„Sido – mein Testament“ (und was in meinem stünde)

Eigentlich ja nicht meine Richtung, aber Sido finde ich gut. Dieses Lied hat mich heute sehr nachdenklich gestimmt.

„Du weißt ja nie genau,
was das Schicksal für dich plant.
Vielleicht denkst du an nichts böses
und wirst überfahren.

Ich schreib mein Testament jetzt,
ihr könnt es live verkünden.
Doch bevor ich geh, bitte Gott
vergib mir meine Sünden.“

Diese beiden Textstellen mag ich besonders.

Was stünde in meinem Testament? Nun, ich bin nicht reich an Geld. Aber um das wenige darf sich gekloppt werden, wie das so üblich ist.

Das wichtige ist eigentlich, dass ich nicht genau definieren kann, was Liebe ist und es den Menschen deshalb auch nicht sage. Und manchmal vielleicht auch zu wenig zeige. Aber ich empfinde so vieles, unterschiedlich. Aber manches ist wichtig, groß, beständig.

Von meinem Herzen bekommt jeder, der Nachts heimlich weint, ein Stück. Jeder, der seine Gefühle wie ich, in sich verschließt. Jeder, der Mut braucht, sich selbst in die Welt zu schreien. Jeder, der ein bisschen Glück braucht. Jeder, der in Sehnsucht erstickt soll damit aufatmen. Jeder, der Liebe braucht, wenn er es nicht sagen kann oder meint, sie nicht verdient zu haben..

W. Mein Mann, der beste. Mein Lebenspartner. Ich darf ich sein. Ich darf ehrlich sein, ich darf abweisend sein, ich darf nah sein, ich darf nervig sein, ich darf alles sein, was ich will. Wir geben uns Freiheit, Harmonie, Leidenschaft, Lachen, Sicherheit. Ich bin kein einfacher Mensch, das weiß ich. Aber irgendwie bist du immun gegen meinen Irrsinn.

M. S. Meine Liebsten. Wir können uns alles sagen. Wir sind immer da. Beständig. Falls einer ne Niere braucht, oder irgendwas, nur kurz Bescheid geben.

D. Seelenverwandter. „Mein Liebster“ Auch wenn ich oft nicht da bin. Nicht bereit bin. Ich bin immer da und würde noch immer alles für dich tun. Das wird sich niemals ändern.

„Für dich“ benutze ich keinen Buchstaben. Es reicht, wenn ich schreibe, dass du mich schon so oft vor dem ertrinken gerettet hast. Dafür bin ich sehr dankbar.

Ach…und die Meisten meiner Verwandten: Blut ist eben nicht dicker als Wasser.

Wasser

Ich bin nicht das Wasser
das den Weg in den Fluss findet
wenn der Regen ihn belebt
und deinen Weg streift
immer wieder
schwebt

Ich bin das Wasser
das in der Erde versickert
wenn ich sie berühre
und ich fühle sie
die Erde
nah

© Amy Herzog

Duft

Kerzen
weiche Haut
erzählt Geschichten
schweigend
im Duft weißer Lilien
und Poren aus stöhnender
Lust die Kehle tropft
Seelenatmen
wie ruhig im Wind
der Wellengang
bewegt
auf deine Brust
sanft und
den zehrenden Klang
deiner Sehnsucht
im Kusse stillt
der Duft
aus
uns

© Amy Herzog

Kinderwunsch?!

„Ich stelle mir das schwer vor, jeden Morgen aufzustehen, ohne Ziel, nur arbeiten und wofür das alles ohne Kinder“. Joa. Spricht für sich selbst, diese Aussage. Hab noch eine, die für sich selbst sprechen kann. „Du wirst das bereuen, auch wenn du es jetzt noch nicht weißt, in zwanzig Jahren wirst du gegen die Einsamkeit kämpfen und es bereuen, keine Kinder und Enkelkinder zu haben.“ Was ich wirklich bereue, ist die Zeitverschwendung, die durch solche Diskussionen entsteht. (Man kann mit Menschen, die solche Aussagen vertreten, selten diskutieren) Diese Denkweise ist noch so weit verbreitet. Es kann einfach nicht sein, dass man als Frau keinen Kinderwunsch hat, selbst wenn in den Dreißigern die Uhr lauter tickt. Sorry, bei mir tickt da nichts. Schlagen sich Männer, die keinen Kinderwunsch haben, auch damit herum? Ich finde das so dreist. Es wird einfach von oben herab geurteilt, manche schauen einen so geschockt an, als würde man Kinder nicht mögen. Was in meinem Fall einfach nicht stimmt. Und dann wird man quasi gefragt, wie man es eigentlich schafft zu leben. Manchmal sage ich dann, dass ja vielleicht noch was passiert, so aus Versehen. Damit dieses Gequatsche (und die damit einhergehende Verwirrung) endet. Und dann drücken sie einem die Daumen.

Tattoo #1

Das erste Tattoo:
ein Gefühl
und eine Erinnerung
bestehend aus
Verlust
dem Unbeschreiblichen
gefangen in der
Machtlosigkeit dagegen
und die entblößte
regungslose
kalte Verzweiflung
während im Hinterkopf
„Something’s Gotten Hold of My Heart“
leise Freudentränen spielt

© Amy Herzog

*auch ein Rätsel für Serien-Freunde, die das Motiv erraten könnten, wenn sie die Serie, die Folge und die Szene kennen, auf die ich damit anspiele. Dieses Motiv soll es schon sehr lange sein, weil ich dieses Gefühl besser kenne, als jedes andere. Na, aßerdem wirke ich dann wie ein Fangirl. 😉

lache das Ende ein

Meine Haut
dünn
wie Papier
entzündet mit jedem Funken
Hoffnung
doch
nur ein Ölbrand
aus Lügen
egal
und etwas Charme
ich vergesse zu denken
aber zucke noch
gelassen mit den Schultern
dabei lache ich
mein Ende
ein
bevor es begonnen hat
– ich weiß.

