Austismus bei frauen

Autismus Erfahrung: Kleine Auswahl von Gedanken und meiner Wahrnehmung.

  • Ich verstehe es nicht, wenn du mich sehen möchtest, denn ich schaue dich eh nicht an. Und wenn ich dich anschaue, dann nur, weil es die Gepflogenheit verlangt. Doch dann kann ich dir nicht adäquat zuhören und demzufolge auch nicht auf das antworten, was du gesagt hast.
  • In der Schule habe ich gelernt, dass Schweigen wie Unwissenheit bewertet wird. Nicht nur von Lehrern.
  • Ich verstehe es nicht, wenn du etwas sagst, aber etwas anderes meinst. Auch nicht, wenn du etwas sagst und es nicht so meinst. Dies ist meistens der Fall. Menschen sagen oft Dinge, ihre Handlung passt jedoch nicht zum Gesagten.
  • Wenn ich etwas sage, dann meine ich es so. Dem musst du nicht zustimmen, du musst dies auch nicht erwidern, wenn es nicht ehrlich gemeint ist. Denn dann halte ich dich für einen Lügner. Und das zerstört das Vertrauen. Das Infragestellen meiner Aussage ist unnötig.
  • Ich erkenne keine Flirt-Versuche/Annäherungs-Versuche, und dementsprechend erkenne ich es nicht, wenn ich diese zurückweise. Auch wenn du verletzt bist, ohne es verbal mitzuteilen, erkenne ich es oftmals nicht. Manchmal fühle ich mich dann unfair behandelt.
  • Mit Unfairness kann ich generell nur sehr schlecht bzw. nicht umgehen.
  • Ich bin nicht naiv. Ich verstehe bloß deine Sprache nicht.
  • Wenn du etwas sagst, die Aussage aber nicht zum Handeln passt, beschäftigt mich dies teils Wochenlang und ich versuche die Situation zu analysieren.
  • Ich bin am liebsten für mich allein, nicht immer aber gern ohne soziale Kontakte. Der direkte Kontakt ergibt für mich nur dann Sinn, wenn man gemeinsam etwas unternehmen möchte. Darüber hinaus empfinde ich jedwedes Gespräch in schriftlicher Form als angenehm und kann sehr lange und ausführliche Mails (oder Briefe) schreiben. Leider sucht dies kaum noch jemand.
  • Ich entschuldige mich sehr oft, weil ich entsprechend oft das Gefühl habe, etwas falsch gemacht zu haben.
  • Mit einer Geräuschkulisse kann erschöpfe ich sehr schnell, je nach Geräusch macht es mich aggressiv/sehr angespannt. Misophonie.
  • Ich erkenne sehr schlecht bekannte Gesichter, insbesondere in Menschenmassen.
  • Ich wünsche mir in deutschen Supermärkten eine „Stille Stunde“, welche es nach meinem derzeitigen Kenntnisstand bereits in zwei Supermärkten in NRW gibt. Ich freue mich über diesen kleinen Fortschritt.
  • Ich habe viele kleine Routinen, denen ich nachgehen kann, wenn ich allein bin. Wenn ich nicht allein bin, bin ich zumeist angespannter.
  • Ich mag die Bezeichnungen „Spezialinteresse oder Sonderinteresse“ nicht. Weil Menschen oft denken, dass dies eine Besonderheit ist. Tatsächlich ist es oftmals nur ein intensives Interesse, dem man gehäuft nachgeht. Dies muss nichts herausragendes sein. Meine zwei Lieblings-Interessen (eines davon ist das Schreiben, trotz Legasthenie) erfüllen keinen sinnvollen Zweck für die Gesellschaft. (Die anderen „sinnvollen“ auch nicht, es macht mir einfach Spaß)
  • Ich mag auch die Bezeichnungen Niedrig – und Hoch funktional nicht.
  • Autism Speaks ist eine Organisation, die Ableismus fördert. Und die ABA-Therapie ist barbarisch. (meine Persönliche Meinung) Leider wird diese Therapie auch in Deutschland unwissenden und hilfesuchenden Eltern als Hilfe angedreht.
  • Ich habe Probleme damit, regelmäßig zu trinken. Meistens merke ich es daran, dass mir sehr schwindelig wird, neulich auch an anhaltender Tachykardie. Im letzten Jahr bin ich ohnmächtig zusammengebrochen.
  • Mit zu Pflegenden Menschen kann ich sehr gut umgehen, ich vermute, weil dies eines meiner Interessen ist. Ich habe dafür ein besonderes Gespür und kann ich akuten Situationen sehr ruhig bleiben.
  • Ich verstehe den Sinn von „Schönheit“ nicht. Ich finde wenn, dann das Innere eines Menschen schön. Wie die Person aussieht, beachte ich nicht bewertend. Ich finde aber an jeder Person etwas schönes. (Äußerlich) Meistens mag ich längere Haare.
  • Bei Tieren kann ich die Mimik sehr gut lesen. (Intuitiv)
  • Ich bin nicht besonders Schmerzempfindlich, weshalb ich nur selten zum Arzt gehe, aufgrund von körperlichen Beschwerden. Meist war der Grund psychische Überlastung.
  • Ich bin jedoch sehr Berührungsempfindlich und mag es nicht, wenn mich Menschen ungefragt anfassen.
  • Manchmal schäme ich mich Autistin zu sein. Ich begebe mich nur selten in soziale Situationen, zum Beispiel beim Einkauf. Oft kann ich nicht die gesamte Liste abarbeiten. Allein einkaufen kann ich noch schlechter. Da kam es sehr oft vor, dass ich (zum Beispiel) nur zwei oder drei von zehn Nahrungsmitteln gekauft habe. Das Grelle Licht, die große Auswahl und die anderen Menschen, außerdem auch die vielen Geräusche überfordern mich und ich bin sehr schnell Reizüberflutet. Dann verdrehe ich mein Handgelenk so, dass es weh tut. (Ein angewöhnter automatischer Stim) Dies habe ich schon oft von anderen Autist:innen gelesen. Ich vermute, weil dies unauffälliger ist, als im Geschäft zusammenzubrechen.
  • Ich weiß gern den Grund oder die Ursache von etwas, damit es mir Logisch erscheint. Wenn ich etwas nicht verstehe, dann habe ich ein Problem. Als Kind war man in diesem Fall ein schlecht erzogenes Kind. (Beurteilung des Verhaltens anderer Menschen)
  • Ich lächle sehr oft, inzwischen stört mich das, weil es unnötig anstrengt. Dies habe ich mir angewöhnt, weil mir Menschen seit ich mich erinnern kann gesagt haben, dass ich böse schaue und lächeln solle.
  • Im Hyperfokus nehme ich meine Umwelt kaum wahr. (Stichwort: Trinken vergessen)

