Lautes rauschen tönt das Meer,
fühlt es sich doch noch so leer,
prachtvoll winkend Wellen schlagen,
niemand würd die Nähe wagen.
Wirkt es doch so faszinierend,
im Rhythmus starr hypnotisierend,
lädt es gleich zum Baden ein,
erweckt den Schein sicher zu sein.
Die Leere, die das Meer wach hält,
zum Ruhen jede Seele zählt,
mit Leid und Liebe frisst es Seelen,
die Seelen, die das Leid hinzehren.
Der Körper wird vom Meer erdrückt,
je fester, desto mehr entzückt,
streicheln kalte Messerstiche,
unter Wasser letzte Blicke.
Langsam wird die Seele still,
hat sie endlich was sie will,
den Wellen setzt sich nicht zur Wehr,
im Leid gefangen nun nicht mehr.
© Amy Herzog

Wieder ein Meisterstück ☺
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Freut mich, dass es Dir gefällt. Danke. 🙂
Sei lieb gegrüßt,
Amy
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ein düsteres Gedicht.
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Wie sollte Licht entstehen, wenn in der Dunkelheit keine Sonne scheint. 🙂
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und das sagst du an einem so hellen Tag wie heute?
Mach die Augen auf und merke, wie hell es in Wirklichkeit ist!
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Uiiii, ich lasse die Jalousien lieber unten. (: Meiner einer bevorzugt die Dunkelheit, die nicht gleichzusetzen ist mit dem Unglück. (:
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Die desastörse Anziehungskraft des Meeres, die Angst verschluckt zu werden von Fluten – eine Angst, die zugleich eine Sehnsucht ist…sehr klasse!
Höre dir mal dieses Lied an: https://www.youtube.com/watch?v=bflPuoAOD0E
Der Rüdiger Bierhorst hat diesen selbstzerstörerischen Klingentanz ebenfalls zusammengefasst. Auch grandios, dieselbe Denkrichtung, glaube ich.
Liebe Grüße
David Wonschewski
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Vielen Dank, David.
Ja, das geht in die Gleiche Richtung. Eine Wanderung auf dem schmalen Grat zwischen der Macht des Menschen und die der Naturgewalt. Wenn auch dieser Text noch etwas hoffnungsvoll für die verbleibenden Menschen klingt. Die liebliche Gesangsstimme trägt sicher ihren Teil bei, sodass man im ersten Moment kaum bemerkt, dass der Text doch damit endet, dass ein Mensch stirbt. Aber so soll es wohl sein. So heißt es darin schließlich, „macht bitte weiter“. – im Gesamtbild wunderschön.
Grüße dich lieb,
Amy
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Ja, das hat mich, als ich den Song erstmals hörte, so fasziniert daran. In meinem Buch „Geliebter Schmerz“ habe ich so ein Vorwort drin, dass quasi besagt, das aus meiner Sicht diejenigen, die so gerne als „düster“ dargestellt werden, sich auch selbst so darstellen, gar nicht die Düsteren sind. Es gibt diesen großartigen Film von Lars von trier, „Melancholia“, da wird das auch thematisiert. Oder nimmt Gothics, die feiern das Leben, zelebrieren die Schönheit mitunter. Für ich ist es ganz große Kunst DAS hinzukriegen – mein „Geliebter Schmerz“ war ein erster Versuch – dass es hier nicht um „alles scheiße“-Mentalität geht. Fein, dass wir da offenbar ähnlich unterwegs sind.
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„Dat is Goth, dat raffse nie!“ 😉
Ja, diese Menschen, diese düsteren Menschen, scheinen mir die zufriedenen zu sein. Die Vorurteile gehören schon, oder immer noch so dazu, wie die Nacht. Ich gehöre dieser Kultur zwar nicht direkt an, sondern einer untergeordneten Subkultur (wenn man es denn genau nehmen will), aber nennen wir es lieber Gesellschaft. Da sind „wir“ sehr pingelig, warum auch immer. 😉
Wir sind düster, viel zu gern. Halten wir die Augen doch zu weit geöffnet. Doch ist das nur die Oberfläche (& welcher Mensch nimmt sich denn noch die Zeit, mal weiter als die Oberfläche zu schauen). Mir sind nie herzlichere, aufrichtigere, ehrlichere Menschen begegnet und so manches herzhaftes Lachen platzt heraus, welches aufschrecken lässt. Ist man Mitglied dieser Familie, läuft es einem beim Wort „Familie“ nicht eiskalt den Rücken hinunter. (-:
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