veränderung

wo bist du?

der neue anstrich steht dir gut
du glänzende fassade

und du fragst mich: „wo bist du?“

na, wie immer auf der suche
antworte ich dir
nach jemandem, der nicht gefunden werden will
füge ich hinzu

und dann lag nichts vor mir,
obwohl ich gerade erst angekommen war
nirgends dieses zuhause
nirgends warm

na, wie immer gehe ich weiter
ohne ein wort
ich gehe nirgends hin
und komme nirgends wieder an
zum abschied drücke ich fest
deine scherben stechen sich durch meine haut

und du, du kaufst einen neuen eimer farbe
und ich, ich frage mich weiter
wo du wirklich bist

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: Ich habe mich verliebt, aber … diese Veränderung …

Das ist so eine Sache, mit den Veränderungen. Ich habe mich spontan schock-verliebt. Es ergibt keinen Sinn, ist auch sonst nicht von Nutzen und es bedeutet Veränderung. Da ist die Freude groß und der Magen flau, aber nicht auf die Schmetterlings-Art, sondern auf die da-ist-eine-Veränderung-und-ich-muss-kotzen-Art. Aber wenn ich mir erst einmal etwas in den Kopf gesetzt habe, bekomme ich dies nur schwer wieder heraus.

Nun denkt nicht, dass ich von einem Menschen rede. Ich bin nicht religiös, aber um Gottes Willen. Ne, ich rede von einem neuen Smartphone. Es ist eigentlich nicht meine Art ein neues zu Kaufen, wenn das alte, das mit ca. zwei Jahren noch gar nicht soo alt ist, sich noch in einem Top Zustand befindet. Aber das neue ist grün, es glänzt und ja, keine Ahnung. Und es ist hübsch. Und es kann das, was mein altes auch kann – oder ein Tamagotchi mit Radiowecker. Nur dass es viel teurer ist. Und ein Teil von mir weiß, dass es genau so gute, wenn nicht sogar bessere, für ein drittel den Preises gibt. Aber…ja, da habe ich kein logisches Argument. Schrecklich. Gegen die Natur.

Dieses Neue Smartphone, welches ich gleich einrichten werde, sobald es in wenigen Minuten bei mir eintrifft, wird mich also in der kommenden Zeit extrem triggern. Ich werde es abstoßen und hassen. Und ich werde mir mein altes zurückwünschen. (Ohman…es trifft mich wirklich hart) Aber ich freue mich. Hmm. Irgendwie. Hmm. Auf jeden Fall bin ich gerade irgendwie krabbelig. Hmm.

Das Schutzfolie ablösen werde ich genießen. Ich mach’s langsam.

Wenn AD(H)S mit Autismus kollidiert…

Von Lüge, Wahrheit, Sinn, Misanthropie und dem Sargnagel.

Der mir liebste Misanthrop ist wohl Schopenhauer. Ich hätte ihn, lebte ich in seiner Gegenwart, aus der Ferne sehr gemocht. In die Vergangenheit zu mögen finde ich jedoch ähnlich gut, wenn nicht sogar besser. Jetzt gerade finde ich mich in seinen Niederschriften wieder. Eines lässt mich nachdenken: „Nichts ist leichter, als so zu schreiben, dass kein Mensch es versteht; wie hingegen nichts schwerer, als bedeutende Gedanken so auszudrücken, dass jeder sie verstehen muss.“ (Schopenhauer) Nun, ich denke darüber nach und gleichzeitig auch über die Sinnhaftigkeit. Ich begehre und verachte gleichermaßen, die Welt und die Menschen, die ich nicht verstehe und/oder viel zu gut verstehe. Schopenhauer war im Übrigen auch ein moderner Tierschützer seinerzeit. Aus der Ferne hätte ich ihn gewiss sogar geliebt, selbst wenn ich dieses Gefühl verachte. „Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt“ – das ist, wie jeder wissen sollte, von Goethe. Ich begehre diese Melancholie in mir, die mir eines Tages ein Sargnagel sein wird.

Ich denke nicht, dass das was ich empfinde falsch ist. Es ist genau genommen weder richtig noch falsch. Allenfalls deplatziert. An ein Zitat von Schindler denke ich seit jungen Jahren immer mal wieder: „Weit entfernt davon bin ich, ein Heiliger zu sein, habe als maßloser Mensch viel mehr Fehler als der große Durchschnitt derer, die so sehr gesittet durchs Leben schreiten.“ Dabei denke ich nicht daran, wie/ob ich richtig oder falsch bin, sondern wie andere empfinden. Und wie ratsam es eben ist, „bedeutende Gedanken so auszudrücken, dass sie jeder verstehen muss“. Verändert das etwas? In meinem Handeln wohl, ja. Jedoch bemühe ich mich, brav meine Steuern zu zahlen und so wenig Leid wie möglich zu verursachen oder zu unterstützen. Juckt halt keinen, aber mich.

Wie ist es aber mit der anderen Welt, der eigenen, in der sich auch Schopenhauer bevorzugt aufgehalten hat? Diese Welt wage ich gerade kaum zu betreten. Diese gnadenlose Ehrlichkeit darin gleicht einer Eiszeit, einem Asteroiden-Einschlag, den kein Organismus überleben würde. Und es pocht und pocht und pocht, will heraus, will weinen, schreien. Womit ich wieder bei der Sinnhaftigkeit lande. Wenn man seinen eigenen Lügen, seinen Euphemismen glaubt, so kann man sie durchaus als Wahrheit in die Welt tragen. Niemand hat behauptet, dass es nicht weh tun würde, aber auch nichts gegenteiliges. Unterm Strich ist es ein alles erstickender Schleier, den ich selbst beschwere. Und selbst wenn es nicht falsch ist, so fühle ich es sowohl in der Lüge, als auch gelegentlich in der Wahrheit. Wäre mir die unverschleierte Ehrlichkeit ein Frühling, oder ein Untergang? Hätte ich darauf eine Antwort, stellte sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit nicht.

Zitat: Veränderung 

Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: es muss anders werden, wenn es gut werden soll.

– Georg Christoph Lichtenberg 

Man soll die Dinge so nehmen, wie sie kommen. Aber man sollte auch dafür sorgen, dass die Dinge so kommen, wie man sie nehmen möchte.

– Curt Goetz 

Zitat „Veränderung“

Beklage nicht, was nicht zu ändern ist, aber ändere, was zu beklagen ist.

– William Shakespeare