Narben

eine Nacht

Liege dir wieder viel zu offen
für eine Nacht
verbindest alte Narben
wie Punkte
damit du mich lesen kannst
säst frische Wunden
mit dem selben Bleistift
und radierst den Tagesanbruch aus

Mit bloßer Hand
die rote Haut
und lässt ein Kribbeln in mir
wie Hämatome
die ich zählen kann
wenn du die nasskalte Sehnsucht
meinem Schmerz überlässt

© Amy Herzog

Ein letzter Kuss

bei der Obduktion
findet sich vielleicht noch ein wenig Herz
das sich zu spenden lohnt
und Haut
für neue Narben
überall wieder neue Narben
die blauen Augen möchte niemand haben
sie haben zu viel gesehen
und während ich im Wartezimmer darauf wette
nur um mich selbst zu verlieren
verrottet im Sarg etwas
woran ich mich festhalten muss
und hätte ich noch einen letzten Atemzug frei
würde ich dich küssen

© Amy Herzog

Narben…

Und dann beginne ich zu zählen
Die Narben, die mich immer quälen
Suche ihren Sinn und Zweck
Wünsche mir den Weg zurück

Zählen macht mich immer müde
Die Narben nicht mal alle finde
Kann mich nur darin verlieren
Gedanken wagen einzufrieren

Der Sinn verschwand einst mit der Zeit
Die kleine Träne noch verweilt
Wo war nur meine Menschlichkeit
Die Wunden gingen viel zu weit

Die Klinge, sie war nicht mein Freund
Die Freiheit hat sie mir geraubt
Doch werd‘ ich stark auch mit den Tränen
Sie mich am Ende nicht verletzen

Schreite weiter durch mein Leben
Viel hat es mir doch noch zu geben
Die Narben erfüllen keinen Zweck
Ich tanz‘ mit Tränen, aber nicht zurück

© Amy Herzog

Inspiriert von ‚Zerbrochene Spiegel‘

Liebe – Lüge…

Des weg des Lichts
wo Schatten schläft
so schau
und suche Farben.

Lausche still
es knirscht, es klirrt
die Haut
zerbricht für Narben.

Sieh her, sieh tief
so Mühe dich
die Augen sehen
Liebe.

Reiche dir
die Kerze an
auf dass verblasst
die Lüge.

© Amy Herzog