Seele

eins

Du 
nackt in mir
& Seeleneins
geworden
wir

© Amy Herzog

Regen

Regen.
      .
       .
        
        Jede Nacht - 
        dieser verätzende Regen 
        auf meiner Haut
        & vor sich hinneigendes kleines
Herz 
        

Und Träume. . . 
          Träume 
        vom roten Luftballon,
        der sich hinter den dichten Wolken       verliert 
        & dann sich selbst/
        verstummt - 
        & von einem einsam 
verlassenen Greis 
        zwischen Trümmern & Zeit 
        in einem Schwarzweißfilm gezeichnet & 
        - bevor ich mit 
stolperndem Herzschlag erwache - von dir.
     Von dir. 
            Von d
                 i
                  r
                   .
                    .
                     .
        
        Und vom Regen -
        ätzend 
        Scherben im Asphalt
& rote Augen, Wangenknochen 
               nass & Nebel 
   
        Regen. 
        Regen. . . . . . . . . . . . . . . 


© Amy Herzog

.

Eng umschlungen
und wie wir
ineinander Flüsse finden
fließen, atmen, stöhnen, schreien
wo münden wir
ins Meer?
und wo fängst du mich ein
so nackter Körper, sag
wann schwitzen wir uns aus
atmen uns‘re eigene Welt
und Seelennähe tief?

© Amy Herzog

Tief!

Videolesung

Freitagmorgen 6h: (Gedankenblase) „Hey, es ist noch dunkel, ich mach ne Kerze und die Kamera an und lese etwas, das macht Spaß!“

Nun, zwei Stunden später, inzwischen ist es hell geworden, lese ich nach unzähligen Aufnahmen noch immer. Und bin natürlich, wie soll’s auch anders sein, immer noch hochgradig unzufrieden! Und warum sieht mein Gesicht eigentlich so Gargamel (Gurgelhals) aus? Und von der inzwischen geflohenen Mimik und der Betonung mag ich gar nicht erst anfangen. Aber ich kann nicht mehr und das wird jetzt hochgeladen, ob ich will oder nicht.

Hach, aber wäre man nicht selbstkritisch, würde man sich nicht mehr bewegen, verbessern, gell?

Es.hat.Spaß.gemacht. 😀

Vielen Dank für Euer Dasein, lesen und in diesem Fall zuhören! Herzenswärme geht raus! ♥️

Zwei cl

blättere
durch deine Knochen
– suche
unverhüllte Zeilen
Fleisch
und zwei cl zu viel

offen!

als wären wir
für eine nie endende Sekunde
tiefgründig

© Amy Herzog

Zeitumstellung

© Amy Herzog

Bereit.

Zugfahrtmelancholie

Morgengrauentau tropft Tränen
starre zu wenig aus dem
Fenster
und schreibe
Gefühle auf Durchreise
in Arme fallen
und zurückgelassen bleiben
Zugfahrtmelancholie
zerrt mich in ein Buch weil
ich nicht wissen will
wohin ich
denke
aber ich bringe
warme Brötchen mit

© Amy Herzog

konturen

wie lange hast du schon keine
glatten Konturen
mehr gesehen? Nur schemenhafte
Geister, kommen und gehen
und brechen stets
ein Stück aus dir heraus

© Amy Herzog

Lust auf:

Lust auf verbotene Gespräche unterm Vollmond. Auf Sand im Bett und Wasser zwischen der Haut. Auf Liebe ohne ersichtlichen Grund und fremde Geräusche, die nach Zuhause klingen. Darauf, die Unvollkommenheit festzuhalten und zu viel Menschlichkeit zu schmecken. Und auf das Gegenteil in jeder Sekunde. Auf Dinge, die niemand erwartet hat und auf Konsequenzen, über die man einfach lacht. Tiefsinn und Ewigkeit in jedem Atemzug und Sex, als würde er die ganze Welt retten. Lust auf Sein und nicht Sein, auf neue Definitionen, die niemand ausspricht. Verlieren und wiederfinden. Auf dumme Ideen, Enthusiasmus, Leichtsinn, und auf Gefühle, die in den Geschichtsbüchern stehen werden.

