Phantasie

Er und Sie (Part 1)

Triggerwarnung: Sexuelle Inhalte. Wer so etwas nicht lesen mag, der möge diesen Beitrag dezent überlesen.

Es liegt außerhalb ihrer Vorstellungskraft, wie sehr er sie begehrt, wie tief er ihre Nähe einatmen möchte, einatmen muss, als würde sie ihn vor dem ertrinken retten und mit dem ersten Atemzug blickte er in ihre Augen. Als wollte er in seinem gesamten Leben nichts anderes mehr sehen und alles andere davor vergessen, während sich ihr Duft um seinen Körper schmiegt und seine Sinne in entfernte Dimensionen manövriert. Doch das alles spielt sich nur in seiner Phantasie ab, diese Welt, die sie nicht zu erahnen vermag, gleichzeitig ist sie ihm die schönste, die, in der er ankommen und sich fallen lassen kann. Und sie ist darin seine Sicherheit, ihr sanfter Schoß, in der für ihn so unsicheren und schnelllebigen echten Welt. Nur fragt er sich dann: „was ist schon echt?“ In seinen Gedanken sieht er sie jeden Tag, wohin er auch schaut, sieht er ihre Augen vor seinem Inneren. Wir begehren, was wir täglich sehen. Wie jeden Tag flüchtet er vor dem Licht, dunkelt seine Wohnung mit Jalousien und zündet eine Kerze an, um sich weiter in seiner Welt zu laben.

Obwohl seine amourösen Gedanken schnell zu kochen beginnen, als er sie auf seinem Bett liegen sieht, atmet er tief durch und lässt sich Zeit. Denn Zeit ist hier in seiner Welt ein so weit dehnbarer Begriff, dass er bedeutungslos wird. Selbst im Schein seiner Kerze kann er ihre Augen leuchten sehen und als er ihr endlich wieder näher kommt, sich neben sie auf sein Bett setzt, kann er bis hinter ihre Augen, direkt in ihre Seele blicken. Und ankommen. Alles was ihm bis dahin ein Geheimnis war, liegt nun offen in seiner Brust. Wie eine Flutwelle trifft es ihn, überrollt ihn, macht ihn schwach, obwohl er stark sein wollte. „Wir haben Zeit“, flüstert er sich selbst immer wieder zu, während er leicht zu schwitzen beginnt und dieser Schweiß einen dünnen Film aus purer Leidenschaft auf ihm hinterlässt.

Und er denkt an all die Fragen, die sich nun aus seinem Wissen ergeben, das offen in seiner Brust liegt. Alles hat er von ihr, doch er will mehr, immer tiefer in sie hinein blicken. Sogleich denkt er an die Gespräche, saugt jedes Wort ihrer Stimme in sich ein, unersättlich kommt er ihr immer näher, bis sie in seiner Phantasie im Kusse verstummt. Erst ihre weichen Lippen, dann über die Wange an ihren Hals. Kaum traut er sich, sie zu entkleiden, viel zu schnell würde seine Phantasie in der Realität enden. Seine kochenden Gedanken sind längst verdampft, der Körper ist willig und sein Geist noch schwächer. All die angestauten Jahrzehnte versetzen seinen Körper in Anspannung. Wo er gerade noch alle Zeit hatte, hat er plötzlich keine mehr übrig, als er ihr mit zwei, drei ruckartigen Handgriffen die Kleidung vom Leib reißt.

Mit einem mal küsst er in seinem Gefühl alles zugleich, jeden Zentimeter ihres Körpers, ihrer zarten jungen Haut, seine Gedanken kommen nicht mehr hinterher. Und in einem Atemzug sind all seine Fragen beantwortet, jedes Haar, jedes Zeichen ihrer Zeit, mit allem was auf ihrer Haut geschrieben steht, begehrt er sie bis tief in ihre Seele. Seinen Körper stülpt er über ihren, umklammert ihn, vergräbt seinen Kopf in ihren Haaren und will sie nie wieder loslassen. Seine Schwäche ist verflogen, die Zeit flog mit, all seine Bedürfnisse liegen in diesem Moment, den er sich seit Jahrzehnten ersehnt. Endlich kann er fallen und endlich fällt er tief in sie hinein, immer tiefer, immer fester stößt er sie und krallt sich weiter fest. Ob er nur in seiner Phantasie, oder auch in echt stöhnt, ist völlig unerheblich. Die Lust fließt aus seinen Poren und verbindet sich mit ihrer. Mit jedem Stoß lauscht er mit seinem Ohr nahe an ihren Lippen ihrem leisen Stöhnen nach.