© Amy Herzog

bunte Lose

Hungrige Tränen
schnitzen mich zu einem
fremden Menschen
Schleifen meine Haut glatt
steif und stumm
Fleischeslust
macht niemals satt
Stolpere blutend
über verlorene Freude
Dein Egal
eitert
aus wunden Augen
Reiche dir die bunten Lose
wie Liebe
du reißt sie ab
wie meinen Atem
Nur Nieten
verteilt deine Hand
wie Brotkrumen auf der
Machtlosigkeit
ich esse sie

© Amy Herzog

Flüchtig

„Wie geht es dir?“ Fragt er. Ich überlege kurz. „Irgendwie ist doch alles flüchtig.“ Er überlegt. „Wie lange kennen wir uns jetzt?“ Darauf erwartet er keine Antwort. „Wir sind nicht flüchtig!“ Sagt er weiter. Es sollte mich wohl beruhigen, dabei bin ich ruhig. „Aber wir hatten auch nie Zeit, stehen zu bleiben.“ Sage ich. Er atmet laut in den Hörer. Vielleicht findet er es traurig, vielleicht lag es an der Traurigkeit, die auf meiner Stimme liegt, vielleicht an der Kälte. „Du bist so weit weg von dir wie nie zuvor.“ „Ja.“ Ich habe gehofft, er merkt nicht, dass ich seine Frage nicht beantwortet habe, den Menschen fällt das gar nicht auf. Weil ihnen die Antwort egal ist. „Wie geht es dir? – habe ich dich gefragt.“ Dann mache ich dieses Spielchen eben mit. „Gut, und dir?“ „Warum lügst du?“ Was für eine dumme Frage. „Was willst du hören?“ Darauf erwarte ich keine Antwort. „Ich bin flüchtig, weil alles irgendwie flüchtig ist.“ Wieder Stille. „Ich ertrage diese Flüchtigkeit nicht mehr, ich nehme sie lediglich hin.“ Irgendwie wird es gerade angenehm schwer, dieses Gespräch und die Luft. „Und deshalb flüchtest du vor dir?“ „Nein, ich flüchte, weil nichts in mir flüchtig ist.“ Das passt nicht in diese flüchtige und im Grunde Gefühlstote kalte Welt. „Sollen wir darüber gemeinsam schweigen?“ „Ja.“

schmerz

schmerz ist still
geworden
in mir
viel zu groß
die rissigen Erinnerungen
auf der Haut
das Loch im Herzen
so tief wie der Marianengraben
ich stehe am Rand
und genieße den Wind
in meinem Haar
nur ratlos
bereit zu springen
oder warten
auf den
Fall

© Amy Herzog

Das alte Spiel

© Amy Herzog

in dir

Ich brauchte dich nie
mein Liebster
doch dein sein
wollte ich
berührtes Fleisch
wie meine graue Asche
verstreut in deinem Land
veränderte Farben
ergriffen
trägt der Wind
Leichtigkeit hin und her
Wildblumen, Strand
und Meer
in deinem Lächeln
verloren
in meiner Nacht
und meine Seele in dir

© Amy Herzog

zähmen

die sind doch alle so
verweichlicht
da: heiß noch viel zu kalt
huste ich ein bisschen Delirium
atme Sehnsucht
und fresse meine Liebe
wie viel wirklich
(hab den Überblick verloren)
aber schwer ins Bett
zu fesseln
wenn keine Hand ausrutscht
und ein wilderes Tier
mich zähmt

© Amy Herzog

verloren

sternensplitter rieseln
nachtmusik
aus unseren augen
federberührung
bei weit aufgerissenen blicken
hellwache sehnsucht
müdes schweigen
streift
über körper
die nicht wissen
wohin der weg sie führt
die fragen stehen auf dem nachttisch
und erhellen den moment
der gefehlt hat

immer zu verlockend
dieses gift
in verklebten ohren
die immer nur dem klang folgen
nie dem ganzen lied
und unzählige geschichten schreiben
bevor sie vergangen sind

irgendwie hier
halb da ganz davon
mittelleben
und am ende verloren
im sternenschnee

© Amy Herzog

Poesiealbum

schreibe in ein Poesiealbum
Sommerbilder
und wildgewachsene Wiesen
in denen wir leben-
sein und
was wir könnten
nur immer kurz vor Winter
wirst du mich nicht
finden
weil ich mich selbst
darin verliere

© Amy Herzog

eine Nacht

Liege dir wieder viel zu offen
für eine Nacht
verbindest alte Narben
wie Punkte
damit du mich lesen kannst
säst frische Wunden
mit dem selben Bleistift
und radierst den Tagesanbruch aus

Mit bloßer Hand
die rote Haut
und lässt ein Kribbeln in mir
wie Hämatome
die ich zählen kann
wenn du die nasskalte Sehnsucht
meinem Schmerz überlässt

© Amy Herzog

lila

Ich schwitze Zeit
aus Haut
tätowierten Leitstreifen
Gewitter schlägt blaue Flecken
tropft aus Lila Lidern
ein Loch
in meinen dichten Wald

Lungenäste
duften nach verbranntem Holz
staubiger Erde
und hohes Gras flüstert
nach lang ersehntem Regenfall
aus deinen Poren

Halte mich
an meiner linken Hand
und verteile
rechts
die Brotkrumen
aus den Resten meiner Kruste
damit der letzte
Farbton
mein Auge nicht verliert

© Amy Herzog

egal

Sterbe schnell ein
paar
tausend Tode
dann schmeckt das
egal
wieder nach einer Kugel
blauer Engel
für zwanzig Pfennig
im Hörnchen
nach Gummitwist
Murmeln
und dem Schweinchen in der Mitte

Und Hoffnung schimmert
wie eine Fata Morgana am Horizont
mit gefühllosen Sternen
in der Nacht

Treibe weiter aus
und ab
aus dieser Welt
ein klein wenig Kuss
Sex
und eine Lüge
auf der Rückseite von glücklichen
Urlaubsbildern

© Amy Herzog

Lawine

Es ist echt. Dieses weinen. Und dann muss er ein wenig über sich selbst grinsen. Nicht weil er weint, sondern wegen dem, was er denkt. Scheiße, verdammt, nein. Nein, nein, nein. Doch. Verdammt. Scheiße. Genau das ist passiert. Deshalb weint er. Kurz, aber ausreichend. Ausreichend für diese Erkenntnis. Na so das Übliche, wovor man wegläuft. Und nun weint er. Von einer Lawine überrollt, Eiskristalle aus seinen Augen, sein Herz schwitzt Flüsse in den Schnee und schreibt im Mondlicht ihren Namen. Verdammt, denkt er. Grinst und weint, grinst und weint. Und zittert wie sein flatterndes Herz. Verdammte Scheiße eben. Diese Erkenntnis.

