Nachruf

Dinge werden uninteressant, stauben in den Ecken ein, geraten in Vergessenheit oder gehen sie kaputt, ohne dass wir es merken. Manchmal ersetzen wir die Dinge und manchmal sind diese Dinge unwiederbringlich, nicht zu ersetzen und wir müssen loslassen, müssen vergessen, wir dürfen, können uns nur noch daran erinnern. Und manchmal, den Einzelnen betrifft das vielleicht nicht allzu oft im Leben, trifft all das auf einen Menschen zu. Auf einen Menschen, der unwiederbringlich irgendwo ist, nur nicht mehr bei uns. Einen Menschen der, bevor man ihm alles gesagt hat, was man ihm so gern gesagt hätte, einfach so weg ist. Ob nun verbrannt, verrottend unter der Erde, umherschwebend, im Himmel oder wo auch immer wir die Verstorbenen sehen möchten, er ist dennoch nicht mehr erreichbar. Keine Stimme im Ohr, kein Anruf, kein vibrierendes Handy, kein Brief, keine Postkarte und auch keine einsame Taube, die eine Notiz durch Wind und Wetter fliegt.

Das Einzige was uns bleibt, sind die Erinnerungen, welche, insofern sie schön sind, gar nicht traurig sind. Wenn man nicht darüber nachdenkt, dass uns dieser Mensch nie wieder begegnen wird. Selbst wenn uns dieser Verlust einer tatsächlichen Anwesenheit nur selten betrifft, so ist der Tod, das Sterben, allgegenwärtig. Nicht aufzuhalten. Hinauszuzögern, ja manchmal. Aber der Tod ist unsterblich und letztendlich auch durch nichts und niemanden zu verhindern. Eine gewisse Machtlosigkeit liegt darin, vielleicht fühlen wir sie, vielleicht auch die Erleichterung. Der Trauer sind da keine Grenzen gesetzt. Aber der Erinnerung auch nicht. Und so ist da eben doch noch eine Stimme im Ohr, ein Lächeln, eine Berührung, eine Liebe, die niemals genommen werden kann, selbst wenn das Leben mitten im Satz endet.