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Autismus Erfahrung: Kurzfilm(e) zur autistischen Wahrnehmung

Ich richte diesen Beitrag vor allem an Menschen, die nicht autistisch sind. Ich halte es sehr einfach und kurz, ihr müsst nicht lesen, nur zuschauen. Es handelt sich um drei sehr kurze Kurzfilme. Ich küsse eure Herzen schon, wenn ihr nur ein Video anschaut. Wenn kurz hingeschaut wird. Wenn es nicht egal ist. Denn genau das ist oft das Gefühl. Egal zu sein.

Hier finde ich das Ende sehr einfühlsam. Die Wahrnehmung ist hier aber auch mit am besten dargestellt.
Hier kann man sehr gut sehen, weshalb so oft gesagt wird: „du siehst ja gar nicht autistisch aus“. Dabei ist es so unglaublich anstrengend, einen Tag, jeden Tag, irgendwie herumzukriegen. Autisten haben übrigens ein erhöhtes Risiko (6x so hoch) Suizidgedanken zu entwickeln.

Autisten sind nicht schlecht erzogen. Es ist einfach nur alles zu viel.

Ich brauche keine sozialen Kontakte. Ich bin viel glücklicher ohne. Bin glücklich in meiner Welt. Und genau das finde ich sehr traurig. Ich wäre gern sicher und zufrieden in der Welt da draußen.

Autismus Erfahrung: 5 Fragen – von übergriffig bis cringe.

Ich bin bereits seit einigen Jahren auf diversen Plattformen mit Autismus Content und im Austausch unterwegs und konnte dadurch einige Erfahrungen sammeln zwecks Fragen, die mir gestellt werden. Fünf Fragen, die mir sehr häufig gestellt wurden/werden, möchte ich gern vorstellen und auch, wie ich damit umgehe, denn die ein oder andere ist recht übergriffig (oder ich empfinde es so).

Die beliebteste Frage, beinahe ausnahmslos von Herren gestellt, lautet: Kannst du Sex haben?

Diese Frage ist im Kontext zur Behinderung zu verstehen. Diese Frage wird mir von völlig fremden Menschen gestellt, oftmals ist es das erste, was ich von ihnen lese. Nicht mal ein „Hey“. Würden mir diese Menschen diese Frage auch stellen, wenn ich vor ihnen stünde? Vermutlich nicht. Diese Frage wird nicht immer exakt so gestellt, aber eben so und sehr ähnlich. Generell gilt: Schwachsinnige Frage, übergriffig und unangebracht. Jeder Mensch kann Sex haben, wenn er im Besitz seiner geistigen Kräfte ist und somit auf seine Art einwilligen kann. Demnach haben Koma-Patienten keinen Sex. Und wir haben, denke ich, alle eine Schule besucht. Sex/Intimität kann auf verschiedenste Arten stattfinden. Die Frage: „Wie kannst du Sex haben?“, ist genauso übergriffig. Diese Fragen stellt man niemandem einfach so aus dem Nichts heraus. Auch nicht online. Und das mit dem „Anonym“ ist ein Irrglaube.

Zur Häufigkeit: Diese Fragen bekomme ich an manchen Tagen mehrfach gestellt.

Nun, ich bin da im Grunde recht aufgeschlossen und mache meine Antwort von der Fragestellung abhängig. Ein guter Einstieg ist da, dass sich der Fragesteller (mindestens) bewusst darüber zeigt, wie Privat diese Frage ist. Um es mit den Worten jedes Anwalts (bzw. Anwältin) zu sagen: „Ein klares, es kommt drauf an“. 🙂

99% werden direkt geblockt. Das wäre auch mein guter Rat. Am besten immer blocken.

Wenn ich gut gelaunt bin, antworte ich irgendeinen Blödsinn. Einem habe ich mal geantwortet: „Nein, aufgrund der fehlerhaften Verdrahtung im Gehirn ist meine Vagina verschlossen.“ Daraufhin fragte er, ob er ein Foto davon bekommen könne. Na ja. Habe das dann seither nicht mehr geantwortet. Und natürlich geblockt. Manchmal gibt’s aber auf ne dumme Frage ne dumme Antwort (bevor ich blocke). 😉

Was mich daran am meisten schockiert: Diese „erwachsenen“ Männer stellen solche Fragen auf Plattformen, wo auch sehr Minderjährige aktiv sind.

Die zweite – sehr nervige Frage ist: „Was ist deine Inselbegabung?“

Nun, es gibt weltweit ca. 100-150 bestätigte Savant’s. Ich bin keiner davon. Hätte ja sein können, ich weiß. Wenn ich aber darüber nachdenke, dass auch viele andere Autisten diese Frage gestellt bekommen…suchen die Leute gezielt so jemanden? Warum? Was erhoffen sie sich dadurch? Einfach komplett sinnlos. Ich persönlich finde die Frage zudem noch übergriffiger, als die Frage nach dem Sex. Mein (passwortgeschützter) Beitrag zum Thema Hochbegabung war der unangenehmste, den ich je verfasst habe, ich denke, das merkt man vielleicht auch. Fühlte sich an wie nackt durch die volle Innenstadt laufen…multipliziert mit 10. Soll schon was heißen – bei mir. Ich mag dieses Thema gar nicht und rede nicht darüber. Weiß der/die Fragesteller/in natürlich nicht. Wird trotzdem wahlweise geblockt oder ignoriert.

Dritte Frage ist: „Kannst du alleine Wohnen?“

Okay, die Frage geht schon in Ordnung. Gewiss aber nicht für jede/n Autist:in, denn mir sind einige bekannt, die gerne möchten, aber nicht oder noch nicht können. Und das streut natürlich Salz in eine Wunde. Ich beantworte diese Frage aber in der Regel. Und auch die Folgefragen, ob ich einen gesetzlichen Betreuer habe oder brauche. Oder ob ich selbst Verträge unterschreiben darf. Diese Fragen sind halt wirklich sehr cringe. 😀 Verstehe aber die Neugier. Ich bin mein eigener Boss beantwortet die Frage, oder? 😉

Vierte Frage bzw. dies ist eine Aussage: „Reiß dich doch mal zusammen, mir geht’s manchmal genau so“.

Ob nun Behinderung oder chronisch Krank – Ständig hört man solche Aussagen (ganz oft auch von „Fach“-Personal“). Mein Mittelfinger antwortet inzwischen. Punkt. Diese Aussage ist nicht okay, sofern du nicht ganz genau so betroffen bist! Sie redet Probleme klein. Und allgemein: Wie darf man es recht machen? An einem guten Tag ist man nicht Behindert genug, an einem schlechten zu behindert. Na wie gesagt – Mittelfinger. Ich lasse mir schon lange nichts mehr gefallen. Nun, ich bin natürlich nicht wirklich so unhöflich (ok, manchmal doch, aber nur wenn ich weiß, dass der andere es auch wirklich sehen oder hören kann) Also nicht online. Aber ich breche Aufklärungsversuche schnell ab und ignoriere. Dafür ist mir meine Energie zu wertvoll.

Die letzte Frage: Wurdest du als Kind geimpft? Hast du es mal mit dieser oder jener Ernährung probiert?

Für die Beantwortung dieser Frage müsste ich besoffen sein. Ja, solche „Lebensretter“ (erinnert mich n bisschen an Euthanasie, aber egal) tauchen immer mal wieder auf. Besonders gern bei Eltern, die Unterstützung suchen für ihr autistisches Kind. Großen Bogen drum machen und ans qualifizierte Autismus-Zentrum wenden. Zum Beispiel. Autismus ist eine anerkannte Behinderung und man wird damit geboren. Manche „Lebensretter“ fühlen sich einfach nur so berufen, vielleicht aus eigener Erfahrung mit ihrem eigenen Kind..oh man.. Oder mit finanzieller Absicht. Es gibt kein Heilmittel für Autismus – und wenn es eines gäbe, würde ich es niemals verwenden. Lieber hab ich nen Knall, es ist meiner, und meine diversen Probleme, als nicht mehr ich zu sein. Ich kann mich oft nicht leiden, aber ich lieb mich sehr.

Autismus Erfahrung: kleiner Ausflug zur Kommunikation

Eigentlich schreibe ich gerade an einem ganz anderen Thema, dieses Gedicht inspirierte mich jedoch zu einem kurzen Ausflug zum Thema Kommunikation.

Dazwischen...

Ich lese Wörter und verstehe, 
was ungesagt dazwischen steht, 
das was gemeint, nicht angesprochen, 
doch unverkennbar eingenäht.

