Alltag

nur ’n sandwich

schon klar
’n sandwich ist ’n sandwich
schmeckt aber besser
wenn’s jemand für dich zubereitet

die ränder abgeschnitten
mit liebe gemacht

© Amy Herzog

rhetorisch

Von Zeit zu Zeit, genau genommen mindestens einmal täglich, frage ich mich, was Menschen davon abhält, ehrlich und direkt zu sein. Ist es Angst? Angst sich oder Andere zu verletzen? Angst vor Zurückweisung, vor Ablehnung oder vor Konsequenzen? Hilft es langfristig sich selbst und/oder andere zu belügen oder Dinge zu verschweigen? Und ist das nicht furchtbar anstrengend und mühsam? Denken Menschen in der Regel nicht langfristig? Verdammt, ich weiß sogar schon, wie meine Beerdigung ablaufen soll. Wer hat dieses „zwischen den Zeilen“ erfunden? Für die Lyrik mag das nett sein, aber darüber hinaus… Ich habe sehr oft das Gefühl, dass jeder von jedem erwartet, Gedanken lesen zu können, während jeder weiß, dass es keiner kann. Es verschwendet Zeit und Energie.

Deswegen mag ich meine Katzen von allen am liebsten. Sie sind ehrlich, meist ohne, manchmal mit Krallen.

Anecken

Mal Safespace:
gesellschaftskonform unverpackt
nackt und ehrlich
lässt sich Liebe nicht anketten
nicht besitzen
ob du Pan, Trans, Hetero bist
und was es sonst noch alles gibt
Hauptsache viel Buntliebe
erzähle mir, wenn du neues erfindest
oder drauf stehst, dein Stofftier zu knutschen
so vieles ist verpönt
beim Stockimpopöchen
und dann wird von lieblos geredet
in der Polyamorie
aber:
tagtäglich tausendfach
Kriegsfotos sensationsgeil bestaunen
nachdem man den Partner
beschissen hat
ist ok

geben wir dem Alkohol die Schuld
und schieben den Stock tiefer
damit es nach außen hin
hübsch glänzt

© Amy Herzog

Gedanken: Freundschaft

Meine letzten Nachtdienste habe ich, wenn ich nicht gerade sehr beschäftigt war, mit dem nachdenken über Freundschaft zugebracht.


Selten so unzufrieden gewesen mit meinen Gedanken und dem Versuch, diese in Worte zu fassen. Zum löschen gerade gut genug.


Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eine richtig dicke Freundschaft gehabt zu haben. Als Kind vielleicht eine übliche Kinderfreundschaft. Aber nichts, was mir groß im Gedächtnis geblieben wäre. Und seitdem ich mich gut erinnern kann, hatte ich keine Freunde. Natürlich habe ich hier und da versucht dazuzugehören, aber dies endete bestenfalls in einer freundlichen Duldung der anderen. Es lag nicht an den anderen, es lag an mir. Weder bin ich in der Lage in Gruppen zu sprechen, dem Gespäch zu folgen, noch schaffe ich es, ein Gespräch selbst voranzutreiben. Schlimm fand ich das nie. Ich war am liebsten allein und habe mich mit dem beschäftigt, was mich begeisterte. Und so ist es noch immer.

Trotzdem kommt mir in der letzten Zeit gelegentlich der Gedanke, dass es schön wäre, einen echten Freund oder eine echte Freundin zu haben. Dieses „echt“ versuchte ich in den vergangenen Nächten zu definieren.

Dazu müsste ich zu erst wissen, was Freunde eigenlich so machen, was eine Freundschaft ausmacht. Eine allgemeingültige Definition. Der Duden meint dazu: „auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander“. Das erscheint mir wenig hilfreich. Also greife ich auf Beobachtungen zurück. Freunde gehen zusammen was trinken, ins Kino, zum Sport oder Shoppen. Naja sowas eben. Aber was reden die eigentlich? Oh man…selbst wenn ich mal so ein Gespräch mitgehört habe, kann ich dazu nun so
gar nichts schreiben. Mein Hirn schaltet da komplett auf durchzug und begibt sich auf die reise in die eigene Welt. Woran ich mich noch wage erinnere sind so aktuelle Themen, die das Privatleben betreffen. Ärger mit dem Partner, mit dem Job, Lästern steht hoch im Kurs. Oder das Gespräch ist bezogen auf die derzeitig ausgeführte Aktivität. Beim Sport über Fitness und Ernährung vielleicht, im Kino bzw. nach dem Kino über den Film, beim Kaffee allgemein über die Erlebnisse der Woche, und beim Shoppen darüber,
was einem so gefällt. Je vertrauter die Freundschaft, desto intimer werden die Gespräche. Die Freunde bekommen Einblick in die Gefühlswelt des anderen. Oder es geht einfach nur um den aktuellen Klatsch und Tratsch. Sowas, was man beim Friseur machen muss. In dem Zusammenhang: Ja, ich schneide mir die Haare selbst und bin inzwischen (in den meisten Fällen) auch ganz gut darin. Ist aber auch egal, trage eh immer nen Gammeldutt.

