Tod

eine Muse war ich nie

Eine Muse war ich
denke ich
nie
und so gebe ich
dir
meine Jungfräulichkeit hin
und trinke Blut aus deinen Händen
wenn du mich am Ende
sterben lässt
oder dich
uns

© Amy Herzog

Meine Enden

Habe meine Enden gesehen, dem Tod persönlich die Hand gereicht, ihn umarmt. Er macht mir keine Angst. Nicht so, wie die Lebenden, diese lebenden, erbarmungslos unterkühlten Wesen, diese Lebenden. Für ihn habe ich die Wohnung geputzt. Habe mich frisiert, die Nägel lackiert. Ja, sogar den Kühlschrank gefüllt. Habe die Sonne ein letztes Mal auf mein Gesicht scheinen lassen und sie genossen. Habe mich von ihr verabschiedet. Und schaute nicht zurück.

Da war keine Trauer, keine Verzweiflung, keine Wut, kein Gefühl, kein Schmerz, ja nicht mal die Liebe. Weder Kälte noch Wärme. Es war völliger Stillstand. Ruhe. Ruhe vor dem Sturm. Kein Ende sollte mein Ende sein. Als hätte der Tod nicht nur das, was ich gesehen hatte, in meinen Augen gesehen, sondern auch das, was ich noch sehen muss, bevor er mir das Ende gewährt. Was ich sehen muss, das weiß ich nicht. Vieles habe ich seither gesehen. Und in meinen Augen kann man es lesen. Eine Bibliothek, die das Mark in den Knochen verbrennt, sobald man sie betritt. Meine Fragen, diese vielen Fragen, sie werden leiser mit der Zeit, mit dem, was ich sehe. Nur was ich noch sehen muss, diese Frage steht oben. Sehen oder Fühlen. Erleben. Wie viele Enden noch. Oder liegt darin ein Anfang?

Es ist nicht der Tod, der mir Angst macht. Es sind die Lebenden und das was ich noch von ihnen sehen muss. Und das, was es noch mit mir machen wird, wie es meine Augen verändern wird, wie sie mir die Pigmente aus den Augen ziehen. Verblassen. Wieder etwas heller sind sie, die Augen. Und die Seele voll Furchen. Ich höre das Lachen, es ist nicht so, dass ich es nicht hören würde. Ich ignoriere es nur schlicht und ergreifend. Und es ist nicht so, dass ich nicht hinschauen würde. Ich schaue nur lieber Richtung Sonne, falls ich mich verabschieden muss, dann von ihr.

– ein paar Tausend Tode gestorben
die Gleichgültigkeit
schmeckt nach vortäuschen einer Straftat
(es hat sich niemand notiert)
– einer ist mir geblieben
und verschweigt die Wahrheit
aber sie duftet nach freudestrahlendem Sprung
aus Vierzigtausend Fuß
ohne Fallschirm

© Amy Herzog

Wenn gestern morgen ist…

Manchmal, wenn ich dran denke,
aber nur wenn auch eine Träne
in die Wunde fließt,
kommt’s mir vor, als wäre es erst gestern gewesen
und wünsche mir dann,
es wäre doch das gestern von morgen

Aber sag mal, sagst du Bescheid,
wenn es soweit ist, wenn es morgen ist?
Denn heute lebe ich nicht.
Sind alle meine Figuren schon tot
und ich sehe nur den Staub.

Und.
Ich ersehne.
Dich. Und.
Dein Wort.

(das weiß nur ich)

© Amy Herzog

Kaltes Herz


Suche nichts, mein Liebster
was nicht gefunden werden kann
kein Kompass ist dein
und die Sternbilder blenden
mein Herz in der Truhe
am Grund des tiefschwarzen
schimmert nur an der Oberfläche
anmutig salzigblautürkis
dein Herz aber muss schweigend still
zwischen den Welten verloren
gehen, leiden, enden
wenn’s mein erkaltetes Herz
schlagend finden will

