Autismus

Gedanken: Freundschaft

Meine letzten Nachtdienste habe ich, wenn ich nicht gerade sehr beschäftigt war, mit dem nachdenken über Freundschaft zugebracht.


Selten so unzufrieden gewesen mit meinen Gedanken und dem Versuch, diese in Worte zu fassen. Zum löschen gerade gut genug.


Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eine richtig dicke Freundschaft gehabt zu haben. Als Kind vielleicht eine übliche Kinderfreundschaft. Aber nichts, was mir groß im Gedächtnis geblieben wäre. Und seitdem ich mich gut erinnern kann, hatte ich keine Freunde. Natürlich habe ich hier und da versucht dazuzugehören, aber dies endete bestenfalls in einer freundlichen Duldung der anderen. Es lag nicht an den anderen, es lag an mir. Weder bin ich in der Lage in Gruppen zu sprechen, dem Gespäch zu folgen, noch schaffe ich es, ein Gespräch selbst voranzutreiben. Schlimm fand ich das nie. Ich war am liebsten allein und habe mich mit dem beschäftigt, was mich begeisterte. Und so ist es noch immer.

Trotzdem kommt mir in der letzten Zeit gelegentlich der Gedanke, dass es schön wäre, einen echten Freund oder eine echte Freundin zu haben. Dieses „echt“ versuchte ich in den vergangenen Nächten zu definieren.

Dazu müsste ich zu erst wissen, was Freunde eigenlich so machen, was eine Freundschaft ausmacht. Eine allgemeingültige Definition. Der Duden meint dazu: „auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander“. Das erscheint mir wenig hilfreich. Also greife ich auf Beobachtungen zurück. Freunde gehen zusammen was trinken, ins Kino, zum Sport oder Shoppen. Naja sowas eben. Aber was reden die eigentlich? Oh man…selbst wenn ich mal so ein Gespräch mitgehört habe, kann ich dazu nun so
gar nichts schreiben. Mein Hirn schaltet da komplett auf durchzug und begibt sich auf die reise in die eigene Welt. Woran ich mich noch wage erinnere sind so aktuelle Themen, die das Privatleben betreffen. Ärger mit dem Partner, mit dem Job, Lästern steht hoch im Kurs. Oder das Gespräch ist bezogen auf die derzeitig ausgeführte Aktivität. Beim Sport über Fitness und Ernährung vielleicht, im Kino bzw. nach dem Kino über den Film, beim Kaffee allgemein über die Erlebnisse der Woche, und beim Shoppen darüber,
was einem so gefällt. Je vertrauter die Freundschaft, desto intimer werden die Gespräche. Die Freunde bekommen Einblick in die Gefühlswelt des anderen. Oder es geht einfach nur um den aktuellen Klatsch und Tratsch. Sowas, was man beim Friseur machen muss. In dem Zusammenhang: Ja, ich schneide mir die Haare selbst und bin inzwischen (in den meisten Fällen) auch ganz gut darin. Ist aber auch egal, trage eh immer nen Gammeldutt.

Ich habe überlegt, was ich von einer Freundschaft erwarten würde. Und so genau weiß ich das gar nicht. Dazu müsste ich eine Person kennen, die ich auch Freund nennen könnte.

Aber nehmen wir mal an, ich könnte mir jetzt nen Freund oder ne Freundin basteln.

Alter, Herkunft, Religion, Aussehen, Sexualität oder Geschlechtsidentität sind mir völlig egal. Ok, das Alter wäre mir vielleicht nicht ganz egal. Die Person sollte die geistige Reife eines erwachsenen Menschen besitzen. Diesem Freund sollte das im Gegenzug ebenfalls egal sein. Dieser Freund sollte sich für ein oder zwei Themen sehr begeistern können. Diese müssen nicht mit meinen Interessen übereinstimmen. Vielleicht kann man etwas voneinander lernen. Und gelegentlich gemeinsame Zeit produktiv nutzen.

