„Wie geht es dir?“ Fragt er. Ich überlege kurz. „Irgendwie ist doch alles flüchtig.“ Er überlegt. „Wie lange kennen wir uns jetzt?“ Darauf erwartet er keine Antwort. „Wir sind nicht flüchtig!“ Sagt er weiter. Es sollte mich wohl beruhigen, dabei bin ich ruhig. „Aber wir hatten auch nie Zeit, stehen zu bleiben.“ Sage ich. Er atmet laut in den Hörer. Vielleicht findet er es traurig, vielleicht lag es an der Traurigkeit, die auf meiner Stimme liegt, vielleicht an der Kälte. „Du bist so weit weg von dir wie nie zuvor.“ „Ja.“ Ich habe gehofft, er merkt nicht, dass ich seine Frage nicht beantwortet habe, den Menschen fällt das gar nicht auf. Weil ihnen die Antwort egal ist. „Wie geht es dir? – habe ich dich gefragt.“ Dann mache ich dieses Spielchen eben mit. „Gut, und dir?“ „Warum lügst du?“ Was für eine dumme Frage. „Was willst du hören?“ Darauf erwarte ich keine Antwort. „Ich bin flüchtig, weil alles irgendwie flüchtig ist.“ Wieder Stille. „Ich ertrage diese Flüchtigkeit nicht mehr, ich nehme sie lediglich hin.“ Irgendwie wird es gerade angenehm schwer, dieses Gespräch und die Luft. „Und deshalb flüchtest du vor dir?“ „Nein, ich flüchte, weil nichts in mir flüchtig ist.“ Das passt nicht in diese flüchtige und im Grunde Gefühlstote kalte Welt. „Sollen wir darüber gemeinsam schweigen?“ „Ja.“
Schwere
weiß malt grau
in stundenlangem starren
auf papier
zeigt sich die leere
in einem dumpf schlagenden herzen
die schwere
wenn sich das blatt
wendet
© Amy Herzog
Scherben
wie ich irrte
mich in den Gesängen
waren sie doch lieblich
zart – so folgten Schritte
schleichend durch die Scherben
deines Herzens – über Schnitte
brach mir Bein und Seele
schreibst du heiter
über deine Leere
schreitest weiter
und ich trage diese
schwere deines Herzens
wie mich Hoffnung trägt
und lauschend deinem Klang
wartend an warmen Sommer-
tagen, ersehne deine fragen
wie Jahrelang ein Herz
solch große Scherben
tragen kann
© Amy Herzog