*ein Drabble

ein wenig wort
gewicht und schreiben
weil unscheinbare worte
am tiefsten leiden
(- zu viel wort)

© Amy Herzog

Haut

gelächelt
und Haut gezeigt
vergessen
für einen kurzen Moment
das sie noch schreit
und wieder
weil ich stumm bin
diese Farbe
lacht
in Tränen

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: Pause bis November / Planung

Ich merke in letzter Zeit, dass es mich mehr und mehr auslaugt, darüber zu schreiben. Für den heutigen Beitrag habe ich einen halben Tag gebraucht, ich bin da sehr unkonzentriert. Parallel bearbeite ich weitere Themen, recherchiere ohne Punkt und Komma, tausche mich aus, befrage und höre nebenbei auch sehr viel in mich selbst hinein. Das wird anstrengend und das macht sich bemerkbar. Deshalb lege ich eine Pause bzgl. der Autismus Beiträge ein. Im November wird es weiter gehen.

Bis dahin werde ich die Beiträge durchsehen und diese übersichtlicher gestalten. Mir war zu Beginn nicht klar, dass es so viel werden würde und dass inzwischen auch einige Menschen über Google oder sonst wie auf meine Beiträge stoßen. Es fühlt sich gerade daher auch etwas gezwungen an. Und das möchte ich nicht. Dennoch finde ich das ganz toll und ich möchte weiterhin aufklären. Bzw. versuchen ein wenig zu erklären – aus meiner Sicht…ich bin ja nicht vom Fach. Und es handelt sich auch nicht um ein Spezialinteresse. Meine Erwartungen an mich selbst sind einfach immer so schrecklich hoch und dann werde ich mir selbst nicht gerecht.

Ich nenne weitere Themen, welche dann ab November hier zu finden sein werden.

  • Autistischer Burnout. Ein extrem breites Thema. Die Infos im Netz sind überwiegend Müll. Trotzdem eines der größten Themen und sehr wichtig. An dem Beitrag arbeite ich bereits seit mehreren Wochen und es nimmt kein Ende. 😉
  • Sexualidentität und Sexualität
  • Emotionale Nähe und Distanz
  • Ungesteuerte Stims
  • mögliche Psychische Erkrankungen (dazu wird es mehrere Beiträge geben)
  • Therapie
  • Suizidgedanken

An diesen Beiträgen arbeite ich bereits. Wenn euch weitere Bereiche interessieren, ungeklärte Fragen (da gibt’s keine dummen Fragen) bestehen, Unsicherheiten an euch selbst oder im Umgang mit Betroffenen oder schlichtes Interesse an irgendetwas besteht, schreibt mir dies gern über Insta (- über den öffentlichen „amygoesvegan_“, der andere Account ist privat und ich nehme dort derzeit keine Anfragen an) oder per Mail (per Mail dauert es länger mit einer Antwort)

Aufhören

Moos wächst
auf meinen Worten
und Schwalben nisten sich ein
die Hoffnung sitzt mit gelassen baumelnden
Beinen auf der morschen Planke
ich höre auf durch dich durchzuschauen
– diese ausdruckslosen Blicke
weil es da draußen
nur noch leichte Fingerspuren
glattgeriebene Gedanken
und Nebelschwaden
für mich gibt

© Amy Herzog

Dein Meer.

Fühlst du fließend Liebe
wie ein ganzes Meer
nur kannst du sie nicht sprechen
weinen Zweifel, Angst
und Kummer in Anadiplosen.

Bricht dein großes Herz
auf halber Strecke
wird es klein
und du sagst dir leise
„na, es wird schon reichen“
dieses Meer ist mein.

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: Routine und Struktur

Ein kurzer Beitrag zum Thema Routinen und Struktur – und wie das bei mir so ist.

Oft wird vermutet, dass Autist:innen eintönig sind, dass der Tagesablauf immer gleich ist, wegen der Routinen. Dem ist aber nicht so. Insbesondere dann nicht, wenn sich zum Autismus noch AD(H)S gesellt. Oder psychische Erkrankungen (Depressionen, PTBS, etc.) Vielen Autist:innen fällt es nicht schwer, Routinen zu entwickeln, meistens kommt das ganz von selbst. Sie sind da und dann wird das so gemacht. Und da sich das Leben bewegt, wandelt, bewegen sich auch die Routinen. Meist nicht so oft, weil Veränderungen nicht so leicht zu bewältigen sind, aber gelegentlich kommt das vor.

Routinen („Gewohnheiten“) bieten Sicherheit im Alltag und schützen vor einer Reizüberflutung. Wenn diese mal nicht eingehalten werden können, wird darauf unterschiedlich gestresst reagiert. Kommt da auch stark auf die Wichtigkeit der Routine an.

Sie haben jedoch im Grunde nicht viel mit der Struktur („Zusammensetzung aller Bestandteile“) im Alltag zu tun. Eine geordnete Struktur selbstständig zu entwickeln und auch ohne Unterstützung umzusetzen ist für die meisten Autist:innen oftmals unmöglich. Mir ist auf jeden Fall noch kein Autist begegnet, der das ohne fremde Hilfe reibungslos und langfristig geschafft hat. Trotzdem ist so etwas sehr wichtig – unter Einbindung der Routinen. Ein strukturierter Alltag kann zum Beispiel darin bestehen, immer zur Selben Zeit aufzustehen und zu Bett zu gehen. Und dazwischen eben die anfallenden Tätigkeiten – Beruf, Nahrungsaufnahme, Körperpflege, etc. zu festen Uhrzeiten. Manche können das mit Erinnerungstafeln, oder einer App.

Ich persönlich habe fast gar keine Struktur im Alltag, außer an den wenigen Tagen, an denen ich arbeite. Zwar stehe ich meist sehr früh auf und gehe spät zu Bett und mache oft die Selben Dinge, meinen Routinen und Interessen entsprechend, aber eine Struktur ist da nicht. Meist bin ich irgendwo auf nem anderen Stern. Das sorgt jedoch immer für einen gewissen Stresspegel. Ich bin jedoch ein Mensch, der sich kaum etwas sagen lässt, ein Freigeist, höflich ausgedrückt. Zu ehrlich, egoistisch und Arschloch mit viel Herz würde aber auch passen. Vielleicht weil ich sehr lange bevormundet und „unterdrückt“ wurde. Für die Dinge, die ich mag, hab ich quasi immer Pläne im Kopf, damit ich „spontan“ all die tollen Sachen tun könnte. Und wenn AD(H)S kickt, bin ich noch dazu sehr impulsiv. Für die Autistin in mir ist das alles sehr anstrengend, weshalb ich, wenn ich ein Smartphone wäre, immer nur so 10% geladen bin.