Es ist mitunter klar ersichtlich, 
das andere dann wohl verdeckt, 
in der Metapher liegt die Wahrheit, 
egal wie gut sie sich versteckt.

Ich liebe Worte wie die Sprache, 
zum einen blumig, manchmal platt, 
die Höhen, Tiefen eines Ausdrucks, 
sie schauen wohl auf Dich herab...

© Maccabros 02./03.08.2022

Das ist so ziemlich die Antwort auf die Frage: Was ist das Problem (in der Kommunikation) zwischen Autist:innen und nicht-Autist:innen. Die Kommunikation von Autist:innen kann verbal und nonverbal sein, aber sie ist gewiss immer direkt. Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel, ich bin jedoch keine Ausnahme.

Die Frage, die ich mir grundsätzlich stelle ist, ergibt es Sinn, was ich sage, oder dass ich etwas sage? Bringt es mir oder der anderen Person einen Nutzen? Oder ist es Zeitverschwendung? Ich hasse Zeitverschwendung. Womöglich schadet es mir, etwas zu sagen? Wie/Was ist der langfristige Sinn?

Wenn ich also meine Frage mit einem begründeten ‚ja‘ beantworten kann, dann sage ich direkt, was ich sagen möchte. (Ich habe zwar auch Schwierigkeiten, richtige Worte zu finden und verliere mich daher oftmals in Erklärungen, dennoch meine ich das was ich sage.) Da steht nichts zwischen den Zeilen. Es gibt keinen Grund etwas anderes hineinzuinterpretieren. Auch dann nicht, wenn ich schweige. Denn wenn ich schweige, dann nur, weil ich diese Frage mit ’nein‘ beantwortet habe (Das kommt bei mir eher selten vor, meistens beschäftigen mich keine sinnlosen Gedanken). Sinn ergibt dann nur noch das, was ich eigentlich hätte sagen wollen, abzuhaken. Und ich verschwende keinen weiteren Gedanken daran.

Wenn ich etwas nicht sagen möchte, sage ich aber immerhin, dass ich etwas nicht sagen möchte.

Denn einen Sinn ergibt es ja bereits, wenn es mich, mein Empfinden oder was auch immer, erleichtert. Wenn ich jedoch dahingehend kein Bedürfnis habe, ist selbst der kleinste Sinn hinfällig. Mein Schweigen bedeutet also nichts. Man könnte auch sagen, dass mir Betreffendes egal ist.

Es steht nichts ungesagt dazwischen, es ist nur das gemeint, was gesagt wird/wurde. Nichts verdecktes. Keine Metaphern.

Niemand hat einen Nutzen davon, wenn Kommunikation schweigend oder durch eine Blume stattfindet.

Selbst wenn das ein oder andere Gesagte einen selbst, oder andere verletzt.

Ich bin jedoch bemüht, sensible Themen möglichst emphatisch zu besprechen. Mich jedoch in Euphemismen zu verlieren, habe ich nahezu komplett abgelegt. Eine Weile lang habe ich mich damit sehr intensiv beschäftigt. Bringt aber nichts.

Mir ist klar, dass nicht-Autisten sehr häufig so kommunizieren, wie im Gedicht beschrieben. Äußerst anstrengend. Ich tue mir selbst den Gefallen und verstehe ausschließlich das, was gesagt wurde. Ich lege zunächst meist nur wenig Bedeutung in die Worte und warte ab, ob sie der Wahrheit entsprechen (das offenbart sich meistens recht schnell). Und Schweigen hat für mich gar keine Bedeutung. Unterm Strich liegt in der Kommunikation viel Unwahrheit und viel Nichts. Es bleibt oft nervtötend und anstrengend.

Autismus Erfahrung: Schmerz (-Wahrnehmung)

Obwohl die Wahrnehmung in nahezu allen Bereichen erhöht ist (Stichpunkt: Reizfilterschwäche), ist die eigene Körperwahrnehmung oft gestört. So auch meine. Die Selbsteinschätzung ist da sehr schlecht. Ich bin da vergleichbar mit einer Katze: Schmerzen/Unwohlsein sind für die Besitzer oft erst dann erkennbar, wenn es der Katze extrem schlecht geht und selbst dann zeigen sich manchmal nur kleinste Verhaltensauffälligkeiten. So ist das bei mir. Wenn ich sage, dass es mir nicht gut geht, bin ich im Grunde schon scheintot. Bis dahin ist es eine Mischung aus nicht wahrnehmen, nicht zuordnen können, nicht wahrhaben wollen/ignorieren.

Ich versuche mich an sichtbaren/spürbaren zu orientieren. Abtasten, Vitalwerte, Hautveränderungen in Form von Rötung, Schwellung, etc, Veränderung bzgl. Ausscheidungen. Damit ich bei einem Arztbesuch mehr sagen kann als „durch den Körper wanderndes Unwohlsein mit Druckgefühlen, die auch Schmerz sein könnten“. Zumal ich Schmerz erst dann wahrnehme, wenn ich ihn quasi sehen kann.

Bei Autist:innen ist das sehr unterschiedlich. Manche sind sehr Schmerzempfindlich, andere reagieren kaum bis gar nicht auf Schmerzreize. Es gibt auch Autist:innen, die sogar beim Haareschneiden Schmerzen empfinden, obwohl das eigentlich aufgrund von nicht vorhandenen Schmerzrezeptoren nicht möglich ist. Trotzdem ist Schmerz generell ernstzunehmen! Ebenfalls braucht es einen sehr kompetenten Arzt, denn Symptome müssen oft explizit erfragt werden. In meinem Fall ist das nicht so. Ich bemühe mich, mit einem perfekt vorbereitetem Vortrag dort zu erscheinen. Ich bin eben sehr gern vorbereitet.

Abseits von diesem Thema hatte ich daher, so denke ich, auch den Ruf einer „Mutti“ in meiner ehemaligen Klasse an der Pflegeschule. Was immer jemand brauchte, es war in meiner Tasche. Und wenn es nicht da war, konnte ich es sehr schnell auftreiben. Es passiert also selten, dass ich in so spontane Situationen gerate/mich begebe, dass ich nicht für alle Eventualitäten gewappnet wäre.

Nun, so auch beim Arzt. Witzigerweise kommt da auch immer mein Bestreben auf, bei Prüfungen eine 1 zu erzielen. Ich versuche also so gesund wie möglich aufzutreten. Mein Arzt weiß das zum Glück und kann mich inzwischen sehr gut einschätzen. Mich, die Katze. 😉 Mein Benotungssystem ist halt etwas anders. Ne 1 ist okay, ne 2 ist ne 4 und ab einer 3 sind es nur noch 6en. Ich habe in der Pflegeschule ein mal ne 3 auf einer Klausur gehabt, das Thema war mir Latte, die Klausur auch, das Thema weiß ich aber noch und inzwischen würde es eine 1 geben. War mit mir selbst beschäftigt. Als mir die Dozentin diese aber mit den Worten „sehr gute Leistung“ wiedergegeben hatte, wollte ich ihr gern die Augen auskratzen. 😉 Zum Glück war das die einzige 3. (Wenn man mündlich benotete Gruppengespräche nicht mitzählt..)

Ich finde das deshalb so interessant, weil die Wahrnehmung durch äußere Reize so hoch ist, dass ich diese meist kaum ertrage und selbst gewollte Reize nur funktionieren, wenn ich meine natürliche Reaktion unterdrücke. (Vergleichbar (nicht gleichzusetzen!) mit dem unterdrücken von Tics bei Tourette, unfassbar anstrengend, auszehrend und ja, auch in gewisser Weise schmerzhaft). Bei diesem inneren Schmerz-Reiz diese Wahrnehmung aber auf ganzer Linie versagt. Wobei es mir bei bekannten Schmerzen deutlich leichter fällt, diese genau zu benennen. Klassisch zum Beispiel Unterleibschmerzen. Aber selbst da müssen die Schmerzen schon sehr stark sein, bevor ich diese kundtue.

Das könnte aber auch an meinem Partner liegen, welcher sich dann um mich „kümmern“ will. Nun, ich betüddel gern, aber ich werde nicht gern umsorgt. Mir reicht es, in mein Loch zu krabbeln und vor mich hin zu leiden. Und da mein Kreislauf schon eine ganze Weile nicht mehr so ganz da ist, werde ich das nun auch tun. Auf diesen Beitrag hatte ich dennoch Lust, oder einfach nur den Drang etwas zu schreiben.

