Liebe

Heiß!

Da ist er: der kurze Moment, in dem sie denkt: „Nein, sei vernünftig, lass die Hände davon, das hast du als Kind schon gelernt. Die Herdplatte ist heiß, sie ist es! Du musst das nicht näher prüfen!“ Und trotzdem legte sie ihre kleine Kinderhand immer wieder darauf. Na, und nun legt sie eben ihre inzwischen größer gewordenen Hände darauf. Nicht mehr auf die Herdplatte. Aber auf andere…Dinge. Vielleicht ein wenig töricht, das verwachsene, ähm, erwachsene Kind, aber doch ist es voller Reinheit und Gefühl, ihr unbelehrbares Herz. Und einer dicken Hautschicht an den Handinnenflächen.

© Amy Herzog

ich ahne die Liebe

Oh Furcht!
Ich ahne die Liebe
so groß vor dir
und mir
die Furcht, oh!
Vor Wissen und Sturm
und blind
so ganz und gar die Liebe!
Oh, würde doch
ein Ende
mich zerrissen
im Rinnstein nach dir
zehren lassen!

© Amy Herzog

Weiße Leinwand

da sitzt du
starrend in deine Innerste
weiße Leinwand

wo sind all die Kratz-
und Bissspuren
die durch die Liebe eines Künstlers
in ebenso tiefer Leidenschaft
die Beschaffenheit
deiner Haut verändern, wo?

da sitzt du
weiße Leinwand
suchend

© Amy Herzog

Liebesschnipsel

[…] „Weil Liebe nicht einschränken, sondern wachsen will.“ „Würdest du dich bitte in mich verlieben?“ „Ich weiß nicht, ich habe gerade Angst.“ „Warum? Sind es Menschen, denen du egal bist?“ „Nun, warum ist überhaupt irgendwas?“ „Traurig.“ „Ja.“ „Und warum?“ „Weil Liebe nicht perfekt sein muss, sondern aufrichtig, weil sie eine Sicherheit bietet, die man sich nicht erst verdienen muss.“ „Du verwendest Liebe und Sicherheit im Selben Satz?“ „Ja.“ „Das ist naiv.“ „Vielleicht, aber meine Liebe ist auch eine Entscheidung zu bleiben, selbst wenn ich gehen muss.“ „Warum musst du gehen?“ „Hmm“ „Wie kann man zeitgleich so offen und verschlossen sein?“ „Jahrelange Übung.“ „Hm, würdest du dich bitte in mich verlieben?“ […]

hinter dunkelbraunen Augen

hinter deinen
dunkelbraunen Augen
liegt mir der
Herbstwald zu Füßen
und Laubhaufen
die ich mit meinen Stiefeln
aufwirble
um in dir durch jede
Vollmondnacht
zu tanzen

© Amy Herzog

Alkohol

du bestehst aus
vierundsechzig Prozent
und trotzdem
würde ich dich literweise
trinken

© Amy Herzog

totlachen.

Die Roadtripromantik war
eiweißreich
und kapselt sich in die Gesichtsmuskulatur ein –
wir lachen uns tot.

© Amy Herzog

asystolie

bilder
in deiner berührung
setzen sich
in rippen gerahmt
zusammen
und mein herz
schreibt für einen augenblick
asystolie

© Amy Herzog

seekrank

diese vehemente erschütterung
in meinem körper
hinterlässt narben im asphalt

immer willst du rein
und wüten
hassen oder lieben
und weißt nicht wie das geht

diese zerstreutheit
in mir
hinterlässt mich seekrank

© Amy Herzog

verlorener Glaube

im Spiegel sehe ich immer nur gelangweiltes vorhersehbares Gähnen an der Oberfläche statt meiner Kinnlade die auf den Boden knallt (weil es so überraschend sprachlos überschwappend mitreißend und so vollkommen unbeschreiblich bekloppt ist) und dann immer nur im Ofen aufgewärmte Gefühle und mein Glaube an die Liebe (stärker als jeder je empfundene Schmerz) geht allmählich verloren weil ich sie noch nie gesehen habe und selbst der Todeswunsch trinkt nur noch Kamillentee und träufelt künstliche Sehnsucht hinein

zähmen

die sind doch alle so
verweichlicht
da: heiß noch viel zu kalt
huste ich ein bisschen Delirium
atme Sehnsucht
und fresse meine Liebe
wie viel wirklich
(hab den Überblick verloren)
aber schwer ins Bett
zu fesseln
wenn keine Hand ausrutscht
und ein wilderes Tier
mich zähmt