Eine vorgegebene Struktur würde mir also theoretisch helfen, wenn ich diese denn zulassen würde. Ich halte mich eben an meine kleinen Routinen und an sehr viel Zeit/Ruhe für mich.

Atlas

Ich trug dich
einstmals in meine Welt
– stark wie Atlas
damit ich dich nicht vergebens
in deinen dichten Wäldern
ewig suchen will
Liebster

© Amy Herzog

Ein paar Bilder vom Movie Park Tag :-)

Ich war heute im Movie Park. 🙂 Es war schön, wenn auch sehr anstrengend, weil laut, durcheinander und viele Menschen. Konnte aber ein paar Bilder machen. 🙂

Nicht erschrecken, das bin nur ich mit Doppelkinn, Augenringen und ohne Make-Up und selbstverständlich ohne Filter. Die Sexy Strümpfe muss ich auch zeigen, die habe ich zum Geburtstag bekommen. Laut Aussage haben sich einige Menschen die Strümpfe angeschaut, aber ich kann das nicht beurteilen, weil ich nicht darauf achte, wer gucken könnte. Meistens bin ich die, die starrt. 😀 Den kleinen auf meinem Arm hat mein Partner beim Enten-Angeln für mich gewonnen. 🙂

Vorbereitungen für Halloween. 🙂

Ich mag Spongebob und habe auch eine Tasse gekauft. 🙂

So, das war’s. Leckeres Essen gab es auch, leider nicht vegan. Heute war also ein recht vegetarischer Tag, aber draußen ist das eben manchmal schwer umzusetzen. Es gab Veggieburger und Pommes zum Mittag/Frühstück. Und dann noch ein Eis. 🙂 Liegt soo schwer im Magen, war aber trotzdem ganz okay.

Ein kleines Buch mit Stift habe ich auch noch gekauft, muss doch immer sein als Schreiberling. 🙂

Stummfilm

Das Programmheft
immer eine vergilbte Kopie
deines Stummfilms
ich spreche dich rückwärts mit
wenn du auf ‚Play‘ drückst
und durchschaue im Hintergrund
keinen tieferen Sinn
nur verteiltes Schwarzpulver
auf deiner Zungenspitze
und den Hagel der Granaten
der mich übertönt

© Amy Herzog

Ficken kann jeder.

Es ist nicht schwer, auf einer Bananenschale auszurutschen, mit der Kleidung versehentlich an einem aus der Wand hervorstehenden Nagel hängenzubleiben, sodass diese vom Leib fällt, zufällig ein passendes Gegenstück in Fallrichtung liegen zu haben, im selben Moment durch das schlagartig ausgestoßene Adrenalin eine wie auch immer geartete körperliche Erregung zu spüren und letztendlich in einer vor sich hinschwitzenden, verknoteten Verbindung stecken zu bleiben, während auf und ab Bewegungen nur deshalb zustande kommen, weil man ja immerhin schon etwas älter ist und nicht mehr nur ein Versuch genügt, um aufzustehen.

Klar, immer wieder nett. Ach, ich habe gar nicht vorgestellt: Nett ist die kleine Schwester von Scheiße. Was? Ihr kennt euch schon? Nun gut.

Ja, jetzt kommt irgendeiner daher, der eine, der immer kommt, der, der sagt: „Wenn du Sex so scheiße findest, dann hast du noch keinen guten gehabt.“ Na, das ist der Selbe, der sich dann beweisen will. Danke, aber nein danke. Ein bisschen Selbstachtung habe ich dann doch noch. Willst du was abhaben?

Nun aber weiter im Text. Ja. Die bisherigen Zeilen hätte ich mir sparen können. Der Titel genügt vollkommen. Aber mal ehrlich, die Vorstellung mit der Bananenschale ist doch irgendwie so real wie witzig. Ich frage mich, wie viele Menschen heute Nacht ausrutschen. Mit Absicht. Und ein paar, die hinterher dem Alkohol die Schuld geben. Soviel kann ich gar nicht saufen, damit solche Menschen schön für mich werden, deshalb versuche ich es gar nicht erst.

Was ich mich wirklich frage ist, wann waren wir, wann warst du, das letzte mal Emotional vollständig nackt? Dein Körper mag aussehen wie er eben aussieht. Da scheißt doch der Hund drauf. Viel interessanter ist, wie deine nackte Seele aussieht. Zwei vollständig geöffnete Seelen die ficken. Seltsame Vorstellung oder? An zwei Körper zu denken ist leicht. Ficken ist leicht. Ich kann in meinen Browser random Buchstaben eintippen und lande garantiert auf irgendeiner Pornoseite. Oder ich schaue in meinen Verlauf. Alles nackte Körper. Alles so unfassbar banal, ermüdend und an Irrelevanz nicht zu übertreffen. Zwei fickende Körper, wow. Von mir aus auch drei, vier, oder auf wie viele man auch steht. Ist total Latte. (Hihi, Latte..)

Btw: Schaut euch nen Porno aus den Achtzigern, Neunzigern an. Das ist noch Humor.

Aber nun weiter. Habt ihr euch inzwischen die zwei nackten Seelen vorgestellt? Diese vollkommen offenen nackten Emotionen, wie sie sich miteinander Verbinden, die Farben aller Universen, verschmelzen, sich hingeben, selbstlos schenken und ohne Zeit und Raum für immer eng umschlungen miteinander, ineinander tanzen? Habt ihr das mal gesehen? Schon mal erlebt? Mal ganz ehrlich, sind ja hier in unseren Gedanken unter uns.

Also ich nicht. Meine Seele war noch nie nackt. Die behält immer wenigstens den Schlübber an. Und ich fühle mich wie ne Jungfrau. Weil ich, ICH, noch nie nackt war. Ich kann es mir nicht einmal vorstellen. Aber das, was ich mir unter diesen zwei nackten ewig fickenden Seelen vorstelle, das ist schon, nun, alles übertreffend. Ich denke aber auch, dass es kaum mehr Menschen gibt, die sich vollständig entkleiden können. Und wenn das so ist, wie ich mir das vorstelle, dann ist das absolut nachvollziehbar. Man stelle sich vor, man ist also Seelenjungfrau, so nenne ich das mal und dann traut man sich mal einfach, sich auszuziehen, so viel Eier muss man erst mal haben, aber man traut sich das dann mal. Na und dann verbinden sich diese eine Seele und diese andere nackte Seele. Und dann? Tut das weh? Ist das schön? Und die wichtigste Frage: kann man das ohne Kassenzettel zurückgeben? Nein?

