Autismus Erfahrung: Noch mal etwas zur Kommunikation (zwischen autistischer und nicht-autistischer Person)

Gestern habe ich etwas gesehen, das mir zuvor noch nie an mir oder an anderen aufgefallen ist. Ein Video. Es geht um die Kommunikation zwischen einer autistischen Person und einer nicht-autistischen Person. Ich habe mal reflektiert und festgestellt, dass mich das auch sehr häufig betrifft. Bisher hatte ich das gar nicht bewusst wahrgenommen.

Wenn mir eine nicht-autistische Person eine Frage stellt, antworte ich oft sehr ausufernd. Natürlich nur, wenn ich gut über die mir gestellte Frage informiert bin. Meistens handelt es sich um medizinische Fragen, die werden mir recht oft gestellt. Aber auch auf andere Fragen antworte ich offenbar oft zu ausführlich. Und manchmal bekomme ich als Reaktion so ein „war doch nur ne Frage.“ Oder das Sprichwort „musst doch nicht gleich krummer Hund zu mir sagen“ ist mir sehr bekannt. Ich bin dann eher irritiert, denn ich habe ganz normal geantwortet. Das Problem ist, wenn ich über etwas viel erzählen kann und es sich dann auch noch um ein Spezialinteresse handelt, maskiere ich kaum noch, die Stimme wird monoton und ich rede ohne Punkt und Komma. Ich will einfach alle Informationen herausgeben, die ich habe. Oft ist es so viel, dass ich Tage, gelegentlich sogar Wochen später das Thema aufgreife und meine Antwort ergänze.

Nun, und genau das kommt bei neurotypischen / nicht-autistischen Menschen manchmal nicht gut an. Meine Antwort wird so empfunden, als hätte ich mich durch die Frage angegriffen gefühlt (btw, ich nehme jede Frage gerne entgegen, nur brauche ich manchmal länger mit einer Antwort). Ich kann mich nicht daran erinnern, mich je durch eine Frage angegriffen gefühlt zu haben. Von offenkundig dummen Fragen bin ich jedoch gelegentlich genervt. Das sind dann so Fragen, für die ein wenig logisches Denken ausreicht, oder auch ein minimaler Blick in https://gidbf.com/

Das kommt aber sehr selten vor.

Neurotypische Menschen denken offenbar manchmal, dass ich mich mit einer Antwort quasi rechtfertige oder dass ich einfach klugscheiße. Kurze, oberflächliche Antworten scheinen besser anzukommen, aber sind die denn auch hilfreich? Dann hat man doch nicht viele Informationen. Ich verstehe das nicht. Wenn ich etwas wissen will, dann am liebsten alles und auf einmal. Und ich freue mich immer über Fragen, denn dadurch können sowohl Andere etwas neues erfahren, aber ich kann auch Lücken erkennen. Mein Partner fragte mich zum Beispiel gestern, was „sternum“ auf deutsch heißt. Das wusste ich mal, aber ich hatte es vergessen. Das war wieder ein kleiner Kurzschluss im Hirn. 😉 Hab natürlich umgehend nachgeschaut!

Okay, die Antworten sind nicht immer ausufernd, das Thema muss mich sehr interessieren und dann kommt es auch darauf an, wie viel Energie ich übrig habe. Aber sehr ausführliche Antworten kommen manchmal nicht gut an. Wieder was neues erfahren.

Ich mag trotzdem weiterhin persönliche oder allgemeine Fragen, am liebsten zu meinen Interessen. Und ich antworte weiterhin wie ich will. 😉