Autismus Erfahrung: Skurrile Spezialinteressen

Ja, solche gibt es auch. Häufig werden sie nicht als solche erkannt, weil es ebenso eine Vorliebe sein kann. Bei Autist:innen kann das jedoch reichlich ausufern. Natürlich gibt es auch nicht-autistische Menschen mit Sammelleidenschaft. 🙂

Zum Beispiel eine Farbe. Jeder hat wohl so seine Lieblingsfarben. Sollte es sich aber um ein Spezialinteresse handeln, trägt nahezu alles diese Farbe. Dinge werden gekauft, weil sie in dieser Farbe sind. Die Wohnung, die Kleidung, selbst die Haare werden in diese eine Farbe getaucht. Vom Duschgel, über den Toaster, bis hin zur Bettwäsche und über den Löffel. Alles muss diese Farbe beinhalten.

Auch das Sammeln von Dingen, ob nun Figuren, Streichholzschachteln oder Nagellacke. Man kann schließlich alles sammeln, nicht nur sinnvolles/lehrreiches.

Bei mir waren es schon einige Dinge im Laufe meines Lebens. Zuletzt habe ich mich von meiner Glubschiesammlung getrennt. Sehr schweren Herzens, denn sie mussten, bis auf wenige Ausnahmen, allesamt im Bett aufgereiht sein. Nun, ich habe nen Partner. Es wär wohl komisch gewesen, den Kerl zu entfernen, um die Glubschiesammlung zu erweitern. Ich habe also einen auf erwachsen gemacht und die Tierchen verkauft. Das Blut aus meinem Herzen fließt noch immer. Aber, wie das so ist, es gibt sinnvolleres.

Meine Eulen sind aber noch in jeder Ecke meiner Wohnung aufzufinden, in allen möglichen Formen und Farben. Eigentlich müsste ich mal alle zusammensuchen, aufreihen und fotografieren. Vielleicht mache ich das mal nachträglich. Bin jedoch ganz glücklich, wenn sie an ihren Plätzen bleiben. Ich kaufe zwar nur noch selten neue, aber trennen kann ich mich auch nicht.

Ich liebe darüber hinaus Übertöpfe. Solche, die nicht aussehen wie alle anderen. Und statt Blumen freue ich mich riesig über einen weiteren Kaktus. Aber auch diese Sammlung ist überschaubar, weil es mir eben gefallen muss. Meistens bekomme ich diese Dinge geschenkt.

Eine Sache wäre da noch…Die ist offengestanden schon etwas peinlich. Trotzdem teile ich sie mal, eigentlich wollte ich das nicht. Nun, ich habe ein Stofftier. Eine Ente. Sie ist nicht nur ein Mittel der Kommunikation für mich, ich würde sie auch als Spezialinteresse bezeichnen. Dieses Tier hat inzwischen eine komplett eigene und extrem detaillierte Persönlichkeit und auch eine eigene Stimme. Selbstverständlich verstelle ich meine Stimme. Manchmal habe ich die Sorge, dass meine Stimme einfach so bleibt, so quietschig. Niemand würde mich noch ernst nehmen, so auf Helium. Für meine Arbeit ist sie allerdings praktisch. Wenn ein/e Bew. schlechte Laune hat, kann ich mit dieser Stimme die Stimmung direkt erhellen. 🙂

So etwas kommt bei Autist:innen häufiger vor, bzw. ist es mir schon häufig begegnet. Ja, es haben sich schon lange Gespräche ergeben, die die Stofftiere geführt haben.

Nun, da kann man jetzt denken, was man will. Garantiert bin ich aber irrer, als man es sich vorstellen kann. Dafür kann ich bei ner Wassermelone anklopfen, um den Reifegrad zu prüfen. Ha!

Nun, ich sammle auch noch andere (theoretisch sinnlose) Dinge, aber nicht viele und auch nicht allzu ausufernd. Ich bin wählerisch. 🙂

  • Als nächsten Beitrag würde ich gerne etwas über die Synästhesie (Link führt zum Wiki-Eintrag) schreiben. Ein paar wenige zusammengefasste Fakten, wie ich das gemerkt habe und was genau ich damit so machen kann (ich bin Synästhetikerin). Hat nichts mit Autismus zu tun, ist eher ein sinnloses Talent, trotzdem irgendwie spaßig. Dazu gerne mal eure (vor)Namen oder die Namen eurer Freunde etc. in die Kommentare schreiben. 🙂 Oder Lieblingsworte (Sprache egal), Zahlen (z.B. Geburtsdaten oder so) oder ein bestimmtes Lied. Das wäre ein wenig persönlicher. 🙂

Autismus Erfahrung: 5 Dinge, die andere in den Wahnsinn treiben

Dazu habe ich meine Mutter gefragt. Ihre erste Reaktion war „wo soll ich da anfangen“…na das fängt ja gut an. 😉 Sie hat auf jeden Fall sehr viel gesagt, aber auch, dass sie mich lieb hat. 😀 Fünf Dinge habe ich herausgepickt.

  • ich muss immer etwas in der Hand haben, gestalten, fummeln, schnippeln, werkeln, etc.
  • ich lasse Menschen selten zu Wort kommen, aussprechen und schalte auf Durchzug, wenn mich etwas nicht interessiert.
  • ich bin offenbar sehr dominant. Dinge laufen so, wie ich das will, oder gar nicht. Nach meinem System, meiner Logik, daran ist kaum zu rütteln. (ich finde ja, dass ich sehr kompromissbereit sein kann und dominant bin ich eigentlich auch nicht)
  • wenn ich etwas suche, möchte, brauche, oder etwas für mich falsch ist, dann gebe ich keine Ruhe, bis es richtig ist. (In dem Zusammenhang: meine Hausschuhe mussten vor einigen Wochen im Müll landen, die Selben gibt es nicht mehr zu kaufen. Daher habe ich nun keine und es frisst mein Hirn jeden Tag.)
  • ich bin oft unpünktlich, wenn es kein wichtiger Termin ist. Das liegt ganz einfach daran, dass ein bisschen AD(H)S kickt, mich lenken viele spaßigere Dinge ab und wenn ich keine Deadline habe, dann achte ich nicht auf die Uhrzeit. Ich weiß nie wie spät es ist, welches Datum wir haben oder den Wochentag. Meine Routinen sind an keine feste Uhrzeit gebunden, mehr an Situationen, ungefähre Tageszeiten und die Routinen sind in sich fest.

Aber ja, sie hat mich wohl lieb. Immerhin durfte ich als Kind die Wände bemalen, was wohl auch nicht üblich ist.

Autismus Erfahrung: 5 Dinge, über die ich herausgefunden habe, dass sie nicht für jeden so ganz normal sind

  1. meine App-Icons nach 1. Farben, 2. alphabetisch und nach 3. Buchstabenanzahl sortieren, gar nicht so einfach, weil sich die Farben gelegentlich ändern, ich Apps hinzufüge oder lösche.
  2. Speisen vorzugsweise nach Konsistenz und Struktur, statt nach Geschmack auswählen. Ich mag weiches essen. Stückchen oder Körner mag ich gar nicht, die muss ich pürieren oder sehr gut verstecken/einweichen, wenn möglich. Meist umgehe ich solche Speisen jedoch.
  3. Alles mögliche berühren, oder eben nicht berühren, wenn ich bereits herausgefunden habe, dass es mir nicht gefällt. Ich mag am liebsten flauschiges, raues und kratziges.
  4. Mich mit „Kleinigkeiten“ gedanklich wochenlang, zum Teil jahrelang beschäftigen.
  5. In meine Interessen deutlich mehr Zeit investieren, als in Menschen. Für Menschen habe ich an guten Tagen vielleicht 10% meiner Zeit übrig.

Autismus Erfahrung. Lästig sein/werden. „zu viel sein“

Nach meinem Empfinden ist das eine Erfahrung, die ich schon länger nicht gemacht habe, was ganz einfach daran liegt, dass ich die Kapazität für meinen inneren Kreis auf ein Minimum beschränkt habe. Was aber nicht nur an meiner begrenzten Energie liegt, sondern gewiss auch daran, abgestoßen zu werden. (Ausgehend davon, dass ich nicht maskiere)

Wenn ich mich mit einer Person sehr wohl fühle, oder in einer Situation, dann bin ich meist „zu viel“. Zu schnell reden. Nicht zuhören, stattdessen lauter werden, wenn die andere Person etwas sagen möchte. Ich merke es selten, wann ein Gespräch beginnt, wann ich dran bin mit reden und wann ein Gespräch beendet ist. Und auch meine Themen sind begrenzt. Angenommen eine Person klagt über Bauchschmerzen, dann kommt man kurz von Hölzchen auf Stöckchen, darauf folgend ein zweistündiger Monolog über Ausscheidungen meinerseits. Also nicht über meine Ausscheidungen, sondern über das Thema allgemein. Nur so als Beispiel. Das lässt sich auch auf andere Themen anwenden.