Wow. Schon erschreckend. Na, ficken ist leicht, aber sich selbst wirklich auszuziehen erscheint unmöglich. Zumindest für die Meisten. Ein Hoch also auf die Bananenschalen, gähn.

Ein Wunsch.

„Normal“ ist ein dehnbarer Begriff, schon klar. Soll nicht heißen, dass ich nicht normal bin, für meine Verhältnisse. Aber ich funktioniere eben anders. Das ist halt so. Aber das ist nicht der springende Punkt (ich, die nun an einen Punkt denkt, der auf und ab springt). Ich wäre gern in der Lage, die Sprache sprechen zu können, die von den meisten Menschen selbstverständlich gesprochen wird. Die wissen, wie man sich verhalten muss, wie man wann fühlen muss, was man sagen muss, sagen darf. Die wissen, was richtig ist, was falsch ist. Die wissen, was angebracht ist und was nicht. Wenn ich dann über Menschen nachdenke: „Ähm … [maximal verwirrendes Zeug einfügen] … ach egal.“ Und dann mache ich was interessanteres. Und doch, am Ende des Tages habe ich stets einen Teil der Fehler in und an mir gefunden, die ich eben so finden konnte. Ob das dann wirklich Fehler sind, weiß ich nicht. Muss ich mich entschuldigen, wenn ja, bei wem? Habe ich was falsches gesagt, getan, mich falsch gekleidet, bewegt, geatmet?

Diese Welt ist so unfassbar oberflächlich, alles muss perfekt sein, obwohl nichts perfekt ist. Es wird bewertet, ich werde bewertet, nur nach welchen Kriterien? Geht es ums Äußere? Da bin ich raus. Geht es ums Innere? Da bin ich auch raus. Am Ende nehme ich, ganz im Sinne meiner nicht vorhandenen Herzgesundheit, den ganzen Zirkus einfach hin. Eine andere Autistin gab mir mal den Ratschlag: „Betrachte Menschen wie Hunde.“ Das klingt erst mal fies, funktioniert in der Praxis aber manchmal recht gut. In diesem Wirrwarr aus ‚zu viel‘ und ‚zu wenig‘ (irgendein Oberpromathematiker kann das bestimmt definieren, ich gehöre nicht dazu) finde ich mich nicht zurecht. Ich lebe so vor mich hin und mache dabei mehr Fehler, als ich finden kann. Weil für andere irgendwas „normal“ ist, worüber ich nicht mal im Ansatz nachdenke. Und dann sagen die, ich wäre kompliziert. Scheiße, die sind kompliziert. Nichts für ungut. Ich weiß nicht, was normal ist, was richtig ist, aber wenn es eine Pille gäbe, die mich das für einen Moment wissen lässt, so wie die es intuitiv wissen, dann würde ich sie schlucken und nicht mal den Beipackzettel lesen.

Das wäre ein Wunsch.

anstandslos

durchaus hängt müde haut
von meinen knochen
und es brennt
im zufriedenheitsgegrinse
kommt mir doch zwischen fick
und schweigend in leisen tränen
kein glück mehr vor die linse
und kein fragen
mehr nach einer zeit
sie war nie da

die zukunft
liegt jahre zurück
schon lange
geht es nicht mehr
um den zyanotischen monolog
nicht mehr um die wahl
wie tiefgründig
ist mir noch zu seicht
und das wasser
das du zum kochen bringst
steht mir bis zum hals
bis der strick reißt
und ich anstandslos ertrinke

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: zum „weiblichen Autismus“ in sexistischer Gesellschaft

Die Diagnosekriterien sind nicht abhängig vom Geschlecht. Die zentralen Kriterien, auch „Symptomtrias“ genannt, die immer gegeben sein müssen sind: Stereotypes und repetitives Verhalten/Bewegungen, eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit/Sprache, eingeschränkte soziale Interaktion/zwischenmenschliche Beziehungen.

Und das ist durchaus korrekt so, ebenfalls wissenschaftlich belegt. Gut und schlecht. Warum? Und warum werden Frauen dann seltener und oft erst spät diagnostiziert? Nun, weil Fachärzte (jetzt hackt sie wieder auf den Fachärzten herum ;-)) oftmals noch im Zeitalter von Hans Asperger feststecken. Denn selbstverständlich können (nicht müssen) diese drei Kriterien, welche erfüllt sein müssen, ganz unterschiedlich in Erscheinung treten. Und Frauen sind da schlichtweg unsichtbarer. Und das liegt am Frauenbild, an dem, was von Frau eben so verlangt wird. Klar, das Bild von der braven Hausfrau hinterm Herd ist nicht mehr so häufig präsent, aber das muss es auch gar nicht.

Es genügt, dass Mädchen eher wohlerzogen wirken müssen, während Jungs eben auch mal Jungs sein dürfen. Wenn ein Mädchen ausflippt, dann ist es ne kleine Zicke. Wenn ein Junge ausflippt, ist er eben ein Junge, der mal Junge sein darf. In Erziehungsthemen bin ich nicht allzu bewandert, das was ich aber am Rande so mitbekomme ist, dass sich dieses gerade hier und da ändert.

Die erwachsenen Frauen haben das aber noch so gelernt. Man nimmt zum Beispiel in Fachkreisen an, dass sich Spezialinteressen auf Naturwissenschaften beziehen (müssen), bzw. auf andere (typische) Männerdomänen (klassisch auch Programmierer, IT-ler). Und so könnte es zum Beispiel sein, dass eine Autistin den ganzen Tag näht, sich schminkt und die perfekte Bügelstrategie entwickelt. Klingt scherzhaft, ist aber absolut möglich. Weibliche Autisten sind häufig im künstlerischen Bereich anzutreffen, so auch ich. Wobei ich persönlich auch nicht an der typischen Naturwissenschaft vorbeigekommen bin. In unserer sexistischen Gesellschaft ist es aber eben oft noch so, dass Männer dieses ausleben können, frei darauf hinarbeiten können, auch beruflich, während Frauen lieber was anderes machen sollen. Am besten etwas, was Raum für Kinder lässt. Schließlich sind Frauen unterm Strich dafür da.

Ja, das erlebe ich oft. Geschockte Menschen, die es nicht verstehen können, dass ich kein Interesse daran habe, einen Stall voll Kinder zu hüten. Man ist als Frau tatsächlich ein bisschen weniger Wert.

