Dein sein.

Ich kann diesen Mord verstehen. Es musste ja so kommen, denke ich in den letzten Minuten meines Lebens, während es nach und nach dunkler und leichter in mir wird. Das Blut, mein Blut, welches sich in einer dunkel-dickflüssigen Lache um mich herum ausbreitet, kann ich sehen, aber nicht mehr fühlen. Nicht die Wärme, auch nicht die Nässe. Mein regungsloser Körper ist nicht mehr, nicht mal mehr kalt. Und nachdem ich all die Jahre selbst unter den zahlreichen Betten verflossener Liebhaber mit einem Messer gelegen hatte, wartend auf die Gelegenheit ihnen dieses Messer in die Brust zu stechen, sie aufzuschlitzen, um ihnen das Herz zu entnehmen, es einzulegen in Formaldehyd, damit es für immer mein sein würde, war es der einzig logische Weg, dass einer von ihnen mir nun den Garaus macht, sich das traut, was ich nur stillschweigend lebte. Noch dazu hat er, unwissend darüber, dass ich eine Weile auch unter seinem Bett lag, nicht nur sein Leben gerettet, sondern vor allem das seiner Brüder. Ich jammere also nicht herum, ziehe keine schmerzverzerrte Fratze, sondern blicke starr, mit glänzenden, erwartungsvollen Augen in die Augen meines Mörders. Und ich kann diesen Mord verstehen. Ihm wollte ich mein Herz entziehen, er wollte, dass es für immer ihm gehört. Und gleich wird es vorbei sein, ich werde vorbei sein, gleich bin ich dein.

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