Ich merke es dann nicht, wenn ein Thema unangenehm ist, oder ich zu viel rede. Okay, die gängigen Tabu-Themen sind mir schon bewusst, aber gerade über die weiß ich einiges. Alternativ gibt es einen Vortrag über (für mich) interessante geschichtliche Personen oder Ereignisse, womit ich mein Gegenüber dann ins Koma versetze.

Dabei habe ich eigentlich nichts dagegen, wenn mir mal jemand nen Vortrag hält. Ich liebe es, neues zu lernen über Themen, die mich interessieren.

Dazu kommt meine Direktheit. Ich sage Dinge, die ggf. verletzend sein könnten oder unangenehm. Auch das merke ich selten, weil für mich ein Thema wie’s Andere ist. Oder es ergibt für mich keinen Sinn, die Unwahrheit zu sagen.

Zu viel fühlen. Und das auch nicht verstecken. Oder gar nichts fühlen und auch das nicht verstecken.

Zu aufgedreht, zu laut, zu leise, zu vorhersehbar oder zu unberechenbar.

Manchmal kommt noch ne Comic-artige Mimik dazu.

Zu Flummi-artig aufgedreht.

Zu intensiv. Zu durcheinander. Zu melancholisch.

Zu viele Fragen. Manchmal auch die selben Fragen. Kann ja sein, dass die Antwort eine andere ist. Zu viele Aussagen.

Dieses „zu viel“ fällt mir schwer zu beschreiben. Aber nehmen wir nur mal dieses Blog. Ich schreibe unfassbar viel. Vielleicht landen 10% davon hier. Oder auch inhaltlich. Ja, mir wurde schon mitgeteilt, dass irgendetwas zu viel ist. Zu viele Buchstaben, zu unpassende Gefühle, was auch immer. Inzwischen habe ich zwei weitere Blogs.

Zu viel Leidenschaft für etwas, oder gar keine. Zu viel Freiheitsliebe. Einfach zu viel. Und ganz oft ist es auch mir zu viel. Aber ich kann ja schlecht vor mir selbst davonlaufen. Und ich sehe es nicht ein, mich mit Medikamenten ruhig zu stellen, um anderen in den Kram zu passen.

Zu viel mit anderen Dingen beschäftigt.

Die Erfahrung hat das im Groben und Ganzen auch geregelt. Ich habe ein System. Schweigen. Klappt nicht immer, aber meist. Das System hat eine Schwäche, denn selbstverständlich rennt mir niemand hinterher – und so wurde das gewiss das ein oder andere Mal aufgefasst. Merke ich zwar nichts von, aber ist über die Jahre bestimmt mal vorgekommen. Damit beschäftige ich mich aber gedanklich nicht, weil es mir egal geworden ist.

Alles in allem – zu viel.

Autismus Erfahrung: System

In der letzten Nacht habe ich mal wieder in eine meiner aktuell liebsten Serien reingeschaut. „The Good Doctor“, wer diese Serie gesehen hat, bitte nicht Spoilern, ich bin erst in Staffel 2.

Ich habe die Folge geschaut, in welcher der autistische Dr. Shaun Murphy mit seiner guten Freundin Lea zusammengezogen ist. Es gab den ersten Streit, Auslöser war eine verkehrt herum hängende Toilettenpapierrolle. Unweigerlich dachte ich dann an mein Umfeld und hatte etwas Mitgefühl, spürte aber auch große Dankbarkeit.

Würde mich selbst zwar für ziemlich flexibel halten (das kann ich nicht schreiben, ohne zu schmunzeln), aber die ein oder andere Eigenart habe ich gewiss. Na sagen wir, in meinem Rahmen bin ich Kompromissfähig, oder manchmal in der Lage, einfach wortlos wegzuschauen. Im Großen und Ganzen ist es aber sicher nicht immer leicht, mit mir zusammenzuleben. Zusammengefasst darf hier kaum etwas berührt, benutzt oder bewegt werden, ohne vorherige Ankündigung. Natürlich passiert das trotzdem ganz oft, was gelegentlich zu einem kleinen Streit führt. Oder sagen wir, ich werde dann ungemütlich. In diesem Sinne spüre ich Dankbarkeit für unfassbar viel Verständnis. Aber auch Mitgefühl, ein schlechtes Gewissen, wenn ich mal wieder einen Kurzschluss im Hirn habe, weil ne Tasse plötzlich im anderen/falschen Winkel steht. Naja, so ungefähr.

Als Kind/Jugendliche habe ich mein System, welches oftmals nur in meinem Kopf einen Sinn zu ergeben scheint, auch an fremden Orten durchsetzen wollen/es getan habe ohne zu fragen. In fremden Wohnungen, in Arztpraxen, in Geschäften, alles muss an seinem Platz sein. Dieses Verhalten kam oftmals nicht gut an, weshalb ich dieses zum Großteil (zumindest im Bezug auf fremde Wohnungen) abgelegt habe, obwohl der Drang selbstverständlich da ist. Sofern es meine Energie zulässt, sortiere ich aber noch in Geschäften, etc, wenn auch nur noch selten. Aufregen kann ich mich aber meist gut.

Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt darauf, wie das Zusammenleben der beiden weiterhin aussehen wird. 🙂

Autismus Erfahrung: Hilfsmittel

Ich möchte über meine Erfahrung/mein Erleben, aber auch über ein paar Allgemeine Dinge schreiben. Auch wenn es mir gerade nicht möglich erscheint, wirklich alles in diesen Beitrag zu bekommen. Vermutlich denke ich gerade an die Hälfte nicht, aber der Beitrag ist ja nicht in Stein gemeißelt. 🙂

Aber nun zur Sache…

Die sensorischen Reize abzuschirmen gelingt mir in einem verhältnismäßig kleinen Ausmaß.

Die Umgebung muss so reizarm wie möglich gestaltet sein. Bzw. mit Dingen, die stimulieren.

  1. zum Beispiel bleiben Dinge an ihrem festen Platz (trotzdem muss ich relativ häufig etwas suchen)
  2. Einstellungen von Geräten müssen beibehalten oder immer auf die selbe Art verändert werden.
  3. Menschen sind auf die nötigsten zu reduzieren, am liebsten bin ich allein
  4. Umgebungsgeräusche sind ebenfalls auf ein Minimum zu reduzieren

Mein Kopfhörer ist mir da (zu Hause) eine große Hilfe, sehr oft höre ich über Stunden das selbe Lied, oder eine bestimmte Playlist.

Ausgehen ist kaum möglich, während 2G noch galt fand ich Kino aber wieder toll, alternativ Autokino. Aber mal eben spontan in ein Restaurant oder ein Cafe gehen, nein. Ich habe mich viele Jahre zu solchen Dingen gezwungen, das Ergebnis sind psychische Erkrankungen, die vermeidbar gewesen wären.

Draußen ist mir der Kopfhörer keine große Hilfe, denn die akustischen Reize damit auszublenden wirkt eher gefährlich. Durch die übrigen Reize kann ich schlechter sehen, besonders bei grellem Licht. Manchmal habe ich Situationen, in denen ich fast nichts mehr sehen kann, dadurch verliere ich die Orientierung. Besonders gefährlich ist das aufgrund von Straßenverkehr, da hatte ich bisher schon sehr oft sehr viel Glück. Dahingehend fühle ich mich aber sicherer, wenn ich akustische Reize wahrnehme, um entgegenkommende Autos wenigstens hören zu können (neben dem Fühlen der Vibration)
Eine Sonnenbrille wäre da eine Lösung, diese Veränderung mag ich jedoch gar nicht.

Gegen Berührungen kann lange/dicke Kleidung etwas helfen. Niemand mag gern von Unbekannten in Intimzonen berührt werden (neben den Geschlechtsorganen und dem Gesäß ist zum Beispiel auch das Gesicht eine Intimzone)

Für mich ist alles Intimzone, (ganz besonders Blickkontakt). Dagegen kann eine Warnweste helfen mit entsprechendem Aufdruck, nicht berührt werden zu wollen. Mir persönlich war das etwas zu viel, weshalb ich es mit einem Magnetbutton versucht habe. Der ist leider völlig sinnlos. Im Geschäft wurde ich daher schon des Öfteren für einen Ladendieb gehalten, weil ich ewig in der Gegend herumstehen muss, bis dort, wo ich hin möchte, keiner mehr steht.