Mir sind schon einige autistische Mütter begegnet, die ihre Kinder selbstverständlich lieben und sich gut um sie kümmern, aber kaum mehr Zeit mehr für sich selbst haben (und vielleicht für Interessen, die nicht „typisch weiblich“ sind. Für eine Autistin kann das sehr zermürbend sein. Und genau das interessiert dann kaum jemanden, denn sie hat ja ihren Soll erfüllt. Natürlich gibt es auch Autist:innen mit Kinderwunsch, vielleicht sogar als (weiteres untypisches) Spezialinteresse, und selbst für mich wär’s inzwischen wohl ok. Aber eben nur ok.

Für männliche Diagnostiker, bzw. für Diagnostiker:innen, die sich am typischen (männlichen) Autismus orientieren, ist dieser weibliche Autismus eben aufgrund unserer sexistischen Gesellschaft oft nicht leicht zu erkennen. Weil es anders aussehen kann. Zum Beispiel statt „ausflippen/rumschreien“ (Jungs) „schweigen/Schüchternheit“ (Mädchen)

Trotzdem müssen die oben genannten Symptomtrias vorhanden sein. Wie auch immer sie in Erscheinung treten.

Nichts auf meinen Lippen

Nichts auf meinen Lippen
und in meinen Händen nur Staub
aus grauem Herz
und zwischen.Menschlichkeit
mein Puls flüstert müde
in knisternd streichelndem Herbstlaub
ein Blatt halte ich
und gieße dich darin auf
wie den Tee vor der Dunkelheit
damit ein bisschen Wärme
aus meinem Mund
und Glassplitter in meine Ferse
fällt und fließt und sticht
ich wünsche wieder
nichts auf meinen Lippen
und einmal nur ein kleines Herz
das nicht so klirrend bricht

© Amy Herzog

Lüge

was ist das schon..
– „innen“
ich atme mich aus!
und dann kann ich dich nicht anschauen
du dünnes, weißes blatt papier
weil du leer bist
und mich damit belügst

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: In der anderen Welt

Viele Autist:innen spielen gern Videospiele oder begeben sich in irgendeine andere beliebige Welt, in der sie erfolgreich sein können. Und das macht Sinn. Denn als Autistin mache ich, wann immer ich aus meiner Welt in die Welt begebe, die ihr wohl als „echte“ Welt bezeichnen würdet, die Erfahrung, nicht hineinzupassen. Dementsprechend bleiben Erfolge aus. Und auch ein autistisches Gehirn reagiert positiv auf Erfolgserlebnisse.

In Videospielen wäre das zum Beispiel das Aufsteigen in Levels, das schaffen von schwierigen Stellen im Spiel. Nun, ich spiele nicht mehr so oft Videospiele. Aber auch bei Brettspielen oder Kartenspielen bin ich eine wahnsinnig schlechte Verliererin. Als Kind, Jugendliche endete ein Spiel, wenn ich verloren habe, stets in einem Wutausbruch. Inzwischen kann ich gut so tun, als ob ich verlieren könnte. Ich bin aber noch immer eine schlechte Gewinnerin.

Die eigene Welt ist nahezu perfekt eingerichtet und an die eigenen Bedürfnisse angepasst. Soziale Kontakte sind zwar wichtig, aber ich persönlich kann darauf weitestgehend verzichten. Eben weil alles da draußen irgendwie in einem sozialen Kontakt endet. Na, selbst einkaufen beinhaltet ein oder zwei ausgetauschte Worte.

In der eigenen Welt, oder eben in Videospielen, gibt es klare Regeln, es funktioniert dort so und nicht anders. Manches Videospiel könnte ich mit verbundenen Augen ohne Probleme durchspielen. Es funktioniert immer gleich. In dieser echten Welt verstehe ich gar nichts und das kann ich allenfalls gut vertuschen. Die Menschen darin verhalten sich wahnsinnig willkürlich.

Und als Autist hat man dann die niemals endende Aufgabe, im Kopf für jede Eventualität einen Plan zu haben. Das ist unfassbar anstrengend. Und nach außen wirkt man dann wieder meistens ganz normal. Was ebenfalls anstrengend ist. Menschen bewegen sich kreuz und quer, fühlen heute dies und morgen was ganz anderes. Dann ist wieder jemand sauer auf mich, weil ich irgendwas getan oder nicht getan habe. Und dann redet man mit jemandem, der sagt: „schau mir in die Augen, wenn ich mit dir rede.“ Und am Ende steht man als dummer Mensch da. Dabei funktioniert man einfach nur anders.

In dieser neurotypischen Welt kann ich mich sehr schwer selbst einschätzen. Da gehe ich generell vom Schlimmsten aus. Das ist kein schönes Gefühl. Ich verstehe nicht, was richtig oder falsch ist in der Kommunikation allgemein. Menschen senden Signale, die ich nicht verstehe. Und dann wieder ganz andere. (btw: ein eigens programmierter Roboter wär n toller Freund.)

Ein großer Teil dieser anderen Welt ist bei mir das Schreiben. Aber da hat jede/r Autist/in andere Vorlieben.

Menschen neigen in der Regel nicht dazu, Dinge ausführlich zu erklären, Dinge einfach zu sagen und schon gar nicht dazu, systematisch zu funktionieren. Sie sind eben willkürlich und meistens nicht 100% ehrlich. Es ist leichter in diese andere Welt zu gehen, statt in dieser „echten“ Welt, in der scheinbar nichts funktioniert. Und ich sage zwar, dass ich Menschen hasse, aber so richtig stimmt das nicht. Ich verstehe sie nur einfach meistens nicht, obwohl ich das gern würde. Und genauso hätte ich es manchmal gern, dass mich jemand wirklich begreift.

(Trotzdem habe ich die Schwächen ausgekundschaftet, falls mein Heimatplanet ein Raumschiff entsendet, das mich abholt. ;-))

Soziale Interaktionen sind also selten von Erfolg gekrönt. Und deshalb ist die eigene Welt so viel schöner. Nun, ob das so gesund ist? Ja und nein. Es kommt drauf an. Denn manchmal muss man in die „echte“ Welt, man muss dort funktionieren. Bei den einen klappt das besser, bei den anderen schlechter. Als jemand, der extrem viel in der eigenen Welt ist kann ich aber sagen, es ist nicht immer schön, dort sein zu müssen. Manchmal ist es einfach nur leichter – erfolgreicher. Für mich ist meine Welt eine echte Welt, die Welt da draußen gleicht eher einem Haufen von Falschheiten, einem Kasperletheater. Was anderes ist mir jedenfalls noch nicht langfristig begegnet.