© Amy Herzog

eine Nacht

Liege dir wieder viel zu offen
für eine Nacht
verbindest alte Narben
wie Punkte
damit du mich lesen kannst
säst frische Wunden
mit dem selben Bleistift
und radierst den Tagesanbruch aus

Mit bloßer Hand
die rote Haut
und lässt ein Kribbeln in mir
wie Hämatome
die ich zählen kann
wenn du die nasskalte Sehnsucht
meinem Schmerz überlässt

© Amy Herzog

Atlas

Ich trug dich
einstmals in meine Welt
– stark wie Atlas
damit ich dich nicht vergebens
in deinen dichten Wäldern
ewig suchen will
Liebster

© Amy Herzog

Fragen

Immer wieder fragst du mich, wie ich das mache, wie ich mich so parasitär in den Tiefen deiner Gedanken niederlassen, darin winden und räkeln kann. Und dann kniest du metaphorisch den ganzen Tag nieder, hin- und hergerissen, erschöpft, ängstlich, dann wieder voller Vertrauen, Stärke und Liebe. Siehst mich in deinen Träumen, fühlst meine Berührung in jedem Atemzug. Dann denkst du, zu viel, zu wenig, verwirrt und klar, versuchst dich auf deine Arbeit zu konzentrieren, bist aber gar nicht da. Nur dieses Zehren in dir, selbst wenn es nur ein flüchtiger Blick ist, den ich dir schenke. Immer wieder fragst du mich, mit welchem Zauber ich dich belegt habe, dieses wohlwollende Gift. Dann willst du, dass es verschwindet, ein Flehen in die Nacht, was immer es ist und zugleich willst du in mir verschwinden, mein sein und nie wieder danach fragen.

© Amy Herzog

„Liebe“

sehnsucht sucht
außergewöhnliche liebe
weder deuten noch definieren
die mich schwanken
ohne denken
hin und her
und mich dann hält
als würde die zeit stillstehen
in einer gewissheit
dass sich seelen
in der ewigkeit finden
aber ich suche
nach dir

und alles andere ist gewöhnlich

© Amy Herzog

Deine Kalliope

Dein hungriger Geist
so leergefühlt
wie ein einsam erfrorener Vogel
der vom Ast fiel

Wie treiben deine lauen Funken und
im Wellenschlag ertrunkene
Leidenschaft
verloren in der Nacht
und unsichtbar durch den Tag
über deiner ängstlichen Hülle nur eine
flackernde Glühbirne
die ihrer eigenen lauten Sehnsucht
vor deiner im Sterben lag

Mein hungriger Geist
so leergeküsst
nur lass mich schwimmen
im Kerzenschein durch die Vollmondnacht
und wie mein Leib aus Schmerz
die Kunst erschafft
lass mich die deine ewige
Kalliope sein

© Amy Herzog

verewigt

Dein altes Bild
tropft mir aus dem Mund
wie wärmend über Kinn und
ungeküsste dunkelzarte Lippen
malerisch auf Haut, Brust und Rippen
und duftet dickflüssigrot die Lust
spielendlieben Vollmondzungen
in Feuerkerzen, Luft und Wein
verewigt im tiefen Bauch
so bist du mein

© Amy Herzog

ich spüre.

Die Erinnerung
hat mich hinterlassen
in diesem leeren Universum
der schwere Raum
Gedächtnis

Nichts ist das
wie es mir erscheint
und alles stellt sich in den Weg
wo fängt deine Kälte an
und wo hört sie auf

Die Einsamkeit
entfaltet sich exponentiell
in tausend verschlossenen Türen
doch bin nicht verschwunden
um deine Umarmung
noch zu spüren

© Amy Herzog

verschreckt

© Amy Herzog

der rest von mir

wie lang der rest des lebens
die zeit ist nie genug
aber wärs für eine nacht
dann gehörte ich für immer dir

© Amy Herzog

blau.

