Emotionen

Vielleicht

V

Unbeschreiblich. 
Nach innen schweigen.
Ich zerfällt.
& Angst verpasst
den richtigen Moment.

@ Amy Herzog

Delirium

Blindgänger auf deiner wachs-
weichen Haut & ein
Nachdenken verbringt zu viel
Zeit über der ausdruckslosen Verbindung
& doch wird mir Fieber-
Delirium in deinen Schlingen
greifender Äste

© Amy Herzog

Kann nicht

kann nicht sprechen
weil meine Gedanken wild
umhertanzen
mich nicht bewegen
weil mein Körper unkontrolliert
erzittert und bebt
und ich kann nicht atmen
weil mein um sich schlagendes Herz
so viel Raum einfordert

© Amy Herzog

innerlich

innerlich
weinst du so laut
und du hast
angst
dass es jemand
hören kann
und noch mehr
dass es
niemand hört

© Amy Herzog

Erwartung

Rotzitterndbeflügelte Lippen,
duftendweiches Haar,
scharfgefeilte blassrosalackierte
Nägel, glänzendblaue Augen
und glattrasierte Beine
mit einem Funken freudiger
Erwartung, die ich abschließend
auf meiner Haut verteile

© Amy Herzog

entfachen

weil das Unterholz
zu lange nur so glimmte
buchstabieren wir
hitzig

© Amy Herzog

was

ist das schon Bestimmung
oder wollen wir
nur endlich mal etwas
spüren?

© Amy Herzog

weil sie friedlich sind

Er bleibt immer
bei den Geräuschen
die er kennt
täuscht ein Gesicht vor
das ihm die Menschen abkaufen
und trägt in seinen Händen
nur noch leichte Luft
weil die Wellen friedlich sind
in denen die Leidenschaft
einst ertrank

© Amy Herzog

wortlos

Schlaf jetzt, sagst du.
Weil wir nicht bereit sind
das zu sagen, was wir
beide denken.

© Amy Herzog

verkleidet

ich bin dann immer zwischen
einer sauerstoff-stickstoff-verbindung
und dem laufen auf zuckerwatte
meine schritte kleben
und mein herz reißt alles umliegende
mit ins verderben
und dann wäre ich gerne leicht
verkleidet
nur für einen moment
denn die echtheit spielt in dieser welt
nur eine kleine nebenrolle
die den lauten knall verschweigt

© Amy Herzog

verlorener Glaube

im Spiegel sehe ich immer nur gelangweiltes vorhersehbares Gähnen an der Oberfläche statt meiner Kinnlade die auf den Boden knallt (weil es so überraschend sprachlos überschwappend mitreißend und so vollkommen unbeschreiblich bekloppt ist) und dann immer nur im Ofen aufgewärmte Gefühle und mein Glaube an die Liebe (stärker als jeder je empfundene Schmerz) geht allmählich verloren weil ich sie noch nie gesehen habe und selbst der Todeswunsch trinkt nur noch Kamillentee und träufelt künstliche Sehnsucht hinein

Macht

diese unbegreifliche Macht
über dich
weil es tief geht
nicht langsam, behutsam
nein
wie ein Pfeil
aus einem gespannten Bogen
und die Angst
weil dieser Pfeil töten kann
stillschweigend
wie die Macht selbst

© Amy Herzog

wir sind alle nur Kinder

Am Ende des Tages
sind wir wieder wie Kinder
laut in uns und bunt
und das, was wir uns verbieten
zerrt unsere Gedanken.

Und dann erinnern wir uns zurück
an Stubenarrest
und an das tolle Gefühl,
wenn wir das, was uns verboten wurde
trotzdem gemacht haben.

© Amy Herzog

ad absurdum

wie frisch gemähtes Gras
Sommerregen
und Vollmondwinterblau
liegt dir meine Seele
kristallklar
offen
Tiefe tauchen
atmen und hoffen
weil ich viel zu nackt
meine Sinne
ad absurdum führe
so wie ich deine schwere
raue Haut berühre

© Amy Herzog

mein herz

aufbruch
in meinen augen
seelenschwere schwebt
und mein herz
es leidet, lacht und liebt
nur immer schwer
es wandert und es lebt

und wenn du es berührst
so hab nur keine angst
wie du verbrennst
es dehnt sich
zeigt dir weltenfarben
die du noch nicht kennst

© Amy Herzog

Ein Wunsch.

