Klang

Winter

ich erinnere dem Klang
im Winter schallt er durch Schneebedeckte
menschenleere Städte
und hinterlässt die ersten Fußabdrücke
die einzigen in mir

dumpfes Knacken
rinnt durch meine Finger
und ich schlafe unter dickem Eis
streichle deine Wurzeln
die mich wie Seelensplitter
an dich binden

ich erinnere der Wahrheit
wie Stürme deine Äste brachen
und Kinder ein Baumhaus bauten
sie sind inzwischen erwachsen
und haben es vergessen

aber ich erinnere dem Klang
und streichle Einsamkeit
von deinen Wurzeln
trinke, lebe, atme, friere
wenn ich nur aufwachen würde
endlich aufwachen
sehen, fühlen

liebe

© Amy Herzog

Scherben

wie ich irrte
mich in den Gesängen
waren sie doch lieblich
zart – so folgten Schritte
schleichend durch die Scherben
deines Herzens – über Schnitte
brach mir Bein und Seele
schreibst du heiter
über deine Leere

schreitest weiter
und ich trage diese
schwere deines Herzens
wie mich Hoffnung trägt
und lauschend deinem Klang
wartend an warmen Sommer-
tagen, ersehne deine fragen
wie Jahrelang ein Herz
solch große Scherben
tragen kann

© Amy Herzog

Lautstarke Klänge…

Hast die Noten in mein Hirn dirigiert,
Spielst mit beschwingten Gedanken,
Waren sie gerade noch strukturiert,
Doch nun geraten sie ins Wanken.

Geigen, Trompeten und Kontrabass,
Klingen lauter beinah um die Wette,
Liebe, Trauer, Eifersucht und Hass,
Ein schweigen will, dass ich sie rette.

Laute Töne schwingen wild umher,
Weder oben noch unten ergibt Sinn,
Sie schmerzen im Herzen allzu sehr,
Und der des Endes Anfang Beginn.

Lasse einen Moment nur Ruhe walten,
Lauschen leise den Klängen der Natur,
In den grünen Wiesen kurz inne halten,
Das Gefühlschaos verliert seine Spur.

Ein Bach klimpert leise durch Gestein,
Ich höre nur die Liebe sanft erklingen,
Können wir hier in Ruhe einfach sein,
Darum bitte ich, ehe Töne wieder schwingen.

© Amy Herzog