Diese Begegnung
hat meinen Aggregatzustand
verändert. Meine Haut.
Ist so dünn. Und
ich schwitze blau,
während du auf der Oberfläche
schwimmst.

© Amy Herzog

Nacht

Schlafende Nacht:
dein roter Handabdruck
auf meinem Arsch
und die Zigarette danach
am offenen Fenster
des Nichtraucherhotels.
Endlich aufgewacht:
in deiner Nacht.

© Amy Herzog

abschweifen

etwas, das nähe heißt
bleibt mir fern

in diesen fremden armen
drückt meine echtzeit
gegen die sollbruchstelle
meines staubigen sternums

du sagst: ich liebe dich

aber
ich bin mir fern
in deiner nähe
und weine nach innen

ich sage: ich liebe dich auch
[gedanken schweifen ab]

© Amy Herzog

bahnhof bei nacht

bahnhof in der nacht
niemand findet, niemand sucht
trunkenbold, der weise
singt von fernweh hinter kerzen
dies feuer aber leuchtet
mir die sehnsucht nach dem heim
unter kälte, unter schmerzen
sollt’s der nächste zug mir sein

kann nicht fühlen, nicht mehr sehen
wohin die roten blätter wehen
erbamungslos ihr glanz
so verrottet auch ihr letzter tanz
und weiß ich nicht wohin

bahnhof in der nacht
sag, wie laut schweigt dieses licht
sag, wie oft fährt diese bahn
und wieso finde ich dich nicht?

summt es denn lauter, summt es leiser
trunkenbold, sag bist du weiser?
singst von fernweh, singst von wärme
blendet mich denn nur mein herz
sag, was deutet diese liebe
find‘ ich weh, so find‘ ich heim
mein feuer in der ferne

© Amy Herzog

Hingabe

Betrachtest mich nicht von außen
schneidest mein Fleisch auf
weidest meine Organe
füllst mich mit Mandarinen aus
du trägst ein schlichtes Hemd
riechst nach moosbewachsenem Holz
und in Jahrzehnte gekommene Bitterkeit
dein Arschloch hält auf Abstand
hast du doch nur viel mehr Angst vor mir
als ich vor’m schwarzen Loch

Meine Seele schläft getränkt
Methanol und Formaldehyd im Glas
die Staubdecke wärmt
dieses entblößt fristende Dasein
in deinem Nachtschrank

Mit so viel Hingabe
hast du nicht gerechnet
Versprechen kommt nicht in die Jahre
mein Liebster, der Wahre
vielleicht nicht mein ganzes Leben
doch hast nur du mein Wahres gesehen
das niemand dir entreißt
betrachtest mich nicht von außen
der, der mein Herz verspeist

© Amy Herzog

tanz

blutmond lichtet uns
trinke insomnia aus deinem glas
roter lippenstift erinnert
an den langsam sinkenden tanz
den gestohlenen kuss
an glanzweite kerzenaugen
und sanftes saugen an meinem hals
dein inneres betten von eingeatmetem duft
sommersonnenaufgang und regen
nieselt auf wachsende herzen
die sich in eine richtung bewegen

© Amy Herzog

Die unerfüllte Liebe

Dieses Stück*
es war mein erstes Mal
hat die Liebe in mir geboren
vor langer Zeit
erklärt

Noten zu steril
Worte immer viel zu viel
ich schmecke Farben
und fühle Glück
in allen Narben auf meiner Haut
die diese Liebe hinterlässt
jeder Ton malt tausend Bilder in meinen Gefäßen
sie treiben mein Blut, den Rhythmus
ergießen aus wunden Fingern
und wärmen mich durch meine Winter
wie ein Liebeskranker
seine Arme um mich schlingt
schmerzverzehrend
doch nur einen Kuss stiehlt
wieder und wieder

Wann immer sie mir fehlt
schreibe ich ihr
dieser unerfüllten Liebe
selbst wenn ihr kein Wort gerecht wird
schreibe ich ihr bis ins Ende

