Kälte

starre

viel Gerede
war dann noch zu wenig
leer das letzte Glas
und Torso
liege frierend starr
wie Blut aus meinen Winkeln
lächeln kalte Leichen
den knitternden Atem aus meiner Haut
und schneebedecktes Bett
mit uns befleckt
ich suche durch die Nacht
nach deinem Traum
und heißem Tee

© Amy Herzog

unerkannt

Dieses Salz ist falsch
und mein Herz
im medizinischen Abfall
während ich vergebens darauf warte
etwas Leben
in deinen Augen zu erkennen
nähe ich meinen klaffenden Thorax
wieder zu
weil es nicht brennt
und du erkennst
mich
an nichts

© Amy Herzog

Poesiealbum

schreibe in ein Poesiealbum
Sommerbilder
und wildgewachsene Wiesen
in denen wir leben-
sein und
was wir könnten
nur immer kurz vor Winter
wirst du mich nicht
finden
weil ich mich selbst
darin verliere

© Amy Herzog

ich spüre.

Die Erinnerung
hat mich hinterlassen
in diesem leeren Universum
der schwere Raum
Gedächtnis

Nichts ist das
wie es mir erscheint
und alles stellt sich in den Weg
wo fängt deine Kälte an
und wo hört sie auf

Die Einsamkeit
entfaltet sich exponentiell
in tausend verschlossenen Türen
doch bin nicht verschwunden
um deine Umarmung
noch zu spüren

© Amy Herzog

Immun

Nichts als Honig auf deiner Zunge

ich mag ihn nicht

und das warme Herz in meinem Tee

waren ein paar K.O. Tropfen

Wirkung verfehlt

[bin gegen Süßholzraspel geimpft]

© Amy Herzog

mein Winter

lebe im winter
haut wie pauspapier
mit deinen bildern auf mir
dein streichholz
zündet
den funken hoffnung
im innern
und verbrennt
mich zur kalten asche
im schnee
blutspur farblos
zwischenwelt schweigt
bis mein winter
schmilzt
tragen schneeflocken
dieses leid

© Amy Herzog

Phantomschmerz

Herzamputiert
mit Giftmüll verbrannt
der Rest ist Phantomschmerz
kotze den Rotz verschlissener Liebe
lausche dem Klang deiner Zufriedenheit
schlucke überdosierte Illusionen
und stanze mir das Lächeln
das du dir wünscht
ins kalte Gesicht

© Amy Herzog

Furcht bleibt

tränen verschweißen meine augen
starre in verschwommenes
schreibe in fingerspuren auf sandpapier
glattgeschmirgeltes gedankengut
albträume räumen die nacht
und lassen die leiche spurlos verschwinden
ich denke an nichts, nichts, nichts..
aber wenn ich wieder klar sehe
atme ich tiefblutentkleidete furcht
in deine kalte richtung

(furcht sitzt da, wo das herz verblutete)
- der platz war noch warm

© Amy Herzog

ich bin nicht mehr

Stehe unter Scheinwerfern
auf einer Bühne
so gigantisch
dass mich niemand sehen kann
ohrenbetäubende Schreie
übertönen meine greifende Hand
die Seelenstücke
ziehen gebrochen an Gondeln vorbei
ins Schlachthaus

Dieser tief verankerte
täglich neue Wurzeln schlagende
mit Spinnweben fixierte
Harz tropfende
im Mondlicht schimmernde
stumm vibrierende
zerfressende
alles umgebende

In der Kälte
tropft es im Rhythmus
meines verschollenen Herzens
auf nassen Beton
aber ich bin nicht mehr
nicht mal Geschichte

© Amy Herzog

Schaumbad

Meine Bleiatmung zeichnet Schatten
in bodenlose Schlaglöcher
schnappt an scharfen Kanten
nach Zärtlichkeit
blutet aus meinen Fingern
doch nur die Last aus meinem Herzen

unter Verschluss
den Schlüssel in die Flut

hinter den Fenstern meiner Seele
bleibt es schwarz
es duftet nach unberührtem Schnee
nach Ruhe und Sicherheit
wie Illusion nach rosa Zuckerwatte
vom Valentinstagsrummelplatz schmeckt

Hitze steigt aus meinem Aderlass
in prickelnden Regenbogenblubberblasen
und ein Platz ist noch frei
steig dazu, solange mein Bad noch warm ist
und der Schaum mein Wort bedeckt
bis ich in der fernen Endlichkeit koaguliere

© Amy Herzog

Kaltes Herz


Suche nichts, mein Liebster
was nicht gefunden werden kann
kein Kompass ist dein
und die Sternbilder blenden
mein Herz in der Truhe
am Grund des tiefschwarzen
schimmert nur an der Oberfläche
anmutig salzigblautürkis
dein Herz aber muss schweigend still
zwischen den Welten verloren
gehen, leiden, enden
wenn’s mein erkaltetes Herz
schlagend finden will

© Amy Herzog

der Kalte

kalter Nachtwind
kippt Fenster, Sehnsucht
Lust, Gespenster und Regen
klafft zwischen morschem Geäst
während Schmetterlinge schlafen
den Regen aber innen
halte ich zurück