© Amy Herzog

Wasser

in dir
bin ich pulsierendes Wasser
irgendwo
flussauf- und abwärts
beständig
nah

© Amy Herzog

trink

Komm,
und trink dich taumelnd
in mein Weltmeer
so komm,
und trink aus Lenden,
Lust und uns
mein ganzes Herz
leer

© Amy Herzog

seekrank

diese vehemente erschütterung
in meinem körper
hinterlässt narben im asphalt

immer willst du rein
und wüten
hassen oder lieben
und weißt nicht wie das geht

diese zerstreutheit
in mir
hinterlässt mich seekrank

© Amy Herzog

ad absurdum

wie frisch gemähtes Gras
Sommerregen
und Vollmondwinterblau
liegt dir meine Seele
kristallklar
offen
Tiefe tauchen
atmen und hoffen
weil ich viel zu nackt
meine Sinne
ad absurdum führe
so wie ich deine schwere
raue Haut berühre

© Amy Herzog

Das alte Spiel

© Amy Herzog

in dir

Ich brauchte dich nie
mein Liebster
doch dein sein
wollte ich
berührtes Fleisch
wie meine graue Asche
verstreut in deinem Land
veränderte Farben
ergriffen
trägt der Wind
Leichtigkeit hin und her
Wildblumen, Strand
und Meer
in deinem Lächeln
verloren
in meiner Nacht
und meine Seele in dir

© Amy Herzog

Ficken kann jeder.

Es ist nicht schwer, auf einer Bananenschale auszurutschen, mit der Kleidung versehentlich an einem aus der Wand hervorstehenden Nagel hängenzubleiben, sodass diese vom Leib fällt, zufällig ein passendes Gegenstück in Fallrichtung liegen zu haben, im selben Moment durch das schlagartig ausgestoßene Adrenalin eine wie auch immer geartete körperliche Erregung zu spüren und letztendlich in einer vor sich hinschwitzenden, verknoteten Verbindung stecken zu bleiben, während auf und ab Bewegungen nur deshalb zustande kommen, weil man ja immerhin schon etwas älter ist und nicht mehr nur ein Versuch genügt, um aufzustehen.

Klar, immer wieder nett. Ach, ich habe gar nicht vorgestellt: Nett ist die kleine Schwester von Scheiße. Was? Ihr kennt euch schon? Nun gut.

Ja, jetzt kommt irgendeiner daher, der eine, der immer kommt, der, der sagt: „Wenn du Sex so scheiße findest, dann hast du noch keinen guten gehabt.“ Na, das ist der Selbe, der sich dann beweisen will. Danke, aber nein danke. Ein bisschen Selbstachtung habe ich dann doch noch. Willst du was abhaben?

Nun aber weiter im Text. Ja. Die bisherigen Zeilen hätte ich mir sparen können. Der Titel genügt vollkommen. Aber mal ehrlich, die Vorstellung mit der Bananenschale ist doch irgendwie so real wie witzig. Ich frage mich, wie viele Menschen heute Nacht ausrutschen. Mit Absicht. Und ein paar, die hinterher dem Alkohol die Schuld geben. Soviel kann ich gar nicht saufen, damit solche Menschen schön für mich werden, deshalb versuche ich es gar nicht erst.

Was ich mich wirklich frage ist, wann waren wir, wann warst du, das letzte mal Emotional vollständig nackt? Dein Körper mag aussehen wie er eben aussieht. Da scheißt doch der Hund drauf. Viel interessanter ist, wie deine nackte Seele aussieht. Zwei vollständig geöffnete Seelen die ficken. Seltsame Vorstellung oder? An zwei Körper zu denken ist leicht. Ficken ist leicht. Ich kann in meinen Browser random Buchstaben eintippen und lande garantiert auf irgendeiner Pornoseite. Oder ich schaue in meinen Verlauf. Alles nackte Körper. Alles so unfassbar banal, ermüdend und an Irrelevanz nicht zu übertreffen. Zwei fickende Körper, wow. Von mir aus auch drei, vier, oder auf wie viele man auch steht. Ist total Latte. (Hihi, Latte..)

Btw: Schaut euch nen Porno aus den Achtzigern, Neunzigern an. Das ist noch Humor.

Aber nun weiter. Habt ihr euch inzwischen die zwei nackten Seelen vorgestellt? Diese vollkommen offenen nackten Emotionen, wie sie sich miteinander Verbinden, die Farben aller Universen, verschmelzen, sich hingeben, selbstlos schenken und ohne Zeit und Raum für immer eng umschlungen miteinander, ineinander tanzen? Habt ihr das mal gesehen? Schon mal erlebt? Mal ganz ehrlich, sind ja hier in unseren Gedanken unter uns.

