Schein

Blind…

Tränen brennen auf der Wange,
Scherben fallen viel zu laut,
weiß und starr sind meine Wände,
kalter Staub liegt auf der Haut.

Niemand kann das winseln hören,
jeder flieht in seine Welt,
bunte Lichter wahren Scheine,
nur nicht den der wirklich zählt.

Drückt der Staub zur Erde nieder,
überhört den lauten Knall,
Regen nährt das falsche Leben,
und ich reise ins Sternenall.

 

 

© Amy Herzog

Ertrinken…

Der Augenblick, der mich zerbricht,
der mit dem Sturm entgegenweht,
dort ringt mein Herze um kein Licht,
wenn’s Liebe ganz und gar versteht.

Verbleibst dem Traume spiegelgleich,
doch werde ich dort niemals satt,
im Winde schmeckt das Wasser süß,
im Tränenmeer doch wirkt es matt.

Wenn mir mein Herze dort ertrinkt,
zu schal sind Stunden des Gewichts,
von einem Sein zum andern Schein,
ertrinkt mein Herze bald im Nichts.

© Amy Herzog

Vergangen…

kaltes Wasser
fließt in Massen
nur um der Musik zu lauschen
sind Sekunden mich umklammernd
längst im Grau vergangen

leben nur im wolkenlosen Schein
kratzen vergebens Worte
um weiter existent zu sein
qualmend im fensterlosen Raum
lauter als der Tod zu schreien

in Dauerschleife
wird mein Herz versetzt
niemand sucht nach dem Sturm
halte Händchen mit dem Tod
nur um mehr als Qualm zu sein
liebe letztlich aber doch allein

© Amy Herzog

Baden im Traum…

Ein Wort, das in mir wächst und reift
Mit Flügeln schlägt und hell gedeiht
So zart in Liebe kaum greifbar
Doch in Gedanken vollkommen klar

Verschönert es mir den Traum zu rein
Die Wünsche gaben ihn zum Schein
In Wahrheit bist du Seele fern
Im Traum da hatte ich dich gern

Jetzt wach ich auf und blicke nach
War es wahr oder war ich schwach
Erfüllt mich gleich hier dieser Schmerz
So unbekannt hat er mein Herz

Lieg‘ ich hier wieder zerbrochen
Fern der Traum auf wahren Erden
Ich wollt‘ ich könnte ewig schlafen
Im Traum mit dir in Liebe baden

© Amy Herzog

Tanzende Schatten…

Sanft streichelnde Schatten
Spiegeln sich an der Wand
Wandern hoch und hinab
Scheinen beinah eingebrannt

So stark sie auch sind
So sind sie auch fern
Bleiben einsam geheim
Hinterlassen keinen Lärm

Diese Schatten sind alles
Von Wahrheit zur Illusion
Was sie auch tun die armen
Teufel erhalten keinen Lohn

Erhaben von unendlicher Macht
Tanzen sie Machtvoll so weit
Spielen Schein für Unwissende
Tanzen geheim voll Einsamkeit

Doch ist ihr Sein so begrenzt
Mag ihr tun noch unendlich sein
An Wänden können sie handeln
Alles andere bleibt für immer Schein

© Amy Herzog

Das letzte Gedicht…

Dröhnend tönende Laute,
durchfluten meine Hülle,
wie vom Menschen gewollt,
zerfällt die graue Welt.

Und mir wird nun gewahr,
so wie sie einst war,
ist sie dahingegangen,
von Schande überlaufen.

Die wunderschöne Dunkelheit,
befreit in die Ewigkeit,
mit dem letztem Gedicht,
schweife ich durch Licht.

Lebt wohl im Schein,
in des falschen Sein,
ziehe ich von dannen,
durch Gewässer und Flammen.

© Amy Herzog