Mut

irgendwie

Damit ich aus deinem Sichtfeld
verschwinde
legst du mich in eine Kiste
gleich neben den Satz
den du dich nicht auszusprechen traust
und verschlingst den Schlüssel
weil du Angst davor hast
dass es irgendwann weh tut
aber in deinem Bauch
bleibt es warm

© Amy Herzog

tatentragen

wie groß meine
angst
war wusste ich
immer gestern und tat es
heute
und wie viel
schmerz
ich ertragen kann
werde ich immer erst morgen
wissen

© Amy Herzog

geöffnet.

wann war ich
das letzte mal wirklich
nah, mutig,
körper, geist und seele
in fremden händen
offen, offen,
offen hingegeben?

ohne diese selbstsabotage,
in der ich mir einrede
[ … ] und dann flüchte.

wann warst du
das letzte mal mutig?
in der tiefe.

wann haben wir das letzte mal
all die gründe, die wir (selbstverständlich)
finden überhört, ignoriert
für so ein viel zu menschliches
vollkommen fehlerhaftes individuum

und die 99,9% wahrscheinlichkeit
dass das herz gebrochen wird
ein neues trauma dein fleisch frisst
in jeder handlung
und all die alten wunden
geöffnet

wann waren wir das letzte mal offen
wirklich offen ineinander
und haben diese angst geteilt
waren ehrlich und haben
(um etwas neues zu probieren)
diese angst zurückgelassen?

© Amy Herzog

Zufall

Es wird mir nicht überdrüssig und alles andere blende ich geschickt aus. Damit erfinde ich noch lange das Rad nicht neu, im Gegenteil, die Gummierung hat sich längst auf den Straßen verloren. Aber selbst auf kreischenden Felgen finde ich noch den Weg. Meine Briefe haben gewiss die Welt mehrfach umrundet, aber ich überlasse es dem Zufall, obwohl, oder gerade weil es mir die größte Herzensangelegenheit ist. Ich rede mir ein nicht zu wissen was schmerzhafter wäre, aber ich glaube mir nicht. Ich denke das beste wird sein bis in die Sterne zu warten. Im Schwebezustand erträgt es sich leichter. Und wenn ich dann immer noch den Weg finde, dann erfinde ich das Rad neu. Bis dahin blende ich die Dinge geschickt aus, und zähle die Weltumrundungen in zufälligen Zahlen.

© Amy Herzog

Ersehnt

Ich traue mich nicht
dich zu brauchen
und dann erscheint mir dein Wort
ein banales, doch mein verwundetes
Herz springt mit letzter Kraft auf

Dann verschlinge ich es
wieder und wieder
so wie der Wind für mich singt
doch es bleibt nur ein kleiner Augenblick
der mir die Einsamkeit nimmt

Es ist eine schwere Geschichte
die du niemals kennst
und irgendwann kommt wieder ein Wort
das wie immer lang – von mir ersehnt
und ich traue mich nicht, dich zu brauchen
hab’s auch diesmal nicht erwähnt

© Amy Herzog

eine träne der erinnerung

alles ist anders
ruhiger – ruhe ist gut
das reden wir uns ein
wir haben platz
gefunden

erinnerung
ist ein wertvolles gut
damals brauchten wir mut
und selbst wenn wir’s nicht wussten
wir haben ihn gefunden

nun haben wir platz
unseren ganz persönlichen
der uns ewig erhalten bleibt
schön, ruhig und sicher
der mut kann geh’n

und die sehnsucht
wenn wir tief in der nacht
zu den sternen blicken
und an szenen denken
die nie gedreht wurden

doch warum nicht
warum tauschten wir diesen
aufregend wunderbaren mut
gegen ruhe – damals richtig
heute ist sie zu ruhig

und wir haben gelernt
dass sehnsucht nur noch
wenn verantwortung schläft
ein stern hoch oben trägt
schwebend und ruhig

das schönste auf der welt
in einer kleinen träne
der erinnerung

© Amy Herzog

Nur das Meer kennt…

Nur das Meer kennt meine Tränen,
wenn die Flut mich überrollt,
in schwarzer Tiefe liegt die Wahrheit,
wenn ich doch daran glauben sollt.