Also ich nicht. Meine Seele war noch nie nackt. Die behält immer wenigstens den Schlübber an. Und ich fühle mich wie ne Jungfrau. Weil ich, ICH, noch nie nackt war. Ich kann es mir nicht einmal vorstellen. Aber das, was ich mir unter diesen zwei nackten ewig fickenden Seelen vorstelle, das ist schon, nun, alles übertreffend. Ich denke aber auch, dass es kaum mehr Menschen gibt, die sich vollständig entkleiden können. Und wenn das so ist, wie ich mir das vorstelle, dann ist das absolut nachvollziehbar. Man stelle sich vor, man ist also Seelenjungfrau, so nenne ich das mal und dann traut man sich mal einfach, sich auszuziehen, so viel Eier muss man erst mal haben, aber man traut sich das dann mal. Na und dann verbinden sich diese eine Seele und diese andere nackte Seele. Und dann? Tut das weh? Ist das schön? Und die wichtigste Frage: kann man das ohne Kassenzettel zurückgeben? Nein?

Wow. Schon erschreckend. Na, ficken ist leicht, aber sich selbst wirklich auszuziehen erscheint unmöglich. Zumindest für die Meisten. Ein Hoch also auf die Bananenschalen, gähn.

Nichts auf meinen Lippen

Nichts auf meinen Lippen
und in meinen Händen nur Staub
aus grauem Herz
und zwischen.Menschlichkeit
mein Puls flüstert müde
in knisternd streichelndem Herbstlaub
ein Blatt halte ich
und gieße dich darin auf
wie den Tee vor der Dunkelheit
damit ein bisschen Wärme
aus meinem Mund
und Glassplitter in meine Ferse
fällt und fließt und sticht
ich wünsche wieder
nichts auf meinen Lippen
und einmal nur ein kleines Herz
das nicht so klirrend bricht

© Amy Herzog

wenn du Perfektion suchst
Schönheit in jeder Zelle
bis in meine Seel‘
dann schaue mich nicht an
die Fehler zu zählen
dauerte in eine Ewigkeit
je tiefer du gräbst
und die Zeit wird nie
genug sein

© Amy Herzog

warmer Regen

Wenn ein Sturm heraufzieht
singe ich dem Regen
mein Herz
das wirklich wahre
und sende dir jede Träne
in leichten Wolken
so sei in tausend warmen Tropfen
mein Lied dann deinem
kalten Herzen nahe

© Amy Herzog

Kaltgeworden

Dann sitze ich dir im Wohnzimmer gegenüber, zwischen uns eine brennende Kerze. Ich lausche deiner Stimme und betäube deine Fragen. Irgendwann fragst du, weshalb ich mich verändert habe, unerreichbar geworden bin, mich dir nicht öffne, nicht mehr antworte. Ich schaue dich mit ausdruckslosem Blick an, ziehe an meiner Zigarette, halte kurz inne. Dann frage ich, ob es dich interessiert, was ich zu sagen habe, oder ob du nur ficken willst. Du schweigst, dein Blick wird leer oder traurig. Das ist die Antwort, sage ich dir, stehe auf, lege meine Kleidung ab und nichts als meine kalte Haut auf dein Bett.

(Ein Drabble)

© Amy Herzog

geöffnet.

wann war ich
das letzte mal wirklich
nah, mutig,
körper, geist und seele
in fremden händen
offen, offen,
offen hingegeben?

ohne diese selbstsabotage,
in der ich mir einrede
[ … ] und dann flüchte.

wann warst du
das letzte mal mutig?
in der tiefe.

wann haben wir das letzte mal
all die gründe, die wir (selbstverständlich)
finden überhört, ignoriert
für so ein viel zu menschliches
vollkommen fehlerhaftes individuum

und die 99,9% wahrscheinlichkeit
dass das herz gebrochen wird
ein neues trauma dein fleisch frisst
in jeder handlung
und all die alten wunden
geöffnet

wann waren wir das letzte mal offen
wirklich offen ineinander
und haben diese angst geteilt
waren ehrlich und haben
(um etwas neues zu probieren)
diese angst zurückgelassen?

© Amy Herzog

Irgendwie Droge.

Dann ist das so ne Berührung
und ich mein hier nicht nur Haut, ja,
sondern unter der Seele
und du weißt nicht, was es ist,
aber es fühlt sich nach Drogen an
und wenn sie nicht da ist
bist du so’n Junky auf Entzug.

Das ist dann halt so
und du bist dann verrückt, oder?
Rhetorisch gemeint.

