Autismus: Das Grundschulzeugnis und die uninteressanten Bücher

Lang, lang ist’s her und dennoch ergab sich vorhin die Gelegenheit mit meiner Mutter über meine Grundschulzeit zu sprechen. Und da fanden wir so einiges auf dem Zeugnis der dritten Klasse. Naja, das übliche, ich rede nicht und kann nicht mit Menschen. (Auf dieserlei Dinge gehe ich in einem anderen Beitrag genauer ein)

Aber das war gar nicht so interessant. Viel mehr die Tatsache, dass ich angeblich nicht gut mit meinen Schulmaterialien umgegangen sei. Daran konnte ich mich so gar nicht erinnern, weil ich mit den mir ausgeliehenen Dingen üblicherweise gut umgehe. Aber meine Mutter erinnerte sich sehr gut.

Die Bücher habe ich immer sehr schnell durchgearbeitet und somit wurden diese Bücher für mich langweilig. Das war aber kein Grund für mich, diese einfach beiseite zu legen. Ich begann zu basteln. Sie also wieder interessant zu gestalten. Das ist wohl so schlecht angekommen, dass es sogar im Zeugnis vermerkt wurde. Ich habe meiner Mutter darauf entgegnet, dass es wohl kaum meine Schuld war, dass der Unterricht und die damit verbundenen Materialien zu langweilig gestaltet wurden. Das ganze kann ich natürlich nur mit einem schmunzeln sagen.

Aber sie sagte mir auch, dass ich heute immer noch so bin. Zum Verständnis: wir Telefonieren immer per Video, daher sieht sie, was ich so mache. Und sie sagte mir, dass ich immer irgendetwas in der Hand habe und irgendwas gestalte. Oftmals nicht kreativ, sondern einfach nur mit den Dingen, die ich so um mich herum finde. Es hilft mir, mich besser konzentrieren zu können. Und beeinflussen kann ich das kaum. Es passiert einfach. Einen größeren Sinn gibt es da nicht.

Außer jemand erkennt den sinn darin zum Beispiel Verpackungsmüll klein zu schneiden, alles mögliche zu bemalen, Zettelchen zu falten, eine Tube Flüssigkleber zu entleren, nur um zu schauen, wie schnell das dann trocknet. Es werden Dinge gestapelt und alles hat irgendwie seinen Platz. Andere würden sagen, ein Schreibtisch mit Müllhaufen. Für mich hat da alles seinen Platz und einen Sinn.

Daraus ergeben sich stets ‚was wäre wenn‘ Fragen. Aber diese nun noch zu stellen wäre in meinem Fall nun wirklich Sinnlos. Aber für die Kinder von heute können wir sie stellen.

5 Kommentare

  1. Das kenne ich auch von meinem Sohn und mir. Bei mir führt es leider dazu, dass ich an meiner Nagelhaut piddle und kaue, mein Sohn muss ständig irgendwas in der Hand haben, an dem er herumspielen kann. Vor allem in Gesprächen. Kommt in der Schule meist auch nicht gut an.

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    1. Das kenne ich leider auch. Manchmal klebe ich ein Pflaster über besonders betroffene Stellen. Das verhindert zwar das Piddeln nicht, aber dafür piddle ich dann nur am Pflaster herum.

      Ist Dein Sohn diagnostiziert? Je nach Schule lassen sich dadurch leichter Sonderregelungen vereinbaren, zum Beispiel das verlassen des Klassenzimmers bei Reizüberflutung oder ein Pausenraum, falls es ihm draußen zu viel wird. Und weitere Nachteilausgleiche. Auf jeden Fall würde ich an Deiner Stelle das Gespräch mit dem/der Klassenlehrer:in suchen, um dieses Verhalten zu erklären. Sicherlich kann er sich durch diese Handlungen besser konzentrieren bzw. dem Gespräch bestmöglich folgen. Und/oder es wird ihm ab und zu zu viel, weshalb er dann Stimming betreibt. Unterm Strich führt dies aber dazu, dass er dem Gespräch besser folgen kann. Und sollte dem nicht so sein, kann man das Gesprochene zu einem späteren Zeitpunkt wiederholen.

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      1. Ja, er hat die Diagnose. Am Montag beginnt er ein 3 wöchiges diagnostisches Praktikum in einer Förderschule. Ich hoffe, dass es ihm dort besser geht und die solche „Ticks“ dann auch besser akzeptieren als die Regelschule.

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  2. Ich hatten einen Mitschüler in der vierten Klasse etwa, der hat sich immer einen Klecks UHU ins Möppchen getreufelt und gewartet bis dieser fest ist, um den dann wieder abzukratzen und da waren seine Finger immer eine Zeit lang beschäftigt.

    Aber ist doch okay, andere putzen stundenlang ihr Auto oder ihre Wohnung, nicht weil da Dreck wäre, sondern einfach, um nicht über sich selbst nachdenken zu müssen.

    Ich drück dir die Daumen für deinen Neuanfang und drück dich .. Wir kennen uns ja schon ne ganze Weile und du bist mir ans Herz gewachsen, was jetzt keine dumme Anmache sein soll ❤

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