wahnsinn

Still

Einsamkeit fällt
am Rande des Rahmens
in meinen Wahnsinn
und bezieht die Nacht neu
unbarmherzig infiltriertes Malignom
du liegst mir auf der Zunge
und wärmst
was abkühlen soll
blute dich
aus meinen dunklen Träumen
damit ich endlich
Badewasser schmecke
sehnsuchtsstill

© Amy Herzog

Tänzeln (Drabble Dienstag)

Drabble-Dienstag mit Lyrix. Ein Drabble besteht aus genau einhundert Worten, in denen drei Worte vorkommen müssen. An diesem Drabble-Dienstag sind es die Worte: Brücke, Spirale, Schmunzeln

Tänzeln

Zwischen Realität und Wahnsinn tänzelt sie, dreht sich in einer Abwärtsspirale, bis es dunkler wird. Äußerlich legt sie einen gusseisernen Kanaldeckel auf ihre innere Kloake und hofft, dass es nicht stinkt, während sie Fremden freundlich schmunzelt und winkt. Auf ihrem langen Weg nach Hause, von dem sie nicht weiß, wo das ist, geht sie bei Sonnenuntergang über eine menschenleere Brücke. Stundenlang balanciert sie über die Brüstung, unter ihr der eklatante Abgrund, der das Ende zeichnet, durch ihr Haar streichelt Wind. Sie liebt ihn hingebungsvoll und weiß, dass er sie irgendwann in eine Richtung mitnehmen würde. Solange tänzelt sie mit ihm.

© Amy Herzog

Gefühlter Wahnsinn…

Aus meiner Feder fließt kein Wort,
der Wahnsinn nur noch tropft,
und ich bin nur ein Schatten dort,
wo ein Gefühl anklopft.

Und ein Gefühl dazu verdammt,
im Schatten nur zu schweigen,
kein Wort aus dieser Feder stammt,
der Wahnsinn muss es zeigen.

Der Wahnsinn suchet etwas Mut,
und klopft sich an dich ran,
er zeigt dir welch Gefühl er trägt,
und hofft, es kommt auch an.

 

© Amy Herzog

Falsches weißes Kleid…

Traurigkeit wie eine Droge,
konsumiert im Alltagsleid,
tränen fließen innerlich,
unterm reinen weißen Kleid.

Verschluckt ist die Realität,
auf der Bühne das Gefängnis,
berauschtes Lächeln flieht,
wird dem Traum zum Verhängnis.

Der Wahnsinn ist erfunden,
quatscht locker mit Sarkasmus,
und tanzt im falschen Kleid,
im Rausch neben dem Rhythmus.

© Amy Herzog

Wahnsinn…


Das Fenster ist verstaubt

Der Verstand bleibt geraubt

Die Realität glänzt verzerrt

Und der Schatten vermehrt

 

Das kleine Kartenhaus zerfällt

Ein Hund draußen laut bellt

Das Gehör dahinter verstummt

Der Wahnsinn leise summt

 

Die Kämpfe gehen verloren

Die Gefühle sie zerbohren

Eine kleine Seele voll Löcher

Springt betäubt über Dächer

 

Kühle Winde leise wehen

Seifenblasen können sehen

Spiegeln den harten Sturz

Das Glück war nur zu kurz



© Amy Herzog