Seit Corona ist ein kurzes Husten sehr effektiv. Selbstverständlich ohne die Hand (oder den Ellenbogen, mit dem sich die Menschen dann berühren) nicht vor den Mund halten. Die meisten Menschen springen instinktiv weg. Ein bisschen lustig ist es auch. Wenn man das nicht möchte kann man aber auch sagen „ich fühle mich so komisch, muss wohl mal nen Coronatest machen“. Sofern man sprechen kann, ist auch das hilfreich. Zu erwähnen, dass man Pflegekraft ist, war zu Beginn der Pandemie auch sehr effektiv.

Stimming welcher Art auch immer kann ebenfalls lindern.

Sehr verständnisvolle Bezugspersonen sind extrem wichtig für alle anfallenden Situationen.

Natürlich gibt es auch positive Berührungen (entweder von einem Menschen, den man mag, oder eine Berührung die notwendig ist, zum Beispiel medizinisch), welche jedoch ebenfalls eine unterschiedlich hohe Reizüberflutung nach sich ziehen. Wahrung der Grenzen und Respekt sind da sehr wichtig. Die Menschen kann man sich glücklicherweise oftmals aussuchen. Am leichtesten erklären kann ich das mit einem Beispiel. Auf eine gewünschte Umarmung folgt eine Ruhephase, manchmal von mehreren Stunden. Berührungen, auch positive, werden extrem intensiv wahrgenommen, oftmals fühlt es sich an wie Stromschläge, die durch den Körper preschen. Die Erschöpfung dürfte verständlich sein. Und so ist auch die zufällige Berührung im Bus, in der Stadt oder sonst wo, ein enorm großer Eingriff in den Körper.

Weiter zum Thema Schlaf. Um Unruhe zu vermeiden kann eine Gewichtsdecke helfen. Diese fördert die eigene Körperwahrnehmung und mindert Schlafstörungen. Sie wirkt sich auf die Muskeln, die Gelenke, etc. aus. Mir sagt sie nicht zu, habe bisher aber nie mit einer solchen geschlafen. Wäre ja auch wieder eine Veränderung, also schlecht. 😀 Trotzdem kann ich relativ gut schlafen und zwar mit Gronkh. Da lasse ich nen Livestream laufen. Die Stimme hat wohl etwas beruhigendes. (Als ich ihm das mal erzählt habe, hat er es als Kompliment aufgefasst) Darüber hinaus kann hochdosiertes Melatonin helfen (das ist verschreibungspflichtig), in geringeren Mengen jedoch auch als Tablette oder Tee in der Drogerie zu kaufen. Bevor man zu (Schlaf-)Medikamenten greift, lohnt es sich, dieses auszuprobieren.

Zum Thema Ernährung. Ich bin ein sehr schlechter Esser und ein noch schlechterer Trinker. (Aber Hauptsache bei der Arbeit gute Ratschläge diesbezüglich verteilen:D) Ach, nicht nur bei der Arbeit. Zu Hause/in meinem Umfeld auch. Aber da gibt es mehrere Hilfsmittel, auf diesen Ohren bin ich jedoch bisher taub, sprich – bei mir funktionieren diese Dinge nicht. Da die Wahrnehmung gestört ist, werden diese Dinge einfach vergessen. Ich habe es mal mit laminierten Karten Probiert (liegen aber nur in einer Schublade)..hier als Bild – wenn jemand Interesse daran hat, der möge mir schreiben, ich schicke sie gern kostenlos zu. Diese sind vor allem dazu da, um die Ernährung vielseitiger zu gestalten.

Auch der Handywecker oder eine Eieruhr bringen in diesem Fall nichts, kann aber generell eine Hilfe sein. Menschen, die mich sehr stark damit nerven können helfen zu trinken. Am meisten geholfen hat mir mein letzter Krankenhausaufenthalt. Meist spüre ich Durst erst in Form von Schwindel, in diesem Fall war es zu spät und ich bin ohnmächtig geworden. Da ich mich gleichzeitig auch verletzt habe, bin ich ins Krankenhaus, was im Allgemeinen ein etwas traumatisches Erlebnis war. (Die Ärztin war aber sehr lieb und einfühlsam, sie schien sich etwas im Umgang mit Autisten auszukennen) Auch Notizzettel oder Erinnerungskarten können helfen.

Meine Ernährung ist weiterhin sehr einseitig (was natürlich super gut zur veganen Ernährung passt – nicht) Wobei sich das seit der Ernährungsumstellung stark gebessert hat. Da habe ich es mit meinem Insta Account versucht, um da jedoch der großen Eintönigkeit zu entgehen, zeige ich einfach nicht alles, was ich esse. Und das ich immer die selben Gewürze verwende, lasse ich ebenfalls außen vor. 😉 Trotzdem hat mir der Austausch dort etwas geholfen, manchmal etwas neues zu probieren. Hilfreich finde ich (Ernährungsform egal), sich an Nährstoffen zu orientieren, diese zu dokumentieren. An guten Tagen erreiche ich da das meiste. In der Küche allgemein hilft mir eine Abschaltautomatik an Backofen und Herd.

Der Hai aus Findet Nemo würde sagen: Der Klassiker, Verdrängung 😀

Planung ist das halbe Leben (manchmal lebe ich in der anderen Hälfte und erhalte die Quittung dafür)

Zur Einhaltung von Routinen, die elementar für einen möglichst guten Tag sind, ist der Wecker bzw. ein Timer eine große Hilfe. Ich habe über 150 eingestellte Weckzeiten, die ich aber nur nach Bedarf nutze. Meistens weiß ich nicht, wie spät es ist, oder welchen Tag wir haben. Trotzdem freue ich mich, wenn ich beinahe täglich auf die Uhr schaue, die dann meinen Geburtstag anzeigt (obwohl ich meinen Geburtstag an sich gar nicht mag. Das ich mir in dem betreffenden Monat den ganzen Monat Urlaub genommen habe, ist Beweisstück A). Eine bestimmte Abfolge von Musik kann helfen, Zeiten einzuschätzen.
Weiterhin hilft es, wenn man sein Umfeld an seine Routinen anpasst. Falls das nicht möglich ist, dann eben umgekehrt. Ein simpler Tagesplan kann ebenfalls helfen, die Struktur beizubehalten. In Form von Worten und/oder Piktogrammen. Präzise Absprachen können hilfreich sein.

Wenn man zum Beispiel auf ein Paket oder einen Besucher wartet, welcher um 15 Uhr eintreffen soll, dann wartet ein Autist schon drei Stunden vorher am Fenster und gedanklich bereits mehrere Tage. Abweichungen führen zu noch größerer Unruhe. Dieses Problem habe ich, da wo ich wohne, nicht mehr, der Concierge fängt 24/7 alles ab.

Zum Abschluss reihe ich noch ein Paar Hilfen auf.
– Falls Probleme beim Telefonieren bestehen: Es ist nicht schlimm, einen Anruf nicht anzunehmen. Ein kleines „Drehbuch“ mit allen Eventualitäten schafft Abhilfe, dann kann man zurückrufen. Ich habe mir da angewöhnt, ganze Sätze aufzuschreiben und abzulesen. Manchen reichen Stichpunkte.
– Außenstehende aufklären. Selbst im Job kann das hilfreich sein und ich werde nicht weniger qualifiziert behandelt aufgrund meiner Behinderung. Im schlimmsten Fall schützt das vor einem autistischen Burnout. (dazu mache ich gewiss auch noch einen Beitrag)
– Draußen kann es helfen, Schritte oder andere Dinge zu zählen.
– Vibrierendes Kissen (ähnliche Wirkung wie die Gewichtsdecke)
– Behindertenausweis/Nachteilausgleich
– Auch Medikamente/Psychopharmaka können helfen. Dabei ist unbedingt zu berücksichtigen, sich an einen Arzt/Ärztin zu wenden, der sich sehr gut mit Autismus auskennt. Medikamente können intensiver oder weniger intensiv als gewöhnlich wirken. Zuvor ggf. Baldrian ausprobieren.
– Spezielle Autismus-Therapie, bezogen auf spät-diagnostizierte. Autismus-Zentren gibt es in sehr vielen Städten und die ein oder anderen helfen sogar per Insta, wie ich erfahren konnte. (Abstand nehmen von ABA)
– Trigger (die zu einem Meltdown führen) vermeiden.
– Kommunikation – nicht immer klappt das verbal. Mir helfen Stofftiere, aber auch Bildkarten, spezielle Handzeichen können helfen.
– Wenn Kopfhörer keine Option sind (weil Musik evtl. überfordernd wirkt), können auch normale Ohrstöpsel helfen, die gibt’s in zahlreichen Ausführungen.
– Ein Assistenzhund (wird leider oft nicht übernommen, wenn keine Epilepsie besteht, trotzdem einen versuch wert) Mir helfen oft meine flauschigen Katzen 🙂
– Stimming Toys hier und da verteilen und Rückzugsmöglichkeiten schaffen bzw. einfordern.

