Verzweiflung

innerlich

innerlich
weinst du so laut
und du hast
angst
dass es jemand
hören kann
und noch mehr
dass es
niemand hört

© Amy Herzog

Nichts auf meinen Lippen

Nichts auf meinen Lippen
und in meinen Händen nur Staub
aus grauem Herz
und zwischen.Menschlichkeit
mein Puls flüstert müde
in knisternd streichelndem Herbstlaub
ein Blatt halte ich
und gieße dich darin auf
wie den Tee vor der Dunkelheit
damit ein bisschen Wärme
aus meinem Mund
und Glassplitter in meine Ferse
fällt und fließt und sticht
ich wünsche wieder
nichts auf meinen Lippen
und einmal nur ein kleines Herz
das nicht so klirrend bricht

© Amy Herzog

Du, ich, die ganze Welt


Du, ich, die ganze Welt
fühlt luftleer
schreit und schweigt
in unendlich vielen Puzzlespielen
jedes mit unzähligen Teilen
auf engstem Raum
in mir.

Ich sortiere
das meiste Fehlt
du, ich, die ganze Welt
fühlt erdrückt
und fällt
mir aus dem Schoß
ins Meer.

© Amy Herzog

Ende

Der Mann, bei dem ich irgendeine Liebe suche, liegt nackt in meinem Bett und behauptet mich zu lieben, an meinem kalten Herzen prallt es ab. Mit schweigenden Tränen wanke ich mit letzter Kraft ins Badezimmer, drehe das Wasser in meiner Dusche und am Waschbecken auf, schalte das Licht aus. Am geöffneten Fenster genieße ich die nach Regen duftende Nachtluft, verschwommen malt mir der Mond sein Schlaflied in einem kurzen Bild und ich frage mich, ob der, den ich Liebe, den selben Mond sieht. Die gefühlt fünfzigste Zigarette verklebt meine Alveolen, während mich meine Gedanken innerlich in Stücke reißen. Hätte ich nur ein Hemd von ihm, würde ich es gerade tragen, um seinen Geruch in mir zu spüren. Ständig kommen mir Gedanken in den Sinn, die mich zwingen, mein Denken zu unterbrechen. Tränen schießen aus meinen Augen, wo ich doch an niemanden denke. Der Wind trocknet sie, leise.

Irgendwie fühlt es sich nicht mehr so an, als ob ich geweint hätte. Wieder ein Stückchen mehr zerrissen, wieder ein bisschen mehr betäubt, dieses mal wohl zu viel. Und nichts als Leere bleibt. Dabei kann ich meine Gedanken an den, den ich liebe, gar nicht als richtiges denken bezeichnen, es sind nur unzusammenhängende Fetzen, Bruchstücke aus zersplittertem Glas. Glas, das meine Seele zerschneidet und rote Tränen formt. Ein Gefühl, den Schmerz als Wort nicht wert, das mich schreien lassen würde, aber ich darf nicht schreien. Der, der vorgibt mich zu lieben liegt in meinem Bett und wartet auf meinen nackten Körper. Er weiß, dass ich weine, aber ich bin allein, also weine ich allein.

Gefühlt fünftausend Mal starre ich in diesen wenigen Minuten auf mein Smartphone, schaue nach, suche verzweifelt nach Luft, nach einer kleinen Nachricht, selbst wenn sie nichts bedeutet. Irgendetwas, egal was, von dem, den ich so sehr liebe. Warum weiß ich nicht, das alles ergibt keinen Sinn. Erst gestern dachte ich noch, dass ich sterben könnte, für ihn würde sich nichts verändern. Wie sollte es auch, er bemerkt mein Leben nicht, weshalb sollte er dann mein Ableben bemerken. Sein Leben würde glücklich weitergehen, alles wäre wie bisher. Und offen gestanden gönne ich ihm das. Dem, den ich liebe. Und ich weiß nicht, weshalb ich mir seine Gedichte durchlese, die beschreiben, wie glücklich er ist, während ich das Leben nicht mehr aushalte. Vielleicht, weil es das einzige ist, was ich greifen kann. Es ist kein einfach daher gesagtes „Ich halte es nicht mehr aus..“, diese Grenze habe ich längst überschritten. Und es ist auch egal, wie viele Medikamente ich in mich hineinwerfe, sie können diese unerträgliche Leere nicht füllen. Und die Gedankensplitter nie aufhalten.

