Lügen

blickdicht

Der Abend zerfällt
unter dem üblen Nachgeschmack
schlecht gewordener Lügen
statt von dir zu Träumen
atme ich den Durst
in den nächsten kalten Winter
und ziehe den Vorhang
meiner Augenfenster blickdicht

© Amy Herzog

Seine Angst vor dem Feuer

Es sind immer Meer
Lügen
als nötig und mehr
Wunden
als angegeben
und weil
er sie zu viel
wollte mussten sie aufs
offene Meer
um mit dem Feuer
zu spielen

© Amy Herzog

profiling

Das fragile Kartenhaus
unberührt
aber
ich blicke tief
schnell
hinter die süßen Lügen
und schweige
denn der Mensch erzählt
seine Geschichte
immer

© Amy Herzog

lache das Ende ein

Meine Haut
dünn
wie Papier
entzündet mit jedem Funken
Hoffnung
doch
nur ein Ölbrand
aus Lügen
egal
und etwas Charme
ich vergesse zu denken
aber zucke noch
gelassen mit den Schultern
dabei lache ich
mein Ende
ein
bevor es begonnen hat
– ich weiß.

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: zum verzweifeln

Ich verzweifle ziemlich an der Kommunikation mit anderen Menschen. Genauer geht es mir hier um die Menge und zweitrangig auch um den Inhalt. Es ist mir noch nie passiert, obwohl ich grundsätzlich darauf hinweise, dass man mir sagt, wann ich zu viel oder zu wenig rede/erzähle/schreibe. (Nur das ich ständig ins Wort falle oder Menschen nicht ausreden lasse, das wird mir ab und zu gesagt) Und für mich da auf ein angemessenes Maß zu kommen, ist nahezu unmöglich, denn jeder Mensch definiert dieses „normal“ für sich anders. Nun kommunizieren die Menschen das aber nicht, nein, ich sollte das intuitiv wissen. Einen Scheiß weiß ich. Ja, mich macht das wütend. Weil es so leicht wäre, diese Barriere etwas zu erleichtern, indem man mir sagt, wie die Kommunikation angenehm empfunden wird.

Nun arbeite ich gerade daran, keine Fragen zu beantworten, wenn danach nicht gefragt wurde. Sprich: frei erzählen. Ich merke aber, dass auch das nicht gut zu sein scheint und es wirkt wohl desinteressiert, wenn man nicht frei erzählt (oder auch auf Fragen nur knapp antwortet). Dann ist man wütend (oder irgendwas) auf mich, obwohl ich gar nicht weiß, was ich überhaupt mache. Diese Direktheit/Ehrlichkeit ist aber auch nicht gut, selbst wenn ich sie versuche so emphatisch wie möglich zu verpacken. Da verstricke ich mich in Gedanken, zerdenke jedes Wort mehrfach und das, was dann dabei herauskommt, scheint auch oft falsch zu sein.

Ich bin im Grunde an einem Punkt, an dem ich gar nicht mehr mag, mit Menschen zu reden, weil man es ihnen ohnehin nicht recht machen kann. Was zu viel oder zu wenig ist begreife ich nicht. ‚Sag mir einfach was du hören willst, dann sage ich es dir.‘ Das scheint mir die leichteste Variante zu sein. Die ist aber auch nicht gut. Außerdem habe ich darauf keine Lust. Es kann doch nicht so schwer sein, direkt zu kommunizieren, was einem nicht passt. Das vermeidet Missverständnisse und man kann einen Mittelweg finden, den beide Kommunikationspartner gut finden (oder eben nicht).

Zweitrangig kommt dann noch zu viel oder zu wenig Information hinzu. Seien es nun persönliche oder nicht persönliche. Fragen werden nur extrem selten präzise gestellt und ich weiß kaum, was ich antworten soll. Das ist wie die Frage „wie geht’s dir?“ Ich kann sagen „gut“, oder einen zweistündigen Monolog halten.

