atmen

risiko

Es veränderte den Luftdruck
augenblicklich
wenn wir uns offen lägen
und könnten nicht mehr atmen
ohne Kuss.

© Amy Herzog

stillstand

Dann ist da plötzlich diese Sehnsucht, die du dir so lange nicht erlaubt hast, weil du der Angst geglaubt hast. Und du glaubst ihr noch. Zwar stellt sie sich dir in den Weg, aber sie hilft dir auch, Nachts besser zu schlafen, während dich die Sehnsucht mit weit geöffneten Augen an die Decke starren lässt, irgendwo ins Leere, aber doch in eine Richtung, die dir eine Wahrheit über dich erzählt. Die große Wahrheit, diese diffuse, die erst dann wirklich wahr wird, wenn du sie aussprichst, wenn du sie jemandem erzählst. Nur ist da deine Angst, an die du mit Leibeskräften glaubst, an der du dich festkrallst, damit sie mit dir davonrennt, immer nur weiter rennt. Leben ist Bewegung, sagst du dir, Stillstand keine Option. Dann ist da plötzlich diese Sehnsucht, die große Wahrheit in dir, die Schweigende und du bist müde. Und das erste mal willst du stehen bleiben, durchatmen. Weil stehen bleiben vielleicht doch nicht so schlimm ist, wie die Angst.

Atmen

Darauf eine Tasse Kaffee zum Frühstück,
viel Regen und ein Stückchen Weg.

Halte meine Hand,
bevor ich mich in einer Pfütze verliere.
Wie verrückt ich werden kann?
Na, wie nicht?!
Dann halte ich die Luft an
für die Antwort,
die mich wieder atmen lässt.
War immer nur Reflex.
Und Angst.

Aber reden wir
nicht.
Ich halte deine Hand,
bevor die Pfütze mir zeigt
was Wahr ist.
Und wenn ich ertrinke,
dann denke ich
an dich.

Und atme weiter.

© Amy Herzog

satt

unaussprechlich
dieser diffuse hunger
nach gefühl
atme ich dich ein
und halte die luft an
für immer
satt

© Amy Herzog

/

Du gibst mir … Schreibmaschinenvibes
und wenn du atmest
denke/
ich/
abgehackt
und beiße mir auf die
Unterlippe…..

© Amy Herzog

tanz

blutmond lichtet uns
trinke insomnia aus deinem glas
roter lippenstift erinnert
an den langsam sinkenden tanz
den gestohlenen kuss
an glanzweite kerzenaugen
und sanftes saugen an meinem hals
dein inneres betten von eingeatmetem duft
sommersonnenaufgang und regen
nieselt auf wachsende herzen
die sich in eine richtung bewegen

© Amy Herzog

siebzehn Seiten

Auf der Suche nach Luft stolperte sie stets über die Sinnlosigkeit des Atmens. Obwohl sie das Gefühl hatte zu ertrinken, legte sie sich nicht in den Sarg, um diesen zu kaufen, denn eigentlich rechnete sie trotz diesen Gefühls, nicht mit ihrem baldigen Ableben. Es stellte sich jedoch heraus, dass sie in diesem Sarg endlich atmen konnte, während sie an die Dinge dachte, wodurch sie außerhalb ins stolpern geriet. Sie blieb darin liegen, bis der Bestatter sie bat zu gehen, zwischenzeitlich nickte sie sogar ein. Als sie am Abend wieder zu Hause angekommen war, das Gefühl atmen zu können bei sich tragend, nahm sie sich sogleich einen Stift zur Hand und schrieb einen langen Brief. Die ganze Nacht, Seite um Seite mit aller Sinnlosigkeit, über die sie stolperte. Das sinnloseste aber war, dass niemand jemals diesen längsten und schönsten Brief, den sie bisher verfasst hatte, zu lesen bekommen würde. Doch bevor sie über diesen abschließenden Gedanken wieder zu stolpern drohte, verbrannte sie diesen Haufen loser Zettel und atmete auf.

Dein Bild

Ich sehe dich wieder. Wieder.
Sehen. Noch nie gesehen, spüren?
Doch. Im Grau. Im Kopf sehen. Dich.
Stehen Fragen, tausend. Farben.
Dein perfektes Bild. Zu perfekt.
Zu unwirklich. Unwiderstehlich.
Wieder. Zu unwiderstehlich. Wieder?

So oft. Viel zu oft. Allgegenwärtig!
Mir bleibt die Luft in den Lungen stecken.
Meine Hand umfasst meinen Hals.
Befreien. Ich will mich befreien. Machtlos.
Ich bin machtlos. Du zu perfekt.

Zu groß. Zu machtvoll. Schein.
Ich schnappe nach Luft. Ringe darum.
Und bin verzweifelt. Versuche zu atmen.
Schneller. Immer schneller. Knoten.
Es geht nicht. Nichts geht. Nichts!
Nur sehen. Dich sehen. Wieder.

Meine Augen tränen. Verschwommen.
Dein Bild bleibt klar. Machtvoll bestehen.
Benommen. Meine Lungen voller Lust.
Verbraucht. Ich spüre meinen Puls.
Schneller. Immer schneller. Zu Dir.
Schlägt mein Herz. Wo ist die Luft?