Ich gebe mir die größte Mühe nicht daran zu denken, dass er seinen Abend mit dem, was er liebt verbringt, trinkt und glücklich ist. Ja, ich gönne es ihm von Herzen, wenn auch dieses Herz kaum noch schlagen kann. Dass er alles hat, was er sich erträumt und ersehnt hat und ich nicht dabei bin. Aber ich kann es nicht denken, ohne wieder zu weinen. Nur das Wasser tröstet meine feuchten Wangen, ich drücke die Zigarette aus, schließe das Fenster und gehe zurück zu dem Mann, der behauptet mich zu lieben. Lege mich nackt unter seine Decke dicht neben ihn und versuche leise und ruhig zu atmen.

Während ich an den Mann denke, den ich liebe, vergrabe ich meine Finger tief in sein Fleisch und versuche in ihm zu ertrinken, in dem, der mich liebt. Nur damit es für einen kurzen Moment erträglicher wird und ich unter seiner Liebe verschwinden kann. Wie er seinen lustvollen Körper an meinem reibt, seine Gier aus sämtlichen Poren tropft, es müsste mich anekeln, aber das tut es nicht. Nicht wenn ich an den denke, an den, den ich liebe und seine Küsse meine blutenden Tränen trocknen. Innerlich habe ich das Gefühl zu verbluten, doch wie kann ein Mensch verbluten, wenn er gar nicht mehr lebt. Ich fühle mich tot ohne gestorben zu sein. Und während ich mich tiefer und tiefer in den Körper dieses Mannes grabe, um in diesem Nest von verlogener Geborgenheit zu versinken, kann mich nur noch die Hoffnung tragen, dass das alles bald sein Ende findet.

Halten

Der Schmerz in deinen Augen
strömte mir entgegen
und darin lag deine große
flehende – doch sterbende Welt
sodann strömte aus meinen
für dich das flüssiges Gestein
und da im Schatten unter dem Fels
wirf nur deinen Anker in See
und ich werde dich halten
in meiner heilen Welt

© Amy Herzog

Zu Eis erstarrt..

Halte, bitte halte mich
denn ich bin zu Eis erstarrt
lautlos knien, sinken, brechen
flehend mit dem Herzen sprechen
schlug ich auf den Boden hart
bitte ziehe nicht dein Messer
bitte mache keinen Krach
halte mich, nur wärme mich
denn ich bin zu Eis erstarrt

 

© Amy Herzog

 

Dreiundzwanzig Tage Regenbogengarten

Regenbogenbilder regnen mir ins Haus
und zieh’n mit Freud die Freude aus
wo weiße Strände ungeküsst
die Küste mit den Krallen kratzen
lebe ich mit schmerzverzerrten Fratzen
laufe doch auf weichen Tatzen
der stummen Akzeptanz

Wolken legen lauter nieder
als der Tod ans Häuschen klopft
tropft mein Hirn mit jedem seiner Lieder
immer stärker stürmend wieder
bis mein Herze an den Trümmern
mit dem Wind am Abgrund steht

Weht der Wind noch frage ich
und erreicht der Schmerz auch dich
frage ich wo ist die langgezog’ne Zeit
doch längst ist sie mir nicht mehr weit
und doch kann ich mein Blut nur lecken
nicht aus diesem Traum erwecken

Zieh an meinen kalten Kippen
denk‘ im Rauch an bittersüße Lippen
dacht es würd ein Ende auf mich warten
doch schlaf ich fest in meinem
Regenbogengarten…

© Amy Herzog

Wohin?

Treibt mich jeder Tag
durch seine eigene kleine Zeit,
über jeden Weg, ob steinig, ob weit.
Doch nichts. Nichts war je weit genug
auf meiner schier endlosen Strecke
des Wartens. Das Leben, der Sinn,
wie ich den Boden lecke, doch
wo nur, wo treibt’s mich hin?