Er/Sie sollte es völlig normal finden, mal keinen und dann wieder sehr viel Kontakt zu pflegen, bei gleichbeibender loyalität. Schriftlichen Kontakt finde ich sehr toll, eine Mail oder auch einen Brief mit vielen Seiten, dann aber auch wieder einfach mal ein Wochenende miteinander zu verbringen. Sich gegenseitig etwas vorlesen, einen Filmemarathon starten, nichts dagegen haben, einen Film zum hundertsten mal zu sehen oder ein Buch zum hundertsten mal zu lesen. Oder Gespräche zu führen, die längst geführt wurden. Ich hab ne Schwäche für ständige Wiederholungen. Also unterm Strich könnte man sagen, wenn andere über diese Person sagen, dass sie langweilig ist, dann wär das für mich
ein riesiger Pluspunkt, denn ich bin auch dieser langweilige Mensch. N‘ merkwürdiger Einsiedler ist toll. Ein richtiges Kellerkind. (Ein Keller ist nicht zwingend nötig, ein dunkles Zimmer tuts auch). Jemand, der sich in sich selbst vergraben kann, aber manchmal auch herauskommt, um sich eine Umarmung abzuholen. Und als Krönung das ganze auf der Grundlage von „ich hasse Menschen“.

Peinliches Schweigen ist ein Tabu. Es gibt nur schweigen. Peinlich ist daran nichts. Gedanken und Meinungsaustausch, offene und tabulose Gespräche (Tabuthemen werden von der Gesellschaft vorgegeben, damit hab ich nichts zu tun).

Direkte Kommunikation. Loyalität. Vertrauen. Beständigkeit. Absolute Ehrlichkeit (vergleichbar mit dem Verhältnis zwischen Haustier und Mensch)

Ach, diese Liste ist so unvollständig und meine Gedanken dazu völlig durcheinander. Unausgereift.
Ich glaube nicht, dass es so einen Menschen gibt. Und selbst wenn, kann ich nicht auf diese Person zugehen, kein Gespräch am laufen halten usw.

Autismus: Starren, glotzen, gaffen und Echolalie

Ein Thema, welches ich nun hier im Blog aufnehmen möchte, ist das Starren. Das wie, warum und dass dieses Verhalten, wie ich finde, der Echolalie gar nicht so unähnlich ist. Streng genommen habe ich dann schon zwei Themen, die ich kurz zusammenfassen möchte, bzw. aus meiner Erfahrung berichten möchte. Anzumerken ist hier, dass nicht jede/r Autist:in so ist. Jeder ist schließlich individuell. Und nicht jede/r, der das auch ein bisschen kennt, ist gleich Autist:in.

Wie bei allen anderen Bereichen hat dazu auch ein Austausch mit meiner Mutter stattgefunden, da sie sich an Begebenheiten erinnert, für die ich vor vielen Jahren noch zu klein war. Die Erinnerungen an mich als Kind (von Geburt bis 10. Lebensjahr) sind eher wage und oberflächlich. Doch im Bezug auf das Thema „Starren“, konnte mir meine Mutter eine Auffälligkeit berichten, die sehr häufig vorgekommen ist. Damals wie heute habe ich den direkten Kontakt zu anderen Menschen, wenn möglich, gemieden.
Ich konnte nichts mit ihnen anfagen, und sie nicht mit mir. Das liegt ganz einfach daran, dass die Menschensprache (bewusst verbal und unbewusst/teilbewusst nonverbal) grundverschieden ist.
Ob nun Kinder oder Erwachsene, die wenigsten nutzen eine direkte Kommunikation weitestgehend ohne Mimik und Gestik.

Oftmals wird auch etwas gesagt, was nicht zur Körpersprache passt. (Lächeln, obwohl man traurig ist…ich bin nicht böse sagen, obwohl man sauer ist…usw) Während bereits Kinder diese Sprachen sehr gut sprechen bzw. sehr schnell lernen (intuitiv) (dabei aber immer noch ehrlicher sind, als Erwachsene, finde ich), habe ich gar nichts gesprochen. Ich fand es aber faszinierend, all das zu lernen. Und so war es, dass ich, wann immer ich konnte, Menschen angestarrt habe. Das Auffällige war nicht das Starren an sich, sondern dass die (zu 99% fremden) Menschen darauf oftmals (negativ) reagiert haben. Ich habe das nicht wahrgenommen.

Für mich waren das Reaktionen, wie jede andere Reaktion. Und für mich zunächst auch nicht zuzuordnen. Die Reaktion war einfach nur da, ich habe diese nicht bewertet. Das besonders Auffällige war jedoch, dass die Menschen teils sehr böse reagiert haben. Sie haben zum Beispiel angedroht, ob ich geschlagen werden möchte, sollte ich damit nicht aufhören. Dies weiß ich nur aus der Erzählung meiner Mutter. Sie hat natürlich dafür gesorgt, dass ich nicht geschlagen werde und aufhöre den betreffenden Menschen anzustarren.