© Amy Herzog

brachland

in der schwebe
glühender sonne einer seele
verbrannte ihre haut
mit ein paar krümeln tabak
und dem sperma unbedeutender männer
vor denen sie davonrannte

danach
immer danach

der kadaver aber kann noch rotzen
gar dem azrael trotzen
während ausgehungerte nekrophagen
im sturzflug die messer wetzen

zu lieben im brachland aber
gleicht ihren zurückgehaltenen tränen
sie schweigen von wahrheit
tänzeln mit müden knochen um exsikkose

wo losgelassene
nur ihren durst bezwingen
und geigen von
verlogenen illusionen singen

aber leben
immer nur leben

© Amy Herzog

Wölfin

Junge Wölfin schläft
von jeher
tief im Traum
tanzend mit Geliebtem
Tod reißt, zerrt, lehrt
das Lieben, Sex und Blut
jung schleppend, stammelt
sammelt, trinkt vom fahlen Nichts
vermag sie zu wecken
kann sich trunken
voll Sehnen die Lippen lecken
Kopf im Wahn der Stille
Lebenswille kratzt
an deiner Tür rufen gebrochen
nackte Knochen kochen
im eigenen Saft

©  Amy Herzog

Fleisch

fleisch lebt einsam, fleisch wird staub
und rauch bedeckt den vater tod
bin ich noch hier, bist du es
du in mir und ich in dir
eins geworden, eins geblieben
wohin uns Weltenmeere trieben
ohne es zu spüren
uns

tief im Grunde
schweben wir still
seekrank plus verrückt
bin ich einsam doch entzückt
hinter rauch ist alles taub
letztes atmen, kuss und staub
fleisch tropft rot, fleisch lebt
nur einen augenblick, vater tod
und liebt bevor’s vergeht

© Amy Herzog

Was bleibt ist die Kunst

Du warst nicht mehr jung, aber so richtig alt warst du auch nicht. Auf jeden Fall warst du zu jung für das Ende, aber Krebs kennt eben kein Alter. Viel hast du darüber nicht erzählt, höchstens mal beiläufig erwähnt, wie eine kleingedruckte Randnotiz. Wir redeten über Mythen, über Blut und Geschichte und Kunst. Und irgendwann redeten wir nicht über das Ende selbst, sondern über ein Leben im Ende. Und wie es ist, dieses in völliger Einsamkeit zu erleben. Trotz allem warst du der glücklichste Mensch, den ich kennenlernen durfte. Und nach all den vielen Jahren denke ich immer noch beinahe jeden Tag an dich, obwohl ich dich kaum kannte. Ein Künstler warst du, und so wie du es wolltest, lebt deine Kunst weiter. Wenn ich also sage, dass ich noch immer an dich denke, dann denke ich zum Beispiel an dieses große Gemälde, das du geschaffen hast. Vermutlich landete dies nach dem Ausräumen deiner Wohnung in irgendeinem Container. Und wer weiß, bestenfalls wurde daraus ein Blatt Papier, auf das ich morgen schreibe. Oder aber es landete als recyceltes Toilettenpapier in irgendeinem Klärwerk. Manchmal wünschte ich, ich hätte noch eine Fotografie von deinem Gemälde, um es der Welt zu zeigen. Aber es existiert nur noch in meinem Kopf. Und beinahe täglich gehe ich daran vorbei und lasse mich davon überwältigen. Wie grau-grün-schwarz-rot-Töne ineinander verschwimmen und eine starke Gestalt vor dem Ende zeichnen, nackt, als hättest du die Ehrlichkeit und die Wahrheit neu erschaffen. Ein aufrechter Mensch in gebückter Haltung. Ob du dich wohl selbst porträtiert hast? Ein Jammerlappen warst du jedenfalls nie, selbst dann nicht, als der Krebs dich mehr und mehr fraß. Durchlöchert war dein Leib, deine Seele aber schwebte stolz über allem. Und so redeten wir weiter über Kunst, über das Leben und über die Selbstverständlichkeit. Nach einem Sinn hast du nie gesucht, hast ihn nicht gebraucht. Und obwohl wir nie über das Ende selbst geredet haben, so spürte ich, als deine Worte immer mehr wurden, dass es irgendwann mitten im Satz enden würde. Und so war es dann auch. Plötzlich warst du weg. Doch gefehlt hast du mir seither an keinem einzigen Tag. Manch einer fände das töricht, du aber würdest sagen, dass das Leben weiter geht. Und so ist nun auch. Das Leben geht weiter, so wie dein Gemälde weiter lebt. Und es lebt wahrhaftig, wenn ich daran vorbeigehe und kurz innehalte, lebt es mehr als zu deinen Lebzeiten. Ich glaube, damit hättest du leben können. Und ich habe zu danken, dafür, dass ich dich begleiten durfte.

unsichtbar

Dann ist es wie damals
in der hinterletzten Reihe
schreibe täglich deinen Namen
inzwischen ist die Tinte rot
du sitzt da vorn, atmest, lachst und lebst
und ich sitze da mit ner Flinte
und warte auf Bruder Tod

© Amy Herzog

Der stumme Wunsch…


© Amy Herzog   

Seelenschnitt…

Ich atme deine Worte ein,
sie rauben mir die Luft,
erdrosselt liegt die Hoffnung hier,
es raucht des Sterbens Duft.