Ergänzt gern in den Kommentaren, was euch so hilft.

PS: Manche (offizielle) Hilfsmittel können von der KK übernommen werden.

Autismus Erfahrung: Google Suchanfragen

Ich beantworte (aus meiner Erfahrung) Google Suchanfragen, die mir angezeigt werden, wenn ich das nachfolgend Dick-Gedruckte in die Suchleiste eingebe. Finde das recht amüsant 🙂

Können Autisten
…lieben: Ja, sehr viel und unterschiedlich.
…lügen: Ja, wenn es der eigenen Logik entspricht, meistens ist es aber sinnlos.
…weinen: Selbstverständlich. Weniger aus Trauer, meistens bei Ungerechtigkeit/Unfairness, Wut.
…lachen: Ja, das antrainierte nervige grinsen, aber auch echtes Lachen aufgrund von Freude oder einem Witz.
…sprechen: Generell, ja. Situativ, schlecht.
…Gefühle erkennen: wenn ich die Person sehr gut kenne oft. Manchmal aber nicht.
…sprechen lernen: Ja.
…alleine leben: Ja.
…eine Beziehung führen: Ja.

Haben Autisten
…Gefühle: Ne Menge.
…Mitgefühl: Wenn es angebracht ist und ich ein Gefühl nachempfinden kann.
…sexuelle Bedürfnisse: Ja. Hat jeder Mensch auf individuelle Weise – bis zum tot.
…Angst: Vor Spinnen sehr heftig zum Beispiel.
…Empathie: Im Beruf ja, privat könnte ich evtl. manchmal hölzern oder gar verletzend sein, wenn ich Gefühle nicht erkenne. Das ist dann das Salz, welches man sprichwörtlich in die Wunde streut.
…Freunde: Ich nicht, habe aber auch nicht wirklich das Bedürfnis. Würde mich eh nicht so drum kümmern, wie es evtl. erforderlich wäre.
…Zwänge: Wenn damit eine Zwangsstörung gemeint ist: Nein.
…Fantasie: Ja.
…ein Gewissen: Das schlechte Gewissen habe ich oft.
…eine geringere Lebenserwartung: Aufgrund von Stress möglich.

Wollen Autisten
…Freunde: s.o.
Warum … nicht angefasst werden: Aufgrund des Reizes. Manchmal ist dieser Reiz jedoch erwünscht. Das sage ich in dem Fall.
…sprechen: Ja.
…Kinder: Ich ließe mit mir sprechen. Mein Wunsch ist es jedoch nicht.

Merken Autisten
…dass sie anders sind: Ja, das hat man mich deutlich spüren lassen.

Sind Autisten
…schlau: auf meinen Interessengebieten ja. Allgemeinbildung nicht so. Ich habe eine sehr schnelle Auffassungsgabe und häufig eine sehr gute Merkfähigkeit. Der IQ sagt nichts über tatsächliche Intelligenz aus.
…behindert: Ja, Autismus ist eine Behinderung.
…intelligent: s.o.
…hochbegabt: Unter allen Autist:innen ist alles dabei.
…egoistisch: Manchmal ja.
…schüchtern: Sobald ich eine Person gut kenne nicht.
…geistig Behindert: das kann zusätzlich vorhanden sein, ja. Bei mir nicht.
…vergesslich: Abgesehen von meiner dissoziativen Amnesie gar nicht. Da fehlen mir ein paar Begebenheiten aus einem Zeitraum von ca. 5 Jahren. Diese kommen nur langsam wieder zurück und mittlerweile habe ich mich damit abgefunden. Ich suche jedoch mindestens ein mal am Tag mein Handy und darf dann oftmals die ganze Wohnung danach absuchen.

Müssen Autisten
…arbeiten: Ja, hab noch keinen gefunden, der das für mich tut. 😉 Ich gehe aber gern arbeiten, weil es Unabhängigkeit ermöglicht. Auf diese Möglichkeit lege ich größten Wert.
…Medikamente nehmen: Wenn ich krank bin, selten. Habe genug Psychopharmaka gefuttert, davon halte ich ganz weiten Abstand.
…Mundschutz tragen: Ja, am Anfang ist mir das sehr schwer gefallen. Zum einen wegen dem Reiz in meinem Gesicht. Aber auch, weil sich nicht alle an die Pflichten gehalten haben. Das hat mich oft aus der Bahn geworfen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.

Machen Autisten
…Geräusche: Welcher Art? Generell, ja.

Wenn ihr spezifische Fragen habt, lasst mir diese gern per Mail (oder Insta) zukommen. Falls sich die Gelegenheit eröffnet, würde ich dazu einen Beitrag erstellen. Es gibt keine unerlaubten Fragen.

Autismus Erfahrung: Von Liebe und Partnerschaft

Die meisten Autist:innen wünschen sich eine Partnerschaft, so wie sich auch die meisten anderen nicht-autistischen Menschen eine Partnerschaft wünschen. Der eine früher, der andere später, die einen Monogam, andere sind da aufgeschlossener. Partnerschaft ist also auch unter oder mit Autist:innen individuell, wie bei jedem anderen Menschen.

Die Schwierigkeit, eine:n Partner:in zu finden, besteht zunächst in der Kommunikation. Ich hatte bereits ein paar mehrjährige Partnerschaften und kann bei keiner genau sagen, wie diese überhaupt zustande gekommen sind. Gelegentlich scheint da das bekannte Fremdsprachenproblem kein großes Problem zu sein. Ich habe jedenfalls keine Ahnung, wie eine Kommunikation stattfindet, wenn es gezielt um die Partnersuche geht. Und was ist überhaupt Liebe?! Liebe ist für mich (meine Wahrnehmung) ein sehr schwaches Wort, obwohl ich es in meiner Schreiberei häufig verwende. Das ist aber etwas anderes. Aber das sollte ich wohl erklären.

Mit Liebe werfen Menschen um sich und oft wird es auch dazu verwendet, Menschen zu bewegen. Ich bewege mich aber lieber selbst. Liebe soll in der Theorie bedingungslos sein, ist aber oftmals mit Gegenleistungen verbunden. Für ein „ich liebe dich“ gibt es einen Kuss. Und dann ist da noch dieses „für immer und ewig“, welches eine Dauer von wenigen Stunden bis zum tot umfassen kann. Liebe ist ein so großes Wort, dass es geradezu danach schreit, ausgenutzt zu werden. Sage ich jemandem, dass ich ihn liebe, bekomme ich dafür dieses oder jenes. Ich sage nicht, dass das immer so ist, aber für mich gibt es passendere Bezeichnungen, jemandem meine Zuneigung auszudrücken.