Das war und ist jedoch meine Art zu lernen bzw. möglichst angepasst in der Gesellschaft zu leben. Denn mit den Jahren habe ich verstanden, wenn mir jemand (auffällig) etwas böses wollte. Böse Hintergedanken zu erkennen fällt mir hingegen bis heute sehr schwer.

Man kann sich das vorstellen wie ein Mensch, der in ein Löwengehege geworfen wird. Man möchte nicht gefressen werden. Also kopiert man das Verhalten der Löwen zu 100%. Je mehr Löwen, desto mehr Kopien müssen angefertigt werden. Ist man am Ende noch man selbst? Nein. Aber man wird vielleicht irgendwann akzeptiert oder geht unsichtbar in der Masse unter. Man wird nicht gefressen. Ich wurde jedoch sehr lange zumindest angeknabbert (gemobbt). Verstanden habe ich das nie – bis heute nicht. Denn ich kann mich nicht daran erinnern, besonders unhöflich gewesen zu sein, oder jemandem geschadet zu haben.

Inzwischen kann man sich das das Innere meines Kopfes vorstellen, wie einen unendlichen Raum mit unzähligen Aktenschränken. Die Kopien sind nahezu grenzenlos und täglich kommen neue hinzu. Unter Menschen würde ich allenfalls noch naiv und introvertiert wirken. Dabei entspricht das eigentlich nicht meiner Persönlichkeit. In meinen 30 Jahren ist es bisher – immerhin – zwei mal vorgekommen, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, sofern eine Basissymphatie meinerseits besteht, mich kennenzulernen. Sonst hat es niemand über eine meiner Kopien gewagt. Vermutlich nicht mal die Kopie erkannt. Aber darüber bin ich nicht traurig. Meine Persönlichkeit redet zum Beispiel sehr gerne und sehr viel. In dem Zusammenhang – auch ein Symptom (kann man das so sagen?) von Autismus: Ich weiß fast nie, wann ein Gespräch beginnt und wann es aufhört. Auch nicht, wann ich dran bin mit reden. Ich falle also sehr
oft ins Wort, wie mir des Öfteren gesagt wird. Beim letzten Bewerbungsgespräch ist es mir sogar selbst aufgefallen, der Chef kam kaum zu Wort. Und wenn der andere einfach lauter wird, dann werde ich automatisch noch lauter. (Hab den Job trotzdem bekommen :-))

Über ein Thema, welches mich interessiert, kann ich sehr lange Monologe halten. Und ich interessiere mich auch für geschichtliche Fakten (besonders im Zusammenhang mit Pflege und Medizin), die heute wohl die meisten Menschen nicht mehr interessiert. Zum Beispiel die Frage, wie und weshalb Menschen im Mittelalter in recht kurzen Betten geschlafen haben. Aber auch über anderes unnützes Wissen (aus unterschiedlichen Themenbereichen) könnte ich aufklären, wenn sich die Gelegenheit bietet. Meistens rede ich aber nur so mit mir selbst. Im Geiste natürlich, damit’s nicht ganz bescheuert, sondern eher verträumt wirkt.

Bevor ich weiter von Hölzchen auf Stöckchen komme, berichte ich noch kurz über die am Anfang erwähnte Echolalie. Meist bei frühkindlichen Autisten/verzögerter Sprachentwicklung. Davon war ich nicht betroffen, denn ich habe verhältnismäßig früh gesprochen und auch als ich das lesen gelernt habe, habe ich alles Gelesen, was lesbar war. Das war also soweit in der Norm. An mir selbst fällt mir das eher im Erwachsenenalter auf. Das Nachahmen von Worten und Geräuschen/Lauten. Das stereotype Wiederholen von Worten. Für kleine Kinder ist das ganz normal. Später macht man das für gewöhnlich nicht mehr. Aber auch das ist für mich auch eine Art der Kopie. Kopie vom Tonfall zum Beispiel. Also nicht nur wie (z.B.) Wut aussieht, sondern auch wie sie klingt. Und das mit allen Gefühlen und alles eventuellen Situationen.