© Amy Herzog

16 Zeilen…

Regen fällt in schwache Köpfe
Was ich sehe doch in bunt
Reicht die Hoffnung allen Tagen
Und wenn nicht, tu Lüge kund

Nummeriert schon bald zur Hälfte
Kommt es nur dem Drittel gleich
Muss ich dennoch auf die Straßen
Bin im Bett doch eh nicht reich

Schlafen kann ich ehrlich nicht
Schon seit die Hoffnung weiter flieht
Und wie die Angst steht sie im Buche
Wer nur mit seinen Augen sieht

Wer erkennt denn noch die Liebe
Wo der Regen längst zerstört
Nur das Wahr‘ an sechzehn Tagen
Hat mein Leben aufgehört

 

 

© Amy Herzog

Am Ende schweigt..

Tiefe Schnitte in der Seele,
aus dem Herzen tropft das Blut,
durch die Adern fließen Scherben,
und die Haut gleicht heißer Glut.

Auf der Erde eine Pfütze,
die das Missen noch vermag,
schreie dröhnen durch die Stille,
wonach niemand weiter fragt.

Nur die Liebe lebt im Herzen,
hoch hinauf gen Himmel steigt,
aus den Wunden werden Meere,
nur das Herz am Ende schweigt.

© Amy Herzog

Wozu?

© Amy Herzog

Einsam knien…

Ich knie einfach immer tiefer,
und bin letztendlich doch allein,
denn der, den ich aufrichtig Liebe,
der will nur wenig bei mir sein.

Er kommt und geht nur für das eine,
und ich, ich liebe trotzdem mehr,
dann geht er fort in fremde Arme,
dazwischen friere ich dann sehr.

Zwar sagt er, ich sei nur die eine,
und mache stets sein Leben bunt,
doch ich, ich knie hier alleine,
und er schlägt meine Seele wund.

Und knie ich hier immer tiefer,
mein Lachen bleibt dabei nur still,
so voller Angst vor einer Zukunft,
in der er mich dann gar nicht will.

 

 

© Amy Herzog

Stark, Schwach, tot..?

Aus Liebe würd‘ ich alles machen,
ein Kampf durch Wasser, Wüste, Wind,
selbst tausend Reisen durch die Hölle,
wenn nur am Schluss das Glück gewinnt.

Und bin ich wohl nicht unbewaffnet,
nein, meine Lieb‘ die stärkste ist,
doch frier ich weiter durch die Hölle,
weil mein Herz doch das Glück vermisst.

Es sind die Waffen zweier Monster,
und Schwach sind sie wohl eigentlich,
doch töten sie mich in der Hölle,
und mit mir auch die Lieb‘ und dich.

 

© Amy Herzog

Fehlen…

‚Du fehlst mir‘ ist noch gar kein Ausdruck,
ich fühle mich nur einsam (tot),
und niemand, der mich hier umgibt,
nimmt noch Notiz von meiner Not.

Ich sitze hier nur wie versteinert,
und nichts ergibt hier einen Sinn,
mein Herz schlägt zwar noch ohne Luft,
doch ich weiß nicht mehr noch wohin.

Das was du einst zu Hause nanntest,
ist nun schlichtweg nicht mehr wahr,
und dieses Licht der kleinen Eule,
eigentlich auch nicht mehr da.

Ich würde einfach alles geben,
selbst wenn es nur ein halbes ist,
doch du bist glücklich ohne mich,
und es gibt nichts was du vermisst.

 

 

© Amy Herzog

Die Monster.

Nichts von all dem ist noch richtig,
wie die Schlinge um den Hals,
drängt mich weiter in die Falschheit,
in den Abgrund ebenfalls.

Kann ich meinen Bauch nicht hören,
die Monster lügen viel zu laut,
lachen dreckig durch die Zeiten,
und ein Haus aus Leid erbaut.

Bleiben Nächte dort nur einsam,
bis dann der jüngste Tag erwacht,
trinken Pflanzen falsche Tränen,
wenn das Monster weiter lacht.

Nichts von all dem ist noch richtig,
weit entfernt vom wahren Glück,
das einzige, was ich mir wünsche,
mein monsterloses Heim zurück.

 

 

© Amy Herzog

Beten…

Gebete schreien aus den Augen,
und meine Tränen führ’n zum See,
ein Wasserfall aus Schmerz und Qualen,
gefrier’n im Herz zu Eis und Schnee.