Mein Hals vibriert im Takt des Pulses.
Schmerz. Brustschmerz. Herz.
Mein Herz. Zu voll. Zu leer. Zu schnell.
Zu viel Du. Ich kann nicht atmen.
Ich kann nicht mehr. Schwach.

Dich nicht mehr sehen. Breche zusammen.
Mein Körper zu schwach. Aufgeben.
Dein Bild. In meinem Kopf. Hellwach.
Perfekt. Unperfekt. Perfekt. Ich rase.
Innerlich. Kribbeln. Glück. Freude. Liebe?
Blase. Platzt. Keine Liebe. Nichts.

Erdrückt von deiner anwesenden Abwesenheit.
Siehst du das Bild? Meinen Kopf.
Den kranken Kopf. Geschundene Seele.
Wunde Leere. Verstörend. Du bist blind.
Perfekt. Unwahr. Lüge. Unsichtbar.
Nur in meinem Kopf sichtbar.

Unsichtbare Zerstörung. Ahnungslos.
Du. Ich. Beide. Dumm. Dumm. Dumm.
Angst. Ich. Nur ich. Dumm. Naiv.
Sterbend. Auge. Sterbender Glaube.
Unwissend. Jungfräulich. Klein.
Rennend in deine Ahnungslosigkeit.

Stille. Zu still. Die Luft zum Reden fehlt.
Dein Bild. In meinem Kopf. Perfekt. Quält.
Zerstörerisch. Verschwinde. Bild. Verschwinde!
Lass mich wieder sehen. Wieder. Bitte.
Wieder schweben, spüren, atmen, Wind.

© Amy Herzog

Unwirklich wirklich unauffindbar..

Ein neues Bild fand ich, fand mich
wie ein Moment der Freude
flüsternd in Gedanken – dich
und riss mich doch in Stücke

Atme weder ein noch aus
wie Blut drückt durch die Kehle
und starr‘ ich mich zum Spiegel ein
weil ich dein Herz noch fühle

Fand ich zwischen tausend Welten
eines nur, doch war allein
und war es Freude, wahrhaft Freude
schmecktest du wie süßer Wein

© Amy Herzog

Bis zum Ozean..

Und so liege ich im Dunkeln ganz alleine,
trage Hoffnungslosigkeiten vor mir her,
atme immer schwerer wenn ich sie verteile,
sehe zwischen Staub und Steinen gar kein Meer.

Und so atme ich im Dunkeln ganz alleine,
höre nur noch Schweigen und den leisen Wind,
doch was wäre wenn ich sie einfach vereine,
baue Steine bis das Meer wieder erklingt.

Und so baue ich im Dunkeln ganz alleine,
bis ein jeder Seelenriss verschlossen ist,
vielleicht fände ich mit jedem dieser Steine,
einen Ozean, den noch mein Herz vermisst.

 

© Amy Herzog

Farblos.

Wenn ich schlafen könnte,
wo ich doch nicht mehr atme,
dann würde ich jetzt schlafen.

Doch ich suche nach Farben,
während ich Schokolade fresse.
Sie schmeckt nur nach Asche.

Und reibt sich um mein Herz.
Pumpt durch mein kaltes Blut,
bis in meine tränenden Augen.

Alles was ich finde bleibt grau.
Doch kann ich nicht schlafen,
und lebe in der farblosen Kälte.

© Amy Herzog

Großer Augenblick?

Sind es die kleinen Augenblicke,
die mein Leben heiß begehrt,
doch wenn die Knochen müde sind,
was ward dem Leben dann gelehrt?

Wo sind die kleinen Augenblicke,
wenn meine Hände sind zu alt,
wenn außerhalb nur Atmen ist,
zu schnell dort wird die Seele kalt.

Wann kommt der große Augenblick,
so zeig mir, wo der Sommer liegt,
des Winters Luft zu oft gefriert,
wo ist der Weg, der mein Herz liebt?

© Amy Herzog

Blühender Weg…

Und flüsternd atmen all die Worte,
ahnungslos – doch Hand in Hand,
wohin der Weg auch führen mag,
so wage ich den Schritt zum Rand.

Und schweigend wehen laue Winde,
als schwebten sie mich hin zum Glück,
und schlaf‘ ich ruhig in deinem Schutz,
die Hoffnung weht mich nicht zurück.

Und schaltet sich die Welt dann aus,
in Wärme schwimme ich durchs Meer,
saphirblau strahlt dein Liebesblick,
so blüht der Weg in Zukunft sehr.
© Amy Herzog

Mit dir..

Mit dir gemeinsam kann ich atmen,
wo unser Wind nur schweigsam weht,
so fließt die Wärme durch die Meere,
auch wenn der Weg durch Wüsten geht.

Nicht zu ermessen sind die Worte,
selbst wenn es aus der Tiefe spricht,
am Grund des Meers zu verborgen,
doch findet sich selbst dort noch Licht.

Mit dir gemeinsam kann ich sehen,
ein Lächeln scheucht die Schatten fort,
und wenn wir durch die Wüsten gehen,
dann schweigend zwar, doch bleiben dort.

© Amy Herzog