„Normal“ ist ein dehnbarer Begriff, schon klar. Soll nicht heißen, dass ich nicht normal bin, für meine Verhältnisse. Aber ich funktioniere eben anders. Das ist halt so. Aber das ist nicht der springende Punkt (ich, die nun an einen Punkt denkt, der auf und ab springt). Ich wäre gern in der Lage, die Sprache sprechen zu können, die von den meisten Menschen selbstverständlich gesprochen wird. Die wissen, wie man sich verhalten muss, wie man wann fühlen muss, was man sagen muss, sagen darf. Die wissen, was richtig ist, was falsch ist. Die wissen, was angebracht ist und was nicht. Wenn ich dann über Menschen nachdenke: „Ähm … [maximal verwirrendes Zeug einfügen] … ach egal.“ Und dann mache ich was interessanteres. Und doch, am Ende des Tages habe ich stets einen Teil der Fehler in und an mir gefunden, die ich eben so finden konnte. Ob das dann wirklich Fehler sind, weiß ich nicht. Muss ich mich entschuldigen, wenn ja, bei wem? Habe ich was falsches gesagt, getan, mich falsch gekleidet, bewegt, geatmet?

Diese Welt ist so unfassbar oberflächlich, alles muss perfekt sein, obwohl nichts perfekt ist. Es wird bewertet, ich werde bewertet, nur nach welchen Kriterien? Geht es ums Äußere? Da bin ich raus. Geht es ums Innere? Da bin ich auch raus. Am Ende nehme ich, ganz im Sinne meiner nicht vorhandenen Herzgesundheit, den ganzen Zirkus einfach hin. Eine andere Autistin gab mir mal den Ratschlag: „Betrachte Menschen wie Hunde.“ Das klingt erst mal fies, funktioniert in der Praxis aber manchmal recht gut. In diesem Wirrwarr aus ‚zu viel‘ und ‚zu wenig‘ (irgendein Oberpromathematiker kann das bestimmt definieren, ich gehöre nicht dazu) finde ich mich nicht zurecht. Ich lebe so vor mich hin und mache dabei mehr Fehler, als ich finden kann. Weil für andere irgendwas „normal“ ist, worüber ich nicht mal im Ansatz nachdenke. Und dann sagen die, ich wäre kompliziert. Scheiße, die sind kompliziert. Nichts für ungut. Ich weiß nicht, was normal ist, was richtig ist, aber wenn es eine Pille gäbe, die mich das für einen Moment wissen lässt, so wie die es intuitiv wissen, dann würde ich sie schlucken und nicht mal den Beipackzettel lesen.

Das wäre ein Wunsch.

Lüge

was ist das schon..
– „innen“
ich atme mich aus!
und dann kann ich dich nicht anschauen
du dünnes, weißes blatt papier
weil du leer bist
und mich damit belügst

© Amy Herzog

unbeschreiblich

wenn ich den schmerz
im halbschlaf
den tiefen, wahren
verborgenen
so müsste ich dich
in einem wort beschreiben
mein liebster
doch das kann ich
nicht

also trage
ich dich in mir
jedes wort der welt
pflastert den blutigen weg
und bricht mein herz
doch fühle dich
bei jedem schweren schritt
so beschreibe ich dir
wortlos mein leid

© Amy Herzog

Fragen

Wer hat dir das erste Mal dein Herz gebrochen? Und warum war es das letzte Mal gebrochen? Hast du es verschwiegen? Warum? Hast du dich schon mal vollkommen angenommen gefühlt, vollständig sicher in einem anderen Menschen? Warst du schon mal glücklich und bist du es noch? Wie viele Wünsche hast du dir bereits erfüllt und waren sie dir wichtig? Welche Sehnsucht hast du dir das letzte Mal verboten und warum hast du sie nicht vergessen? Belügst du dich manchmal selbst? Warum? Wann hast du das letzte Mal geweint, ohne den genauen Grund zu kennen? Wovon handelte dein letzter Albtraum? Hast du einen Wunsch, den du dir bewusst nicht erfüllst, weil du Angst hast, du könntest alles was damit zusammenhängt, verlieren? An was denkst du morgens als erstes und an was, bevor du einschläfst? Bist du dort angekommen, wo du ankommen wolltest? Wann hast du das letzte Mal etwas vollkommen anderes getan? Und wann warst du das letzte Mal absolut ehrlich? Was ist deine größte Angst? Welches Gefühl hast du jetzt gerade, welches du keinem verraten kannst? Warum nicht? Wenn du eine (legale) Sache tun könntest, die nicht länger als fünf Minuten dauert und du könntest sie anschließend ungeschehen machen, welche Sache wäre das? Warum würdest du sie ungeschehen machen wollen? An was denkst du, wenn du nachts nicht schlafen kannst? Und bist du manchmal wütend, ohne es zu sagen? Wann das letzte Mal? Und warum?