Tränen die vergossen sind,
nur Blut tropft in den Fluss,
Schatten über Glück sich legt,
versperrt den letzten Kuss.

Tief der blutend Seelenschnitt,
doch nichts gegen den Schmerz,
ich bade unter Rauch und Schwarz,
es ruht – mein stummes Herz.

Ich atme deine Worte ein,
sie gaben mir die Scherben,
aßen reich und tranken Wein,
und ließen mich im Sterben.

© Amy Herzog

Todeskuss..

Um den Herzschlag die Verwesung,
beißt sich durch der Klippen kalt,
nass geküsst von roten Lippen,
wie vom Tode selbst gemalt.

Was am Ende noch verblieb,
der Glockenklang der Ewigkeit,
verschwindend zeitlos in der Schleife,
frisst mich die Unendlichkeit.

Um den Herzschlag schwarze Dürre,
ward genommen Luft und Wind,
wie des Todes rote Lippen,
küsse ich in Liebe blind.

© Amy Herzog

Die letzte Reise…

Man kann nicht so viel sagen,
denn sie wandelte nur still,
wohl wissend, was sie will,
doch konnte sie’s nicht wagen.

Sie wünschte einst zu finden,
ohne nur ein kleines Wort,
reiste sie von Ort zu Ort,
doch konnte sich nicht binden.

Und viele Jahre sind vergangen,
von der Küste bis auf’s Land,
stand mit ihrem Rücken zur Wand,
hatte sie einen Fehler begangen?

Ich kann nur noch eines sagen,
denn ich hatte sie laut gefragt,
nur sie, sie hat es nicht gewagt,
ihre Zelte hier aufzuschlagen.

Vergessen wir im Schweigen,
das war ihr allerletztes Wort,
sie ging und verpasste jenen Ort,
um die Wolken zu besteigen.

© Amy Herzog

 

Vergangen…

kaltes Wasser
fließt in Massen
nur um der Musik zu lauschen
sind Sekunden mich umklammernd
längst im Grau vergangen

leben nur im wolkenlosen Schein
kratzen vergebens Worte
um weiter existent zu sein
qualmend im fensterlosen Raum
lauter als der Tod zu schreien

in Dauerschleife
wird mein Herz versetzt
niemand sucht nach dem Sturm
halte Händchen mit dem Tod
nur um mehr als Qualm zu sein
liebe letztlich aber doch allein

© Amy Herzog

Reinstes Gold…

Wie reinstes Gold aus deinem Munde tropft,
so baden Wolken tief im Himmelblau,
doch ehe noch mein Unheil leise klopft,
so merke ich doch schon der Wolken grau.

Doch trinke ich mit Leid und ganzer Seele,
dein gold’nes Gift verhüllt mich gänzlich warm,
und wie ich mich ganz leise darin quäle,
so scheint mein Herz im Augenblick nicht arm.

So wie das Leben nach dem Glücke sterbe,
so kostete mein Herz auf Erden blau,
und schnitze ich den Tagen ihre Kerbe,
dann sehe ich vom Himmel aus kein grau.

© Amy Herzog

Sterbendes Herz..

Ein Herz, es klopfte für die Liebe,
doch langsam stirbt’s in Einsamkeit,
so sehnt es starr nach Luft und Liebe,
nach Glück und purer Fröhlichkeit.

Ein Herz, es klopft sich in den Traum,
weil es doch zu lang Tränen litt,
so sehnt es nur nach Luft und Tanz,
und nahm das Lächeln dorthin mit.

Ein Herz, es klopft von dieser Welt,
und starb nicht mehr in Einsamkeit,
es sprang und sang durch einen Traum,
und spürte nicht die flüchtig‘ Zeit.

© Amy Herzog

Vertrauen..

So was der Heiligtümer droht,
beschütze ich mit meinen Lungen,
wo selbst noch lauert höchst der meine Tod,
noch kann ich mit den Wellen summen.