„Du nervst zwar meistens, aber nicht so sehr wie alle anderen.“ – Wer würde so einen Satz verwenden, um zu lügen? Kann mir nicht vorstellen, dass der Satz empfohlen wird, um anderen Liebe zu zeigen bzw. diese vorzutäuschen, um irgendwelche ominösen Ziele zu verfolgen. „Ich mag dich“, finde ich auch noch gut. Nicht so gut wie den anderen Satz, aber besser als „ich liebe dich“. Außerdem ist er vielseitig nutzbar. Man kann ihn sagen, ohne sich selbst zu sehr zu offenbaren. Aber eben doch, um eine allgemeine Zuneigung auszudrücken, welche nicht auf einer Gegenleistung beruhen muss. Ich mag zum Beispiel auch sehr gern Aufläufe – man sieht es mir an. Könnte jeden Tag Brokkoliauflauf essen – ok, Brokkoli liebe ich wohl. 😀

„Ich liebe dich“, ist oft an Bedingungen geknüpft. Und diese Bedingungen gefallen mir gar nicht. Entweder wird man ausgenutzt, oder man wird eingesperrt (überspitzt dargestellt). Und plötzlich ist man nicht mehr nur ich, sondern ein wir. Da ich aber bereits Beziehungen hatte, war ich natürlich schon des Öfteren ein „wir“. Aber besonders angenehm finde ich das nicht. Dieses „wir“ besteht dann aus Zusammenlegungen und Kompromissen – und Gegenleistungen. Die wenigsten Menschen rechnen bewusst so, das ist mir klar. Und eine Beziehung kann sehr schön sein, auch das ist mir klar. Menschen, die sich in einer rundum glücklichen Beziehung befinden, arbeiten gewiss auch gern daran, dass diese Beziehung glücklich bleibt. (Ich hingegen frage mich, wo bei all der Arbeit der Lohn bleibt – bitte sagt nicht, dass der Lohn die Liebe ist, die ich dann zurückbekomme…so als Gegenleistung). Sollte das Ganze aber länger halten, wird daraus sogar eine Verpflichtung. Puuh. Das ist mir beim schreiben schon zu anstrengend.

Bevor ich aber nun zur negativ-Nase werde, spinne ich dieses Beziehungs-Dings mal weiter, obwohl man mich nun für Beziehungsunfähig halten könnte (wäre nicht schlimm, ich sehe mich selbst so – im Bezug auf diese normalen Beziehungen)

Nehme ich mal also mal an, dass diese anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten vor einer Beziehung irgendwie umgangen werden und es dann in eine Beziehung übergeht. Da bleibt dann dieses Problem weiter bestehen und als Bonus gibt es weitere Schwierigkeiten obendrauf. Kurz und Knapp würde ich aber sagen, dass es keine bzw. weniger Schwierigkeiten gäbe, wenn ich weiterhin so leben könnte, wie eine alleinstehende Person. Aber so läuft das nun mal nicht (warum nicht, ist mir schleierhaft – Steuererleichterung ist ja wohl kein Argument mehr).

  • Diese Schwierigkeiten fangen schon beim schlafen an: der/die Partner:in will kuscheln, will daneben liegen, schnarcht, atmet, schwitzt, ist warm oder kalt, bewegt sich, steht auf, usw. Das alles sind Reize, die natürlich auch während man als Autist:in schläft (oder versucht zu schlafen), ungefiltert eindringen, nebst den anderen Reizen wie Sturm, eine anders blubbernde Heizung/also ungewohnte/untypische Geräusche, die Party beim Nachbarn, etc. Die Qualität des Schlafes ist gestört.
  • Weiter geht es mit den Routinen – diese müssen in Kompromissen angepasst werden, manchmal sogar ausgelassen werden, sie sind durch die Anwesenheit ggf. gestört. Und im Grunde ist dann der ganze Tag im Eimer für einen autistischen Menschen.
  • Berührungen und Zuwendung: In einer Beziehung ganz normal und individuell. In einer Beziehung mit einer autistischen Person anders und auch individuell. Der eine Autist mag mehr, der andere weniger. Zu erkennen, was und wann der/die Partner:in etwas davon braucht, ist oftmals ausgeschlossen (zumindest bei mir, ich erkenne es nicht). Direkte, offene Kommunikation ist unabdingbar für die Dinge, die normalerweise intuitiv passieren. Berührungen finden bestenfalls nicht einfach so statt, sondern nach vorheriger Absprache.
  • Die gemeinsame Bleibe: manche Dinge müssen so passieren, aussehen oder irgendwo einen festen Platz haben, das ergibt für den Partner nicht immer Sinn. Ja, selbstverständlich haben auch nicht-autistische Menschen solcherlei Marotten, dennoch ist das nicht das Selbe! Für mich endet es in totaler Reizüberflutung, wenn Dinge (z.B.) an meinem Schreibtisch, einfach bewegt oder gar entfernt werden. Selbst wenn es nur eine leere Flasche ist. Das ganze ist unsagbar anstrengend und muss auch wieder durch Stimming kompensiert werden. Darüber hinaus verstärkt das mein Verlangen nach Rückzug.
  • Womit man beim nächsten wäre, dem Rückzug. Davon brauchen autistische Menschen in der Regel sehr viel, manchmal so viel, dass es für einen nicht-autistischen Partner zu viel ist. Womit dann die Bedürfnisse des anderen zu kurz kommen. Nehmen wir aber an, der Partner kommuniziert seine Bedürfnisse klar – und als Autistin gehe ich den Kompromiss ein, dann bedeutet auch das wieder erhöhter Stress.
  • Weiter geht es mir gängigen/alltäglichen Dingen wie das TV-Programm, die Ernährung, der Urlaub, usw. Autist:innen halten sich in der Regel an Bekanntes und lassen sich im Vergleich selten auf Neues ein. Sollte also Kochen nicht gerade ein Spezialinteresse sein, wie fändest du es dann, ständig die Selben Nahrungsmittel zu essen, die auch immer gleich schmecken, aufgrund von den selben verwendeten Gewürzen? Und macht es dir etwas aus, eine Serie zum zwanzigsten mal zu schauen? Und sofern Urlaub möglich ist, würden dir dann immer die selben Orte gefallen? Ich glaube das Problem ist klar.
  • Und bei Familienfeiern, geplanten/ungeplanten Geschenken geht es weiter.

Das ist wieder so eine Liste, die ewig weitergehen könnte, aber da der Beitrag sich nun schon zwei Din-A 4 Seiten nähert (nach Möglichkeit gehe ich nicht über diese zwei hinaus), gehe ich weiter.

Also angenommen diese/r nicht-autistische Partner:in hat mit all diesen Dingen kein Problem. Wie sieht das in der Praxis langfristig aus? Nun, entweder ist der/die Partner:in sehr verständnisvoll und stellt ggf. manchmal die eigenen Bedürfnisse hinten an (so wie es auch die/der autistische Partner:in tun müsste – das ist dann der Kompromiss), oder die Beziehung wird nicht lange halten. Oder der/die Partnerin ist ähnlich gestrickt, oder möchte gar keine gemeinsame Behausung. Das würde Probleme minimieren. Oder beide Partner sind autistisch und können sich dementsprechend leichter verständigen.

Dazu sei gesagt, dass Autist:innen in der Regel sehr loyal sind. Wenn ich zum Beispiel jemanden mag und diese Person nie schlecht zu mir war, mag ich diese Person selbst dann noch, wenn schon Jahrelang kein Kontakt mehr besteht. Was mich noch mal auf das Thema Liebe und mögen/nicht nerven zurückbringt. Jemanden zu mögen hat für mich mehr Gewicht, weil das eher Bedingungslos ist. Ich bin nicht sicher, ob ich das gut erklärt habe. Mir ist also egal, ob ich das selbe Gefühl zurückerhalte. Wenn man es aber zurückerhält, kann man eher davon ausgehen, dass es ehrlich gemeint ist. Und da ich generell Probleme damit habe, Menschen einzuschätzen, ist mir das so lieber. Außerdem lasse ich Menschen nur ungern in meine Gefühlswelt schauen (sagt die, die Gedichte schreibt). Mögen kann so alles sein, von ok bis super toll. Aber das ist dabei gar nicht wichtig – weil es ohnehin bedingungslos ist. Liebe aber muss supergroß sein. Das erwartet man im Normalfall. Dazu habe ich das Wort Liebe aber schon zu oft als Lüge gesehen (nein, ich war nicht persönlich betroffen).

Menschen sprechen oft von Liebe und zeigen dann, dass sie es nicht so meinten. Nicht so, wie es gemeint sein sollte. Das Wort Liebe wird zu leichtfertig benutzt. Das stört mich daran.

Wenn Interesse daran besteht, kann ich gesondert auch noch das Thema Autismus und Sex/Sexualität erläutern. Dazu gibt es ein paar allgemeine Informationen, die jeder googeln kann, aber da steht meiner Meinung nach eine Menge Blödsinn, wenn ich meine eigenen Erfahrungen betrachte und jene anderer Autist:innen, mit denen ich mich über die Jahre ausgetauscht habe. Da dieses Thema aber bei vielen Menschen ein Tabu-Thema ist, würde ich das nur machen, wenn es gewünscht wird. Für mich ist das ein Thema wie jedes Andere.

