Schreibe ein Gedicht..
Wie denn,
wenn es dafür kein Wort gibt?
Wie soll ich aufschreiben,
was soll mich in diese Richtung treiben,
was in mir wütet, wenn es dafür
einfach keine Bezeichnung gibt?
Kratze mit letzten Kräften
Fragmente auf längst verbrauchte Zettel
und versuche sie zusammenzusetzen,
versuche ein Bildnis zu schaffen,
dieses Innere zu visualisieren,
es ans Licht zu bringen.
Es geht nicht.
Es lässt kein Licht
in meine Seele.
Es will, es liebt, es ehrt,
wie ich mich am Boden wälze
und quäle.
Und währenddessen
wütet es heiter immer weiter.
Greift mit scharfen Klauen
brachial durch meine Seele,
reißt sie in tausende Fetzen,
lässt mich links liegen,
nicht mal mehr im Dunkel,
einfach nur im Nichts.
Lässt mich Schwäche kotzen,
lässt mich Sehnsucht hungern,
nimmt mir die Identität,
das Leben lässt es mich nicht verdienen
nur in Luftschloss Phantasien
gibt es mir die unverdiente Realität.
Hier im Nichts.
Nur Leid soll mich noch treiben,
damit lässt mich dieses Monster zurück,
damit lässt es mich leben.
Dafür gibt es kein Gedicht,
dieses Monster, es hat kein Gesicht,
es frisst nur, frisst mich,
und ich, ich kann nur warten und hoffen,
dass es mich am Ende
doch nicht mehr im Stich lässt.

Liebe Amy,
ich mag diese genaue Beschreibung, nicht um mich an Deinem Schmerz zu ergötzen oder zu erhöhen. Es ist diese Affäre mit einer bestimmten Dimension des Lebens, eine Kraft, die wir nicht eingeladen haben, mit uns zu sein, aber die doch existent und destruktiv ist, ohne dass wir es uns gewünscht haben, zerstörerisch zu sein, die etwas Faszinierendes hat, weil wir eigene dunkle Aspekte damit verbinden, Aspekte heimlicher-sexueller Natur, ohne zu wissen (oder zu ahnen), wie diese Fortbildung in uns gekommen ist.
Hat sich etwas über Generationen hinweg mit uns verbunden, dass nur wir alleine entschlüsseln können? Indem wir es in uns studieren – es nicht mögend annehmen müssen, es akzeptierend realisieren -, bekommen wir allmählich ein Bild der Gesamtsituation, ob wir Marionette einer fremden Entität sind oder was wir tun können, eine eigene Identität zu gebären.
Ergeben wir uns scheinbar, um zum Gelingen unseres Seins beizutragen?
Ich erinnere mich an eine finstere Nacht, die verdammt viel Spaß gemacht hat (irgendwie), an den Schmerz der Wunden auf dem Rücken (ich habe mich durch die Schmerzen in meiner Kraft bewundert gefühlt, damals), an den Alkohol und meine Triebe, an die Sinnlosigkeit und Zerstörung der alltäglichen Strukturen. Selbstverurteilung folgte den Folgen der Ohnmacht und der Niederlage, bis ich mich neu erfinden konnte, ohne die Essenz der Sexualität zu leugnen, im Gegenteil.
Du bist nicht tot, wenn ich es richtig sehe. Der Vulkan braucht seine Zeit, dass Du es liebst, mit Dir tanzen zu können.
Herzliche Grüße
Burcado
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Bewunderungsgefühl durch Schmerz. Habe ich noch nicht gehört. 🙂 Was es nicht alles gibt. 🙂
Ich bin vieles, aber tot sicher nicht. (Falls doch wäre das eine Sensation, weil ich schreibe.) Ich finde das beste was man machen kann, ist den Schmerz (das wort mag ich nicht, es erscheint so unbedeutend) zum besten Freund zu nehmen, ihn nicht nur zu akzeptieren. Mit einem Freund lässt sich reden, verhandeln. Kompromisse lassen sich finden. Ein inneres Zusammenleben kann bestehen. Selbst wenn der Schmerz mir die Brust zuschnürt, er würde mich nie klein kriegen. Denn wir sind immerhin Freunde.
Etwas Sexuelles konnte ich in diesem Schmerz, dem Seelenschmerz auch noch nicht sehen. Die daraus entstehende Melancholie hat sicherlich etwas romantisches an sich, aber weiter würde ich nicht gehen (wollen)
Aber, weil ich mit ihm Freundschaft geschlossen habe, lässt er mir genug Freiräume, selbst für die schönen Seiten des Lebens. 🙂
Liebe Grüße!
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Sehr schön und gut beschrieben.
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Danke sehr! 🙂
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