nichts

unerkannt

Dieses Salz ist falsch
und mein Herz
im medizinischen Abfall
während ich vergebens darauf warte
etwas Leben
in deinen Augen zu erkennen
nähe ich meinen klaffenden Thorax
wieder zu
weil es nicht brennt
und du erkennst
mich
an nichts

© Amy Herzog

wo bist du?

der neue anstrich steht dir gut
du glänzende fassade

und du fragst mich: „wo bist du?“

na, wie immer auf der suche
antworte ich dir
nach jemandem, der nicht gefunden werden will
füge ich hinzu

und dann lag nichts vor mir,
obwohl ich gerade erst angekommen war
nirgends dieses zuhause
nirgends warm

na, wie immer gehe ich weiter
ohne ein wort
ich gehe nirgends hin
und komme nirgends wieder an
zum abschied drücke ich fest
deine scherben stechen sich durch meine haut

und du, du kaufst einen neuen eimer farbe
und ich, ich frage mich weiter
wo du wirklich bist

© Amy Herzog

Wir

Ein dunkler Raum 
in zeitloser Zwischenwelt
rastet in unendlicher
grenzenlos
Poren sickernder
in hingebungsvollen
entblößten Seelenkörpern
durch Ewigkeit

Die Außenwelt zeigt
wie Farben
durcheinander
aneinander vorbei
verlieren und suchen
vermischt
in verbrauchten
Stunden

Wir liegen darin
suchen Liebe, Nähe, Sinn
Bedeutung im bedeutungslosen
Wahrheit in Lüge
und im verschiebenden
verschwiegenen
die Mitte
uns

Wir brauchen nichts
in der Dunkelheit
wir sind wir
wie wir sind
sind wir mehr
Sterne, Ozean, Mond
oder Pfütze

Fragen
die hier nicht
existieren
in der Zwischenwelt
wir sind klein
wir sind die Mitte
wir sind nackt
wir sind eins
wir sind wir

Mitte

© Amy Herzog

Suche nach Land (Drabble-Dienstag)

Lyrix hat die Drabble-Parade wieder wachgerüttelt und ich mache sehr gerne mit. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Auge, Frage und Magnet.

Suche nach Land

Eine Frage lässt mich nicht einschlafen. Die Ungesagte, im Raum schwebende, die ziellos an die Decke starrt, dann wieder gen Himmel, in den Sternen suchend. So bleibt mein Auge zu viel Meer und deines das Land, schlafend unter einer dichten Nebeldecke. Treibe ohne Kompass übers Wasser mit einem Magnet in meiner Seele und der Sehnsucht im Hirn. Dein Hafen ist zum greifen nah, fände ich ein Wort. Schöpfe Nacht um Nacht die Hoffnung aus meinem Schiff, möchte nicht ertrinken. Noch nicht. Erst wenn ich einschlafe, kann ich es sehen. Dieses große Nichts, das Bilder malt, in denen wir leben können.

© Amy Herzog

Warten

ich möchte nicht träumen
ich will leben!
also bleibe ich wach
und warte 

auf dich
mich

auf nichts 

© Amy Herzog

Einmal noch (immer)

Immer einmal noch
folge auf leisen Schritten
von Freude bis Gelitten
durch die Nacht

Amnesiegetränkte Worte
zeichnen deinen Schatten
im Vollmondlicht
Windig ist die Nacht
trägt Flüstern in Orte
denen ich glaubte
doch sie hielten mich nicht

Verloren an der Gabelung
dunkellinks, dunkelrechts
renne wieder zurück
und ende
(wieder)
im Nichts

© Amy Herzog

Irgendwann..

Irgendwann hörst du nicht mehr zu
nicht mal mehr dem Wind
obwohl du ihn noch beneidest
wie die Worte um dich
schöner kreisen, Lächeln wecken
bis du dich in Masken kleidest

Irgendwann verstummt die Musik
und mit ihr auch der Blick
doch ihr Schweigen leert dich nicht
nur das fort und dennoch da
weil kein Wort vom Ander’n war
nur sie bleibt dein Licht

Irgendwann ist stark der Wind
und bläst die Kerze aus
so bist du einsam, willst du sinken
tief und tiefer in dich selbst
bleibt kein Atmen in der Stille
wirst du nur ertrinken