EDIT: So im Nachhinein fällt mir auf, dass ich das ganze möglicherweise etwas madig geredet habe. Ein Fakt ist aber, das trotz alle dem, so eine Beziehung sehr aufregend und erfüllend sein kann. 🙂 Autismus sollte also dahingehend niemanden abschrecken. Wenn man sich sehr gut verständigen kann, ist alles halb so wild. 🙂

Autismus Erfahrung: Hyperfokus

Zunächst: Obwohl das Wort selbsterklärend ist – was ist das? „einen nicht selektiv steuerbaren, Flow-ähnlichen und stimulusabhängigen Zustand erhöhter Konzentration.“ Mal aus adhspedia geklaut (LINK) Fand ich recht treffend, der Rest des Artikels ist meiner Meinung nach zum Teil mit Vorsicht zu genießen.

Ich beschreibe lieber in meinen Worten, wie das für mich ist, und wie sich das bei mir äußert, auch welche Probleme sich dadurch ergeben können.

Wann sich also so ein Hyperfokus ergibt, ist nicht bewusst steuerbar, auch nicht (immer), worauf sich das Interesse bezieht. Es beginnt mit einem Auslöser und endet in einer nicht enden wollenden Recherche. Die meisten Menschen googeln mal kurz etwas, klicken vielleicht auf die ersten drei Seiten der Suchergebnisse. Im Hyperfokus klicke ich auf alle Seiten, daraus ergeben sich neue Suchanfragen, die ich ebenfalls alle durchsuche, und so weiter. Bis die Informationssammlung vorhanden ist, die angestrebt wurde. Natürlich weiß ich das bei neuen Themen nicht, daher dauert so ein Hyperfokus gern mehrere Stunden. Der „Hunger“ ist quasi kaum zu stillen.

Oftmals stürzt sich der Hyperfokus aber auf bereits vorhandene Interessen. Da es in diesem Blog um’s schreiben geht, nehme ich das auch als Beispiel. Sehr oft schreibe ich, ohne direkt Hyper-Fokussiert zu sein. Mindestens genau so oft schreibe ich aber im Hyperfokus. Meist gibt es auch da einen Auslöser, einen Impuls, eine Inspiration, ein Gefühl. Und nicht immer schreibe ich dann tatsächlich. Manchmal endet das ganze in einer Ansammlung von Stichworten und Notizen. Man kann sich das dann so vorstellen, dass ich stundenlang (ja, manchmal so ca. 6 Stunden) Zombieartig auf den Bildschirm starre und allenfalls gelegentlich die Maus bewege, damit dieser nicht aus geht. Im Kopf passiert hingegen so schnell, so viel, dass ich nie alles mitschreiben könnte.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es einen Auslöser gibt, ein roter Faden, mit oftmals unzähligen Abzweigungen und einer riesigen Informationsflut. Mein Speicher ist das gute alte Gehirn, mein Gedankenpalast mit ganz vielen zweckgebundenen Räumen.

Manchmal mache ich „da oben“ mehrere Dinge Parallel, was die Unmöglichkeit des Aufschreibens unterstreicht.

Meine Umwelt nehme ich dabei fast gar nicht wahr. Obwohl der Hyperfokus an sich sehr kräftezehrend ist, ist es andererseits entspannend, mal nicht die ganze Umwelt gleichzeitig ungefiltert in sich zu spüren. Selbstverständlich dringt diese trotzdem ein. Das Endergebnis ist Erschöpfung, Müdigkeit, Stress, Kopfschmerzen, etc.

Störungen sind dennoch möglich und sowohl zu empfehlen, als auch nicht zu empfehlen. Denn ein heraus reißen löst definitiv sehr schlechte Laune aus. Ich bin dann sehr genervt und bei dem, was ich dann alternativ tun soll, nur halbherzig bei der Sache. Der Kopf versucht quasi im Hyperfokus zu bleiben und sich gegen die Störung zu wehren. Manche Störung ist jedoch wichtig, und wenn ich nicht gerade genervt bin, weiß ich das auch. Denn man könnte ja mal wieder etwas essen, trinken oder zur Toilette gehen. Ihr möchtet an dieser Stelle nicht wissen, wann ich das letzte mal getrunken habe. 😉 Ich mach’s gleich, Moment. 🙂

Ich habe mich in meinen eigenen Worten absichtlich so ausgedrückt, dass ein Hyperfokus „meist“ nicht steuerbar ist, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass dieser Zustand auch steuerbar ist. Zum Beispiel, wenn ich weiß, wann und wie lange ich alleine sein werde, stehe ich extra früh auf, erledige meine Routinen, und bin dann bereit für den Hyperfokus. Nicht immer kommt es dazu, manchmal mache ich auch gern ganz andere Dinge, aber wenn es dazu kommt, weiß ich auch sehr genau, wann ich wieder raus kommen muss.

Nochmal zusammenfassend ist diese Zeit sehr produktiv, die Leistungsfähigkeit scheint unbegrenzt.

Probleme können in allen Bereichen des Lebens auftreten – sprich, nicht nur essen und trinken. Auch Termine wahrzunehmen, Abmachungen einzuhalten (was üblicherweise ein großes Bedürfnis ist!) oder auch einer Arbeit nachzugehen kann ggf. problematisch werden. Da ich diese potentiellen „Störungen“ in meinem Leben auf ein Minimum reduziert habe, bin ich davon nicht besonders betroffen. Sehr oft halte ich aber zum Beispiel nicht das ein, was ich mir selbst vorgenommen habe. Weshalb ein schlechtes Gewissen mein ständiger Begleiter ist.

Zwei weitere Themen sind geplant und werden vermutlich heute oder morgen abgetippt.

Bei weiteren Fragen oder Anregungen zu Themen, gerne in die Kommentare oder so. 🙂

Autismus Erfahrung: Die eigene Spezies erkennen

Einer schlechten Angewohnheit ist es geschuldet, dass ich nun spontan diesen Beitrag verfasse. Denn wie an jedem Morgen schaue ich, noch bevor ich aufstehe, erst mal durch mein Smartphone. Ich muss ja wissen, was es neues gibt. Und etwas altes/bekanntes/neues habe ich tatsächlich gefunden. Und dann hatte ich dieses seltene Zugehörigkeitsgefühl. Diesen Aha-Effekt. Und das Gefühl, nicht so fremd zu sein. Und Facebook bekam auch wieder einen Sinn, denn das nutze ich nur für die Autist:innen Gruppen.

Und dort wurde in einem Austausch thematisiert, dass man als Autist:in, die „eigene Spezies“ erkennt. Man ist ja häufig und automatisch damit beschäftigt, andere Menschen zu scannen. Und das meiste ist, für mich zumindest, ziemlich weird. Wie wenn man in ein fremdes Land, mit unbekannter Kultur/Gebräuchen, unbekannter Sprache kommt. Und selbst wenn man um Hilfe bitten will, kann dies niemand verstehen, weil du halt Außerirdisch sprichst. Du bist komisch für sie, und sie sind komisch für dich.

Und dann ist dazwischen ein Mensch ohne Mimik (oder mit erkennbarer Maske), einer, der anders läuft, sich anders bewegt, als die anderen, anders guckt als die anderen. Sich auf irgendeine andere Art anders verhält. Vielleicht nicht so wie ich, aber so, dass ich es verstehe. Nur weil ich zum Beispiel viele Worte spreche, bedeutete es ja nicht, dass ich zu jedem Zeitpunkt alle Worte spreche. Und manche spreche ich gar nicht, obwohl ich sie kenne. Natürlich muss das nicht immer ein/e diagnostiziert/e Autist:in sein. Es genügt, wenn die Person irgendwo auf dem Spektrum zu sein scheint.

Ich kann dieses „anders“ nicht wirklich beschreiben/definieren/festlegen, denn jede/r Autist:in ist individuell. Aber als ich dieses „die eigene Spezies erkennen“ gelesen habe, sind mir direkt einige Beispiele eingefallen von Menschen, die ich kannte/kenne, aber auch von fremden Menschen, die ich nur kurz mal gesehen habe. Und selbst für die Online-Welt fällt mir spontan jemand ein. Dies rein am schriftlichen zu erkennen finde ich sehr schwer, aber nicht unmöglich. Das ist, so finde ich, stark abhängig von der Selbst-Beschreibung. Aber vieles findet inzwischen ja auch über eine Sprachnachricht/Videochat-Funktion statt.

Bisher habe ich darauf nie bewusst geachtet, obwohl es mir durchaus aufgefallen ist. In Zukunft werde ich aber wohl dann, wenn sich die Gelegenheit bietet, bewusst daran denken. 🙂