So was die Meerestiefen schreiben,
sind Worte die ich selbst durchschwamm,
und könnt ich, aber muss noch lang nicht schweigen,
solang ich neue Liebeslieder sang.

So wie die meinen Augen strahlen,
wenn ich die meine Luft mit wem geteilt,
selbst wenn wir unser Herzen gegenseitig stahlen,
so wundervoll vertraut es doch verweilt.

© Amy Herzog

Traumtod…

In den Augen strahlte Hoffnung,

bis der Traum bei Nacht verstarb,

so weint die Zeit durch stilles Eis,

bis auch das Herz der Nacht erlag.

© Amy Herzog 

Gefürchteter Halt.

Und suche ich noch einen Halt,
so drückt die Furcht im Sinn.
Nur flüstere ich immer leiser,
weil ich doch längst zu Ende bin.

Und kam der Tod nicht zu Besuch,
war ich’s ihm niemals Wert?
Doch lächle ich am Ententeich,
bis sich mein Geist verwehrt.

Und suche ich noch einen Halt,
so schreibt mein Füller Licht.
Obwohl ich längst zu Ende bin,
so endet die Furcht nicht.

Und wenn ich mich nicht finde,
der Tod dann mich besucht?
Nur beißen meine Zähne mich,
der Halt doch nur verflucht.

© Amy Herzog

Verstorbene Teil

Kalt ist der längst verstorbene Teil,
weil er doch längst verstorben war,
nah war wohl irgendjemand dort,
fort verschwand am Schluss Licht.

Nicht etwa, weil der Tod dort ist,
vermisst ein Irgendjemand dort,
bohrt dann aber noch lieber nach,
brach zu gewiss ein kleines Herz.

Schmerz verspürt sogar der Tod,
Not könnte schreien im Geschweig,
zeig einmal nur, ist dort das Licht,
nicht zu verwechseln mit Gefühl.

Wühl nicht in dieser Liebe rum,
drum war der Teil im Tode hier,
wir konnten nur nicht leben da,
nah war sich dieser Kuss zu kurz.

Sturz welcher beider Herz ereilt,
weilt dieser längst verstorbene Teil,
weil Jemand dort verstorben war,
nah kommt das Licht dem Tode nicht.

© Amy Herzog

Flüchtiger Wind…

Mädchen

Das Mädchen fühlt keinen Sinn im Leid,
nur dauert der Schmerz eine Ewigkeit,
entfernt liegt das Glück, kaum zu fangen,
sie schafft es nicht, dort hin noch zu rennen.

Sie blickt in die Sterne, beneidet den Mond,
um Freiheit, Leben, und wär doch lieber tot,
nur der Wind sei ihr noch ein guter Freund,
mit ihm kann sie sein noch ein wenig verträumt.

Doch auch er wendet sich ab und lässt sie zurück,
lässt sie im dunkeln sitzen im ganzen Stück,
sie wartet vergebens, blickt dem Rauch hinterher,
der Wind, er ist fort, wer kommt jetzt noch, wer?

© Amy Herzog

Flüchtige Momente bleiben…

Meine lauten Schreie nach Hoffnung,
können nicht mehr gehört werden.
Zu leise sind sie – ich schlafe, leer, taub,
als sei mein Leben aufgebraucht.
Verletzt und voll starker Schmerzen,
bleibt fort der kleine Funken Hoffnung
auf eine kleine letzte Rettung.

Die Luft um mich wird dünner,
während die Erinnerungen an den letzten Kuss
restlos verblassen, mich allein hier lassen.
Im Nichts gefangen.
Mein warmes Blut fließt in Strömen,
und die Schmerzen muss ich nicht mehr spüren.
Am Ende hört es endlich auf,
nichts wird mehr fließen.

Flüchtige Momente bleiben
in Momenten, die sich nicht mehr reimen,
nicht mehr färben, nur grell leise lärmen.
Doch das Leben geht für euch weiter,
dreht sich bunt um Illusionen.
Bin ich doch dort und hier verschwunden.
Ihr Menschen, ihr bleibt bitte heiter
und lebt immer glücklich weiter.

Auch ich werde sein,
nur nicht hier, nicht dort,
Bin ich fort? Ich weiß es nicht – ich schlafe.
Und mag’s sich nicht mehr reimen,
der Rhythmus in mir nicht mehr pochen,
so hab ich mich noch nicht verloren,
bin ich nur für euch verschwunden.