© Amy Herzog

*Beethoven’s für Elise

täglich einen Brief

in den Absätzen erfundener Sprache
verfasse ich an dich, mein Liebster
täglich einen langen Brief über Liebe
und lese aus den Spuren meines Herzens
dein in Sicherheit ruhendes Seelenfragment
in dieser unsicheren, gar feindlichen Welt
kannst nur du die Wahrheit in mir lesen

© Amy Herzog

Die einzig wahre Muse

Du aber bleibst meine einzige
– die wahre Muse
trinkend aus deinem Äther
weil dein Herz so lieblich klingt
in blutroten Küssen
und der Scherbenschnee
sanft meine Haut umschließt
wenn ich es zerbreche
dieses unerbittlich schlagende
in abertausend Enden
mir doch den Anfang schenkt
wenn der große Mond
die Erde küsst

© Amy Herzog

Wir

Ein dunkler Raum 
in zeitloser Zwischenwelt
rastet in unendlicher
grenzenlos
Poren sickernder
in hingebungsvollen
entblößten Seelenkörpern
durch Ewigkeit

Die Außenwelt zeigt
wie Farben
durcheinander
aneinander vorbei
verlieren und suchen
vermischt
in verbrauchten
Stunden

Wir liegen darin
suchen Liebe, Nähe, Sinn
Bedeutung im bedeutungslosen
Wahrheit in Lüge
und im verschiebenden
verschwiegenen
die Mitte
uns

Wir brauchen nichts
in der Dunkelheit
wir sind wir
wie wir sind
sind wir mehr
Sterne, Ozean, Mond
oder Pfütze

Fragen
die hier nicht
existieren
in der Zwischenwelt
wir sind klein
wir sind die Mitte
wir sind nackt
wir sind eins
wir sind wir

Mitte

© Amy Herzog

Geliebtes Leben

Selbst meine Abgründe
zeichnen sich in deiner Seele
und du machst daraus Gold
wenn ich fließe
bist du mein Fundament
und wenn ich an dich denke
dann an ein Leben
mit Lachfalten in jedem Winkel
selbst im geteilten Leid
und wenn Ehrlichkeit duftet
dann nach Freiheit
nach Zuflucht
Sicherheit
Erde

© Amy Herzog

Bilder

Dunkelheit schmückt Wohnung
Schallplatten malen Musik auf Wände
eine Gitarre sammelt Staub
in einer Ecke

Schließe ich meine Augen
hängen im Kopf abertausende Bilder
dann ist es gar nicht mehr
so dunkel

Wenn ich sie öffne
steht auf dem Nachttisch
ein Bild von dir

Das einzige, welches ich besitze…

Schlaf findet nicht
schaue dich wortlos an
dein Bild wortlos zurück
finde mich in irgendeiner Realität
und verliere die Balance

Plötzlich hören wir
gemeinsam Musik, berühren uns
in abertausenden Bildern
wälzen nackte Körper durch Farben
hinterlassen ein weiteres Bild

Und wenn Augen dann schließen
ist es gar nicht mehr so dunkel

© Amy Herzog

Stille

nicht deine wohltuenden Worte
säen die Angst in mir
es ist deine absolute Stille
welche mich in deine Tiefen
stürzen lässt und Furcht
auf meine Haut zeichnet

und wenn du dann in meine
schutzlosen Augen blickst
siehst du auch in meine Tiefen
spürst die Hingabe meiner Glieder
und noch tiefer empfundene Liebe
die aus meiner Seele tropft

wie mein zitternder Körper
dir leise dein Lieblingslied spielt
so atmest du noch lauter
immer schwerer, immer tiefer
bis ein Kuss die Stille bricht

© Amy Herzog

Januarwind

Dein frostiger Januarwind
malte mir zyanotische Finger
und kroch in tagelanger Gänsehaut
unter unsere beheizte Decke
so wie ich ausgehungert
blind und taub und stumm
meinem Winterschlaf entging
warst du es bis ans Ende
der den Wind einfing
um den Frühling zu begrüßen
bis der Hunger schweigt