Immer schwerer fällt ihm das Atmen, die schnelllebige Welt da draußen hat er aus seinem Gedächtnis gestrichen, seine Welt dreht sich schneller. Berauscht von ihrem Meer der Sehnsucht entlädt er sich in ihr, um sie zu stillen und um gemeinsam mit ihr in die Weiten der Ewigkeit zu treiben. Langsam wird er müde, doch er lässt sie nicht los, im Gegenteil, er krallt sich noch fester, denn zu groß ist seine Angst, dass jetzt, wo er seine Begierde genährt hat, seine geliebte Phantasie, sie, mit einem mal verschwindet. Während er sie fest umklammert schläft er in den salzigen Spuren ihrer Leidenschaft behutsam ein. Eine Hand streichelt durch sein Haar und der Wind imitiert ihren Atem. Das erste mal kann er beruhigt einschlafen, denn er ist angekommen, endlich angekommen.

Dreißig Stunden, Ende offen.

Würde mich nicht als müde beschreiben. Eher als betrunken. Nein, ich habe keinen Alkohol getrunken. Ich bin einfach nur seit 30 Stunden wach. Naja, nicht ganz. Irgendwann gestern Nachmittag habe ich ne Stunde gedöselt, wollte wenigstens ein wenig auf den Nachtdienst vorbereitet sein. Und mir war klar, dass ich heute so müde sein würde, dass ich entweder der Ohnmacht nahe ins Bett falle, oder mit lauter Musik auf den Ohren abdrehe. Interessant, dass es letzteres wurde, manchmal weiß ich nicht, woher die Energie kommt. Und mein Verstand fühlt sich messerscharf an, ist aber vermutlich genauso weitreichend, wie der einer Fliege. Aber die Hemmschwelle sinkt – wie bei betrunkenen. Aber keine Sorge, das sage ich mir selbst, ich plaudere keine Geheimnisse aus. Zumindest nicht mehr als sonst. Ich weiß, dass es reicht, wenn ich dir hier schreibe: wenn du meine Gedanken fühlen könntest, dann… Ja, das genügt völlig. Wobei ich nun für deine Gedanken nicht verantwortlich bin. Es sind deine Phantasien. Und ich fühle deine Gedanken. Lass mich dir einen guten Rat geben: Leg noch ein, zwei drauf, dann treffen unsere Gedanken aufeinander. Bis dahin, Kuss.

© Amy Herzog

Weg

Wer den einen Weg geht
nimmt bei der Hand
die Melancholie
weil der andere Weg
verwehrt bleibt
die Phantasie
treibt an

© Amy Herzog

Eine Phantasie…

 

Der Augenblick steht neben mir,
von dort aus kann ich alles sehen,
wie meine Phantasie mir dir,
wo wir an alle Grenzen gehen.

Die Grenzen schweben über mir,
doch drücken sie mich hier nicht ein,
dort oben kann ich sehen – wir,
sind auf den Wolken nicht allein.

Dort in den Wolken seh‘ ich dich,
uns schauen nur die Sterne zu,
die Phantasie begleitet mich,
und gibt in deinen Armen Ruh‘.

Ein Kuss beendet unser Stück,
ein Blick in deine Augen reicht,
zwei Lippen fallen schon zurück,
dort wo der Traum mit dir entweicht.

 

© Amy Herzog

Wortkuss…


© Amy Herzog

Sinnenrausch…

Wollüstig glühende Phantasie,
dem Sinnenrausch verfallen.
Entfacht ist sie, die Magie,
die lässt prickelndes Verspüren.
Intensiviertes Verlangen,
nach der Melodie, die eine,
um Befriedigung zu erlangen.

© Amy Herzog

Schenket die Freiheit

Lasset mich einfach endlich geh’n,
so lasset mich nass im Regen steh’n.
Macht dass es aufhört, das Rauschen der Wellen,
werfet mich aus diesen düstren Zellen.

Schenkt Ihr die Freiheit, verneige ich mich,
lasset mich ziehen, im Kusse mit Euch.
Nie wieder werdet Ihr an mich denken,
ganz so als sei ich nie da gewesen.

Es schmerzt, es reißt, Ihr seid so nah,
genießt es doch immer noch so wahr.
So gebt es doch einfach endlich auf,
dann findet Ihr andere Seelen auch.

© Amy Herzog