Aber ich sehne mich zumindest nach dieser echten Welt, die beständig funktioniert (im Bezug auf Menschen und alles was einen Menschen ausmacht) und eine Sprache spricht, die ich verstehe. Ich könnte mir aber auch ein fliegendes Spaghettimonster wünschen. Ist ja quasi das Selbe. 😉

unbeschreiblich

wenn ich den schmerz
im halbschlaf
den tiefen, wahren
verborgenen
so müsste ich dich
in einem wort beschreiben
mein liebster
doch das kann ich
nicht

also trage
ich dich in mir
jedes wort der welt
pflastert den blutigen weg
und bricht mein herz
doch fühle dich
bei jedem schweren schritt
so beschreibe ich dir
wortlos mein leid

© Amy Herzog

Fragen

Wer hat dir das erste Mal dein Herz gebrochen? Und warum war es das letzte Mal gebrochen? Hast du es verschwiegen? Warum? Hast du dich schon mal vollkommen angenommen gefühlt, vollständig sicher in einem anderen Menschen? Warst du schon mal glücklich und bist du es noch? Wie viele Wünsche hast du dir bereits erfüllt und waren sie dir wichtig? Welche Sehnsucht hast du dir das letzte Mal verboten und warum hast du sie nicht vergessen? Belügst du dich manchmal selbst? Warum? Wann hast du das letzte Mal geweint, ohne den genauen Grund zu kennen? Wovon handelte dein letzter Albtraum? Hast du einen Wunsch, den du dir bewusst nicht erfüllst, weil du Angst hast, du könntest alles was damit zusammenhängt, verlieren? An was denkst du morgens als erstes und an was, bevor du einschläfst? Bist du dort angekommen, wo du ankommen wolltest? Wann hast du das letzte Mal etwas vollkommen anderes getan? Und wann warst du das letzte Mal absolut ehrlich? Was ist deine größte Angst? Welches Gefühl hast du jetzt gerade, welches du keinem verraten kannst? Warum nicht? Wenn du eine (legale) Sache tun könntest, die nicht länger als fünf Minuten dauert und du könntest sie anschließend ungeschehen machen, welche Sache wäre das? Warum würdest du sie ungeschehen machen wollen? An was denkst du, wenn du nachts nicht schlafen kannst? Und bist du manchmal wütend, ohne es zu sagen? Wann das letzte Mal? Und warum?

schmerzfrei (drabble-dienstag)

Bin ja schmerzfrei. Hab ne Schwäche für Merkwürdiges und eigentlich überrascht mich da nichts mehr. Die normalen Leute machen mir Angst. Wenn es aber so (neudeutsch) cringe wird, dass ich kaum mehr etwas damit anzufangen weiß, dann setze ich die Kopfhörer auf und singe: „Weine nicht, wenn der Regen fällt, dam dam…“ und halte meinen Mittelfinger hoch in die Welt. Dann fühle ich, ganz oder gar nicht! Und die Vorstadthausfrauen mit ihren Christuskreuzketten halten sich empört ihre Hände vor den Mund.

Wenn dann absolut Unmögliches im Merkwürdigen liegt, dann bleibe ich, selbst wenn ich aus meiner Dachluke den Mond anheule.

*zweiter Beitrag zum Drabble-Dienstag mit Lyrix, in freundlicher Vertretung von Grinsekatz. 100 Wörter mit den drei vorgegebenen Worten: Kreuz, Kopfhörer, Dachluke.

trostlos

Irgendwie trostlos
wenn die Jahre flüchten
am Ende ein kleines kaltes Leben
auf dünner Oberfläche
und dann bist du immer nur
gerannt, gerannt, gerannt
hauptsache hin
und schnell wieder weg

Und dann sagt irgendwer „Mein Beileid“

© Amy Herzog

wenn du Perfektion suchst
Schönheit in jeder Zelle
bis in meine Seel‘
dann schaue mich nicht an
die Fehler zu zählen
dauerte in eine Ewigkeit
je tiefer du gräbst
und die Zeit wird nie
genug sein

© Amy Herzog

stillstand

Dann ist da plötzlich diese Sehnsucht, die du dir so lange nicht erlaubt hast, weil du der Angst geglaubt hast. Und du glaubst ihr noch. Zwar stellt sie sich dir in den Weg, aber sie hilft dir auch, Nachts besser zu schlafen, während dich die Sehnsucht mit weit geöffneten Augen an die Decke starren lässt, irgendwo ins Leere, aber doch in eine Richtung, die dir eine Wahrheit über dich erzählt. Die große Wahrheit, diese diffuse, die erst dann wirklich wahr wird, wenn du sie aussprichst, wenn du sie jemandem erzählst. Nur ist da deine Angst, an die du mit Leibeskräften glaubst, an der du dich festkrallst, damit sie mit dir davonrennt, immer nur weiter rennt. Leben ist Bewegung, sagst du dir, Stillstand keine Option. Dann ist da plötzlich diese Sehnsucht, die große Wahrheit in dir, die Schweigende und du bist müde. Und das erste mal willst du stehen bleiben, durchatmen. Weil stehen bleiben vielleicht doch nicht so schlimm ist, wie die Angst.

bedeutung

In Grenzen rechnen
schnürt ein
manchmal ist das Große
nur sehr klein
und dann liegt darin
eine ganze Welt

© Amy Herzog

Einfach mal Danke!

Na wer behauptet, gelesen/gehört/gesehen zu werden sei egal, der lügt. Natürlich möchte man das, wenn man, wie in meinem Fall, schreibt und veröffentlicht.

Ein wenig Zwiespalt ist aber schon dabei, denn einerseits bemühe ich mich stets darum, so unsichtbar wie möglich zu sein, andererseits freue ich mich über den Anblick diverser wachsender Statistiken. Inzwischen hat es sich so entwickelt, dass die Leser zu einem recht großen Anteil nicht mehr von WordPress kommen. Manchmal werden Beiträge irgendwo auf Social Media geteilt – klar, die Möglichkeit besteht. Dann aber dieser Zwiespalt und der damit verbundene Schock, wenn tatsächlich Menschen aus den verschiedensten Ecken auf meine Seite kommen und bleiben.