© Amy Herzog

Gedanken über die Liebe

Polyamorie, so finde ich, ist ein interessantes Thema. Es geht um Liebe (und wohl auch um Liebesbeziehung, aber das ist völlig nebensächlich, finde ich). Diese gottverdammte Liebe, die ich für mich bis heute nicht klar definieren kann. Ich mag Dinge, die eine einheitliche festgelegte Definition haben. Ich weiß, dass es für die Liebe eine Definition gibt. Im Kleingedruckten steht dann, dass diese von jedem individuell interpretiert und ausgelebt wird. Vorzugsweise finden sich Paare, die in Sachen Liebe das selbe Ziel verfolgen. Und dann bleibt das so. Aber warum? Warum wird Liebe begrenzt? Und was ist der Sinn von Eifersucht? Warum macht uns die Liebe so unsicher? Wenn ich eines sicher weiß, dann dass Liebe vielschichtig und unbegrenzt ist. Es geht nicht um besser oder schlechter, um mehr oder weniger. Es geht um Ehrlichkeit, um Geborgenheit, um Freiraum/Freiheit. Und dann wieder um fallenlassen, um ankommen.

Kann ein Mensch allein alle Bedürfnisse erfüllen? Ich denke nicht. Und es wäre sehr weit von Liebe entfernt, wenn ich das von einem Menschen verlangen würde. Unter diesem Druck zerbricht am Ende selbst die ewige Liebe. Und manchmal belügen Menschen sich dann selbst. Dann ist Liebe eine Verpflichtung. Ein Aufrechnen. Du hast dies für mich gemacht und deshalb muss ich das für dich tun. Ich schreibe ja wirklich gern über das Leid in der Liebe, aber so schlimm vermag ich dann auch wieder nicht zu sein. Denke da aber plötzlich an meine Scheidung. Was für ein Affenzirkus. Die Richterin war aber klasse. Mein Exmann ist nicht erschienen. Und ich wollte die Richterin unbeabsichtigt bestechen – mit nem dicken Strauß Blumen. In diesem Sinne, den größten Dank für die Entscheidung zu meinen Gunsten. Hab leider das Datum vergessen, ist aber auch egal.

Hauptsache ich bin frei. Er konnte mir jedwedes Gefühl nehmen. Und nun habe ich all die undefinierbare Liebe wiedergefunden. Bedingungslos ist sie, das muss ich sagen. Ich bin so glücklich darüber dieses Irgendwas empfinden zu können. Mit der Definition werde ich wohl mein Leben lang beschäftigt sein. Und auch mit der Entdeckung dieser Vielschichtigkeit. Aber einsperren lässt sie sich nicht. Im Gegenteil. Vermutlich entsende ich gerade dorthin Liebe, dem die Liebe wie mir einst abhandengekommen ist. Die Freie, die ewig Ungebundene Gebundene, die anmutig tänzelnde, die Vertraute, die Ehrliche, die Beständige, die, die dich auf allen Wegen still begleitet. Die, die Träume mit dir lebt, und die, die sie auch mit dir begräbt.

Widmung

Einst schrieb ich getrieben
von der Angst in der Dunkelheit
um Dämonen zu vertreiben
und die Einsamkeit

Nun schreibe ich von Liebe
die im Mondlicht, im All verborgene
um ihnen zu huldigen
wärmstens

Und sie zeigen ihr Gesicht
und nennen mir all ihre Namen
damit jedes meiner Worte
eine Widmung trägt

Verschleiert

© Amy Herzog

Sonnenuntergang

Dem Sonnenuntergang aber
sende ich meine Liebe
und so fürchte dich nicht
vor deiner Dunkelheit, Liebster
wo doch die Liebe in diesem Licht
bis zum Aufgang für dich scheint

Und ich wärme deine Dunkelheit
in dieser wolkenlosen Nacht
nehme sie mit zu mir nach Haus
so sende ich dem Sonnenaufgang
die Sterne, die ich darin zählte
und deine Kälte, die ich wählte

Dann morgen wird es regnen
doch fürchte nicht dem Ertrinken
aus unseren Poren tropft die Liebe
in der wir, wenn die warme Sonne
unsere müden Augen verschließt
wolkenzart gebettet versinken

© Amy Herzog

Ersehnt

Ich traue mich nicht
dich zu brauchen
und dann erscheint mir dein Wort
ein banales, doch mein verwundetes
Herz springt mit letzter Kraft auf