Nur das Meer kennt meine Stimme,
wie sie zu oft einfach schweigt,
und tief verborgen liegt mein Kämpfer,
wenn die Angst im Innern steigt.

Nur das Meer kennt meine Sehnsucht,
und sie spricht durch diese Flut,
bis sich irgendwann die Schwärze,
glänzend zeigt, so wird es gut.

© Amy Herzog

Gefühlter Wahnsinn…

Aus meiner Feder fließt kein Wort,
der Wahnsinn nur noch tropft,
und ich bin nur ein Schatten dort,
wo ein Gefühl anklopft.

Und ein Gefühl dazu verdammt,
im Schatten nur zu schweigen,
kein Wort aus dieser Feder stammt,
der Wahnsinn muss es zeigen.

Der Wahnsinn suchet etwas Mut,
und klopft sich an dich ran,
er zeigt dir welch Gefühl er trägt,
und hofft, es kommt auch an.

 

© Amy Herzog

Ein wahres Wort. :)

Was mir fehlt,
ist hier ein wahres Wort,
denn weder hier,
noch sonst wo drüben dort,
steht im Hirn,
ein kleines Päckchen Mut,
das mir dann sagt,
am Ende wird’s doch gut.

Ich könnt sagen,
das ist manchmal ein Fluch,
denn mein Kopf,
so voll wie Buch für Buch,
und,… ach pssst,
man soll’s ja auch nicht sehen,
denn sonst könnt‘,
noch wer hier was verstehen.

Sagen wir,
es bleibt einfach geheim,
und das ist,
wie soll’s denn sein – gemein,
denn was hier fehlt,
ist nicht das wahre Wort,
in Wahrheit ist’s,
der Mut im Päckchen dort.

 

© Amy Herzog

Schlückchen Mut…

So viele Worte schrieb ich dir,
viel mehr als uns der Duden gab,
nur ein paar Worte schrieb ich nicht,
der Herrgott weiß woran es lag.

Der Wunsch nach diesen Worten bleibt,
doch finde ich sie bei uns nicht,
die Steine, die dort liegen noch,
versperren uns weiter die Sicht.

Vielleicht fehlt nur ein wenig Licht,
oder vielleicht ein Schlückchen Mut,
wir trinken einfach durch die Nacht,
der Rest wird von allein dann gut.

 

© Amy Herzog

Vertrauen…

Ein wenig Fluss den Berg hinab,
der Weg, er scheint zu weit,
doch ist der Traum viel näher als,
das Ende unserer Zeit.

Am Wegrand duftet es nach grün,
im Gras, dort liegt der Mut,
pflücken wir so viel wir brauchen,
der Rest, er wird schon gut.

Wir geben unsere Herzen frei,
so unhandlich sie sind,
vertrauen wir dem Schicksal mit,
dem Glück vom tragend Wind.

 

© Amy Herzog

Spuren im Sand…

Gemeinsam gehen wir Hand in Hand,
entlang am langen schneeweißen Strand,
hinterlassen leise unsere kleinen Spuren,
nach denen wir beide nie wieder suchen.

Wir blicken lächelnd zum schaumigen Meer,
es stürmt, doch das stört gerade nicht sehr,
der Schwimmring um uns, im knalligen blau,
Wolken verschwinden die einst waren grau.

Gemeinsam fliegen wir mit Wind und Wellen,
zum Himmel und verlieren all unsere Dellen,
jetzt sind wir furchtlos und voller Mut,
in den blau gefärbten Wolken wird alles gut.

Was auch immer nun sei irgendjemandes Wille,
oben in den Wolken gibt es keine Windstille,
erst wenn wir sinken zum staubigen Land,
erst dann erinnern nur noch die Spuren im Sand.

 

© Amy Herzog