Zersplitt’re ich in tausend Teile,
nur eines bleibt trotzdem noch heil‘,
die Liebe ragt bis in den Weltraum,
und lässt mich knien einfach weil:

Ich bete unaufhörlich weiter,
und hoffe dass der Himmel hört,
bin ich doch vielleicht zu weit unten,
wo sich an Schreien niemand stört.

Und aus den Augen die Gebete,
die Tränen stets die selben sind,
sie schreien hoffnungslos noch lauter,
und schicke jedes mit dem Wind..

 

© Amy Herzog

Das wichtigste…

Wenn das allerwichtigste
aus dem Körper verschwand
(und niemand hat es erkannt)
ist man dann schon unsichtbar?

Wenn man schon unsichtbar ist
(und niemand hat es vermisst)
gibt es dann noch ein Leben?

Wenn es kein Leben mehr gibt
dann gibt es auch keine Angst
(und nichts was du tun kannst)
wenn der Rest dem wichtigsten

Folgt.

 

 

© Amy Herzog

Richtung Ruhe…

Ich fühle mich unendlich einsam,
auch wenn ich nicht alleine bin,
ich möchte einfach nur nach Hause,
nur weiß ich nicht, wo soll ich hin.

Zwar bin ich dankbar für den Menschen,
doch wenn was wirklich ehrlich ist,
so hält mich hier ganz schlicht der falsche,
und nicht das was mein Herz vermisst.

So schlucke ich einfach die Tränen,
und lache falsch dem Ende zu,
vielleicht ist oben mein zu Hause,
vielleicht komme ich dort zur Ruh‘.

 

 

© Amy Herzog

 

 

Ertragen

Ertrage ich den Schmerz
du stolperndes in meiner Brust
so springt mein Herz in einer Handvoll
zwischen Tränen zwischen Lust

Zeichne Punkte auf ein Glas
wirkt der Frühlingswind fortwährend klar
doch auf Regen folgen dicke Steine
bis ich nur noch Scherben sah

Lebe ich mit diesem Drang
nur jeden Abend zu ersehnen
selbst wenn er mich zu Boden zwang
kann ich mich an die Stille lehnen

 

© Amy Herzog

Seelische Misshandlung…

An seelischer Misshandlung
habe ich mein lachen verloren
was bleibt ist meine Angst
und selbst die Tränen waschen
keine Scherben mehr heil
was bleibt ist meine Angst
wie ein mit Schnee bedecktes
Dach zum Einsturz verdammt
was bleibt ist meine Angst
und noch ein leises betteln um
Liebe, die stets entzogen ist
was bleibt ist meine Angst
und ein Lachen von früher
auf längst verblassten Bildern
schlafend unter den ängstlichen
Seelenscherben aus Herz…

 

 

© Amy Herzog

Titellos…

Lange war ich innerlich taub
und verstand meine Zeilen nicht
so war und bin ich auch verstummt
doch heute zeigen meine Tränen
dass jeder Tag den Atem raubt

Und heute bin ich aufgewacht
schon wieder an den Start gestellt
frag mich noch, wer hier zu mir hält
die Hände reicht und reichen kann
bis ich mich wieder schlafen leg

Nur heute bin ich nicht mehr taub
selbst wenn’s mir noch den Atem raubt
bracht der Verstand das Altgespenst
im Garten spukt es seit den Tagen
und nur das schwarz ein Ende kennt

 

© Amy Herzog

Nur ein Teil der Liste..

Steh‘ ich nur auf deiner Liste,
die Jahr um Jahr zu wertlos ist,
zwar ein Zeichen deines Herzens,
was du über die Zeit vermisst?

Doch am Ende stets verschwiegen,
schlaf auch ich nur hinterm Schein,
nur ein Augenblick sei kostbar,
bin auch ich doch letztlich klein.

Wird deine Liste weit bestehen,
mein Herz für deinen Atemzug,
mit deinem Lächeln vor den Tränen,
und dem wicht’gen Selbstbetrug.

