Schatten

Halten

Der Schmerz in deinen Augen
strömte mir entgegen
und darin lag deine große
flehende – doch sterbende Welt
sodann strömte aus meinen
für dich das flüssiges Gestein
und da im Schatten unter dem Fels
wirf nur deinen Anker in See
und ich werde dich halten
in meiner heilen Welt

© Amy Herzog

Fundament

Es sind die banalen Fragen,
die ich mit Kreide unter meine Haut schreibe.
Sie tragen das Ungewisse, den Geist,
das Unerwiderte, die Schwere,
das unter Eis verschlossene,
die Melancholie.

Da draußen
trägst du die Sonne mit dir herum,
aber das ist Fassade. Komisch,
dass sie nach all den Jahrzehnten
noch nicht bröckelt.

Eigentlich sollte das abschrecken.
Tut es das? Schließlich schleife
ich deinen Schatten wie eine Leiche
hinter mir her.

Hätte ich keine Angst vor dem Regen,
würde ich dich mit ein, zwei dicken Steinen
beschweren und dich ins Meer werfen.
Und deine Sonne würde ich behalten,
um mich endlich in dir zu wärmen.

Aber dann würde es regnen.
Und meine Kreide gemeinsam
mit dir ertrinken.

Und mit dir mein Fundament.

© Amy Herzog

Dein inneres Kind

Im Zweifel meiner Neugier
bist du ein Schatten
auf der Suche nach dem Licht
das dich besser sieht
als du dich selbst

So flieht dein Leib
das innere Kind
weil große, starke Männer
nun mal nicht so sind

Und bleibt dir nur ein Wort
keine Schulter, kein Schoß, kein Weib
nein, dein Leib bleibt Schatten
und Sehnsucht, die bis an’s zähe Ende
an deiner wunden Seele reibt

© Amy Herzog

Einmal noch (immer)

Immer einmal noch
folge auf leisen Schritten
von Freude bis Gelitten
durch die Nacht

Amnesiegetränkte Worte
zeichnen deinen Schatten
im Vollmondlicht
Windig ist die Nacht
trägt Flüstern in Orte
denen ich glaubte
doch sie hielten mich nicht

Verloren an der Gabelung
dunkellinks, dunkelrechts
renne wieder zurück
und ende
(wieder)
im Nichts

© Amy Herzog

Bühne hinter Gittern

Meine Bühne hinter Gittern
würde noch zittern
wär‘ ich’s nicht schon längst gewohnt

Der Sommer küsst
und so müsst ich’s erwidern
hinter Lächeln, hinter Liedern
geht mir der Atem aus

Schatten Winter ist allein
stürme, kreische, krieche, Schlaf
wart‘ ich träum dir nach
allein

Meine Bühne hinter Gittern
würde verbittern
wär‘ ich’s nicht schon längst gewohnt

© Amy Herzog

Angst.

Ich habe Angst
Angst
davor zu funktionieren
und dabei meinen Schatten
den so geliebten
zu verlieren

Ich habe weiter Angst
Angst davor
dass mich keiner hält
und dabei noch zu lachen
während mein wahres
Ich langsam fällt

Ich habe Angst
Angst täglich zu leben
wo kein Halt und kein Versteck
noch den Sinn des Lebens
mir vergeben

Ich hab nur Angst
immer Angst
ohne meinen Schatten
gibt er doch die Dunkelheit
die wir nicht wirklich
mit uns hatten

Angst
ich habe Angst
als Licht zu funktionieren
doch ohne eine Quelle
mein Leben lang
zu frieren

 

 

© Amy Herzog

Eule & Baum… (2/3)

Du bist mein Baum in allen Zeiten,
im Stamm ein großes Herz geschnitzt,
umgeben von gar tausend Blättern,
in Wärme, die mein Kleid beschützt.

Du bist mein Baum in allen Zeiten,
vom Regen bis zum Sonnenschein,
die deine Eule schläft im Schatten,
und fühlt sich dort nicht mehr allein.

