ruhe

Still

Einsamkeit fällt
am Rande des Rahmens
in meinen Wahnsinn
und bezieht die Nacht neu
unbarmherzig infiltriertes Malignom
du liegst mir auf der Zunge
und wärmst
was abkühlen soll
blute dich
aus meinen dunklen Träumen
damit ich endlich
Badewasser schmecke
sehnsuchtsstill

© Amy Herzog

eine träne der erinnerung

alles ist anders
ruhiger – ruhe ist gut
das reden wir uns ein
wir haben platz
gefunden

erinnerung
ist ein wertvolles gut
damals brauchten wir mut
und selbst wenn wir’s nicht wussten
wir haben ihn gefunden

nun haben wir platz
unseren ganz persönlichen
der uns ewig erhalten bleibt
schön, ruhig und sicher
der mut kann geh’n

und die sehnsucht
wenn wir tief in der nacht
zu den sternen blicken
und an szenen denken
die nie gedreht wurden

doch warum nicht
warum tauschten wir diesen
aufregend wunderbaren mut
gegen ruhe – damals richtig
heute ist sie zu ruhig

und wir haben gelernt
dass sehnsucht nur noch
wenn verantwortung schläft
ein stern hoch oben trägt
schwebend und ruhig

das schönste auf der welt
in einer kleinen träne
der erinnerung

© Amy Herzog

?

Es ist doch längst ruhig!
Doch ist meine Ruhe echt?
Oder ist es nur die Stille,
die mich langsam erdrückt?

© Amy Herzog

Ruhig, ruhig…

Ruhig, ruhig…

Träume und male dein Bild.
Flüstere nur ganz leis,
leise gemeinsam.
Sind wir zwei eins im Traum,
ruhig, wir sind nicht einsam.

Spürst du?

Wir sind nah
und malen Träume schweigsam
gemeinsam einsam.

© Amy Herzog

Lautstarke Klänge…

Hast die Noten in mein Hirn dirigiert,
Spielst mit beschwingten Gedanken,
Waren sie gerade noch strukturiert,
Doch nun geraten sie ins Wanken.

Geigen, Trompeten und Kontrabass,
Klingen lauter beinah um die Wette,
Liebe, Trauer, Eifersucht und Hass,
Ein schweigen will, dass ich sie rette.

Laute Töne schwingen wild umher,
Weder oben noch unten ergibt Sinn,
Sie schmerzen im Herzen allzu sehr,
Und der des Endes Anfang Beginn.

Lasse einen Moment nur Ruhe walten,
Lauschen leise den Klängen der Natur,
In den grünen Wiesen kurz inne halten,
Das Gefühlschaos verliert seine Spur.

Ein Bach klimpert leise durch Gestein,
Ich höre nur die Liebe sanft erklingen,
Können wir hier in Ruhe einfach sein,
Darum bitte ich, ehe Töne wieder schwingen.

© Amy Herzog

Das Karussell…

Gedanken kochen
Laute Stimmen brodeln
Im bunten Karussell
Lassen Nerven brennen
Drehen durch stumme Zeiten
In wortlos schreienden Ruinen
Doch es steht niemals still
Das bunte Karussell

© Amy Herzog

Warten auf den Schnee…

regen nieselt kühl und sanft
laub, orange, gelb, gold, grün
flattert leicht am körper hinab
so klar und frisch die abendluft

der mond beleuchtet den see
die sonne wird gleich schlafen
im nassen laub ruhig wartend
auf samtweich weißen schnee

© Amy Herzog

Alle Gedichte ruh’n in mir…

alle gedichte ruh’n in mir
dreihundertfünfunddreißig tage
fließt das blut von hier
bis zu dir
wird mir schlecht
und werde schwächer
menschenlose massen werden blasser
werden wage
werden träge
werden lüge

bin ich sein
betrunken vom wein
tränen weinen lauter
spülen blutend wunden
weit davon
quer durch wörter
falsch gehöhrt
gesagt
waren nie da
ich bin im wahn
und unscheinbar

träume die noch ruhn in mir
genommen, zerrissen
in tausend stücke
raste
warte
auf den bus
verspätet sinkt er in den fluss
worin dein lächeln
spiegelt sich
scheint es mir gerad
besser als sex

seele halb zerschlagen
kann sie’s sich nicht leisten
sich zu wehren
lässt sich treiben
lässt sich lähmen
lässt sich ficken
lässt sich töten
bis ihr blut gefriert
und kaum mehr jemand kommt
um sie zu retten

© Amy Herzog

So schrecklich ruhig (2)

Gefallen auf die Seite des Todes.
Der Kampf, er ist vorbei.
Kann nicht weiter.
Bitte sei vorbei.
Saugt mir alles Leben aus.
Was Ihr wolltet, das habt Ihr erreicht.
Seid zu kraftvoll, so scheide dahin.
Gratulation. Ich schlafe. Ruhe.
Denke ein letztes mal.
Fühle ein letztes mal.
In Liebe, die Liebe.
Verloren…

© Amy H.

So schrecklich ruhig (1)

Innerlich, in der Tiefe
meiner Seele, bin ich ruhig.
Als sei die Entscheidung gefallen.
Denke an nichts, fühle nichts,
bin leer, bin gegangen.
Ist er vorbei, der Tanz?
Springe oder Falle ich
von diesem dünnen Seil,
das so lang meine Heimat war?
Es ist so leicht. Es ist nur einschlafen.
Dann ist es vorbei.
Ich denke, ich falle.
Der Kampf, er endete nicht.
Doch ist da diese Ruhe,
die Ruhe nun bereit zum
schlafen zu sein.
Und keine Angst
fühle ich.
Nichts fühle ich.
Nur ruhe.
Geborgenheit,
Frieden
Und ruhe.

Schreckliche ruhe…

© Amy Herzog