Das alles ist eine nie endende Arbeit und ein grenzenloser Bedarf an Kopierpapier. 🙂

Einsiedler

Dieses dicke Freundschaftsding verstehe ich nicht. Ich bin gern allein in meiner Welt. Draußen muss ich so tun als ob, Maske auf und wie die Pinguine aus Madagascar „lächeln und winken“ – funktionieren im Rädchen der Gesellschaft. „Wie gehts dir…gut und dir…mir auch…was machst du…nichts und du…ehrliche Antwort? Zeit verschwenden“ Ich bin weiterhin bemüht, diese schlechte Angewohnheit abzulegen. Vermutlich mag ich eine Sache an dir, vielleicht auch zwei, aber der Rest interessiert mich vermutlich nicht. Ist nicht persönlich gemeint. Ich kanns eben einfach nicht. Über den Rest müsste ich hinwegsehen. Macht das jemanden zum Freund? Ich respektiere dich und bin höflich, wenn du es auch bist. Mit unfairness kann ich nicht umgehen. Als Freund hat man die Verpflichtung sich zu melden. Da hört’s schon auf bei mir. Wenn ich in meiner Welt bin, dann kann mir niemand auf den Sack gehen, weil ich nicht mal wahrnehme, dass jemand existiert. Wie soll ich dann einen freundschaftlichen Kontakt pflegen. Keine Zeit. Der Vorteil ist, dass nahezu niemand etwas mit so einem Menschen anfangen kann. Und sind wir somit am Ende nicht beide zufrieden?

Wenn ich nicht leben müsste um zu leben, würde ich meine Wohnung nie verlassen und wäre der glücklichste Einsiedler der Welt.

Autismus: Das Grundschulzeugnis und die uninteressanten Bücher

Lang, lang ist’s her und dennoch ergab sich vorhin die Gelegenheit mit meiner Mutter über meine Grundschulzeit zu sprechen. Und da fanden wir so einiges auf dem Zeugnis der dritten Klasse. Naja, das übliche, ich rede nicht und kann nicht mit Menschen. (Auf dieserlei Dinge gehe ich in einem anderen Beitrag genauer ein)

Aber das war gar nicht so interessant. Viel mehr die Tatsache, dass ich angeblich nicht gut mit meinen Schulmaterialien umgegangen sei. Daran konnte ich mich so gar nicht erinnern, weil ich mit den mir ausgeliehenen Dingen üblicherweise gut umgehe. Aber meine Mutter erinnerte sich sehr gut.

Die Bücher habe ich immer sehr schnell durchgearbeitet und somit wurden diese Bücher für mich langweilig. Das war aber kein Grund für mich, diese einfach beiseite zu legen. Ich begann zu basteln. Sie also wieder interessant zu gestalten. Das ist wohl so schlecht angekommen, dass es sogar im Zeugnis vermerkt wurde. Ich habe meiner Mutter darauf entgegnet, dass es wohl kaum meine Schuld war, dass der Unterricht und die damit verbundenen Materialien zu langweilig gestaltet wurden. Das ganze kann ich natürlich nur mit einem schmunzeln sagen.

Aber sie sagte mir auch, dass ich heute immer noch so bin. Zum Verständnis: wir Telefonieren immer per Video, daher sieht sie, was ich so mache. Und sie sagte mir, dass ich immer irgendetwas in der Hand habe und irgendwas gestalte. Oftmals nicht kreativ, sondern einfach nur mit den Dingen, die ich so um mich herum finde. Es hilft mir, mich besser konzentrieren zu können. Und beeinflussen kann ich das kaum. Es passiert einfach. Einen größeren Sinn gibt es da nicht.

Außer jemand erkennt den sinn darin zum Beispiel Verpackungsmüll klein zu schneiden, alles mögliche zu bemalen, Zettelchen zu falten, eine Tube Flüssigkleber zu entleren, nur um zu schauen, wie schnell das dann trocknet. Es werden Dinge gestapelt und alles hat irgendwie seinen Platz. Andere würden sagen, ein Schreibtisch mit Müllhaufen. Für mich hat da alles seinen Platz und einen Sinn.

Daraus ergeben sich stets ‚was wäre wenn‘ Fragen. Aber diese nun noch zu stellen wäre in meinem Fall nun wirklich Sinnlos. Aber für die Kinder von heute können wir sie stellen.

Neubelebung meines Blogs :-)

Lange Zeit war es still hier, aber das möchte ich nun gerne ändern! Aber am Anfang direkt mal die Frage: wer von meinen Verfolger:innen ist eigentlich noch da? Gerne ein mal kommentieren oder ein anderes Lebenszeichen hinterlassen. 🙂

In diesem Beitrag möchte ich ein wenig über mich berichten bzw. über das, was so los war, aber auch über die Pläne, die ich zukünftig hier umsetzen möchte.