Irgendwann zerfällt dein Bett
nur farbenlos zu Staub
was wirst du tun, welch Blut zuletzt
ob Lächeln, Tränen, Liebe, Nichts
wo willst du sein, was wäre wenn
dein irgendwann sei jetzt

 

 

© Amy Herzog

In der Stille

Ach wenn doch jemand höre
mein Ächzen danach flehe
nicht länger mehr mein Herze
die Hoffnung in sich sehe

Allein im Schrei der Leere
was ich dem Nichts entsenden
der bunten Welt gar zeigen
im Traum sich Blätter wenden

Nur wenn doch niemand höre
was ruft hier laut mein Herz
so bleibt in all der Stille
das Leben tief im Schmerz

© Amy Herzog

Wo Nichts ist?

Wo Nichts ist, dort kann nichts sein,
ja nicht mal Leere kann regieren,
einfach Nichts bleibt hier erhalten,
nichts kann diesen Ort passieren.

Wo Nichts ist, dort wird nichts sein,
die Zukunft findet niemals Plätze,
und ohne einen Weg nach vorn,
legt auch nach hinten niemand Sätze.

Wo Nichts ist, wird nichts gefunden,
so sagt man, doch es könnte sein,
denn irgendwas müsste geschehen,
in welches Nichts fall‘ ich hinein?

 

© Amy Herzog

Kerze…

Das lauter Nichts
einer brennenden Kerze
die dort auf einer Stelle tanzt
und nach Verbundenheit sucht..
Um sie herum zertrümmertes Herz
das niemals mit dem Feuer zerrinnt
denn sie badet schon im Schmerz..

 

© Amy Herzog

Nichtssagend…

Wie deine Worte gar nichts sagen,
es dabei doch immerzu wagen,
nichtssagend bis zum Himmel zu ragen,
wo einst noch andere Träume lagen.

Träume kann ich nur noch sehen,
wie sie mit den Wolken verwehen,
und ich kann nur hier unten gehen,
mit nichts als leeren Worten stehen.

Wie deine Worte so laut sprechen,
ein jedes Eis im Herzen brechen,
die Worte wünscht ich nie zu sichten,
sie traumlos doch ins Nichts einflechten.

Übrig bleibt ein kleiner Traum,
fernab der Wirklichkeit im Schaum,
das Herz darf diesem Wort nicht traun,
es schlägt zu hoch, nur beim anschaun.

 

© Amy Herzog

Müde…

So müde, leer, verstaubt bin ich,
meine Seele geschwächt innerlich,
verstorben, von der Welt geweht,
nicht mehr da, versunken im Nichts.

Zu schwer ist es noch zu Sein,
zu klein ist meine Seele, allein,
nur noch ein Schatten, der weint,
zu zerbrochen, um existent zu sein.

Könnte nur noch jemand sehen,
richtig sehen, greifen, fühlen,
nein, nicht niemals weichen,
nur halten, lieben und bleiben.

Wortlos durch Lichter schreiten,
ohne Blicke zu verschwenden,
Schatten fühlen, Scherben zertreten,
einfach fühlen und annehmen.

© Amy Herzog

Vertrocknete Farben…

Wir lernten uns kennen,
wo niemand sich je kennen kann,
begannen doch zu brennen,
bevor der Regen begann.

Malten unsere Bilder,
ohne noch die Farben zu sehen,
und doch wurden sie wilder,
zugleich ohne Leben.

Tauschten tiefe Worte,
vertrauten ohne zu Vertrauen,
erkannten keine Orte,
und konnten dort nichts bauen.

Wir lebten im Schwarz,
im alles verschlingenden Nicht,
malten uns die Farben aus,
die sein könnten im Licht.

Doch während wir malten,
brannten wir heißer,
sahen weder Baum noch Garten,
und das Nichts wurde weißer.

Die Zukunft kam an,
und mit ihr die Erkenntnis,
dass Seelen am Friedhof,
nur warten aufs Begräbnis.

Das heiße Feuer erlosch,
und mit ihm auch wir,
nur die Farbe noch grinste,
verstohlen, trocken im Hier.

© Amy Herzog

Die Seelenlose…

Reichte dir mein Hirn, mein Herz,
Und legte mich in deinen Arm,
Fühlte mich mit dir so sicher,
Geborgen, angekommen, warm.