© Amy Herzog

Splitter

© Amy Herzog

Deine Kalliope

Dein hungriger Geist
so leergefühlt
wie ein einsam erfrorener Vogel
der vom Ast fiel

Wie treiben deine lauen Funken und
im Wellenschlag ertrunkene
Leidenschaft
verloren in der Nacht
und unsichtbar durch den Tag
über deiner ängstlichen Hülle nur eine
flackernde Glühbirne
die ihrer eigenen lauten Sehnsucht
vor deiner im Sterben lag

Mein hungriger Geist
so leergeküsst
nur lass mich schwimmen
im Kerzenschein durch die Vollmondnacht
und wie mein Leib aus Schmerz
die Kunst erschafft
lass mich die deine ewige
Kalliope sein

© Amy Herzog

w i e

Zeige mir w i e
SCHMERZhaft es sein kann
lass mich d e i n e n
Schmerz spüren
dein traumtötendes Leid
in verborgener Angst
und in zärtlichstiller Dunkelheit
wispere ich nah w i e
Hingebungsvoll meine Liebe ist

© Amy Herzog

LICHT

dieses Umherschwirren
unberechenbar brechend in dir das
haltlose Flirren
und fühlloses Reißen
bittest nachts um Hilfe schr
ei Hertz schrei

zum Morgen (grau) en
tauen Tauben auf deinem Grab
wie wi ll st du, wie bewegst du
was im Innternen stirbt
immer Laternenindir

und ich brauche
doch LICHT Herz
LICHT LICHT LICHT L

© Amy Herzog

An meinen Winter

© Amy Herzog

Angst

© Amy Herzog

Abgeflacht

© Amy Herzog

Skala eins bis schwer

Auf der Skala
von eins bis zehn
laufe ich hin und her
und finde die Metapher
eines arrhythmischen Klopfens
da ist Bedeutung in mir
Wahrheit im Wort
da ist Gefühl
schwer wie Meere
kann nicht vergessen
nur leugnen die weite See
schaffe Raum dafür
auf einer Skala
von eins bis schwer
laufe ich in diesem Ende
müde hin und her

© Amy Herzog

Hingabe

Betrachtest mich nicht von außen
schneidest mein Fleisch auf
weidest meine Organe
füllst mich mit Mandarinen aus
du trägst ein schlichtes Hemd
riechst nach moosbewachsenem Holz
und in Jahrzehnte gekommene Bitterkeit
dein Arschloch hält auf Abstand
hast du doch nur viel mehr Angst vor mir
als ich vor’m schwarzen Loch

Meine Seele schläft getränkt
Methanol und Formaldehyd im Glas
die Staubdecke wärmt
dieses entblößt fristende Dasein
in deinem Nachtschrank

Mit so viel Hingabe
hast du nicht gerechnet
Versprechen kommt nicht in die Jahre
mein Liebster, der Wahre
vielleicht nicht mein ganzes Leben
doch hast nur du mein Wahres gesehen
das niemand dir entreißt
betrachtest mich nicht von außen
der, der mein Herz verspeist

© Amy Herzog

Kampf oder Flucht


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[ … ]
warten abwarten erwarten
hinwerfen werfen entfernen
neu Gestalt en . neu er finden
gelöscht löscht löschen
Bedeutung bleibt reibt treibt
vor jedem einschlafen
an der dünnen Seelenwand
zurück wird verweigert
[ … ]
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© Amy Herzog

Seelenverwandtschaft

Wer hätte erwartet, dass ich in diesen zerrissenen Zeiten, zwischen all den Albträumen, den schlaflosen Nächten und den tausend Toden gerade bei dir, ausgerechnet bei dir meine Ruhe finde, eine Zuflucht und eine Schulter, einen Arm, der mich festhält? Ich ganz sicher nicht und du? Vielleicht. Vielleicht hast du das so erwartet. Nein. Ich denke nicht. Aber vielleicht. Ich weiß es nicht. Ich muss es auch nicht wissen. So vieles weiß ich gerade nicht. Meiner selbst bin ich jedoch sicher. Aber das Boot, auf dem ich mitten im Ozean treibe, ist voller Risse. Und dann tauchst du auf, wie aus dem Nichts und rettest mich vor dem ertrinken, als hättest du nie etwas anderes getan, als wärst du selbst nie schwankend gewesen, als hätte dein Boot nicht die selben Risse. Nichts von alle dem tut mir gut, in diesen unsicheren Zeiten. Das weiß ich. Nur hätte ich nicht erwartet, dass ich so leicht zerbreche, bis ich das Klirren hörte und es zu spät war. Aber diese außergewöhnliche Seelenverwandtschaft, die es nur ein mal in einer Existenz gibt und so selten, sie tut mir gut. Diese, für die man eine Straftat gesteht, die man nicht begangen hat. Dich zu fühlen, verbindet die frischen Wunden meiner Seele, fegt die Scherben meines Herzens auf und legt sie behutsam in den Schlaf. Wer hätte das erwartet.

