Verbindung

Ficken kann jeder.

Es ist nicht schwer, auf einer Bananenschale auszurutschen, mit der Kleidung versehentlich an einem aus der Wand hervorstehenden Nagel hängenzubleiben, sodass diese vom Leib fällt, zufällig ein passendes Gegenstück in Fallrichtung liegen zu haben, im selben Moment durch das schlagartig ausgestoßene Adrenalin eine wie auch immer geartete körperliche Erregung zu spüren und letztendlich in einer vor sich hinschwitzenden, verknoteten Verbindung stecken zu bleiben, während auf und ab Bewegungen nur deshalb zustande kommen, weil man ja immerhin schon etwas älter ist und nicht mehr nur ein Versuch genügt, um aufzustehen.

Klar, immer wieder nett. Ach, ich habe gar nicht vorgestellt: Nett ist die kleine Schwester von Scheiße. Was? Ihr kennt euch schon? Nun gut.

Ja, jetzt kommt irgendeiner daher, der eine, der immer kommt, der, der sagt: „Wenn du Sex so scheiße findest, dann hast du noch keinen guten gehabt.“ Na, das ist der Selbe, der sich dann beweisen will. Danke, aber nein danke. Ein bisschen Selbstachtung habe ich dann doch noch. Willst du was abhaben?

Nun aber weiter im Text. Ja. Die bisherigen Zeilen hätte ich mir sparen können. Der Titel genügt vollkommen. Aber mal ehrlich, die Vorstellung mit der Bananenschale ist doch irgendwie so real wie witzig. Ich frage mich, wie viele Menschen heute Nacht ausrutschen. Mit Absicht. Und ein paar, die hinterher dem Alkohol die Schuld geben. Soviel kann ich gar nicht saufen, damit solche Menschen schön für mich werden, deshalb versuche ich es gar nicht erst.

Was ich mich wirklich frage ist, wann waren wir, wann warst du, das letzte mal Emotional vollständig nackt? Dein Körper mag aussehen wie er eben aussieht. Da scheißt doch der Hund drauf. Viel interessanter ist, wie deine nackte Seele aussieht. Zwei vollständig geöffnete Seelen die ficken. Seltsame Vorstellung oder? An zwei Körper zu denken ist leicht. Ficken ist leicht. Ich kann in meinen Browser random Buchstaben eintippen und lande garantiert auf irgendeiner Pornoseite. Oder ich schaue in meinen Verlauf. Alles nackte Körper. Alles so unfassbar banal, ermüdend und an Irrelevanz nicht zu übertreffen. Zwei fickende Körper, wow. Von mir aus auch drei, vier, oder auf wie viele man auch steht. Ist total Latte. (Hihi, Latte..)

Btw: Schaut euch nen Porno aus den Achtzigern, Neunzigern an. Das ist noch Humor.

Aber nun weiter. Habt ihr euch inzwischen die zwei nackten Seelen vorgestellt? Diese vollkommen offenen nackten Emotionen, wie sie sich miteinander Verbinden, die Farben aller Universen, verschmelzen, sich hingeben, selbstlos schenken und ohne Zeit und Raum für immer eng umschlungen miteinander, ineinander tanzen? Habt ihr das mal gesehen? Schon mal erlebt? Mal ganz ehrlich, sind ja hier in unseren Gedanken unter uns.

Also ich nicht. Meine Seele war noch nie nackt. Die behält immer wenigstens den Schlübber an. Und ich fühle mich wie ne Jungfrau. Weil ich, ICH, noch nie nackt war. Ich kann es mir nicht einmal vorstellen. Aber das, was ich mir unter diesen zwei nackten ewig fickenden Seelen vorstelle, das ist schon, nun, alles übertreffend. Ich denke aber auch, dass es kaum mehr Menschen gibt, die sich vollständig entkleiden können. Und wenn das so ist, wie ich mir das vorstelle, dann ist das absolut nachvollziehbar. Man stelle sich vor, man ist also Seelenjungfrau, so nenne ich das mal und dann traut man sich mal einfach, sich auszuziehen, so viel Eier muss man erst mal haben, aber man traut sich das dann mal. Na und dann verbinden sich diese eine Seele und diese andere nackte Seele. Und dann? Tut das weh? Ist das schön? Und die wichtigste Frage: kann man das ohne Kassenzettel zurückgeben? Nein?

Wow. Schon erschreckend. Na, ficken ist leicht, aber sich selbst wirklich auszuziehen erscheint unmöglich. Zumindest für die Meisten. Ein Hoch also auf die Bananenschalen, gähn.

Schenket die Freiheit

Lasset mich einfach endlich geh’n,
so lasset mich nass im Regen steh’n.
Macht dass es aufhört, das Rauschen der Wellen,
werfet mich aus diesen düstren Zellen.

Schenkt Ihr die Freiheit, verneige ich mich,
lasset mich ziehen, im Kusse mit Euch.
Nie wieder werdet Ihr an mich denken,
ganz so als sei ich nie da gewesen.

Es schmerzt, es reißt, Ihr seid so nah,
genießt es doch immer noch so wahr.
So gebt es doch einfach endlich auf,
dann findet Ihr andere Seelen auch.

© Amy Herzog