Auf der Suche nach Luft stolperte sie stets über die Sinnlosigkeit des Atmens. Obwohl sie das Gefühl hatte zu ertrinken, legte sie sich nicht in den Sarg, um diesen zu kaufen, denn eigentlich rechnete sie trotz diesen Gefühls, nicht mit ihrem baldigen Ableben. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie in diesem Sarg endlich atmen konnte, während sie an die Dinge dachte, wodurch sie außerhalb ins stolpern geriet. Sie blieb darin liegen, bis der Bestatter sie bat zu gehen, zwischenzeitlich nickte sie sogar ein. Als sie am Abend wieder zu Hause angekommen war, das Gefühl atmen zu können bei sich tragend, nahm sie sich sogleich einen Stift zur Hand und schrieb einen langen Brief. Die ganze Nacht, Seite um Seite mit aller Sinnlosigkeit, über die sie stolperte. Das sinnloseste aber war, dass niemand jemals diesen längsten und schönsten Brief, den sie bisher verfasst hatte, zu lesen bekommen würde. Doch bevor sie über diesen abschließenden Gedanken wieder zu stolpern drohte, verbrannte sie diesen Haufen loser Zettel und atmete auf.
Brief
siebenundsechzig Briefe
siebenundsechzig Briefe schreibe ich dir nicht einer kommt zurück nur quält mich nicht das Gewicht dein Schweigen erzählt alles was ich wissen muss bleibe ich unwissend leer keinen Namen kein Gesicht dem achtundsechzigsten Brief werde ich mein Wissen beifügen und im Gedanken einen Kuss
© Amy Herzog
Einmal im Jahr..
Einmal jährlich nur ein Brief,
wo ich doch täglich nach dir rief,
nur im Stillen, nur im Stummen,
hörst auch du mein Schweigen summen?
Wünsche werden überflüssig,
außer die im Traum
und ich glaub es manchmal kaum
(Bilder sinken durch den Raum)
doch es fühlt sich beinah wahr.
Sind es Äpfel, Birnen, Mandarinen,
sind wir, was wir sein zu schienen?
Was ich nur weiß, du siehst den Mond,
der auch bei mir hier drüben wohnt.
Manchmal muss es eben reichen,
irgendwann ein Tag im Jahr
(kein besonderer)
und bis dahin verbleib ich stumm –
nach dem warum zu fragen
wäre dumm…
© Amy Herzog
Brennende Sehnsucht…
Des Sehnsucht’s heißer Duft,
zieht mir so fest am Leibe,
tief in die schwarze Kluft,
in Tränen mich gar kleide.
Und wär‘ es nicht vergebens,
so schickte ich den Brief,
mit meinem Herzen Lebens,
wonach ich ewig rief.
Nur stehe ich im Schnee,
am Himmel Sonne scheint,
der brennend Sehnsuchtssee,
für mich im Stillen weint.
© Amy Herzog