Ende

Der Dolch
inmitten meiner Brust
ist unvermeidlich

Dem elendigen Schmerz
so tief wie der Marianengraben
stopft er das Maul
gesellt dich zu den Geistern
die mir meine wunde Seele rauben

Endlich kann ich glauben
unsere letzte Nacht
fand Ende
ich schließe sie mit einer Brosche
und vernähe die blutende Geschichte
mit deinen Wimpern

© Amy Herzog

seelen

zwei seelen
die sich vor hunderten
jahren
verloren haben
tanzen
allein

verloren, verirrt
verwirrt
worte und stimmen
gehörlos
im eigenen nebel
zeit erklimmen

finden
rasten, lieben
im körper eingesperrt
geblieben
tanzen
allein

schweben
irgendwann leben
im sterben
halten
fallen lassen
seelenfäden verblassen
werden eins
und frei

© Amy Herzog

Albtraum

Seeleneiter fließt aus meinen Poren
du garnierst mit Lilien und Salz
und schlingst ohne Luft zu holen
die Fleischeslust aus deinem warmen Schoß
in die zwielichtigen Ecken deiner Haut
es graut mir, zittert, flimmert
tief durch die Äste meines Lebens
und winselt, wimmert dir ein Lächeln ins Ohr
trinkst es, wie den ersten Regentropfen
nach einer verbrannten Nacht
bleibt mir dies ein Albtraum
schwitzend, dreht und wendet
doch bin ich nicht mehr aufgewacht

© Amy Herzog

– ein paar Tausend Tode gestorben
die Gleichgültigkeit
schmeckt nach vortäuschen einer Straftat
(es hat sich niemand notiert)
– einer ist mir geblieben
und verschweigt die Wahrheit
aber sie duftet nach freudestrahlendem Sprung
aus Vierzigtausend Fuß
ohne Fallschirm

© Amy Herzog

Wenn gestern morgen ist…

Manchmal, wenn ich dran denke,
aber nur wenn auch eine Träne
in die Wunde fließt,
kommt’s mir vor, als wäre es erst gestern gewesen
und wünsche mir dann,
es wäre doch das gestern von morgen

Aber sag mal, sagst du Bescheid,
wenn es soweit ist, wenn es morgen ist?
Denn heute lebe ich nicht.
Sind alle meine Figuren schon tot
und ich sehe nur den Staub.

Und.
Ich ersehne.
Dich. Und.
Dein Wort.

(das weiß nur ich)

© Amy Herzog

Furcht bleibt

tränen verschweißen meine augen
starre in verschwommenes
schreibe in fingerspuren auf sandpapier
glattgeschmirgeltes gedankengut
albträume räumen die nacht
und lassen die leiche spurlos verschwinden
ich denke an nichts, nichts, nichts..
aber wenn ich wieder klar sehe
atme ich tiefblutentkleidete furcht
in deine kalte richtung

(furcht sitzt da, wo das herz verblutete)
- der platz war noch warm

© Amy Herzog

über-irdisch

Wie einst tiefrot
leuchtende Lebensenergie
meine blassen Lippen benetzte
stiegen wir aus unseren schweren
nassen Körpern empor

Keine irdische Schrift könnte
wollte unsere Sprache
verstehen, beschreiben, fühlen,
niemand wird sie je begreifen
sie sind alle zu laut

Wie unsere Seelen aber fließen
wenn alles schweigt
erhöre ich in meinen Tiefen
deinen sehnenden Ruf

Und fühle ich auch nur
dein Blut in meinen kalten Venen
hält mich die Wärme fest
und ich spreche dir die Sprache
die du nur für uns erschufst

© Amy Herzog

Kaltes Herz


Suche nichts, mein Liebster
was nicht gefunden werden kann
kein Kompass ist dein
und die Sternbilder blenden
mein Herz in der Truhe
am Grund des tiefschwarzen
schimmert nur an der Oberfläche
anmutig salzigblautürkis
dein Herz aber muss schweigend still
zwischen den Welten verloren
gehen, leiden, enden
wenn’s mein erkaltetes Herz
schlagend finden will

