Traum

Nähe oder auch

diese Nähe
in deinen Worten
oder
auch Bedrängnis
Gier & Lust aus dem Schweiß
deiner zitternden Poren

ich ertrage nicht, was so schwer
in den Bildern schlafloser
Nächte liegt
Seiltanz zwischen
dir & dem,

was von mir übrig ist

ich schlucke deine
meine unsere
Tiefe
& die Welt
in der wir überkochen
jetzt

 © Amy Herzog

Regen

Regen.
      .
       .
        
        Jede Nacht - 
        dieser verätzende Regen 
        auf meiner Haut
        & vor sich hinneigendes kleines
Herz 
        

Und Träume. . . 
          Träume 
        vom roten Luftballon,
        der sich hinter den dichten Wolken       verliert 
        & dann sich selbst/
        verstummt - 
        & von einem einsam 
verlassenen Greis 
        zwischen Trümmern & Zeit 
        in einem Schwarzweißfilm gezeichnet & 
        - bevor ich mit 
stolperndem Herzschlag erwache - von dir.
     Von dir. 
            Von d
                 i
                  r
                   .
                    .
                     .
        
        Und vom Regen -
        ätzend 
        Scherben im Asphalt
& rote Augen, Wangenknochen 
               nass & Nebel 
   
        Regen. 
        Regen. . . . . . . . . . . . . . . 


© Amy Herzog

.

Gelesen: Kafka

Zum Text: Hier

Schlaf, Schlaf, Schlaf

Schlaf, Schlaf immer
nur Schlaf & Traum & Meer
weil dir die Nacht
so viel mehr gibt, als das Leben
ist immer zu leer &
Momente fressen Schokolade
& dann dich
zum Frühstück gibt’s Dynamit,
damit der Tag dich
überrascht
& nicht

© Amy Herzog

starre

viel Gerede
war dann noch zu wenig
leer das letzte Glas
und Torso
liege frierend starr
wie Blut aus meinen Winkeln
lächeln kalte Leichen
den knitternden Atem aus meiner Haut
und schneebedecktes Bett
mit uns befleckt
ich suche durch die Nacht
nach deinem Traum
und heißem Tee

© Amy Herzog

taumelig

so taumelig
unter nacktem Mond
und wolkenloser Himmel
weint in meinen Ohren
Äste brechen unter deinen Augen
während du nach Sternen
greifst und schleicht mein fahler Wind
auch leise noch um deinen Hals
so drehst du dich im Kreis
und ich, ich falle ab

© Amy Herzog

Fremder

Dein warmes Wort
Fremder, Kuss in meiner Kehle
bestickte Flügel
und ein Schwur unter den trockenen Augen
des Sommers
schon viel zu lange schleppend,
schnappend nach Luft
zehrende Blicke in Bernstein eingefasst
Fremder, komm, wir schließen
endlich unsere Nacht

© Amy Herzog

Tief!

abschließen

es darf niemand
außer dir
wirklich in mich eintreten
deshalb gehe ich
jetzt und
schließe mich
wieder
ab

© Amy Herzog

„Blinder Fleck“

Du siehst mich
mit dem Teil deines Auges
auf dem sich keine
Lichtrezeptoren befinden.

Eh nicht.

© Amy Herzog

Hauch von Sinn

die Leerzeichen
in deiner Stimme zeichnen
uns den Weg in die Dunkelheit
mit Glas aus meinem Bauch
in den Asphalt

ich sehe die Risse
du bedeckst sie mit deiner Haut
während uns die Nacht
die Kleider ablegt

Und dann multiplizieren
wir die Wunden
der vergangenen Jahre
und geben den Leerzeichen
einen Hauch von
Sinn

© Amy Herzog

wenn du schreibst

wenn du mir schreibst
beiße ich mir auf die Unterlippe
und meine Gedanken
wippen
im Rhythmus
meines überkochenden Blutes
und wie du in mir brennst
reiße ich die Augen
weit auf
und kühle aus
ehe ich dir antworten kann

© Amy Herzog

Videolesung

Freitagmorgen 6h: (Gedankenblase) „Hey, es ist noch dunkel, ich mach ne Kerze und die Kamera an und lese etwas, das macht Spaß!“

Nun, zwei Stunden später, inzwischen ist es hell geworden, lese ich nach unzähligen Aufnahmen noch immer. Und bin natürlich, wie soll’s auch anders sein, immer noch hochgradig unzufrieden! Und warum sieht mein Gesicht eigentlich so Gargamel (Gurgelhals) aus? Und von der inzwischen geflohenen Mimik und der Betonung mag ich gar nicht erst anfangen. Aber ich kann nicht mehr und das wird jetzt hochgeladen, ob ich will oder nicht.

Hach, aber wäre man nicht selbstkritisch, würde man sich nicht mehr bewegen, verbessern, gell?