bedeutung

In Grenzen rechnen
schnürt ein
manchmal ist das Große
nur sehr klein
und dann liegt darin
eine ganze Welt

© Amy Herzog

nichts

ich denke an nichts aber
wenn ich die Geschichte erzähle
werde ich so weinen
als hätte sie mich berührt

© Amy Herzog

sprichwörtlich.

Dich schweigend umzudrehen und die Faust so fest zu ballen, dass dich der dadurch entstehende Schmerz in deiner Handinnenfläche vom inneren Schmerz ablenkt, bringt nicht viel, oder? Warum machst du es dann? Man könnte fast meinen, du seist ein kleiner Masochist. Ne, den körperlichen Schmerz meine ich gar nicht. Ich spreche von deinem inneren Schmerz. Schon merkwürdig, dass ich darüber spreche, du aber nicht. Wovor hast du Angst? Was könnte denn schlimmstenfalls passieren? Und denkst du auch daran, was bestenfalls passiert? Wir haben es doch alle schon gelebt, dieses Sprichwort: „Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“

(ein Drabble)

© Amy Herzog

Das.

Das.
Ich welke.
Und dann würde,
nur würde ich gerne,
aber ich kann dich nicht.
Aber wenn ich wäre,
so ein Mensch.
Der aufgibt.
Dann das.
Das.

© Amy Herzog

geöffnet.

wann war ich
das letzte mal wirklich
nah, mutig,
körper, geist und seele
in fremden händen
offen, offen,
offen hingegeben?

ohne diese selbstsabotage,
in der ich mir einrede
[ … ] und dann flüchte.

wann warst du
das letzte mal mutig?
in der tiefe.

wann haben wir das letzte mal
all die gründe, die wir (selbstverständlich)
finden überhört, ignoriert
für so ein viel zu menschliches
vollkommen fehlerhaftes individuum

und die 99,9% wahrscheinlichkeit
dass das herz gebrochen wird
ein neues trauma dein fleisch frisst
in jeder handlung
und all die alten wunden
geöffnet

wann waren wir das letzte mal offen
wirklich offen ineinander
und haben diese angst geteilt
waren ehrlich und haben
(um etwas neues zu probieren)
diese angst zurückgelassen?

© Amy Herzog

Irgendwie Droge.

Dann ist das so ne Berührung
und ich mein hier nicht nur Haut, ja,
sondern unter der Seele
und du weißt nicht, was es ist,
aber es fühlt sich nach Drogen an
und wenn sie nicht da ist
bist du so’n Junky auf Entzug.

Das ist dann halt so
und du bist dann verrückt, oder?
Rhetorisch gemeint.

© Amy Herzog

„Liebe“

sehnsucht sucht
außergewöhnliche liebe
weder deuten noch definieren
die mich schwanken
ohne denken
hin und her
und mich dann hält
als würde die zeit stillstehen
in einer gewissheit
dass sich seelen
in der ewigkeit finden
aber ich suche
nach dir

und alles andere ist gewöhnlich

© Amy Herzog

Kunst

Ich flüchte in die Kunst
und bin ein ganzes Leben dort.
Das bin ich – in mir.
Allein.

Und stets die Sehnsucht
nach mehr – in dir.

© Amy Herzog

Balsam

Ich wünschte, so etwas
besser ausdrücken zu können.
Denn ganz oft sind es Kleinigkeiten
diese Unscheinbaren,
manchmal nur ein kleines Wort
und deines tut mir gut.

© Amy Herzog

„Okay.“

Und du sagst: „es liegt nicht an mir, es liegt an dir.“ Ich weiß, ich weiß, auch wenn ich es nicht wissen will kann, ich weiß. Sogar verstehen kann ich es. Wäre ich du, würde ich genau das Selbe sagen. In meinem Inneren stirbst du zäh, deshalb will kann ich es nicht wissen. Aber ich weiß, ich weiß. Und ich antworte mit einem neutralen: „Okay.“

hängende Schultern,

geschlossene Augen

und ein langes Seufzen…

im Wind

©Amy Herzog

Wie geht es dir?