Violettem Sommerflieder gießt Leben
und stößt den Duft um meinen liebenden Leib
doch schwach, so schwach, so schwach
schlägt meines gegen die raue
weiße Wand deiner schweigenden Brust

Auf salzigen Lippen
küsst ein zarter Schatten meine Wunden
endlich blind und taub versinke ich
im weichen arktischen Fleisch
und ich bilde mir ein letztes mal ein
es wär ein liebender Teich

Taumelnd fliegen Träume
in seichten Gewässern
doch in deinem sticht jede Welle
gegen splitternden Fels
und wenn ich jetzt für immer falle
dann bleibe ich wohlig in dir

Doch nur leise stöhnt der Wind
wie ich deinen Körper an meinen Presse
spüre ich näher zitterndes Ende
der meinen Regen in seiner Hand
aus deiner kalten Welt kippt

Die Lust fällt
im Sonnenaufgang früher
und du, der Kalte, singst dein Lied
auf abgenutzten Schallplatten
zerkratzt, wie ich wortlos
im Rauch des Eises verblieb

© Amy Herzog

Hunger

Triggerwarnung: Essstörungen

hunger 
hunger
hunger 

auf leisen sohlen 
das lächeln gestohlen
wohlig durch die eingeweide 
in tiefer umarmung 
gegen eisblock

innen

außen mehr tot als lebendig 
spiegelbild lacht aus 
und klatscht nen Filter drauf 
lügt von wahrheiten
wo die stimme 
schweigt 

angst 
und hunger immer 

hunger 
hunger
hunger 

© Amy Herzog

Winter


mit einem einzigen Winter
gefriert das Herz und zerbricht
wohl brechen Scherben zauberhaftes Licht
berühren jedoch, kannst du es nicht
und so schnell der Winter
auch von dannen zieht
ist es dein blutend warmes Herz
das kein Heim und kein Licht mehr sieht
wenn die gleißende Sonne
den Meeresspiegel ins Ende küsst

© Amy Herzog

Ende

Der Mann, bei dem ich irgendeine Liebe suche, liegt nackt in meinem Bett und behauptet mich zu lieben, an meinem kalten Herzen prallt es ab. Mit schweigenden Tränen wanke ich mit letzter Kraft ins Badezimmer, drehe das Wasser in meiner Dusche und am Waschbecken auf, schalte das Licht aus. Am geöffneten Fenster genieße ich die nach Regen duftende Nachtluft, verschwommen malt mir der Mond sein Schlaflied in einem kurzen Bild und ich frage mich, ob der, den ich Liebe, den selben Mond sieht. Die gefühlt fünfzigste Zigarette verklebt meine Alveolen, während mich meine Gedanken innerlich in Stücke reißen. Hätte ich nur ein Hemd von ihm, würde ich es gerade tragen, um seinen Geruch in mir zu spüren. Ständig kommen mir Gedanken in den Sinn, die mich zwingen, mein Denken zu unterbrechen. Tränen schießen aus meinen Augen, wo ich doch an niemanden denke. Der Wind trocknet sie, leise.

Irgendwie fühlt es sich nicht mehr so an, als ob ich geweint hätte. Wieder ein Stückchen mehr zerrissen, wieder ein bisschen mehr betäubt, dieses mal wohl zu viel. Und nichts als Leere bleibt. Dabei kann ich meine Gedanken an den, den ich liebe, gar nicht als richtiges denken bezeichnen, es sind nur unzusammenhängende Fetzen, Bruchstücke aus zersplittertem Glas. Glas, das meine Seele zerschneidet und rote Tränen formt. Ein Gefühl, den Schmerz als Wort nicht wert, das mich schreien lassen würde, aber ich darf nicht schreien. Der, der vorgibt mich zu lieben liegt in meinem Bett und wartet auf meinen nackten Körper. Er weiß, dass ich weine, aber ich bin allein, also weine ich allein.

Gefühlt fünftausend Mal starre ich in diesen wenigen Minuten auf mein Smartphone, schaue nach, suche verzweifelt nach Luft, nach einer kleinen Nachricht, selbst wenn sie nichts bedeutet. Irgendetwas, egal was, von dem, den ich so sehr liebe. Warum weiß ich nicht, das alles ergibt keinen Sinn. Erst gestern dachte ich noch, dass ich sterben könnte, für ihn würde sich nichts verändern. Wie sollte es auch, er bemerkt mein Leben nicht, weshalb sollte er dann mein Ableben bemerken. Sein Leben würde glücklich weitergehen, alles wäre wie bisher. Und offen gestanden gönne ich ihm das. Dem, den ich liebe. Und ich weiß nicht, weshalb ich mir seine Gedichte durchlese, die beschreiben, wie glücklich er ist, während ich das Leben nicht mehr aushalte. Vielleicht, weil es das einzige ist, was ich greifen kann. Es ist kein einfach daher gesagtes „Ich halte es nicht mehr aus..“, diese Grenze habe ich längst überschritten. Und es ist auch egal, wie viele Medikamente ich in mich hineinwerfe, sie können diese unerträgliche Leere nicht füllen. Und die Gedankensplitter nie aufhalten.