Es.hat.Spaß.gemacht. 😀

Vielen Dank für Euer Dasein, lesen und in diesem Fall zuhören! Herzenswärme geht raus! ♥️

warte

Warte nur
auf jede Nacht
damit mich deine Haut
wieder bedeckt

©  Amy Herzog

Dornenhecken

Irgendwo
in den zerschnittenen Rosen
meines erkalteten
Herzens
weine ich die Märchen
der Vergangenheit und blicke
durch übriggebliebene
Dornenhecken
auf meine eigene
Grausamkeit
herab

© Amy Herzog

WO BIST DU?

Seit Jahren wandelnder Tod
was hast du nur getan
dass du dich nicht mehr tragen kannst
was ist dir passiert

So erloschenes
und pocht nur im Rhythmus
um des Körpers willen
kleines Herz
WO BIST DU jetzt

In den Wäldern
so verirrt
– frei
(in deinen Ketten)
doch ich küsse dich sanft
vom Vollmond aus
auf die Stirn

© Amy Herzog

blickdicht

Der Abend zerfällt
unter dem üblen Nachgeschmack
schlecht gewordener Lügen
statt von dir zu Träumen
atme ich den Durst
in den nächsten kalten Winter
und ziehe den Vorhang
meiner Augenfenster blickdicht

© Amy Herzog

Heim

[…]
seitdem ist dein Heim
leer, so schwer
dein Geist
ich spüre ihn und
ein Minenfeld aus Sehnsucht
und Einsamkeit
eingenäht in jeden
Gedanken

© Amy Herzog

Zwei cl

blättere
durch deine Knochen
– suche
unverhüllte Zeilen
Fleisch
und zwei cl zu viel

offen!

als wären wir
für eine nie endende Sekunde
tiefgründig

© Amy Herzog

siphon

So viel Angst in deinen Augen
Zwiespalt zwischen Fingern
und den Tod über Hände gestülpt
wie Handschuhe im Winter
nur was spürst du noch, was?

Die Leidenschaft im Licht berührt
auch nur kochende Kotze
aus Whiskey, Regen und Zeit
und all die kühlen Herzen
sickern durch dein verdrecktes
Siphon, nur was bleibt dir
noch, was? Was?

© Amy Herzog

regung

noch irgendwie tot
regung
auferstanden
schwer zu gestehen
und einsamkeit
spricht im rausch lauter
über träume als
zuvor

© Amy Herzog

oberfläche

und von der Lebenszeit
ist zu wenig übrig
um dir Gedichte zu schreiben
die du nicht trägst
weil deine Oberfläche kühl
meine jedoch glühende
Vulkane erklimmt

© Amy Herzog

wimpernkranz

bunte schleifen um mein hirn
die augen verbunden
du hast
wie bist du und
woher sind all die träume
schlaf und wach
und bist du zwischen allem und
nichts blinzelndes ich
du allein
in meinen wimpernkranz
und warme tränen
eingefasst

© Amy Herzog

deine Strömung

springe in den tiefen Ozean
deiner Seele
(dem hilflosem Kind)
zähle die Narben
wie Ringe auf totem Holz
küsse jede davon
und halte dich ganz fest
bis du an Land schwimmen kannst
oder uns die Strömung deiner Sehnsucht
(Hand in Hand)
ins Sternenmeer entführt

© Amy Herzog

sehnsucht

Sehnsucht nach
vollgeschriebener Unzulänglichkeit
Autobahnrauschen
per Anhalter Richtung blindes
Vertrauen und Liebe
ohne Grund nach Vollmond
Matratze auf dem Boden
Mitternacht
und nach liebevoll streicheln
ohne Kommentar

© Amy Herzog

Augen glänzen
wie nasse Kirschen im Juli
aber der Geist spricht
mit den Worten eines Kindes
das die Liebe
noch nie verloren hat

© Amy Herzog

Pfeil & Bogen

schreibe dir meine
Wahrheit
auf Raststättentoilettenpapier
und inhaliere beim
scheißen
den Rest vergangener Tage
wische die Unschuld
gegen den Strich
und trage dir in nassen Ärmeln
tropfend mein Blut
ans Messer
damit du diese kranke Haut
zu Pfeil und Bogen
schnitzt

© Amy Herzog

Heiß!

Da ist er: der kurze Moment, in dem sie denkt: „Nein, sei vernünftig, lass die Hände davon, das hast du als Kind schon gelernt. Die Herdplatte ist heiß, sie ist es! Du musst das nicht näher prüfen!“ Und trotzdem legte sie ihre kleine Kinderhand immer wieder darauf. Na, und nun legt sie eben ihre inzwischen größer gewordenen Hände darauf. Nicht mehr auf die Herdplatte. Aber auf andere…Dinge. Vielleicht ein wenig töricht, das verwachsene, ähm, erwachsene Kind, aber doch ist es voller Reinheit und Gefühl, ihr unbelehrbares Herz. Und einer dicken Hautschicht an den Handinnenflächen.