Autismus: Das Grundschulzeugnis und die uninteressanten Bücher

Lang, lang ist’s her und dennoch ergab sich vorhin die Gelegenheit mit meiner Mutter über meine Grundschulzeit zu sprechen. Und da fanden wir so einiges auf dem Zeugnis der dritten Klasse. Naja, das übliche, ich rede nicht und kann nicht mit Menschen. (Auf dieserlei Dinge gehe ich in einem anderen Beitrag genauer ein)

Aber das war gar nicht so interessant. Viel mehr die Tatsache, dass ich angeblich nicht gut mit meinen Schulmaterialien umgegangen sei. Daran konnte ich mich so gar nicht erinnern, weil ich mit den mir ausgeliehenen Dingen üblicherweise gut umgehe. Aber meine Mutter erinnerte sich sehr gut.

Die Bücher habe ich immer sehr schnell durchgearbeitet und somit wurden diese Bücher für mich langweilig. Das war aber kein Grund für mich, diese einfach beiseite zu legen. Ich begann zu basteln. Sie also wieder interessant zu gestalten. Das ist wohl so schlecht angekommen, dass es sogar im Zeugnis vermerkt wurde. Ich habe meiner Mutter darauf entgegnet, dass es wohl kaum meine Schuld war, dass der Unterricht und die damit verbundenen Materialien zu langweilig gestaltet wurden. Das ganze kann ich natürlich nur mit einem schmunzeln sagen.

Aber sie sagte mir auch, dass ich heute immer noch so bin. Zum Verständnis: wir Telefonieren immer per Video, daher sieht sie, was ich so mache. Und sie sagte mir, dass ich immer irgendetwas in der Hand habe und irgendwas gestalte. Oftmals nicht kreativ, sondern einfach nur mit den Dingen, die ich so um mich herum finde. Es hilft mir, mich besser konzentrieren zu können. Und beeinflussen kann ich das kaum. Es passiert einfach. Einen größeren Sinn gibt es da nicht.

Außer jemand erkennt den sinn darin zum Beispiel Verpackungsmüll klein zu schneiden, alles mögliche zu bemalen, Zettelchen zu falten, eine Tube Flüssigkleber zu entleren, nur um zu schauen, wie schnell das dann trocknet. Es werden Dinge gestapelt und alles hat irgendwie seinen Platz. Andere würden sagen, ein Schreibtisch mit Müllhaufen. Für mich hat da alles seinen Platz und einen Sinn.

Daraus ergeben sich stets ‚was wäre wenn‘ Fragen. Aber diese nun noch zu stellen wäre in meinem Fall nun wirklich Sinnlos. Aber für die Kinder von heute können wir sie stellen.