 

© Amy Herzog

Monster

Ich suche nach mir
wie bin ich verschwommen
halte mich an allem fest
an allen Monstern unterm Bett
wenn du mich doch nur gehen lässt
wie kann ich zu mir kommen

Verzweifelt bin ich
länger taub
und um mich sind sie alle laut
es zerrt mich rechts
dann leise noch von links
von oben niemand, nur von unten
bin ich im Meer von tausend
Monstern versunken

Ich suche mich
wie kann ich mich finden
gestreckte Hände bleiben kalt
der Winter kommt
im Sommer alt
bis sich das letzte Monster krallt
die Seele nur ins Nichts

 

 

© Amy Herzog

Schlaf.

von weiß zu weiß
und doch im schwarz
im flüchten aus dem ich
der Ekel atmet Wunden ein
in Menschenmengen doch allein
kein Sterben in der tauben Nacht
noch besser ‚lebt‘ es sich

von taub zu taub
beschmiert mit Staub
so schreit doch heißes Wort
noch mittendrin im nirgendwo
der Traum ertrinkt doch sowieso
wozu die Zeit, worin der Sinn
warum noch dieser Ort

von Zeit zu Zeit
kommt niemals weit
so klein der Engel schreit
zurückgerissen, tiefe Küsse
der Wecker schießt zu laute Schüsse
tiefer Fall ins ich / ins schwarz
ein Schlaf in Ewigkeit

 

© Amy Herzog

Du könntest…

Du könntest mich verkleiden
könntest schützen, könntest leiden
wo andere sich am Schmerze weiden
Worte Stricken, Worte häkeln
dich mit mir im Atem räkeln

Du könntest mich tragen
nicht mit Muskeln, nicht mit sagen
einfach schreiben, schweigend wagen
im Dunkeln zehn Zigarren rauchen
um mit mir ins Meer zu tauchen

Du könntest mich fühlen
nur berühren, tief, gar tiefer wühlen
vor dem Winde, vor dem kühlen
mit den Lippen leise klopfen
Wärme in die Leere stopfen

Du könntest mich begreifen
langsam wachsen, schneller reifen
mich vom Rand des Lebens greifen
einfach Worte schweigend halten
lässt die Ruh der Liebe walten

 

 

 

© Amy Herzog

Bis in den Tot…

Heute ging ich raus
obwohl ich Angst hatte
und hoffte auf einen Menschen
der mir in die Augen sieht
und handelt

Meistens schreiben
sich die Worte von selbst
doch heute fallen leise Tränen
aufs Papier und schreiben
stumm für mich

Unsichtbar bleiben
oder unsichtbar werden
sollte die eine Zahl auf null
ist meine Hoffnung für
immer gestorben

Und doch kämpfe ich
kämpfe für das was mir blieb
habe Hoffnung in Tränen
im steinernen Herz
bis in den Tot

 

 

© Amy Herzog

Ohne…

bleiben leere Räume
niemand schleicht sich leis‘ heran
spendet Licht in dunklen Ecken
kann mein Lächeln wecken
(keiner – außer dir)
rasten Tränen wartend
quälen sich zu einsam hier
bleibt in meinem Herzen nur
der Stolz aus deinen Schlüsseln
sinkend an der dünnen Schnur
(halt mich – fleht der Geist)
wie es den schwachen Körper
in der Kälte, in der Leere
aus dem Glück des Lebens reist
bitte komme heute Heim
denn ohne dich
sind
Räume
leer

und ich allein…

Grau..

Einsam bleibt der Untergang,
wie Staub auf meiner Haut,
der Schmerz verweilet ewig lang,
selbst wenn man ihn umbaut.

Der Wind mir keinen Schrei ertönt,
im Halse rinnt der Sand,
ein Lächeln bleibet ungekrönt,
wie Regen an der Wand.

Trüber wird es nur im grau,
selbst wenn’s von außen glänzt,
fester hält mich nur ein Tau,
so wie’s am Schweigen grenzt.

 

© Amy Herzog

In Gedanken..

Still bist du schwer mir im Herze verkeilt,
du Windhauch im Schweigen vorbei,
und wie du auch ewiglich schwerer verweilst,
bist irgendwann du an der Reih‘.

Nach Pfützen die Meere, so schwimmend dahin,
die Beine noch schwerer doch leicht,
gemeinsam wir suchen und denkend den Sinn,
die Seele daneben verbleicht.

Mein Herze zum Uhrwerk, es lahmet schon sehr,
die Zeiger den Abgrund im Blick,
das Herze mag schwimmen, doch all dieses Meer,
sinkt tiefer und schweigend zurück.

