Gefangen

Verloren gegangen

Durchlöchert ist mein Hut
und an meinen Wimpern perlt der Regen.
Hektik herrscht um mich nur wegen:
Glück, das keiner kaufen kann.

Die Kälte dringt auf meine Haut,
doch ich bin längst zu Eis erstarrt.
Werd‘ ich denn bloß angestarrt?
Nur Blicke seh‘ ich nicht.

Stehe knietief in der Pfütze,
wie nur, wie nur komm ich raus?
Klingt fast, als lachte sie mich aus,
gemeinsam mit der Sonne.

Mein Hut ist durchlöchert
und ich bin mir verloren gegangen.
Bin im Boden versickert, verfangen,
nur die Reste seh‘ ich nicht.



© Amy Herzog

Erdrückend.

Eingesperrt bin ich. In mir, in dir. Du kommst mir näher. Kälte kitzelt meine Nerven. Erdrückst mich. Heiß wird es. Suggerierst Sicherheit. Wärme. Schutz und Zuflucht. Ich genieße. Schließe meine Augen. Und falle in mein sicheres Schwarz.

Du lachst. Stumm. Aber du lachst. In meinem Kopf. Du zeigst mit dem Finger auf mich. Die Kranke nennst du mich hinter den Türen.

Dann wieder fängst du mich auf. Schenkst mir deine Liebe. Deine Ruhe. Lässt mich Freiheit spüren. Während ich eingesperrt bin. Und niemand kann mich hören. Ich bin stumm. Kalt. Ich genieße.

Schließe meine Augen. Und falle in mein ewiges Schwarz.

Schweigendes Wort

Ich spüre diesen bitt’ren Schmerz,
und flüstern Worte durch die Luft,
so rinnt das Blut aus meinem Herz,
entfacht des Rosenblütens Duft.

Doch hielt ich sie gefangen hier,
so gleich kommt jeder Dorn zu nah,
und sticht erneut ins Herze mir,
den Duft im Worte, was einst war.

Nun fließt das Blut ins blaue Meer,
und trägt die duftend Blüten mit,
ich ruhe hier, und denk‘ zu schwer,
was mein verschwiegen’s Wort erlitt.

© Amy Herzog

Im Schloss…

Ich bin im großen Schloss gefangen,
das ich einst erbauen musste,
trinkend die Tränen aus den Wänden,
weil ich es nicht besser wusste.

Nur das Schloss wird immer größer,
weit’re Tränen dringen herein,
er ließ mich darin weiter wachsen,
und ließ mich dann darin allein.

Es poltert, kracht, die Steine fallen,
du klopfst an das schwere Tor,
doch ich bin weiter sicher gefangen,
ich trinke allein, und du davor.

 

© Amy Herzog

Zu den Wolken…

Durchs Leben schreite ich schlafend,
hellwach durchs Menschenbedrängnis,
in Ketten aus Stacheldraht gebunden,
in meinem eigenen kleinen Gefängnis.

Ich sehe, höre und fühle so stark,
denn ich bin ein Mensch aus Blut,
die Augen viel zu weit aufgerissen,
spüre ich auf meiner Seele die Glut.

Einmal ganz und gar wach zu sein,
heraus fließt des Monsters Traum,
die Ketten lösen, der Rauch steigt auf,
mit mir zu den Wolken aus Schaum.

© Amy Herzog

in Blicken gefangen…

in den netzen deiner blicke
bin ich wie von dir gefangen
geborgen wohl in deinen armen
lasse ich mich langsam fallen

sehe ich in braunen augen
nur scheinende unendlichkeit
doch lasse mich nur weiter fangen
vergesse einfach alle zeit

kannst du meine sehnsucht stillen
mich tiefer in den strudel führen
bis uns’re seelen sich vereinen
samtweich meine lippen küssen

© Amy Herzog

Gefangen

Foto(3)

© Amy H.

Emotionen…

Stillstehend am Wegesrand,
dunkelschwarz beängstigend,
unverstanden distanziert,
an der Welt desinteressiert.

In der Leere hoffnungslos,
erstickend schweigsam nutzlos,
unbehaglich nachdenklich,
verschlossen unerschütterlich.

Melancholisch sehnsüchtig,
wichtig wandel unwichtig,
im Vakuum zu abwesend,
Zeit nur so dahinrasend.

Gefangen einsam Liebloses,
denkend an zu Sinnloses,
starr wartend eingefroren,
mitten im Nichts verloren.

© Amy Herzog

Im Dunkel allein…

An diesem Ort sehe ich nichts,
dunkel ist einfach alles um mich,
wo ist nur des Auswegs Licht,
ich suche, suche und finde nicht.

Schreite immer weiter voran,
immerzu weiter gerade aus,
macht doch endlich das Licht an,
ich will hier endlich einfach raus.

Gehe doch so lang hier schon,
beginne sogar auch zu rennen,
ohne eine andere Person,
die ich Freund könnte, nennen.

Wo nur ist ein irgendwas,
nichts scheint hier zu sein,
das Dunkel ist mir viel zu krass,
ich fühle mich unendlich klein.

Wie lange mag der Weg noch sein,
fühle überall nur Erschöpfung,
kraftlos kann ich nur noch wein‘,
verblasst auch die Erinnerung.

Setze mich hier resigniert her,
nur die Erde unter mir ist real,
verweile für immer ohne Bilder,
in diesem großen Dunkel Saal.

© Amy Herzog

Schenket die Freiheit

Lasset mich einfach endlich geh’n,
so lasset mich nass im Regen steh’n.
Macht dass es aufhört, das Rauschen der Wellen,
werfet mich aus diesen düstren Zellen.

Schenkt Ihr die Freiheit, verneige ich mich,
lasset mich ziehen, im Kusse mit Euch.
Nie wieder werdet Ihr an mich denken,
ganz so als sei ich nie da gewesen.

Es schmerzt, es reißt, Ihr seid so nah,
genießt es doch immer noch so wahr.
So gebt es doch einfach endlich auf,
dann findet Ihr andere Seelen auch.

© Amy Herzog

Glück…

Wo findet das Glück,
nur einen Moment,
wenn auch nur ein Stück,
ein kleines Fragment.

Gefangen im sein,
alles nur Schein,
dunkel im Tunnel,
im Menschen-Dschungel.

Du wirst schon erwartet,
sei nicht verspätet,
oh wunderbares Glück,
wenn auch nur ein Stück.

Alles vergangen,
für immer vereint,
nie wieder bangen,
das Glück, es erscheint.

© Amy Herzog