Nachdenken

Von Lüge, Wahrheit, Sinn, Misanthropie und dem Sargnagel.

Der mir liebste Misanthrop ist wohl Schopenhauer. Ich hätte ihn, lebte ich in seiner Gegenwart, aus der Ferne sehr gemocht. In die Vergangenheit zu mögen finde ich jedoch ähnlich gut, wenn nicht sogar besser. Jetzt gerade finde ich mich in seinen Niederschriften wieder. Eines lässt mich nachdenken: „Nichts ist leichter, als so zu schreiben, dass kein Mensch es versteht; wie hingegen nichts schwerer, als bedeutende Gedanken so auszudrücken, dass jeder sie verstehen muss.“ (Schopenhauer) Nun, ich denke darüber nach und gleichzeitig auch über die Sinnhaftigkeit. Ich begehre und verachte gleichermaßen, die Welt und die Menschen, die ich nicht verstehe und/oder viel zu gut verstehe. Schopenhauer war im Übrigen auch ein moderner Tierschützer seinerzeit. Aus der Ferne hätte ich ihn gewiss sogar geliebt, selbst wenn ich dieses Gefühl verachte. „Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt“ – das ist, wie jeder wissen sollte, von Goethe. Ich begehre diese Melancholie in mir, die mir eines Tages ein Sargnagel sein wird.

Ich denke nicht, dass das was ich empfinde falsch ist. Es ist genau genommen weder richtig noch falsch. Allenfalls deplatziert. An ein Zitat von Schindler denke ich seit jungen Jahren immer mal wieder: „Weit entfernt davon bin ich, ein Heiliger zu sein, habe als maßloser Mensch viel mehr Fehler als der große Durchschnitt derer, die so sehr gesittet durchs Leben schreiten.“ Dabei denke ich nicht daran, wie/ob ich richtig oder falsch bin, sondern wie andere empfinden. Und wie ratsam es eben ist, „bedeutende Gedanken so auszudrücken, dass sie jeder verstehen muss“. Verändert das etwas? In meinem Handeln wohl, ja. Jedoch bemühe ich mich, brav meine Steuern zu zahlen und so wenig Leid wie möglich zu verursachen oder zu unterstützen. Juckt halt keinen, aber mich.

Wie ist es aber mit der anderen Welt, der eigenen, in der sich auch Schopenhauer bevorzugt aufgehalten hat? Diese Welt wage ich gerade kaum zu betreten. Diese gnadenlose Ehrlichkeit darin gleicht einer Eiszeit, einem Asteroiden-Einschlag, den kein Organismus überleben würde. Und es pocht und pocht und pocht, will heraus, will weinen, schreien. Womit ich wieder bei der Sinnhaftigkeit lande. Wenn man seinen eigenen Lügen, seinen Euphemismen glaubt, so kann man sie durchaus als Wahrheit in die Welt tragen. Niemand hat behauptet, dass es nicht weh tun würde, aber auch nichts gegenteiliges. Unterm Strich ist es ein alles erstickender Schleier, den ich selbst beschwere. Und selbst wenn es nicht falsch ist, so fühle ich es sowohl in der Lüge, als auch gelegentlich in der Wahrheit. Wäre mir die unverschleierte Ehrlichkeit ein Frühling, oder ein Untergang? Hätte ich darauf eine Antwort, stellte sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit nicht.

schlaf, mein Liebster

trinke die schlaflosschleifende Nacht
schmeckt genauso gut wie eine dieser bunten
halbliter Cocktails auf Ex – knallt
aber besser als dein gelegenheitstrauriger Sex

schon zwanzig nach drei, mein Liebster
du bist endlich frei, flieg – flieg – flieg –
Gefühl ist im Preis, Tränen kosten extra
nimm den Alkohol mit, brauchst ihn dringender als ich

Die milde Nacht denkt mir ein, denkt mir nach
bis zum Mond und wieder zurück ist zu kurz
nur ein Sturz in deine Tränen mit Dingen
die du nie hattest – schlaf endlich Liebster, schlaf

© Amy Herzog

Regennacht und Wüstensand…

Manchmal, wenn der Himmel weint
im Kampf ein jeder Sonnenstrahl schreit
in meinem Leben sind fort die Tage
viel mehr, als ich noch zu Leben habe