 

© Amy Herzog

Letzte Schrift..

In den Stunden trüber Blicke,
zitternd um den Atemzug,
ward gefüllt die schwere Lücke,
wie ein Licht zur Küste trug.

Schlagen falsche Worte nieder,
aus den Augen fließt das Blut,
mit des Herzenswunden Lieder,
ertrinkend an der letzten Flut.

Aus der Seele schwimmen Schreie,
auf die Wand die letzte Schrift,
ob ein starkes Wort befreie,
bevor mein Herz das Jenseits trifft.

 

© Amy Herzog

Todeskuss..

Um den Herzschlag die Verwesung,
beißt sich durch der Klippen kalt,
nass geküsst von roten Lippen,
wie vom Tode selbst gemalt.

Was am Ende noch verblieb,
der Glockenklang der Ewigkeit,
verschwindend zeitlos in der Schleife,
frisst mich die Unendlichkeit.

Um den Herzschlag schwarze Dürre,
ward genommen Luft und Wind,
wie des Todes rote Lippen,
küsse ich in Liebe blind.

© Amy Herzog

Ertrinken…

Der Augenblick, der mich zerbricht,
der mit dem Sturm entgegenweht,
dort ringt mein Herze um kein Licht,
wenn’s Liebe ganz und gar versteht.

Verbleibst dem Traume spiegelgleich,
doch werde ich dort niemals satt,
im Winde schmeckt das Wasser süß,
im Tränenmeer doch wirkt es matt.

Wenn mir mein Herze dort ertrinkt,
zu schal sind Stunden des Gewichts,
von einem Sein zum andern Schein,
ertrinkt mein Herze bald im Nichts.

© Amy Herzog

Fort..

Wollte nie diesem Leben entkommen,
wie benommen, doch entrissen,
hörte ich mit deinem Wissen – bald
das Schärfen der Klingen
im dunklen Wald.

Wollte nie diesem Leben entkommen,
so zerronnen, in den Träumen,
zwischen den Bäumen – die Hasen
konnten auch nicht schneller
um ihr Leben rasen.

Wollte nie diesem Leben entkommen,
doch genommen, meine Seele,
wolltest du, dass ich lebe? – in bunt
gemaltes Bild in Flaschenpost
blieb mein Leben wund.

 

© Amy Herzog

Kalter Kuss..

Wie der Schnee auf meinen Poren,
so der Rauch um Hirn und Kuss,
auch das Herz in meinem Magen,
der noch schwer verdauen muss.

Wie das Eis in meinen Welten,
blau zersplittert schläft das Glas,
nur der ferne Sturm lässt hören,
wie mein Geist erstickt im Gas.

Wie die Wärme in den Bergen,
doch mein Schritt versinkt im Blei,
muss ich stumm im Hier verharren,
doch der Regen tönt den Schrei.

© Amy Herzog

Leblos..

Farbenlos versinkt die Welt,
und ringt um kein Gefühl,
die Seele ward herausgerissen,
das Herz ist alt und kühl.

Taub und stumm erstarrt das Herz,
der Feind ist nicht die Zeit,
doch als das Blatt vom Baume fiel,
versank die Welt im Leid.

Leblos schweigt der Regen noch,
die Wolken tragen schwer,
und meine Welt ertrinkt im Schnee,
die Seele stirbt noch mehr.

© Amy Herzog

Furcht…

Ich fürchte mich vor deiner Stimme,
denn dort hab ich mich einst verirrt,
verstecke mich vor deinen Worten,
wo mein Herz doch nur fallen wird.

Ich fürchte mich vor deinen Worten,
wo eines mir die Hoffnung spricht,
wenn du doch niemals dazu stehst,
erlischt zugleich mein kleines Licht.

Ich fürchte mich vor deiner Sonne,
vielleicht erscheint sie nicht für mich,
ich bleibe ängstlich in den Schatten,
und warte letztlich dort auf dich.

© Amy Herzog

Die Träne..

Tränen spiegeln keine Worte,
leer im Staub und ausgeräumt,
allein im kalten Nichts der Hoffnung,
blickt der Geist, der weiter träumt.

