Autismus Erfahrung: Hyperfokus

Zunächst: Obwohl das Wort selbsterklärend ist – was ist das? „einen nicht selektiv steuerbaren, Flow-ähnlichen und stimulusabhängigen Zustand erhöhter Konzentration.“ Mal aus adhspedia geklaut (LINK) Fand ich recht treffend, der Rest des Artikels ist meiner Meinung nach zum Teil mit Vorsicht zu genießen.

Ich beschreibe lieber in meinen Worten, wie das für mich ist, und wie sich das bei mir äußert, auch welche Probleme sich dadurch ergeben können.

Wann sich also so ein Hyperfokus ergibt, ist nicht bewusst steuerbar, auch nicht (immer), worauf sich das Interesse bezieht. Es beginnt mit einem Auslöser und endet in einer nicht enden wollenden Recherche. Die meisten Menschen googeln mal kurz etwas, klicken vielleicht auf die ersten drei Seiten der Suchergebnisse. Im Hyperfokus klicke ich auf alle Seiten, daraus ergeben sich neue Suchanfragen, die ich ebenfalls alle durchsuche, und so weiter. Bis die Informationssammlung vorhanden ist, die angestrebt wurde. Natürlich weiß ich das bei neuen Themen nicht, daher dauert so ein Hyperfokus gern mehrere Stunden. Der „Hunger“ ist quasi kaum zu stillen.

Oftmals stürzt sich der Hyperfokus aber auf bereits vorhandene Interessen. Da es in diesem Blog um’s schreiben geht, nehme ich das auch als Beispiel. Sehr oft schreibe ich, ohne direkt Hyper-Fokussiert zu sein. Mindestens genau so oft schreibe ich aber im Hyperfokus. Meist gibt es auch da einen Auslöser, einen Impuls, eine Inspiration, ein Gefühl. Und nicht immer schreibe ich dann tatsächlich. Manchmal endet das ganze in einer Ansammlung von Stichworten und Notizen. Man kann sich das dann so vorstellen, dass ich stundenlang (ja, manchmal so ca. 6 Stunden) Zombieartig auf den Bildschirm starre und allenfalls gelegentlich die Maus bewege, damit dieser nicht aus geht. Im Kopf passiert hingegen so schnell, so viel, dass ich nie alles mitschreiben könnte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es einen Auslöser gibt, ein roter Faden, mit oftmals unzähligen Abzweigungen und einer riesigen Informationsflut. Mein Speicher ist das gute alte Gehirn, mein Gedankenpalast mit ganz vielen zweckgebundenen Räumen.

Manchmal mache ich „da oben“ mehrere Dinge Parallel, was die Unmöglichkeit des Aufschreibens unterstreicht.

Meine Umwelt nehme ich dabei fast gar nicht wahr. Obwohl der Hyperfokus an sich sehr kräftezehrend ist, ist es andererseits entspannend, mal nicht die ganze Umwelt gleichzeitig ungefiltert in sich zu spüren. Selbstverständlich dringt diese trotzdem ein. Das Endergebnis ist Erschöpfung, Müdigkeit, Stress, Kopfschmerzen, etc.

Störungen sind dennoch möglich und sowohl zu empfehlen, als auch nicht zu empfehlen. Denn ein heraus reißen löst definitiv sehr schlechte Laune aus. Ich bin dann sehr genervt und bei dem, was ich dann alternativ tun soll, nur halbherzig bei der Sache. Der Kopf versucht quasi im Hyperfokus zu bleiben und sich gegen die Störung zu wehren. Manche Störung ist jedoch wichtig, und wenn ich nicht gerade genervt bin, weiß ich das auch. Denn man könnte ja mal wieder etwas essen, trinken oder zur Toilette gehen. Ihr möchtet an dieser Stelle nicht wissen, wann ich das letzte mal getrunken habe. 😉 Ich mach’s gleich, Moment. 🙂

Ich habe mich in meinen eigenen Worten absichtlich so ausgedrückt, dass ein Hyperfokus „meist“ nicht steuerbar ist, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass dieser Zustand auch steuerbar ist. Zum Beispiel, wenn ich weiß, wann und wie lange ich alleine sein werde, stehe ich extra früh auf, erledige meine Routinen, und bin dann bereit für den Hyperfokus. Nicht immer kommt es dazu, manchmal mache ich auch gern ganz andere Dinge, aber wenn es dazu kommt, weiß ich auch sehr genau, wann ich wieder raus kommen muss.

Nochmal zusammenfassend ist diese Zeit sehr produktiv, die Leistungsfähigkeit scheint unbegrenzt.

Probleme können in allen Bereichen des Lebens auftreten – sprich, nicht nur essen und trinken. Auch Termine wahrzunehmen, Abmachungen einzuhalten (was üblicherweise ein großes Bedürfnis ist!) oder auch einer Arbeit nachzugehen kann ggf. problematisch werden. Da ich diese potentiellen „Störungen“ in meinem Leben auf ein Minimum reduziert habe, bin ich davon nicht besonders betroffen. Sehr oft halte ich aber zum Beispiel nicht das ein, was ich mir selbst vorgenommen habe. Weshalb ein schlechtes Gewissen mein ständiger Begleiter ist.

Zwei weitere Themen sind geplant und werden vermutlich heute oder morgen abgetippt.

Bei weiteren Fragen oder Anregungen zu Themen, gerne in die Kommentare oder so. 🙂

Ein Kommentar

  1. Ich hab den Begriff Hyperfokus zwar schon mal gehört aber mir keine Vorstellung davon gemacht, wie „heftig“ das sein könnte. Stundenlang recherchieren, wenn es dich packt… das wäre mir zu viel 😉
    Es ist schon sehr interessant, was du da schreibst. Das macht so manche Situationen auch erklärbarer, denke ich.

    Gefällt 1 Person

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