© Amy Herzog

Wir

Ein dunkler Raum 
in zeitloser Zwischenwelt
rastet in unendlicher
grenzenlos
Poren sickernder
in hingebungsvollen
entblößten Seelenkörpern
durch Ewigkeit

Die Außenwelt zeigt
wie Farben
durcheinander
aneinander vorbei
verlieren und suchen
vermischt
in verbrauchten
Stunden

Wir liegen darin
suchen Liebe, Nähe, Sinn
Bedeutung im bedeutungslosen
Wahrheit in Lüge
und im verschiebenden
verschwiegenen
die Mitte
uns

Wir brauchen nichts
in der Dunkelheit
wir sind wir
wie wir sind
sind wir mehr
Sterne, Ozean, Mond
oder Pfütze

Fragen
die hier nicht
existieren
in der Zwischenwelt
wir sind klein
wir sind die Mitte
wir sind nackt
wir sind eins
wir sind wir

Mitte

© Amy Herzog

brachland

in der schwebe
glühender sonne einer seele
verbrannte ihre haut
mit ein paar krümeln tabak
und dem sperma unbedeutender männer
vor denen sie davonrannte

danach
immer danach

der kadaver aber kann noch rotzen
gar dem azrael trotzen
während ausgehungerte nekrophagen
im sturzflug die messer wetzen

zu lieben im brachland aber
gleicht ihren zurückgehaltenen tränen
sie schweigen von wahrheit
tänzeln mit müden knochen um exsikkose

wo losgelassene
nur ihren durst bezwingen
und geigen von
verlogenen illusionen singen

aber leben
immer nur leben

© Amy Herzog

Deine Spuren…

Auf meinem Rücken
lasten die Spuren deiner und meiner
Lust wie warmes Gestein
gefesselt von deinem
Willen – gefangen
beschützt
in deinem Arm
ergebe ich mich, errege
im Bewusstsein unserer Bindung
befreite Seele
besitzt du meine Haut, mein Fleisch
in tiefer Berührung
wie ich durch deinen Augenblick
schwebe

© Amy Herzog

Nacht


Autobahnrauschen klingt nach Meer
in der Ferne heult ein Hund
und gibt meiner Seele eine Stimme
Mondlicht schimmert sanft durch den
dichten Kastanienbaum
Grillen singen ihr Nachtlied
wie ein traurig blaues Liebeslied
das mich lächeln lässt

© Amy Herzog

Mond

du aber bist so wunderschön 
meine sanftselige Liebe 
unvollkommen 
mit deinen Lebensnarben 
ich küsse jede davon 
ins rechte Licht 

und ich bleibe dir erhalten 
als das was dunkler 
(verwundet)
(verletzlich)
(gebrochen)
als im Schwarz 
deine Schönheit betrachtet 
wenn du sie selbst nicht 
sehen kannst 

© Amy Herzog

Schönheit

173 Wörter und ich weigere mich seit Tagen diesen Text zu kürzen. Nun, also eigentlich sollte das mein Text zum Drabble-Dienstag sein und das mit den drei Worten: Baum, Springbrunnen und Krug, hat ja auch gut geklappt. Aber auf 100 Worte kürzen…nein. 140 Worte wären machbar, macht aber keinen Unterschied, daher lasse ich das so stehen. Hier also mein Text, nicht zum Drabble-Dienstag.

Schönheit

Wenn du der große Baum auf dem Mohnfeld wärest, spränge ich über deinen Schatten und ließe dich in den Weiten zurück. Du aber bist der Springbrunnen auf dem Kirchplatz, mitten in der überfüllten Altstadt, zu viel Wasser. Viele Menschen stehen um dich herum, bewundern aber nur deine Schönheit, wie sie in der Sonne glitzert, und manch einer verliert sich selbst in deinen Tiefen und ertrinkt vor lauter Sehnsucht. Ich jedoch schaue weg. Und wenn es Nacht wird, so stehe ich noch immer am Rand des Kirchplatzes und lausche hinter deine Schönheit und spüre die Rufe jener, die sich tief in dir verloren haben. Beinahe bedeckt ihr Summen, wie du auch mich aus der Ferne zu ertränken versuchst. Doch so rettet mir jener Krug das Leben, der in meiner Brust schlägt. Und ich fülle ihn mit deinen Worten und dem, was hinter deiner Schönheit liegt. Deine glitzernde Oberfläche und alles andere lasse ich zurück. Und so nehme ihn mit in ein Zuhause, welches das viele Wasser all die Jahrzehnte ungesehen und nur schweigend ersehnte.

© Amy Herzog