Seelenschmerz

irgendwie

Damit ich aus deinem Sichtfeld
verschwinde
legst du mich in eine Kiste
gleich neben den Satz
den du dich nicht auszusprechen traust
und verschlingst den Schlüssel
weil du Angst davor hast
dass es irgendwann weh tut
aber in deinem Bauch
bleibt es warm

© Amy Herzog

Kokon (drabble)

Inmitten seiner, sich behutsam um sie schmiegenden Arme, sank sie jungfräulich nieder, schaute ihn mit ihren großen erwartungsvollen hellblauen Augen an, zierte sich in nebliger Ahnungslosigkeit, wehrte sich gedanklich in aneinanderreihenden Momenten, ihrer immer schneller flach-flatternden Atmung. Mit nur einem einzigen Kuss kitzelten farbenfrohe Schmetterlinge jeden Quadratmillimeter ihrer bröckelnden Fassade, die sich unter glitzerversprühenden Flügelschlägen in glatten Marmor verwandelte. So schloss er sie noch fester in sich ein und sie fühlte sich wie in einem Kokon aus liebevoll gesponnener fliederfarbener Seide, vor Seelenschmerz beschützt, nährend, ewig während, mit zeitlos funkelnden Augenblicken in jeder Masche.

Dann erwachte sie aus ihrem Traum…

© Amy Herzog

fehlen.

man könnt‘ fast sagen
es fehlt mir
doch dann bin ich erstarrt
mit jedem wort und jeder luft
in mir nur stumm
verharrt

so fehlt es mir dann
keiner zeigt
das wort nur weiter
heiter schweigt

verdreht die welt in meinem kopf
verbinde ich den tränenzopf

ganz stramm im winkel
zu dem munde
deckt sodann die seelenwunde
stets mein lächeln ab

 

© Amy Herzog

Was übrig ist…

Meine Seele zu beschreiben,
wo doch niemand mit ihr singt,
unvollständig muss sie fürchten,
dass sie in der Nacht ertrinkt.

Nur die Maske, undurchdringlich,
lacht so laut – voll Heiterkeit,
doch der Ort der halben Seele,
flüstert von der Einsamkeit.

Mittendrin schlägt die Ruine,
messerscharf die Felsen sind,
fließt das Wasser für die Tränen,
ohne warmen, frischen Wind.

In der Unvollständigkeit gefangen,
leer und kalt verbleibt mein Raum,
draußen spielen fremde Lieder,
hier in mir verstirbt der Traum.

© Amy Herzog

Sprache des Herzens…

Gedanken wandern durch den Kopf,
Sie Kämpfen, schreien und wüten,
Bleibt die Seele dennoch leer,
Hinterlassen nur noch Spuren.

Spuren sind nur unsichtbar,
Sie ordnen sich im Herzen an,
Wie kann sie jemanden sehen,
Wenn das Herz nicht sprechen kann.

Es hüllt sich ein im Schweigen,
Das Herz, es spricht gebrochen,
Könnt nur jemand diese Sprache,
Einmal fließend Sprechen.

© Amy Herzog

Überleben…

In eigenen Tränen ertrinken…

Keine Luft, keine Freude, kein Licht,

Keine Wärme, keine Menschen,

Einfach Nichts, nur der Wunsch

Nach Hoffnung auf ein Leben,

Versuchend in den Tränen

Zu überleben.

Meine Seele…

meine Seele zerfetzt
gefickt durch den Dreck
gehetzt – gejagt geschunden rot
verwundet liegen gelassen
in Sicherheit wiegen
geschlagen belehrt
beraubt verbraucht
nichts mehr wert
verliebt

© Amy Herzog

Seelenschmerz…

Gegangen bist du
und hinterließt Seelenschmerz
der frisst sich durch mein Leib,
der Schmerz, hinterlässt Leid
und trinkt all die Tränen
des Trauern und Weinens
wird Fluss zu Meer
und ertrinkt
in warmen Gewässern.

© Amy Herzog