Mir fällt natürlich auf, dass sich der Editor hier komplett verändert hat. Da werde ich mich neu hineinfinden müssen, weil ich mit der Formatierung unheimlich pingelig bin. 🙂 Aber für diesen Beitrag ist das erst mal nicht allzu wichtig.

Zu erst ein mal zu mir: Das ich (oder die meisten Anderen ^^) ein Alien zu sein scheine, das war mir ja schon immer klar. Seit einiger Zeit habe ich aber sehr viel über mich lernen – und mich akzeptieren können. Ich bin kein Alien, einfach nur Autistin. In den letzten Monaten habe ich es sogar geschafft, auch meine berufliche Umgebung an mich anzupassen. Und so ergibt es sich, dass ich frei genung bin, um diesen Blog wieder aktiv zu betreiben.

Nun zu meinen Plänen für diesen Blog: wieder anknüpfen möchte ich an etwas Kunst (aktuell Epoxidharz, aber das wechselt und macht nur einen kleinen Teil aus). Weiterhin möchte ich meine Lyrik/Prosa/Kurzgeschichten wieder aufleben lassen! Das wird einen größeren Teil ausmachen – also wie gehabt.

Neu wird sein, dass ich über Neurodiversität schreiben möchte. Über meine persönlichen Erfahrungen insbesondere Autismus, selektiven Mutismus und Depressionen. Aber auch über allgemeine Informationen zu diesen Themen. Auch über die Barrierefreiheit und dann und wann evtl. auch über Menschen mit Behinderung in unserem (deutschen) System.

Fragen und Anregungen sind sehr willkommen (sowohl per Mail, als auch per Kommentar)

so.

manchmal fühle ich mich toxisch
will mein letztes geld nehmen
und so weit fahren
bis ich irgendwo im nirgendwo bin

das system ist weg von mir
und ich bin raus aus dem system
löscht mich, ich hasse euch
mehr als ihr mich hasst

lieber fresse ich den müll der gesellschaft
als selbst im abfall zu enden
mit einer maske die mich frisst
nur damit ihr lachen könnt

wie ein schwarzes loch bin ich
aus dem system gefallen
aber meine würde behalte ich
das ist mein einziges recht

© Amy Herzog

Die Vorurteile haben Hunger,
ein „guter“ Koch den Löffel schwingt,
reich eingedeckt mit falschen Infos,
dabei den vielen Schwachsinn singt.

Und mit dem Wissen auf die Menschheit,
zur Hälfte zwar, doch das genügt,
der Andere hat die zweite bei sich,
doch dieser sich dort auch vergnügt.

Der Koch hat viele tolle Namen,
ne Suchmaschine nenn ich ihn,
warum denn auch Betroffene fragen?
der Koch hat leichtere Kalorien.

Fragt doch lieber mal die Menschen,
so altmodisch das klingen mag,
ihr könntet dabei etwas lernen,
was euch der Koch wohl niemals sagt.

© Amy Herzog

Mein Theater

Das Leben ist ein Theater
und ich bin der Schatten im Kostüm
muss ich können, muss ich sollen, muss ich wollen
– wie ein Kind an Mutters Hand
stehe mit dem Rücken an der Wand!

In die Mauern der Gesellschaft
hat der Maurer mich verputzt
– muss ich‘s lassen, muss ich passen
in die vielen Menschenmassen
mich verlassen…

Still und leise weine ich
ein Mäuschen flüstert: „will ich nicht!“
dann knabbert’s Löcher ins Gewand
ich nehm mich selbst kurz an die Hand
und sage euch – ich spiele mit:

Aber nur manchmal, denn ich bin Autist.

© Amy Herzog

Neurodivers

Eine Weile ist vergangen

Brotkrumen liegen am Rand

Nur zurück will ich nicht

Hier ist es doch schön

Wenn das Wasser fließt

Erkenne mich nicht wieder

Ich bin nicht mehr ich

Habe mich verloren

Mein Spiegelbild – eine Maske

Und das bin dann ich

Bin ich noch dahinten

Bin ich in mir verborgen

Ich wäre gerne ich

Nur wer kann verstehen

Fragen über Fragen

Nie wird es enden

Das Feuerwerk im Kopf

Nie wird es verstanden

Meine Sprache ist anders

Aber das bin doch ich

© Amy Herzog