© Amy Herzog

blau.

Diese Begegnung
hat meinen Aggregatzustand
verändert. Meine Haut.
Ist so dünn. Und
ich schwitze blau,
während du auf der Oberfläche
schwimmst.

© Amy Herzog

LICHT

dieses Umherschwirren
unberechenbar brechend in dir das
haltlose Flirren
und fühlloses Reißen
bittest nachts um Hilfe schr
ei Hertz schrei

zum Morgen (grau) en
tauen Tauben auf deinem Grab
wie wi ll st du, wie bewegst du
was im Innternen stirbt
immer Laternenindir

und ich brauche
doch LICHT Herz
LICHT LICHT LICHT L

© Amy Herzog

Angst

© Amy Herzog

Abgeflacht

© Amy Herzog

Gar nichts.

© Amy Herzog

lose

© Amy Herzog

Der Morgen danach.

Verrutschten Lidschatten über Gefühle gemalt,
sie lächeln sich unter den verküssten Lippenstift.
Ein wenig Frage steht im kleinsten Raum: Ich.
Und der Wunsch nach dem Abend davor.

© Amy Herzog

vielleicht

dieser bittere Nachgeschmack
legt deiner Sehnsucht vor dem schlafen
ein Stück Eifersucht auf’s Kissen
und du hasst es, mein Wort
und du liebst diese unstillbare Sucht
diese Wunden, dieses offen sein
machtlos gegen die Angst
über die du heißen Zucker gießt
ein Vielleicht schweigst du in deine Tiefe
vielleicht schmeckt diese Sehnsucht
nach Wahrheit, etwas Irrsinn und Leben

© Amy Herzog

Kampf oder Flucht


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neu Gestalt en . neu er finden
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Bedeutung bleibt reibt treibt
vor jedem einschlafen
an der dünnen Seelenwand
zurück wird verweigert
[ … ]
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© Amy Herzog

Heute will ich lügen

Heute aber ziehe ich die Lüge vor
denn mir gefällt die Sonne
und es tut nicht weh
sie auf meinem Lächeln zu spüren
und der warme Sommerwind
lässt mich schweben
schweigen, fließen und genießen
ja, heute will ich lügen
es tut nicht weh

© Amy Herzog

Die unerfüllte Liebe

Dieses Stück*
es war mein erstes Mal
hat die Liebe in mir geboren
vor langer Zeit
erklärt

Noten zu steril
Worte immer viel zu viel
ich schmecke Farben
und fühle Glück
in allen Narben auf meiner Haut
die diese Liebe hinterlässt
jeder Ton malt tausend Bilder in meinen Gefäßen
sie treiben mein Blut, den Rhythmus
ergießen aus wunden Fingern
und wärmen mich durch meine Winter
wie ein Liebeskranker
seine Arme um mich schlingt
schmerzverzehrend
doch nur einen Kuss stiehlt
wieder und wieder

Wann immer sie mir fehlt
schreibe ich ihr
dieser unerfüllten Liebe
selbst wenn ihr kein Wort gerecht wird
schreibe ich ihr bis ins Ende

