Fotografie

Hoch über mir hängt ein ausgeblichenes Foto von dem Menschen, der ich gern wäre, mit wem ich sein könnte, wie es sein kann, alles so abstrakt. Auf meinem Tisch ein schnelles Essen, ohne Liebe zubereitet. Trotzdem nährt es den müden Kadaver, das muss es ja schließlich. Leben muss, Körper muss, ich muss. Heute dies, morgen das. Und das Lächeln, das ich mir angetrunken habe, nicht zu vergessen. Bin es leid, diese Angst haben, leid, sie allein zu haben, einfach nicht mehr darüber zu reden, weil ich sie niemandem zumuten will. Ach, was rede ich, niemand könnte mich tragen. Schon gar nicht dieser Mensch, diese zwei Menschen auf meinem Foto. Ich bin es leid, das schön reden, das Betäuben, diese angstverseuchte Ödnis. Diesen Abklatsch meiner Selbst. Den tagtäglichen Anfang und das Ende, das mir hinterher hechtet. Und all das, was ich niemanden sehen lasse. Niemanden sehen lassen kann. Diese Angst, diese verdammte Angst, die mir nach all dem guten zureden, in meinen täglichen Enden im Wege steht. Jeden Menschen vertreibt. Bin es leid zu flüchten, vor mir, vor dir. Mich hinter meiner Fassade zu verstecken. Nur die Tür habe ich schon lange aus den Augen verloren. Und die Anderen, ihnen genügt die Oberfläche. Das tragbare. Sie denken, ich spiele mit ihnen, dabei spiele ich mit mir, nur um mich zu bewegen, um kurz etwas zu fühlen um dann wieder allein und banal zu sterben. Dieser elendig-gewohnte Kreislauf, diese Sicherheit, die mir am Ende des Tages nichts gibt. Und meine wahren Träume finde ich erst im Bett. Ja, schlafen kann ich gut. Ich muss. Im Traum habe ich keine Angst. Im Traum sehe ich diese Fotografie. Im Traum fühle ich sie, lebe ich sie. Und dann präsentiere ich, frisch und munter ausgeschlafen diesen strahlenden Menschen, diesen starken Menschen, der Angst davor hat, gerettet zu werden und sich gleichzeitig nichts sehnlicher wünscht als das. Aber ich rede es gut. Ich bin happy.

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