Tränen spiegeln keine Nähe,
weisen ins Alaska fort,
unterm Eis die schwache Seele,
flüstert eine Liebe dort.

Tränen spiegeln keine Zukunft,
heiße Steine trocknen still,
niemand nimmt sie in der Wahrheit,
was die Träne wirklich will.

© Amy Herzog

Ich bin nicht sicher…

Ich bin nicht sicher
bin ich noch da?
wo einst das Glück in Strömen floss
ist nichts mehr wie es war

Ich bin nicht sicher
bin ich denn tot?
der Geist meiner lechzenden Seele
schreit noch große Not

Ich bin nicht sicher
bin ich gefallen?
die Kammern meines leeren Herzens
hören lauter Scherben fallen

Ich bin nicht sicher
bin ich am Leben?
wo einst mein Glück in Strömen floss
bin ich betäubt am schweben

© Amy Herzog

Das Salz auf meinem Herzen…

Das Salz aus einem weiten Meer,
es brennt in meinem Herzen,
ganz ohne Liebe viel zu schwer,
ertrinkt in seinen Schmerzen.

Nur eine Träne fließt durch Rauch,
den Vorhang meiner Seele,
der Schwermut zittert sie heraus,
durch meine schreiend Kehle.

Die Weite doch bleibt ungeweint,
im Schatten meiner Liebe,
sie bleiben hier im Wort gereimt,
worin ich mich noch wiege.

© Amy Herzog

Meines Herzens Gift..

Tief in eines schwarzen Traumes
trank ich meines Geistes Gift
mein Herze doch ertrank im Leide
auf dass es auf mein Ende trifft

Gezwungen ward ich zu dem Traume
der Seele Kränklichkeit erdrückt
so bliebe mir in meinem Schmerze
im Gifte noch die Liebe glückt

So lag ich noch in deinem Schoße
doch sah ich darin keinen Grund
ich schlief in meinem Traume sanft
und nahm der Liebe ihre Stund

© Amy Herzog

In der Stille

Ach wenn doch jemand höre
mein Ächzen danach flehe
nicht länger mehr mein Herze
die Hoffnung in sich sehe

Allein im Schrei der Leere
was ich dem Nichts entsenden
der bunten Welt gar zeigen
im Traum sich Blätter wenden

Nur wenn doch niemand höre
was ruft hier laut mein Herz
so bleibt in all der Stille
das Leben tief im Schmerz

© Amy Herzog

Eule & Baum… (3/3)

Im weißen Kleid aus leichten Federn,
ist starr mein Blick zum Ziel gericht,
vor lauter Wärme, Glück und Liebe,
verlier ich doch nun meine Sicht.

Der Baum auf dem ich sicher warte,
so bricht der Ast auf dem ich wohn‘,
und plötzlich schlägt ein fester Stoß,
das brechend Herz als letzten Ton.

Im Schmerze hilflos nun am Boden,
verklebt, voll Matsch, mein Federkleid,
die Wärme, einst vom Baum gegeben,
sie endet hoffnungskalt im Leid.

© Amy Herzog

Am Rande des Abgrunds…

Tränen um Tränen, sie seinen geweint,
doch Gedanken verwehen im Wind,
dort hinten noch suchet und spielt es gebannt,
mein Herze, mein inneres Kind.

Die Seele doch schreitet den Abgrund entlang,
ein Spaziergang am Rande des Lebens,
tief noch ein Blicke den Wolken geschenkt,
doch das Licht dort, es scheinet vergebens.

Die Tränen, sie trauern dem Herze nicht nach,
sie weinen bloß, dass es noch schlägt,
die Frage, die mir dieser Wind noch gebracht,
warum er mein Haar dort noch trägt?

Der Blick weicht der Ferne vom Nebel versperrt,
doch der Abgrund so schwarz und so tief,
ein ewiges Fallen im zeitlosen Loch,
wo keiner mehr hört was ich rief.

Keine Lichte, kein Sturme, als sei es okay,
wird die Seele so leicht in dem Wind,
ich rufe zum Schlusse mein törichtes Herz,
komm springen wir, inneres Kind.

© Amy Herzog

…und die Farben – brüchig kalt.

Blicke fallen durch den Nebel,
in der sehnsuchtskranken Nacht,
Sterne leuchten tausend Bilder,
doch der Mond hat keine Macht.