Dann verschlinge ich es
wieder und wieder
so wie der Wind für mich singt
doch es bleibt nur ein kleiner Augenblick
der mir die Einsamkeit nimmt

Es ist eine schwere Geschichte
die du niemals kennst
und irgendwann kommt wieder ein Wort
das wie immer lang – von mir ersehnt
und ich traue mich nicht, dich zu brauchen
hab’s auch diesmal nicht erwähnt

© Amy Herzog

taumelnd

Die tagelange Schlaflosigkeit
macht mich taumelnd im Kreis
und zurück bleibt nur dieses Sehnen
nach zurückgerufenen Gedanken
die sich gegen dich wehren

Und dein Schweigen schlägt
lauter in meiner Brust
als dein Schreien jemals wiegt
und zurück bleibt nur dieses Hoffen
dass du in meinen Träumen liegst

Zu dunkel spüre ich die Anmut
deiner allumkreisenden Anwesenheit
doch zurück bleiben nur bleierne Lider
wieder wartend auf einen Hauch
sinken meine Gedanken nieder

© Amy Herzog

Samstagabend

Schon wieder Samstagabend. Die Woche neigt sich dem Ende zu und du greifst nach ihrer Hand. Nicht weil du willst, sondern weil du keine andere Wahl hast. Und spätestens am Abend weißt du, die Nacht wird lang. Trink, mein Lieber, trink. Immer weiter flussabwärts. Irgendwie musst du ja jene Orte erreichen, die dich nicht nur an deiner Oberfläche kratzen lassen. Diese schöne Oberfläche, die du Woche für Woche auf deine gebrochene Haut spachtelst. Selbst das Licht fällt an diesen Tagen irgendwie anders. Und dann sehnst du dich nach der Nacht. Nervös arbeitest du darauf hin, aber mit jedem Schluck fällt die Hemmung. Leise flüstert dir deine Einsamkeit ins Ohr, was dir fehlt. Das alles was du hast nicht reicht. Und du alles was du hast, sofort eintauschen würdest. Also trink mein Lieber, trink. Vielleicht wartet ja heute am Boden der Flasche die Liebe, die ich dir verschweige.

© Amy Herzog

braun-blau

Gold fließt aus braunen Augen
und zeigen mir den Herbst
wie trockenes Laub
umherwirbelt, verwoben
tanzend toben durch den Tag
und am Abend vorm Kamin
in zärtlicher Unendlichkeit
ineinander verschmolzen

Und Himmel liegt in blauen Augen
treibend im Gold und Salz
das aus unseren Poren fließt
wird braun und blau zum Mond
so siehst du wie der Regen fällt
auf dem ein suchender Frühling
nach nie enden wollenden Reisen
endlich Glückseligkeit erhält

© Amy Herzog

Grenzenlose Liebe

Eifersucht ist besser als Unsicherheit
Klingt halt mehr nach Liebe
Und Liebe ist grenzenlos
Innerhalb geschmackwahrender
Grenzen der Monogamie

Wenn zwei das Gleiche tun
Ist es noch lange nicht das Selbe
Aber klingt so individuell
Der eine besitzt den Schlüssel
Und der andere hat nen Käfig für sich

Zur Besuchszeit werden Kuchen
Auf feilende Gegenstände geprüft
Vertrauen ist gut, Kontrolle besser
Kleine Briefchen sind jedoch erwünscht
Als Brennstoff für die große Liebe


© Amy Herzog

wartend auf den kuss

könnt stunden damit zubringen
gedanken in deine richtung zu lenken
und die zeit vergeht wie im flug
all die jahre sind vergangen
so nah und doch vorbei, verrückt oder

weite wege sind wir gegangen
und landen doch hier, immer hier
lausche abends dem wind
der durch mein fenster pfeift
und dein gute nacht kuss
meine seele streift

© Amy Herzog

Geheim

Für den kurzen Weg
meiner dunklen Zeilen
hungernd in deiner Kunst
verweilen, innigst lieben
auf geheime Weisen
reise durch den Äther
zitternd um diesen Moment

Sinke nieder du Wort
und ziehst mich weiter an
magnetisch, pulsierend
zeigt uns Leere sein nein
aber nein schreit lautes ja
diese Zuneigung ist tiefer
wie sie tiefer niemals war

