Du hörst es nicht…

Leise wird es nur bei Nacht
wenn mein Schweigen spricht
weiße Haare, blaue Lippen
die am letzten Tropfen nippen
doch du hörst es nicht

Regen fällt nur in der Nacht
auch wenn kein Wort entspringt
lautes Klirren, tausend Scherben
die am Boden einsam Sterben
doch du siehst sie nicht

Träume reisen nur bei Nacht
der Schweiß gen Himmel steigt
leere Räume, eng die Schlinge
wie ich um mein Leben ringe
doch mein Mund verschweigt

© Amy Herzog

3 Kommentare

  1. Die Nacht erscheint als kleiner Tod. In ihr offenbart sich ganz im Privaten, wie es dem lyrischen Ich geht. Besonders deutlich an dem Oxymoron „Schweigen spricht“, und „Mund verschweigt“. Der Schmerz bleibt im Inneren und doch wünscht sich das lyrische Ich eine Ausdrucksform, die jemand von außen hören oder sehen kann. Es wünscht sich nichts mehr als Anteilnahme. Eine berührende Darstellung, sprachlich fein umgesetzt.

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