© Amy Herzog

irgendwie.

irgendwie nah
und fern
etwas will und
und das andere stellen wir
in den weg
und haben angst
davor
nicht so hoch klettern zu können
und die aussicht zu
verpassen und
uns

© Amy Herzog

Zeitumstellung

© Amy Herzog

Bereit.

schrei!

treffen deine Lippen
die meinen
und gebären Sehnsucht
nach Tiefe, Sturm und Meer
so hinke ich gen Lust
und schreiendes Verlangen
wiegt mein Herz
doch viel zu schwer

© Amy Herzog

ich ahne die Liebe

Oh Furcht!
Ich ahne die Liebe
so groß vor dir
und mir
die Furcht, oh!
Vor Wissen und Sturm
und blind
so ganz und gar die Liebe!
Oh, würde doch
ein Ende
mich zerrissen
im Rinnstein nach dir
zehren lassen!

© Amy Herzog

Funkenmoment

Komm nahe
jetzt!
Funkenmoment,
dann zerbirst du in den
Einkerbungen
meiner

Leiser Schatten
streut
wie die glimmende Asche
dem ausgedrückten
danach

Und zeichnet mich
ohne Kontur
in deinem letzten Hauch
ein ausgekühltes
Ich

© Amy Herzog

innerlich

innerlich
weinst du so laut
und du hast
angst
dass es jemand
hören kann
und noch mehr
dass es
niemand hört

© Amy Herzog

entfachen

weil das Unterholz
zu lange nur so glimmte
buchstabieren wir
hitzig

© Amy Herzog

Seine Angst vor dem Feuer

Es sind immer Meer
Lügen
als nötig und mehr
Wunden
als angegeben
und weil
er sie zu viel
wollte mussten sie aufs
offene Meer
um mit dem Feuer
zu spielen

© Amy Herzog

Alkohol

du bestehst aus
vierundsechzig Prozent
und trotzdem
würde ich dich literweise
trinken

© Amy Herzog

konturen

wie lange hast du schon keine
glatten Konturen
mehr gesehen? Nur schemenhafte
Geister, kommen und gehen
und brechen stets
ein Stück aus dir heraus

© Amy Herzog

passieren

meistens ist das keine Entscheidung
irgendwie
passieren wir immer
einfach so

© Amy Herzog

irgendwie

Damit ich aus deinem Sichtfeld
verschwinde
legst du mich in eine Kiste
gleich neben den Satz
den du dich nicht auszusprechen traust
und verschlingst den Schlüssel
weil du Angst davor hast
dass es irgendwann weh tut
aber in deinem Bauch
bleibt es warm

© Amy Herzog

was

ist das schon Bestimmung
oder wollen wir
nur endlich mal etwas
spüren?

© Amy Herzog

schwankend

halte mich schwankend
zwischen endlosschleifenden Nächten
egal und bedeutet mir die Welt
aber deine Randnotizen lesen sich flüchtig
zitternd und zäh dein Haar
und ich habe Angst
noch eines von dir zu finden
oder nie wieder
ich halte mich schwankend

© Amy Herzog

nie.

Figur bin ich immer
noch nie war ich Mensch
gelegentlich verirrt sich Außen
aber mich erkennst
du nicht

© Amy Herzog

90°

zwischen zwei Atemzügen
ziehe ich Rot
auf meiner Wüste nach
so wie du mit einem kleinen
Kuss
meine Stille
durchbrochen hast
verfalle ich
dir im Winkel von 90°
und dufte wie
frisch gemähter Rasen
nach lang ersehntem Regentag

© Amy Herzog

Antarktis

als ich unsere
Nacht
aus deinen Augen trank
glänzte die Trauer
darin
Jahrzehnte
drückten sich
aus deinen müden Poren
und dein Atem
schmeckte mir wie ein warmer Kakao
nach dem durchqueren
der Antarktis

© Amy Herzog

„bald“

ja, wir fliegen
aber bald
verfangen wir uns
in Netzen
und der perfekte Zustand
entgleitet uns
weil wir dann wieder
menschlich sind

© Amy Herzog

weil sie friedlich sind

Er bleibt immer
bei den Geräuschen
die er kennt
täuscht ein Gesicht vor
das ihm die Menschen abkaufen
und trägt in seinen Händen
nur noch leichte Luft
weil die Wellen friedlich sind
in denen die Leidenschaft
einst ertrank

© Amy Herzog

Simulationen

Dann lebst du
in Simulationen
weil die echte Nähe
so nah kommen kann
und du fürchtest
ein mal zu oft
daran zu sterben

© Amy Herzog