Wunden

Seine Angst vor dem Feuer

Es sind immer Meer
Lügen
als nötig und mehr
Wunden
als angegeben
und weil
er sie zu viel
wollte mussten sie aufs
offene Meer
um mit dem Feuer
zu spielen

© Amy Herzog

eine Nacht

Liege dir wieder viel zu offen
für eine Nacht
verbindest alte Narben
wie Punkte
damit du mich lesen kannst
säst frische Wunden
mit dem selben Bleistift
und radierst den Tagesanbruch aus

Mit bloßer Hand
die rote Haut
und lässt ein Kribbeln in mir
wie Hämatome
die ich zählen kann
wenn du die nasskalte Sehnsucht
meinem Schmerz überlässt

© Amy Herzog

Adieu

So falsch, ich fremder Geist
und Seiltanz schweigt
schwappt hin und her und über
wie letzte Nacht ertrunken
(füge deine Nähe in mich ein)
wie den Abklatsch meiner Wunden
schließen diese Wellen
schlagend, zehrendes Gefäß
Dasein sucht den Sinn-
gemäß und frisst sich selbst
am stillen Grund

Adieu

© Amy Herzog

Jäger

Der Hahn kräht nicht
und ich verschlafe das Leben
was könnt’s mir auch schon geben
nur den Jäger in meiner Brust
mit gespanntem Bogen
sobald ich die Augen öffne
weil ich ein Märchen ersehne
während ich im Traum
Wunde um Wunde vernähe
mein Herz, der Hahn
ich jage ihn mit eigenem Wahn
und warte noch auf Leben

© Amy Herzog

Schmetterlinge
die silbenlos sterben
hinterlassen unsichtbare 
 - tiefste Wunden
und ein Lächeln aus Cyanid...

© Amy Herzog

fehlen.

man könnt‘ fast sagen
es fehlt mir
doch dann bin ich erstarrt
mit jedem wort und jeder luft
in mir nur stumm
verharrt

so fehlt es mir dann
keiner zeigt
das wort nur weiter
heiter schweigt

verdreht die welt in meinem kopf
verbinde ich den tränenzopf

ganz stramm im winkel
zu dem munde
deckt sodann die seelenwunde
stets mein lächeln ab

 

© Amy Herzog

Nur wir.

Wir sitzen hier in deiner Wohnung,
und neben uns steht ein Klavier,
ich spiele dir noch ein paar Lieder,
dann trinken wir bis Abends Bier.

Draußen rauschen noch die Autos,
doch wird es Nachts allein bei dir,
in Gedanken entflammen die Kerzen,
hier sind wir nur, hier sind wir nur wir.

Ein Blick hier, und ein Wort dort,
wo nur das ist, was zu uns gehört,
mit kribbelndem Bauch in Sicherheit,
ist nichts mehr hier, was uns noch stört.

Sinnlich duftet es hier nach Verbot,
wir atmen und lieben uns über Stunden,
verdecken einen Moment lang die Herzen,
und die darin so tiefen Wunden.

Keinem werden wir etwas verraten,
wo wir in Luft und Liebe war’n,
wir laben uns an unserem Traum,
und unsere Seelen lachen so warm.

Und wird es uns des Nachts zu heiß,
so machen wie die Fenster auf,
und ist es dann zu schmutzig und laut,
nimmt unser Lied so seinen Lauf.

So schnell wie es begonnen hat,
muss ich zum Morgen wieder Heim,
doch nehme ich das Gefühl mit,
wir zwei sind nie wieder allein.

 

© Amy Herzog

Zerbrochene Seele…

Die Traurigkeit ziert müde Augen,
Weiße Tränen glitzern im Gesicht,
Sie fließen bis zur grauen Erde,
Dort wo auch die kleine Seele ist.

Die Seele schläft so Kraftgeraubt,
In ihrem Innern spiegeln die Tränen,
Von außen sieht man nur ergraute,
Träume ermüdet zerbrochen spielen.

Die Scherben wüten und toben laut,
Sie nähern sich den letzten Stunden,
Bald schon werden sie auch schlafen,
Und Erliegen ihren zu großen Wunden.

© Amy Herzog

Erhaltungsschmerz…

Kraftlos sitze ich nur da
Und ertrage die Schmerzen
In tief gehegter Hoffnung
Dass sie nie verblassen

Wie könnte ich Leben
Ohne den süßen Schmerz
Was hätte es dann noch
Mein blutkrankes Herz

Reiße die Wunden
Tag für Tag auf
Denke an alles
Im großen Hauf

Verdammt zu wandeln
Auf dem schmalen Grat
Zwischen Leben und Tod
Ohne jede Tat

© Amy Herzog