Der Sand, der Sanduhr schnell verschwand
längst steh ich nicht mehr im Wüstensand
zu viel hab ich im Leben verpasst
zu oft hab ich mein Leben gehasst

Ein Mädchen dort im Regen steht
in meinen Gedanken ihr Haar noch weht
um sie herum liegt noch Wüstensand
sie dennoch nicht durchs Leben rennt

In Regennächten lieg ich wach
immer an dieses Mädchen gedacht
was wäre wenn sie bei mir weilt
und ihren Sand noch mit mir teilt

Könnt sie in meinen Armen weinen
und sie den Sand noch mit mir teilen
gemeinsam könnten wir noch rennen
den Sonnenstrahl zum brennen bringen

Ob sie wohl noch im Regen steht
ihr Haar noch immer schweigend weht
sie nicht in meinen Gedanken bleibt
sondern sich zu mir ins Leben reiht

© Amy Herzog

Müde Sehnsucht…

Die Sehnsucht zehrt mich aus,
sie ermüdet und hält mich wach,
lässt mich zu viel denken
und macht mich schwach.

Schrecklich müde bin ich,
doch schlafen kann ich nicht
mit dem Gedankenklang,
ist es nur so, …
dass ich einfach nicht mehr kann.
© Amy Herzog

Gedanken…

Ich komme nicht mehr umhin
Mich den Gedanken zu entziehen
Denke immer wieder an dich
Und auf meinem Gesicht
Zeichnet sich ein Lächeln

Mir scheint es unerklärlich
Die Anziehung, die du versprühst
Ich frage mich, was wäre wenn
Du wüsstest wie sehr
Du meine Gedanken verführst

In stiller Sehnsucht
Verbleibe ich hier
Denkend an dich
Und an ein Wir

© Amy Herzog

 

Umdenken…?

Verstummt es weiter dieses Lied
Alles steht in reih und Glied
Buntes wird zu grau gebaut
Hoffnungsschimmer mehr geraubt

Alles Flache wird zerstört
Menschen bleiben ungehört
Weggefegt wie vom Tornado
Alles hört aufs Geld Kommando

Gefressen werden Artgenossen
Hat es Pfoten oder Flossen
Bunte Vielfalt wird getötet
Und der Mensch nicht mal errötet

Waffen, Klingen, Gift und Viren
Steh’n bereit zum Kriege führen
Um zu töten diese Welt
Damit das Grau bloß nicht erhellt

Eis zu Wasser wird gebaut
Gletscher werden aufgetaut
Nehmen wir uns Luft zum Atmen
Bis wir irgendwann nur lahmen

Der ach so kluge Mensch vergisst
Was in tausend Jahren ist
Wird es eine Vielfalt geben
Nicht wenn wir sie weiter töten

© Amy Herzog

Vereinigung…

Ein Blick genügt, schon ist es geschehen,
in meine Gedanken dich eingeschlichen.
Tag sowie Nacht nur Sehnsüchtgiges denken,
so denk ich, könnt ich dich doch einfach packen.

Eine Berührung, ist einmal vergangen,
steigert in uns sogleich das Verlangen.
Spüren, berühren, mich zerrt es zu dir,
du und ich näher, wir werden zu wir.

Einen Kuss später, entfacht sind die flammen,
liegen wir da, ganz eng nun beisammen.
Die Körper umfasst und sinnlich geküsst,
stillen die Sehnsucht in tiefer Lust.

© Amy Herzog

Schenket die Freiheit

Lasset mich einfach endlich geh’n,
so lasset mich nass im Regen steh’n.
Macht dass es aufhört, das Rauschen der Wellen,
werfet mich aus diesen düstren Zellen.

Schenkt Ihr die Freiheit, verneige ich mich,
lasset mich ziehen, im Kusse mit Euch.
Nie wieder werdet Ihr an mich denken,
ganz so als sei ich nie da gewesen.

Es schmerzt, es reißt, Ihr seid so nah,
genießt es doch immer noch so wahr.
So gebt es doch einfach endlich auf,
dann findet Ihr andere Seelen auch.

© Amy Herzog