbar müde.

Beichtstuhl

wenn gefragt werde, 
wie nah ich meinem wort bin,
dann lüge ich.

ich bin das wort
das ist die wahrheit
ich bin nackt

© Amy Herzog

Anfangsmondlicht

Versteck dich nicht mein Liebster
im Mondlicht sehen wir alle gleich aus
und er kommt, er kommt gleich
um uns zu holen, damit wir uns finden

Schäme dich nicht mein Liebster
deine dunklen Narben sind mir Kunst
und im lilafarbenen Schimmer
meiner Hämatome sonnen wir uns

Und fürchte dich nicht mein Liebster
die Klingen zerschneiden Fäden
die wir uns auf unsere Lippen Nähten
doch wir brechen unser Herz nicht

So lasse dich fallen mein Liebster
meine Wunden bedecken nur das Ende
ich zeige dir den Anfang des Mondes
und gleich nimmt er uns mit nach Haus

© Amy Herzog

Freisinn


Schlaflos war der Tag
und schlaflos die letzte Nacht
aber Müdigkeit ist ehrlich
und Gedanken frei

Zeit mich dem zu widmen
abzuschweifen und weiter zu ziehen
was bedeutsam für die Seele
aber nichtmal der Traum
zu kennen vermag


© Amy Herzog

Ewigkeit und Gold

nass, nass!
gold’ner Regen
fließt mit Kuss und Salz
schimmern, schweben, legend
tief wie abertausend Flüsse
fest um meinen Hals..

im Rausch
hast du die Luft geraubt
so steigt und steigt dein Meer
Pirat! sag ich, komm her
stehle was ich hab
und mehr!

© Amy Herzog

Zensiert

komm zu mir
wenn du wieder besoffen bist
dann machen wir das
was du dich sonst nicht traust
der Rest ist zensiert
und das danach passiert
in Rauch

© Amy Herzog

Flughafenszene…

Wie sehnsuchtsvoll dein Blick

zurück in Menschenmassen

doch keiner hört und keiner sieht

wenn du nur in die Leere fällst

Und hin und her und hin und her

als würdest du ein Kindlein suchen

bringt dir selbst dein Innerst fluchen

deine liebe nicht dort hin

© Amy Herzog

Schlussendlich..

Ewigkeiten sind vergangen,

Nebelschwaden ziehen vorbei,

und die Seele liegt in Ketten,

wann nur bin ich endlich frei?

Ist die Kehle fast vertrocknet,

und ich sah ein Leben zieh‘n,

welches ich nie leben würde,

also begann ich zu flieh‘n.

Auf der Suche nach der Sonne,

war ich fast schon endlich da?

doch das Leben rannte hinten,

und schlussendlich ist es nah.

(C) Amy Herzog

Maskenball..

Auf dem Maskenball des Tages,
schläft im Herz die Dunkelheit,
reißt mich in die tiefsten Nächte,
zurück bleibt kalte Einsamkeit.

In der Kälte schlägt es weiter,
sucht das Herz sein kleines Glück,
doch der Einbruch jeden Tages,
wirft mich aus dem Traum zurück.

Bleibt mir in der Eiseskälte,
nur der Wunsch nach Sonnenlicht,
doch im Schutze meiner Maske,
fand ich dieses Glück noch nicht.

© Amy Herzog

Feuer…


in mir lodert ein feuer,

und mich begleitet die angst,

ganz so, als seis ein ungeheuer…

dabei bin ich es selbst die brennt,

sich in der liebe blind verrennt,

den ausweg nicht kennt,

nicht kennen will…

© Amy Herzog

(warme) Worte…


Rieseln

Deine Worte

Wie Sand im Wasser

Durch mein sein

Führst mich kurz an

Warmweichen

Orten vorbei

Berührst mein Herz

Meinen Verstand aber

Irgendwo verloren

Liegen lässt

Um dann im Schein

Zu verenden

Und doch an deinen

Wundervollen Worten

zu hängen


© Amy Herzog

Dein Gemälde…


Schließe meine Augen sanft

Und schwebe in Gedanken

Sie wandern durch die Tiefe Nacht

Bis sie in deinen Armen landen

 

Schreit dich laut die Sehnsucht an

Nur kannst du sie nicht hören

Dein Gemälde reicht kein Platz

Sie würden darauf stören

 

Dann tue ich, als wäre nichts

Doch schlägt mein Herz so schnell

Gedanken drehen sich um dich

Bleibt das Gefühl geheimnisvoll


© Amy Herzog

Herzgedanken… 


Steht man zu den Herzgedanken

Sollte man sie nicht bekriegen

Spricht man Worte immer aus

Wird im Leben man auch siegen

 

Schaltet man Gedanken aus

Grenzt sie ab auf die Distanz

Bleiben Worte ungesagt

Schwinden die Gefühle ganz

 

Sind sie einmal gänzlich fort

Bleibt die Seele ewig kalt

Schwindet Herzenswärme nun

Ist man jeden Tag nur alt



© Amy Herzog

Meine Träne…

 

Blicke aus dem Fenster
Und suche den Stern
Doch bist du gegangen
Mir viel zu weit fern

Verschweige die Sehnsucht
Die gedanklich mich treibt
Wär gern nah bei dir
Mein Licht, doch bist weit

Einst heller dein Licht
Mein Herz lebte hoch
Meine Seele war besser
Jetzt blutets nur noch

Ich hege nur Angst
Du könntest mich finden
Mich weiter zerreißen
Mein Herz liegen lassen

Du hast mich verändert
Wo einst nur war Kälte
Du lebst mir im Herzen
Und vergießt meine Träne

© Amy Herzog

Pure Emotionen 

pure Emotionen brachen aus mir heraus. Das Monster in mir schrie. Prügelte auf mich ein. Tränen flossen. Verzweiflung. Wut und Hass über meine Unfähigkeit. Einsamkeit. Kummer über die Liebe, die nur warten und stauen kann, bis jemand die Liebe möchte. Jemand, vor dem meine liebe sich nicht fürchten muss. Einfach alles. Alles brach heraus. Kein Wort könnte je ausreichen. Meine Seele sprach im Bild. Das war es, ein kleiner Teil von dem, was sie zu sagen hatte. 

  
Warten. 

Größe? Keine ahnung. Halbe Wand. Mehr folgt, wenn ich wieder Farben habe. Dann rede ich weiter. 

Warten. 

Ersticken…

In mir die Gedanken
und so weiter..

Reiche bitte eine Leiter!..

Hier im trüben Wasser
sehe ich nichts.

Da oben!
mitten im Erstickungstod
sehe ich das Ende des Lichts!

Sind dann die Gedanken fort?
Bin ich erstickt daran?
Bin ich dann tot?

Ach…

Reiche eine kleine Leiter,
helfe mir nur kurz doch weiter..

Die Gedanken, die ersticken,
einfach mal herauszulassen
und am Ende nicht ersticken.

© Amy Herzog

Unter kaltem Rauch…

Sie liegt vergraben
unter kaltem Rauch
der erstickenden Leere
geführt ins Endlose

Dort hört sie nichts
und kann nichts sehen
nur regungslos liegen
ohne zu fühlen

Weit hinter dem Rauch
dort schimmern die Lichter
nur lachen sie lauter
über ihr Ersticken

Sie windet sich nicht
und verzieht keine Miene
wartend liegt sie nur da
auf die Gefühlslawine

© Amy Herzog