Zuhause

Eine Angst und ein Gefühl.

Ich finde über diese Dinge wird oft geschwiegen, vielleicht aus Scham, oder weil man niemanden verletzen oder belasten möchte. Und manchmal auch, weil man nicht weiß, was passiert, wenn man sich offenbart. Ich möchte zwei Dinge teilen, ein Gefühl und eine Angst. Nur teilen.

Ich kenne das Gefühl von „Zuhause“ nicht. Und bin gedanklich eigentlich immer am suchen, sortieren und auf Reisen.

Ich habe Wahnsinns Verlustängste. Warum weiß ich nicht, weil ich noch nie etwas (aus meinem Herzen) verloren habe. Deshalb versuche ich stets Sicherheit zu vermitteln, Beständigkeit und Loyalität. Weil ich weiß, wie zehrend diese Angst sein kann. Und ich möchte nicht, dass Menschen, die mir wichtig sind, sowas (wegen mir) Fühlen oder befürchten müssen. Ich weiß, dass man darauf keine Garantie geben kann. Ich mache das trotzdem, weil das eben doch geht. Gleichzeitig bemühe ich mich, mir einzureden, dass mir alles und jeder furzegal ist…meine Verlustangst eben. Oder ich falle in einen Gedanken, nicht gut genug zu sein, für alles mögliche eben. Obwohl ich das nur noch selten denke.

Wer mag kann sich einreihen. Manchmal tut es auch gut, wenn auch nur kurz, sowas mal rauszulassen.

wo bist du?

der neue anstrich steht dir gut
du glänzende fassade

und du fragst mich: „wo bist du?“

na, wie immer auf der suche
antworte ich dir
nach jemandem, der nicht gefunden werden will
füge ich hinzu

und dann lag nichts vor mir,
obwohl ich gerade erst angekommen war
nirgends dieses zuhause
nirgends warm

na, wie immer gehe ich weiter
ohne ein wort
ich gehe nirgends hin
und komme nirgends wieder an
zum abschied drücke ich fest
deine scherben stechen sich durch meine haut

und du, du kaufst einen neuen eimer farbe
und ich, ich frage mich weiter
wo du wirklich bist

© Amy Herzog

Schönheit

173 Wörter und ich weigere mich seit Tagen diesen Text zu kürzen. Nun, also eigentlich sollte das mein Text zum Drabble-Dienstag sein und das mit den drei Worten: Baum, Springbrunnen und Krug, hat ja auch gut geklappt. Aber auf 100 Worte kürzen…nein. 140 Worte wären machbar, macht aber keinen Unterschied, daher lasse ich das so stehen. Hier also mein Text, nicht zum Drabble-Dienstag.

Schönheit

Wenn du der große Baum auf dem Mohnfeld wärest, spränge ich über deinen Schatten und ließe dich in den Weiten zurück. Du aber bist der Springbrunnen auf dem Kirchplatz, mitten in der überfüllten Altstadt, zu viel Wasser. Viele Menschen stehen um dich herum, bewundern aber nur deine Schönheit, wie sie in der Sonne glitzert, und manch einer verliert sich selbst in deinen Tiefen und ertrinkt vor lauter Sehnsucht. Ich jedoch schaue weg. Und wenn es Nacht wird, so stehe ich noch immer am Rand des Kirchplatzes und lausche hinter deine Schönheit und spüre die Rufe jener, die sich tief in dir verloren haben. Beinahe bedeckt ihr Summen, wie du auch mich aus der Ferne zu ertränken versuchst. Doch so rettet mir jener Krug das Leben, der in meiner Brust schlägt. Und ich fülle ihn mit deinen Worten und dem, was hinter deiner Schönheit liegt. Deine glitzernde Oberfläche und alles andere lasse ich zurück. Und so nehme ihn mit in ein Zuhause, welches das viele Wasser all die Jahrzehnte ungesehen und nur schweigend ersehnte.

© Amy Herzog

Sonnenuntergang

Dem Sonnenuntergang aber
sende ich meine Liebe
und so fürchte dich nicht
vor deiner Dunkelheit, Liebster
wo doch die Liebe in diesem Licht
bis zum Aufgang für dich scheint

Und ich wärme deine Dunkelheit
in dieser wolkenlosen Nacht
nehme sie mit zu mir nach Haus
so sende ich dem Sonnenaufgang
die Sterne, die ich darin zählte
und deine Kälte, die ich wählte

Dann morgen wird es regnen
doch fürchte nicht dem Ertrinken
aus unseren Poren tropft die Liebe
in der wir, wenn die warme Sonne
unsere müden Augen verschließt
wolkenzart gebettet versinken

© Amy Herzog

Fehlen

Mich kurz dabei erwischt,
dass du mir fehlst
und gehofft,
dass auch du mich suchst.
Dann doch nur
die Hoffnung verflucht,
denn bis zu mir ist’s nicht weit.
Und Zeit ist nur ein Wort,
macht noch längst kein Gefühl.

Starrte noch etwas auf’s Ticken der Uhr,
träumte drauf los, dachte an Liebe,
an mit nach Hause nehmen.
Wurd dann wieder wach
von meinem Leben.
Und denke dran,
dass du mir nicht fehlst,
während die Hoffnung den
Sekundenzeiger unaufhörlich zählt.

© Amy Herzog