Du bist mein Baum in allen Zeiten,
bei Tag und auch im schönsten Traum,
denn du bist, der mein Herz bewegt,
und so bleib ich bei meinem Baum.

© Amy Herzog

Deutlichkeit..

So deutlich sehe ich’s im Worte,
noch deutlicher in Einsamkeit,
verschlägt es mich an tausend Orte,
als fehlt in aller Eil‘ die Zeit.

So deutlich spüre ich’s im Kusse,
ein Lächeln aus dem Herz befreit,
die Ewigkeit im warmen Flusse,
im Schatten jener Zweisamkeit.

So deutlich höre ich’s im Winter,
im Schweigen der Unendlichkeit,
und blicke ich nur kurz dahinter,
durchfährt mich in der Dunkelheit.

So deutlich seh‘ ich’s im Gesichte,
wie eine Wahrheit längst gesehen,
und schreibt es Klarheit in Gedichte,
wird am End‘ das Glück geschehen.

© Amy Herzog

Mit dir..

Mit dir gemeinsam kann ich atmen,
wo unser Wind nur schweigsam weht,
so fließt die Wärme durch die Meere,
auch wenn der Weg durch Wüsten geht.

Nicht zu ermessen sind die Worte,
selbst wenn es aus der Tiefe spricht,
am Grund des Meers zu verborgen,
doch findet sich selbst dort noch Licht.

Mit dir gemeinsam kann ich sehen,
ein Lächeln scheucht die Schatten fort,
und wenn wir durch die Wüsten gehen,
dann schweigend zwar, doch bleiben dort.

© Amy Herzog

Ein Bild…

Dunkel war die Nacht, zu dunkel,
verlor ich langsam dein Gesicht,
ein Bild, vergilbt an allen Ecken,
verlor ich dich, mein helles Licht.

Kalt war die Nacht, so zitternd kalt,
zu laut die Stimmen schallten dort,
die Gassen nass, die Pfützen schwarz,
selbst noch am Tag die Sonne fort.

Allein die Nacht, in Einsamkeit,
als fraß ein Schatten jedes Licht,
ein Bild, vergilbt an allen Ecken,
doch lebt es hier, in dem Gedicht.

© Amy Herzog

Schatten meiner Selbst…

Rain

Dort oben war Licht und Liebe,
Kein Regen konnte je das Fühlen,
Zerstören, in sich begraben, fressen,
All das Licht vom Himmel verlassen.

Doch da waren sie, die Zerstörer,
Sie besetzten meine Seele schwer,
Nahmen mich in ihren Besitz, dunkel,
Ganz und gar wurden sie der Herr.

Aus dunklen Wolken bin ich gefallen,
Krallen Geister in mein übriges Sein,
Klein getreten und seelenlos vergessen,
Ergötzen sie sich am letzten Schein.

Nur noch ein Schatten meiner Selbst,
Redet neben verregneten Straßen daher,
Sie, die ich einst mal aus der Ferne,
Verehrte, sie ist weg, wer bin ich, wer?

© Amy Herzog

Im Abgrund…

 

Im Abgrund

Der Schattenwelt

Kalt verlassener Seelen

Warten hoffnungslos

Leere schwarze Hüllen

Auf ewiges schweben

Und doch schreien

Die zarten Seelen

Gegen ihre Hüllen

Leise an:

„Gib nicht auf!“

Wir können gemeinsam

Leben!

© Amy Herzog

Liebe – Lüge…

Des weg des Lichts
wo Schatten schläft
so schau
und suche Farben.

Lausche still
es knirscht, es klirrt
die Haut
zerbricht für Narben.

Sieh her, sieh tief
so Mühe dich
die Augen sehen
Liebe.

Reiche dir
die Kerze an
auf dass verblasst
die Lüge.