Unterm Strich freut es mich dann aber sehr, denn man möchte ja durchaus gelesen, gehört, vielleicht sogar verstanden werden. Und den ein oder anderen berühren, oder gar eine Hilfe sein. Ich freue mich sehr über die Rückmeldungen per Mail, bin aber auch da überfordert, weshalb die Antworten manchmal lange, manchmal besonders lange auf sich warten lassen. Das tut mir Leid! Trotzdem sehe ich das alles durchaus und fühle mich geehrt. Ich freue mich über jeden Menschen, der da ist und freue mich über jede Art Rückmeldung, genauso wie über die stille Leserschaft.

Insbesondere finde ich es sehr toll, dass die Beiträge zum Thema Autismus beinahe schon beliebter sind, als meine Lyrik. 😉 Diese persönliche Aufklärung bedeutet mir sehr viel und wenn sich da manchmal jemand verstanden fühlt, ist das unbezahlbar!

Ich freue mich im Schockzustand über den Wachstum und möchte gerade einfach mal jedem einzelnen Menschen herzlich für sein Dasein danken!

Zeitlos

Die Kreuze im Kalender reduzieren sich. Weder kennt sie den genauen Tag, noch das Jahr. Und die Uhrzeit? Nun, es ist Nacht, es ist immer Nacht. Diese verregnet kalte, in der sie einsam vor einem leeren Blatt sitzt, der Vollmond scheint durch’s Dachlukenfenster und sie spürt einen Windhauch von Inspiration. Irgendwo ersehnt irgendwer das Selbe. Dann begegnen sie sich in dieser dunklen Wohnung, aus Distanz wird Nähe. Sie setzt ihre Kopfhörer ab, schließt ihre Augen in die echte Welt und genießt die Liebe und warmen Atem in ihrem Nacken. Wenn sie ihre Augen wieder öffnet, blutet Tinte auf ihr Papier.

*Beitrag zum Drabble-Dienstag mit Lyrix, in freundlicher Vertretung von Grinsekatz. 100 Wörter mit den drei vorgegebenen Worten: Kreuz, Kopfhörer, Dachluke.

warmer Regen

Wenn ein Sturm heraufzieht
singe ich dem Regen
mein Herz
das wirklich wahre
und sende dir jede Träne
in leichten Wolken
so sei in tausend warmen Tropfen
mein Lied dann deinem
kalten Herzen nahe

© Amy Herzog

Fragen

Immer wieder fragst du mich, wie ich das mache, wie ich mich so parasitär in den Tiefen deiner Gedanken niederlassen, darin winden und räkeln kann. Und dann kniest du metaphorisch den ganzen Tag nieder, hin- und hergerissen, erschöpft, ängstlich, dann wieder voller Vertrauen, Stärke und Liebe. Siehst mich in deinen Träumen, fühlst meine Berührung in jedem Atemzug. Dann denkst du, zu viel, zu wenig, verwirrt und klar, versuchst dich auf deine Arbeit zu konzentrieren, bist aber gar nicht da. Nur dieses Zehren in dir, selbst wenn es nur ein flüchtiger Blick ist, den ich dir schenke. Immer wieder fragst du mich, mit welchem Zauber ich dich belegt habe, dieses wohlwollende Gift. Dann willst du, dass es verschwindet, ein Flehen in die Nacht, was immer es ist und zugleich willst du in mir verschwinden, mein sein und nie wieder danach fragen.

© Amy Herzog

nichts

ich denke an nichts aber
wenn ich die Geschichte erzähle
werde ich so weinen
als hätte sie mich berührt

© Amy Herzog

sprichwörtlich.

Dich schweigend umzudrehen und die Faust so fest zu ballen, dass dich der dadurch entstehende Schmerz in deiner Handinnenfläche vom inneren Schmerz ablenkt, bringt nicht viel, oder? Warum machst du es dann? Man könnte fast meinen, du seist ein kleiner Masochist. Ne, den körperlichen Schmerz meine ich gar nicht. Ich spreche von deinem inneren Schmerz. Schon merkwürdig, dass ich darüber spreche, du aber nicht. Wovor hast du Angst? Was könnte denn schlimmstenfalls passieren? Und denkst du auch daran, was bestenfalls passiert? Wir haben es doch alle schon gelebt, dieses Sprichwort: „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“

(ein Drabble)

© Amy Herzog

schwach.

Bist dann einfach wieder arschkalt
und die Leute sagen dir, wie stark du bist
dabei klammerst du dich ängstlich
an deine verschlissene Oberfläche
und verschweigst den unbequemen Rest.

Irgendwie schwach.

© Amy Herzog

wo bist du?

der neue anstrich steht dir gut
du glänzende fassade

und du fragst mich: „wo bist du?“

na, wie immer auf der suche
antworte ich dir
nach jemandem, der nicht gefunden werden will
füge ich hinzu

und dann lag nichts vor mir,
obwohl ich gerade erst angekommen war
nirgends dieses zuhause
nirgends warm

na, wie immer gehe ich weiter
ohne ein wort
ich gehe nirgends hin
und komme nirgends wieder an
zum abschied drücke ich fest
deine scherben stechen sich durch meine haut

und du, du kaufst einen neuen eimer farbe
und ich, ich frage mich weiter
wo du wirklich bist

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: Kurzfilm(e) zur autistischen Wahrnehmung

Ich richte diesen Beitrag vor allem an Menschen, die nicht autistisch sind. Ich halte es sehr einfach und kurz, ihr müsst nicht lesen, nur zuschauen. Es handelt sich um drei sehr kurze Kurzfilme. Ich küsse eure Herzen schon, wenn ihr nur ein Video anschaut. Wenn kurz hingeschaut wird. Wenn es nicht egal ist. Denn genau das ist oft das Gefühl. Egal zu sein.

Hier finde ich das Ende sehr einfühlsam. Die Wahrnehmung ist hier aber auch mit am besten dargestellt.
Hier kann man sehr gut sehen, weshalb so oft gesagt wird: „du siehst ja gar nicht autistisch aus“. Dabei ist es so unglaublich anstrengend, einen Tag, jeden Tag, irgendwie herumzukriegen. Autisten haben übrigens ein erhöhtes Risiko (6x so hoch) Suizidgedanken zu entwickeln.

Autisten sind nicht schlecht erzogen. Es ist einfach nur alles zu viel.

Ich brauche keine sozialen Kontakte. Ich bin viel glücklicher ohne. Bin glücklich in meiner Welt. Und genau das finde ich sehr traurig. Ich wäre gern sicher und zufrieden in der Welt da draußen.