Doch begehre ich den Wind
wie den Kuss aus der Ferne
und brennst du weiter
Kunst, bis Liebe kniet
du merkst es nicht
so klingen Zeilen nur
im schweigend süßen Lied

© Amy Herzog

Vollendung

Deine Berührung ist wie
die Vollendung meines Körpers
wie die Haut die mir fehlt
und das Ablegen meiner Maske

Pfeifender Wind aus meinem Mund
säuselt um deine Ohren
wie tausend Stimmen Hunger schreien
und dein Kuss meine Seele kühlt

Doch mein Fall in die tiefe Schwärze
Hände warten, Haare zittern
Tropfen vergehen, das Meer bleibt uns
und fällt in Wahrheit vertraut

Deine Berührung ist viel mehr
die Vollendung meiner ganzen Seele
und wie ich mit dir schwebe
so baden wir am Schluss vereint

 

© Amy Herzog

Nur falsche Fratzen haben es schwer.

Täglich blickt man diesen Menschen,
in das Lügengleich‘ Gesicht,
doch mit diesem bleibt ein Leben,
bitter – (einsam) dies Gericht.

Lieber eine wahre Liebe,
wo der Kampf sich selbst gewinnt,
denn die Größe einer Wahrheit,
sieht man, wenn das Glück beginnt.

Liebe soll für immer das sein,
was zum Schluss die Hand mir reicht,
und sie bringt mir überhaupt nichts,
wenn sie falschen Fratzen gleicht.

 

 

© Amy Herzog

Zwei.

Deine Haut ist mein Kleid
und mein Atem ist deine Luft,
die, wie sie um die Ohren tänzelt,
singt von Stille meinen Duft.

Und das knistern eines Astes,
der im Wald am Boden liegt,
der, wie des Kusses leiser Hall,
wie Sommerluft am Körper schmiegt.

Werden Tropfen meines Regens,
nur mit deinen für uns Meer,
das, wie es uns‘re Seelen reinigt,
wiegt die Stille umso mehr.

Nur des Feuers rote Flammen,
dass das Blut zum kochen bringt,
schwebt die Erde zu den Wolken,
ist mein Körper frei und sinkt.

In den Nächten uns‘rer Augen,
wirkt im Innern Malerei,
bis die Sonne will‘s erwecken,
bleiben übrig nur wir zwei.

 

 

© Amy Herzog

Wie ein Mantel

Mein Leben werd ich dir nun schenken,
denn du gibst darauf immer acht,
so wie der Mond trotz aller Wolken,
auch Nacht für Nacht über mich wacht.

Und heute wird es wieder dunkel,
doch ich schlaf sicher in dem Arm,
dort wo die Träume wirklich leben,
für immer hab ich es nun warm.

Die Wärme fließt durch alle Adern,
so sicher ist auch deine Haut,
du legst dich um mich wie ein Mantel,
der mit mir eine Zukunft baut.

© Amy Herzog

Wahre Liebe zu empfangen..

 

Wahre Liebe hier zu fühlen,
doch mein Herze glaubt es kaum,
denn die Lieb‘ an diesen Tagen,
ist sie wie der schönste Traum.

Wahre Liebe hier zu sehen,
all das, was du machst du tust,
mit dem Herzen aufzustehen,
und es durch die Straßen rufst.

Wahre Liebe hier zu hören,
wie sie durch die Gänge schleicht,
stets doch hinter meinen Hacken,
nie von meiner Seite weicht.

 

 

 

© Amy Herzog

Richtung Sonne

Zwischen Tränen und den Träumen,
steht das Glück mit einem Schild,
hat für mich mit Müh‘ gezeichnet,
wie der Weg die Sehnsucht stillt.

Klar und deutlich steht geschrieben,
nur ein Wort, das alles kennt,
diesen Weg des Traums zu gehen,
wo das Wort sich handeln nennt.

Und mein Traum vom Glück bleibt übrig,
wie die Sehnsucht oben schwimmt,
treiben wir zwei Richtung Sonne,
die am Schluss die Tränen nimmt.

 

 

© Amy Herzog