© Amy Herzog

Tanzende Schatten…

Sanft streichelnde Schatten
Spiegeln sich an der Wand
Wandern hoch und hinab
Scheinen beinah eingebrannt

So stark sie auch sind
So sind sie auch fern
Bleiben einsam geheim
Hinterlassen keinen Lärm

Diese Schatten sind alles
Von Wahrheit zur Illusion
Was sie auch tun die armen
Teufel erhalten keinen Lohn

Erhaben von unendlicher Macht
Tanzen sie Machtvoll so weit
Spielen Schein für Unwissende
Tanzen geheim voll Einsamkeit

Doch ist ihr Sein so begrenzt
Mag ihr tun noch unendlich sein
An Wänden können sie handeln
Alles andere bleibt für immer Schein

© Amy Herzog

Seele…

Seele in matten
Farben, getrieben
verfolgt vom
Todesschatten.
Funkenhelles Gut
des dunkelbösen,
verbleibt verdammt,
ewig vom venösen
Blut.

© Amy Herzog

Lebenssaft…

Das Wesen in ihr längst erwacht,
es wandelt still von Nacht zu Nacht,
für Menschen eine Maskerade,
bleibt es stets die Namenlose.

Schatten ist ihr Tageslicht,
Worte nutzt sie mit bedacht,
schweigen ihre Muttersprache,
niemand weiß was sie gebrauche.

Energie durchzieht den Körper,
Begierde schon von weitem hörbar,
nähert sich, der Puls erschnellt,
das ist das was sie gewollt,

Leidenschaftlich wird geschnitten,
schon benetzt es ihre Lippen,
süßlich, warm und hoch erfreut,
trinkt sie das so heilige Blut!

© Amy Herzog

Liege nur da…

Hellwach, mit weit geöffneten Augen,
starr blickend in die Dunkelheit.
Auf der Suche nach kleinen Schatten.
Mustere die Wände, wie sich an ihnen
die Bilder des Lichts spiegeln.
Der starke, kalte Wind stößt hinein,
pfeift durch jede kleine Öffnung.
Streichelt sanft meine Haut, ehe er verfliegt.
So mächtig, stirbt. Fühllose Gedanken
kreisen umher, ohne je gedacht zu sein.
Warte nur daliegend auf den Anbruch des neuen
Tages. Kalt. Gestärkt. Mit Energie gebaute Mauern
sind bereit. Mit zufriedenem Lächeln sage ich,

es ist schwer…

© Amy Herzog

Schattenmädchen…

Im dunkeln geht sie durch die Gassen,
fernab all dieser Menschenmassen,
gehüllt in schlichtes, schwarzes Kleid,
fast unsichtbar diese Schönheit.

Haut so blass im Schein der Laternen,
ein Lächeln auch auf Ihren Lippen,
verborgen bleibt das innere Feuer,
genauso auch das Ungeheuer.

Niemand wagt sich in die Nähe,
verirrt sich nur mal eine Krähe,
ein Mensch schon auch mal hier und da,
nur selten bleibt dieser auch nah.

Das Ungeheuer, so gut verborgen,
lässt alles um sich rum verdorben,
mit Eifer ist es stets dabei,
schlägt alles hier und da zu Brei.

Doch denkt man nun, oh böses Mädchen,
so lest nochmal was oben steht,
im Schatten lebt sie Nacht für Nacht,
nur ganz allein sie immer lacht.

Versucht sie immer all zu oft,
warten, hofft und hofft und hofft,
dass eines Tages eines kommt,
ein Jemand, der nicht davon mehr rennt.

Verdammt nun wandelt sie umher,
von Ort zu Ort, es schmerzt zu sehr,
der Weg wie weit er mag noch sein,
wann fürt sie jemand ins Licht hinein.

So bös‘ will sie doch gar nicht sein,
es ist doch nur das in ihr Schein,
es lebt im Schatten immer zu,
kein weitres Ungeheuer kommt hinzu.

Suchend wandelt sie Nacht für Nacht,
führt gegen Menschen zu viel Schlacht,
auf dass es irgendwann erscheint,
das Menschelein, das stehen bleibt.

© Amy Herzog