Ich habe überlegt, was ich von einer Freundschaft erwarten würde. Und so genau weiß ich das gar nicht. Dazu müsste ich eine Person kennen, die ich auch Freund nennen könnte.

Aber nehmen wir mal an, ich könnte mir jetzt nen Freund oder ne Freundin basteln.

Alter, Herkunft, Religion, Aussehen, Sexualität oder Geschlechtsidentität sind mir völlig egal. Ok, das Alter wäre mir vielleicht nicht ganz egal. Die Person sollte die geistige Reife eines erwachsenen Menschen besitzen. Diesem Freund sollte das im Gegenzug ebenfalls egal sein. Dieser Freund sollte sich für ein oder zwei Themen sehr begeistern können. Diese müssen nicht mit meinen Interessen übereinstimmen. Vielleicht kann man etwas voneinander lernen. Und gelegentlich gemeinsame Zeit produktiv nutzen.

Er/Sie sollte es völlig normal finden, mal keinen und dann wieder sehr viel Kontakt zu pflegen, bei gleichbeibender loyalität. Schriftlichen Kontakt finde ich sehr toll, eine Mail oder auch einen Brief mit vielen Seiten, dann aber auch wieder einfach mal ein Wochenende miteinander zu verbringen. Sich gegenseitig etwas vorlesen, einen Filmemarathon starten, nichts dagegen haben, einen Film zum hundertsten mal zu sehen oder ein Buch zum hundertsten mal zu lesen. Oder Gespräche zu führen, die längst geführt wurden. Ich hab ne Schwäche für ständige Wiederholungen. Also unterm Strich könnte man sagen, wenn andere über diese Person sagen, dass sie langweilig ist, dann wär das für mich
ein riesiger Pluspunkt, denn ich bin auch dieser langweilige Mensch. N‘ merkwürdiger Einsiedler ist toll. Ein richtiges Kellerkind. (Ein Keller ist nicht zwingend nötig, ein dunkles Zimmer tuts auch). Jemand, der sich in sich selbst vergraben kann, aber manchmal auch herauskommt, um sich eine Umarmung abzuholen. Und als Krönung das ganze auf der Grundlage von „ich hasse Menschen“.

Peinliches Schweigen ist ein Tabu. Es gibt nur schweigen. Peinlich ist daran nichts. Gedanken und Meinungsaustausch, offene und tabulose Gespräche (Tabuthemen werden von der Gesellschaft vorgegeben, damit hab ich nichts zu tun).

Direkte Kommunikation. Loyalität. Vertrauen. Beständigkeit. Absolute Ehrlichkeit (vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen Haustier und Mensch)

Ach, diese Liste ist so unvollständig und meine Gedanken dazu völlig durcheinander. Unausgereift.
Ich glaube nicht, dass es so einen Menschen gibt. Und selbst wenn, kann ich nicht auf diese Person zugehen, kein Gespräch am laufen halten usw.

Nachtdienst

Der Nachtdienst macht sich nicht allein,

obwohl ich werd‘ allein dort sein,

ein Rennen hier, dann schnell nach da,

fall’ in der früh ins Bett hinein.

© Amy Herzog

jungfrauenherz

Du ewiges Einerlei
was weiß ich
wohin Sehnsucht treibt
der Kopf ist Alt
das Herz bleibt Kind
aus halbem Wunsch
die andere blind

Du unsich’re Stadt
ich bleibe beim Hafen
dort, wo wir uns trafen
mein Bauch ist voll
das Blatt ist leer
doch lebe ich
was will ich mehr

Du kleines Kind
gar jungfräuliches Herz
sieh her, du kannst
Sehnsucht nicht mal schreiben
so hör auf zu leiden
und sei dir gewiss
dass alles was du weißt
am Ende anders ist

© Amy Herzog

Wahlsonntag

NRW darf wieder wählen,
am Ende ein Ergebnis steht,
ich geh‘ Eure Stimmen zählen,
bis die Sonne untergeht.

© Amy Herzog