Die Seele hab ich dir geschenkt,
Als du ein Seelenloser warst,
Hast sie kurz gepflegt, gehegt,
Bis du sie dann zerbrochen hast.

Jetzt bin ich die Seelenlose,
Verloren hier im Schein des Lichts,
Du bist fort mit meiner Seele,
Und ich verbleibe hier im Nichts.

Nur die Sehnsucht hab ich noch,
Mit ihr die dunkle Erinnerung,
An dich, an uns, und an ein ich,
Das weiterlebt hier ohne Grund.

Ein letzter Wunsch, der bleibt mir noch,
Das du im Glück lebst mit der Seele,
Wenn ich dann hier verschwunden bin,
Und als Nichts nach oben Schwebe.

© Amy Herzog

inspiriert von Maccabros

ertrinken…

kalt

das salz drückt
meine seele verstummt
nur ein leiser schrei
nach hilfe summt
mit den wellen
ins nichts

tot

© Amy Herzog

Schmerz!!!

Die Wirklichkeit
schleicht sich von hinten an
und verpasst mir einen Tritt
in den Hintern.
Und niemand kann sie halten,
niemand kann sie hindern!

Ein Schmerz, der über den
normalen Schmerz hinaus geht
über ihm steht, ihn zerdrückt
und unter sich zu Staub zerfallen lässt.

Schmerz, der mein Herz stehen lässt.
Schmerz, der meine Seele in seinen Armen wiegt,
ehe er sie in der Luft zerfetzt.
Schmerz, der alles verdrängt
und der Luft den Weg versperrt,
mich schmerzlos heimlich ersticken lässt,
der Welt die Farben nimmt,
selbst schwarz und weiß in die Flucht schlägt,
und einfach alles verblassen lässt.

Dann nimmt er sich meine Hoffnung,
dass der Schmerz selbst verblassen könnte,
entreißt mir den letzten kleinen Funken,
breitet sich aus und vergiftet mein Fleisch,
verlässt mich, lässt mich leben im Nichts,
im Teich meiner toten Seele,
auf dass ich mich hoffnungslos
in ihr wälze, mich quäle
und nichts mehr bleibt,
bis ich mich irgendwann
einzig an diesen Schmerz
klammern kann.

© Amy Herzog

Ich, im Nichts…

Ich bin,
ich weiß nicht,
nichts.
Verloren
in allem,
vor allem
im Nichts.

Zeichne schwarze Striche auf mein Blatt
und wird daraus auch nichts.
Schreibe Worte aus dem Herzen,
doch auch sie verenden ratlos in Schmerzen.

Tickt mich leise an, die Melancholie,
nicht die meine, nein sie kommt von Dir.
Bin ich kein Ich, ohne Dich? Sind wir
nur zusammen ein Ich?

Ich bin,
ich weiß es,
Nichts.
Verloren
sitze fest
im Nichts,
im Rest.

Schimmert Sonne durch den Vorhang,
doch dein Leben hat dahinter Vorrang.
Renne durch die Stadt und suche,
finde keine Sonne, keine Menschen,
ich bin im Nichts, ich fluche.

Suche weiter durch die Meere,
schwimme, lebe, lauter, schweigen,
höre ich nur meine Geigen,
ist das alles ’nur‘ (im schweigen).

Ich bin,
ich weiß nicht,
nicht im
Nichts.
Nur mitten
in der Sonne,
im schwarzen
Lichts.

Im Meer schwimme ich, mehr von Menschen,
rennen, jagen, sagen, laute Schreie, laute Worte,
doch höre ich nichts. Nur die kleinen Laute,
kleiner Menschen rasen durch mich durch,
durchs Nichts.

Sehe ich die anderen nicht,
sind auch sie, wie ich, im Nichts?
Sehe ich nur dich, spüre dich,
ersehne dich.

Ich bin,
ich schreie,
laute Worte,
nichts.

Bist auch du dahinten fort?
Einfach nur im Nichts?
Komm doch einfach rüber, ich, das Nichts,
kann nicht schlimmer sein mein Ort.

Schwimmen, tanzen, singen, wagen,
ist das alles wertlos, nichts?
Ich ertrinke hier im Nichts,
kann ich auch nicht sagen,
trinken nur den Wein.

Einfach sein.

Warten.

Ich bin,
ich.
Nichts.

Nur ich.

© Amy Herzog