Irgendwann, wenn auch ihr müde seid,
schreit, und nach letzten Lüften greift,
dann werde ich warten,
mit wolkenweicher, warmer Luft,
leise warten und empfangen, flüstern:
Ein Gedicht wird am Ende, selbst hier im Nichts
niemals enden können.

 

© Amy Herzog

Tränennoten!

Kalter klarer Regen – ein Traum
Schlägt reinigend auf mich hinab.
Die Hitze vertreiben – soll er!
Die Gedanken, die so leiden,
immer kleiner werden lassen,
im klaren Wasser gar verblassen!

Ist es nur die Melancholie,
die da singt ihre leise Melodie?
Leis ihr Leid auf Noten schreibt,
in Gedanken lauter schreit,
Doch wo ist der Regen? – Nein!
Verlassen, verdammt, die Sonne scheint.

Dieses Lied, so schön es klingt,
voll Tränennoten, Leid und Schmerz –
der Tod, der Schatten, da er winkt!
Wie schön doch dieses Lied erklingt
und in der Sonne glänzend scheint.
Da sieht nur er, dass sie da weint.

Zu schwach um Noten noch zu weinen,
ist doch da der Schattentod – er hilft!
Kommt er näher, mich ummanteln,
schwarz, geschützt, in seinen Fängen,
lauschen wir nun seinen Klängen.

Wird der Regen wieder plätschern?
Mir die Tränen bald verwischen?
Leeren diese Notenblätter – beweint
voll Melancholie, Schmerz und Leid.
Mich neue Noten weinen lassen?

Den Tod im Schatten leben lassen!
Will ich doch seine Hilfe nicht, nein,
schreiben kann ich selbst die Noten!
Dafür brauch ich nicht den Toten,
Doch auch die leeren Notenblätter –
der Regen, er soll sein mein Retter!

© Amy Herzog

Getränkter Schleier…

Luft.
Atmen, Sauerstoff, Luft.
Wo bist du, Luft?
Umgibst mich nur mit deiner Kraft,
lässt mich schmachten
nach deinem Duft.
Luft, Luft,
wo bist du, Luft?
Schreit zu laut in mir die Lust?
Luft, ich lebe, Luft, ich sterbe!

Sterbe.
Strick, Seil, hänge.
Gehängt im Wald, kalt.
Bitterkalt, deine Luft, du Lust.
Siehst du ihn, den Schleier.
Tiefschwarz, tot getränkt in Blut.
Mein Blut, bin ich tot?
Der Tod, gehängt im Wald.
Ist der Schleier in deinen Worten.
Mir ist kalt.

Kalt.
Luft, kalt, zerfallen alt.
Hänge ich im Wald.
Verblasst in Violett.
Die Luft genommen, die Lust geronnen.
Blut, mein Blut am Boden in Tropfen.
Die Pfützen, ertränkt in deinen Worten.
Im Tod. Der Schleier, getränkt in Blut.

© Amy Herzog

Erhaltungsschmerz…

Kraftlos sitze ich nur da
Und ertrage die Schmerzen
In tief gehegter Hoffnung
Dass sie nie verblassen

Wie könnte ich Leben
Ohne den süßen Schmerz
Was hätte es dann noch
Mein blutkrankes Herz

Reiße die Wunden
Tag für Tag auf
Denke an alles
Im großen Hauf

Verdammt zu wandeln
Auf dem schmalen Grat
Zwischen Leben und Tod
Ohne jede Tat

© Amy Herzog

Dunkler Schatten…

Sanft schwebende Schatten
Dunkel schwerelos wachen
Schimmernder Rauch in zart
Sich dieses Gefühl bewahrt

Herabstoßend schlagende Blitze
Hinterlassen schmerzende Hitze
Schmerzen die kaum zu ertragen
Nichts kann dagegen helfen

Doch sind es die Schmerzen
Die an ein Leben erinnern
Es gar am Leben erhalten
So soll der Schmerz bleiben

Das Gefühl aber will bleiben
Durchzogen im dunklen Schatten
Es darunter muss fühlen
Das es könnte bald sterben

© Amy Herzog

Freies Blut…

Aus knochentiefen
Schnitten fließt Blut,
es will nicht gerinnen,
nein, es will flüchtend
frei Leben im Tod.

© Amy Herzog