© Amy Herzog

*Beethoven’s für Elise

Schwanken

Ich schwanke. Schwanke noch ein wenig vor mich hin, etwas vor und wieder zurück. Hin und her. Newtonpendel. Mit jedem Stoß ein Seufzen, das du nicht hörst. Versuche Zweifel durch ein Nadelöhr zu schieben, aber selbst wenn ich damit jede Wunde, die du öffnest, verschließen könnte, wäre der Faden viel zu aussichtslos. Solange ich dich aber vor mir herschiebe, schwebt die Leichtigkeit in Gewitterwolken. Unwetter droht, bellt, aber kann nicht beißen. Und solange kann ich dich festhalten. Wenn das bedeutet, dass ich mir Blutergüsse in die Unterlippe zeichne, statt dich zu küssen, dann wähle ich die Last auf meinem Körper dich vor mir herzuschieben und in Seekrankheit zu leben. Und wenn ich regne, dann leise in der Sommernacht, damit dich der Morgen mit saftigen Wiesen und getrocknetem Beton begrüßt. Dann schaue ich wieder zu lange aus dem Fenster, beobachte die Lebenden, ein Vorbeiziehen und die Jahreszeiten. Es dauert eine Ewigkeit über deine Gedankenlosigkeit nachzudenken, während dein Lachen mein Ohr bluten lässt. Ohne Rücksicht auf Verluste. Du hast ihn kennengelernt, den Verlust, er hat dir die Menschlichkeit genommen, die ich gesucht habe. Aber nicht das gebrochene Herz. Nicht die Angst vor dem inneren Tod. Und nicht das Ziel, das hinter dem Winter ruht. Ohne Handschuhe berühre ich es. Und was mir der Verlust aus blauen Fingerspitzen zieht, ist das Gefühl. Mein Gefühl. Mich. Alles was mich schützt, mich ausmacht, was ich mühsam gefunden und gesammelt habe. Die zerkratzte Oberfläche lässt er mir, damit es in jeder Wunde brennt. Es brennt. Und ist es das Wert? Sag, ist es das Wert, dich nicht mehr mit dieser Leichtigkeit vor mir herzuschieben? Ist es das? Es ist bunt, es ist hell, wild, große Gefühle und Sex. Die Wahrheit jedoch steht in den Spuren im Schnee. Und dann neue Hämatome. Ich möchte sie zählen, aber ich schwanke. Ich schwebe. Ich schwanke.

albtraum

Sehnsucht malt in die Nacht
– du albtrügerisches Zaubermärchen
im luftleeren Raum
und für den Moment halte ich den Atem an
wünschte, ich könnte es ewig
doch erwache ich dem Traum und trauere darum
wie Angst in mir tanzt
(und mein Skelett pulverisiert)
mich beinahe selbst verloren zu haben
liegt im Ende erst der gnadenlose Anfang
wenn Verzweiflung ein neues Bild
mit einem Blick
aus Nachtsternen formt

© Amy Herzog

die vergessene Blume

Die Erde unter meinen Füßen
duftet nach Regen und eben diesem Frühling
der nur weiche Brotkrumen hinterlässt
und lässt die Schweigepflicht auch Poren
öffnen ist die eine Blume doch verloren
wenn sie als einzige blüht

So welkt sie trotz des vielen Regens
und verliert das kleine Glück des Lebens
ich doch nur ein Weg zurück
verspreche mir doch weiter geradeaus
und breche dieses nicht
die kleine Blume längst vergessen
trinke ich von deinem wortsanften Regen
auch dann nicht, wenn er mich
mit weichen Lippen küsst

© Amy Herzog

bitter

fresse stundenlang lavendelseife
um schmutzbehaftete gefühle zu bereinigen
sie moussiert in blutenden wangen
weil sich meine worte
am morschen larynx verfangen
– seife nutzlos
doch brennendes fleisch
stopft jedes loch mit erbärmlicher galle
wie die gans an weihnachten
der vorgetäuschten liebe
doch nur ein geschlachtetes wesen
so wie ich angestarrt werde
wenn ich dir mit bittersüßen tränen
dein tägliches fest verderbe

© Amy Herzog

Wenn Worte zu klein sind.

Wenn sich die Frage stellt,

wie schlimm etwas ist

und nur noch schweigen

die Antwort sein kann,

dann nur, weil dem kein Wort

keines der ganzen Welt

noch gewachsen ist.

© Amy Herzog

Wenn gestern morgen ist…

Manchmal, wenn ich dran denke,
aber nur wenn auch eine Träne
in die Wunde fließt,
kommt’s mir vor, als wäre es erst gestern gewesen
und wünsche mir dann,
es wäre doch das gestern von morgen

Aber sag mal, sagst du Bescheid,
wenn es soweit ist, wenn es morgen ist?
Denn heute lebe ich nicht.
Sind alle meine Figuren schon tot
und ich sehe nur den Staub.

Und.
Ich ersehne.
Dich. Und.
Dein Wort.

(das weiß nur ich)

© Amy Herzog

Furcht bleibt

tränen verschweißen meine augen
starre in verschwommenes
schreibe in fingerspuren auf sandpapier
glattgeschmirgeltes gedankengut
albträume räumen die nacht
und lassen die leiche spurlos verschwinden
ich denke an nichts, nichts, nichts..
aber wenn ich wieder klar sehe
atme ich tiefblutentkleidete furcht
in deine kalte richtung

(furcht sitzt da, wo das herz verblutete)
- der platz war noch warm

© Amy Herzog