Dieses Mädchen, voller Hoffnung,
kämpft noch für den ew’gen Kuss,
mit aller Liebe für die Farben,
bis sie sich letztlich sehen muss:

Durch die Seele tausend Nägel,
rostig stechend durch die Wand,
nur am Boden glänzt die Pfütze,
niemand sah und niemand fand.

Dieses längst erstarrte Mädchen,
kämpfend ward sie stumm und alt,
glanzlos sind schon all die Tränen,
und die Farben – brüchig kalt.

© Amy Herzog

Mode?

Depression, die Unscheinbare,
die Masken fest im Arm,
ein treuer Freund geblieben ist,
gefälscht zwar hält sie warm.

Depression, so wie sie glänzt,
im Stillen Tränen schweigen,
sie malt ein Lächeln aufs Gesicht,
wo Herz und Seele leiden.

Depression, das neue Schwarz,
die niemals endende Mode,
sie reißt noch in ein tiefes Loch,
begleitet bis zum Tode.

© Amy Herzog

Im Winter..

Wie trägst du doch den Winter,
so einsam singend durch die Nacht,
ertrinkst in deinem Tränentraum,
wenn jener Schmerz sodann erwacht.

Wie trägst du dich in Träumen,
denn laut dein Herze leidend weint,
so fliehst du vor dem Inn’ren Wort,
zu weiß und taub die Hülle scheint.

Wie trägst du noch die Worte,
so schwer und doch verlassen leer,
im Kalten bleibt die Liebe stumm,
das Herz im Winter singt nicht mehr.

© Amy Herzog

Das blaue vom Himmel…

Honigsüßes wortgewandtes Blattwerk,
trägt mich mühelos durch Wind und Zeit,
und schlaf ich töricht tief in grünen Düften,
scheint der Weg auf grauen Steinen weit.

Und tragen Wolken nur ihr weißes Kleid,
schon seit ich dachte, dass ich denken kann,
darunter singen Himmelsworte strahlend,
grau doch, wenn der Regen dann gewann.

So luftig trägt doch manchmal der Moment,
doch wo nur leben Träume wenn sie rennt,
die Zeit, die mich umgarnt mit ihren Worten,
wenn Regen fällt doch niemand mehr erkennt.

© Amy Herzog

Gefürchteter Halt.

Und suche ich noch einen Halt,
so drückt die Furcht im Sinn.
Nur flüstere ich immer leiser,
weil ich doch längst zu Ende bin.

Und kam der Tod nicht zu Besuch,
war ich’s ihm niemals Wert?
Doch lächle ich am Ententeich,
bis sich mein Geist verwehrt.

Und suche ich noch einen Halt,
so schreibt mein Füller Licht.
Obwohl ich längst zu Ende bin,
so endet die Furcht nicht.

Und wenn ich mich nicht finde,
der Tod dann mich besucht?
Nur beißen meine Zähne mich,
der Halt doch nur verflucht.

© Amy Herzog

Wärme in kaltem Wasser…

In meinem Nebel,
suchte ich nur Halt…
Halt am Wasser,
Wasser so glänzend
und doch bitterkalt.

Im fremden Wasser,
fürchtete ich dem Halt…
Halt am Bitterkalt,
kalt und doch reißend
machte es mich alt.

Alt in Eiseskälte,
so hoffe ich auf Halt…
Halt in der Einsamkeit,
einsam in der Dunkelheit
hoffe ich auf Leben bald.

Lebe ich im Nebel,
in Einsamkeit neben dir…
Und suche ich weiter,
mit schlagendem Herzen
die Wärme im Wasser hier.

 

© Amy Herzog

An der Wand…

An der Wand, dort malt ein Herz,
die Wärme gar den Raum umschließt,
es trägt in sich den nackten Schmerz,
der an der Wand im Blut zerfließt.

In Nacktheit meine Seele steht,
inmitten schlingt der warme Raum,
der kalte Wind der dort noch weht,
wirft mich aus meinem kleinen Traum.

Das Blut an meinem Körper tropft,
letztendlich auch das Herz ertrinkt,
der Schmerz an kalter Wand noch hofft,
und doch im schwarzen Loch versinkt.

 

© Amy Herzog