Was aber auch noch etwas ist, das mich wütend stimmt. Menschen sind oftmals so verlogene Viecher. Sie erzählen keine Wahrheit und wollen keine Wahrheit hören. Wozu dann überhaupt reden? Ja, ich bin wirklich an einem Punkt, an dem ich mit niemandem mehr reden will, dieses ganze zwischenmenschliche ist das Kraftraubendste überhaupt. Ganz egal wie viel ich darüber lese und stets versuche korrekt (UND in meinem Sinne) zu reagieren, am Ende bleibt es individuell und ich mache gefühlt alles falsch. Den Quatsch kann ich mir sparen.

Heute will ich lügen

Heute aber ziehe ich die Lüge vor
denn mir gefällt die Sonne
und es tut nicht weh
sie auf meinem Lächeln zu spüren
und der warme Sommerwind
lässt mich schweben
schweigen, fließen und genießen
ja, heute will ich lügen
es tut nicht weh

© Amy Herzog

Verborgene Wahrheit (Drabble-Dienstag)

Drabble-Dienstag mit Lyrix. (Ja es ist Montag). Ein Drabble besteht aus 100 Worten, 3 Worte sind vorgegeben: Schiff, Masken, Flammen.

Verborgene Wahrheit

Masken aus bunten Lügen lege ich auf mein Gesicht, auf jedes Wort, nähe sie fest, bis diese Sturmflut vorbei ist. Und ich spüre, wie ich beginne, die Verlogenste zu glauben, während alles andere mit dem Schiff versinkt. Es scheint fast wie ein Schatz, den irgendwer, irgendwann mit größter Mühe aus der Tiefe hebt. Irgendwo in dieser Zukunft, die nah oder fern sein kann. Für einen Moment schreckt mich dieser Gedanke so sehr ab, dass ich diesen Schatz in Flammen sehen möchte. Aber ich glaube nicht daran, dass jemals Jemand den Meeresgrund erreicht. Diese Lüge lässt die verlogenste Maske kurz lächeln.

Der stumme Wunsch…


© Amy Herzog   

Zitat: Lügen

Hüte dich vor den Menschen, die sagen, sie könnten nicht lügen. Denn das ist nur die erste Lüge. 

Blind…

Tränen brennen auf der Wange,
Scherben fallen viel zu laut,
weiß und starr sind meine Wände,
kalter Staub liegt auf der Haut.

Niemand kann das winseln hören,
jeder flieht in seine Welt,
bunte Lichter wahren Scheine,
nur nicht den der wirklich zählt.

Drückt der Staub zur Erde nieder,
überhört den lauten Knall,
Regen nährt das falsche Leben,
und ich reise ins Sternenall.

 

 

© Amy Herzog

Lügen…

Vor dem Träumen denke ich,
heute darfst du nicht lügen,
doch kann dieser Gedanke nur,
mich jede Nacht neu trügen.

Denn wenn der Himmel wartet auf,
den sanften Kuss vom Mond,
dann sehe ich in jedem Stern,
dass du in meinem Herzen wohnst.

Und vor dem letzten Wimpernschlag,
sag ich, und niemand kann hören,
du fehlst mir nicht, zu keiner Zeit,
so beginnt und endet das Lügen.

 

© Amy Herzog

Hinter den Pforten…

Die Realität verirrt sich in Worten,
Verschlossen sind diese starken Pforten,
Regen fließt an dies düsteren Orten,
Ertränkt den einst so grünen Garten.

Stürme verwüsten die bunte Welt,
Schmerzende Stille macht sich so breit,
Hier scheint der Abgrund nicht mehr weit,
Wo ist der Mensch der hier noch schreit.

Ein Blutbad fließt in Liedern heraus,
Draußen leben sie glücklich in Saus und Braus,
Doch tanzen gemeinsam im Schauspielhaus,
Und lenken die Blicke nur stur geradeaus.

Hinter den Pforten verbleibt es still,
Sie alle gehen vorbei, so ganz prinzipiell,
Dahinter ist alles zerfallen, nicht mehr hell,
Dort verendet das, was keiner sehen will.

Jahre vergehen, dem Erdboden gleich,
Verschlungen vom düsteren Lebensteich,
Dann kommt da einer, der „ach so reich“,
Kauft, und spielt fortan ein Glück vorm Besuch.

© Amy H.