Ich gebe mir die größte Mühe nicht daran zu denken, dass er seinen Abend mit dem, was er liebt verbringt, trinkt und glücklich ist. Ja, ich gönne es ihm von Herzen, wenn auch dieses Herz kaum noch schlagen kann. Dass er alles hat, was er sich erträumt und ersehnt hat und ich nicht dabei bin. Aber ich kann es nicht denken, ohne wieder zu weinen. Nur das Wasser tröstet meine feuchten Wangen, ich drücke die Zigarette aus, schließe das Fenster und gehe zurück zu dem Mann, der behauptet mich zu lieben. Lege mich nackt unter seine Decke dicht neben ihn und versuche leise und ruhig zu atmen.

Während ich an den Mann denke, den ich liebe, vergrabe ich meine Finger tief in sein Fleisch und versuche in ihm zu ertrinken, in dem, der mich liebt. Nur damit es für einen kurzen Moment erträglicher wird und ich unter seiner Liebe verschwinden kann. Wie er seinen lustvollen Körper an meinem reibt, seine Gier aus sämtlichen Poren tropft, es müsste mich anekeln, aber das tut es nicht. Nicht wenn ich an den denke, an den, den ich liebe und seine Küsse meine blutenden Tränen trocknen. Innerlich habe ich das Gefühl zu verbluten, doch wie kann ein Mensch verbluten, wenn er gar nicht mehr lebt. Ich fühle mich tot ohne gestorben zu sein. Und während ich mich tiefer und tiefer in den Körper dieses Mannes grabe, um in diesem Nest von verlogener Geborgenheit zu versinken, kann mich nur noch die Hoffnung tragen, dass das alles bald sein Ende findet.

Januarwind

Dein frostiger Januarwind
malte mir zyanotische Finger
und kroch in tagelanger Gänsehaut
unter unsere beheizte Decke
so wie ich ausgehungert
blind und taub und stumm
meinem Winterschlaf entging
warst du es bis ans Ende
der den Wind einfing
um den Frühling zu begrüßen
bis der Hunger schweigt

© Amy Herzog

Musenkuss

Nicht vieles ist mein
der Ozean aber mein Stolz
wenn die Muse ihren Kuss
am Grund hinterlässt
und so tauche ich tiefer
in deinen kühlen Geist
wie mich das Jahr verlässt

Nur zähle ich längst nicht mehr
in dem was du Zeit nennst
wenn dein Spiegelbild zeigt
wovor du erschrocken davonrennst
dann erwidere ich deinen Kuss
in diesen Tiefen, die niemand
in dir je zu ergründen wagt

© Amy Herzog

Sonnenuntergang

Dem Sonnenuntergang aber
sende ich meine Liebe
und so fürchte dich nicht
vor deiner Dunkelheit, Liebster
wo doch die Liebe in diesem Licht
bis zum Aufgang für dich scheint

Und ich wärme deine Dunkelheit
in dieser wolkenlosen Nacht
nehme sie mit zu mir nach Haus
so sende ich dem Sonnenaufgang
die Sterne, die ich darin zählte
und deine Kälte, die ich wählte

Dann morgen wird es regnen
doch fürchte nicht dem Ertrinken
aus unseren Poren tropft die Liebe
in der wir, wenn die warme Sonne
unsere müden Augen verschließt
wolkenzart gebettet versinken

© Amy Herzog

Unerreichbar

Es wird kalt, Liebster
in unerreichbaren Parallelen
die Unbekanntes wählen
im Gleichklang fremd
läuft Farbe in schwarz-weiß
und die Jahreszeit zieht vorbei
sei du der Vogel, Liebster
und verzeih mein Schweigen
würde ja noch bleiben
doch es ist kalt

© Amy Herzog

tau

erdrückend kleines herz
kontakt zum fleisch tut weh

verbrennst dir nicht die finger
liebes, du wirst erfrieren
da hilft keine schachtel kippen
mit scotch gegen gedanken
an unnahbare lippen

liebes, dir wird nicht heiß
nein, du wirst erfrieren
traum minus gefühl
merkste was?
jetzt wird dir kühl

aber’s sind scherben
so wirf das fleisch weg
liebes, es hebt dich nicht mal auf
es lässt dich sterben, siehste?
da hilft kein wort auf erden
glotzt verträumt gen himmel
erdrückend kleines herz
mach die augen zu
und tau auf

© Amy Herzog

Zu Eis erstarrt..

Halte, bitte halte mich
denn ich bin zu Eis erstarrt
lautlos knien, sinken, brechen
flehend mit dem Herzen sprechen
schlug ich auf den Boden hart
bitte ziehe nicht dein Messer
bitte mache keinen Krach
halte mich, nur wärme mich
denn ich bin zu Eis erstarrt

 

© Amy Herzog

 

Der unscheinbare Diamant

Du erinnerst dich nicht an den Winter
gewiss nicht (oder doch?)
an den unscheinbaren Diamanten
der vom Himmel fiel

und getauschte Worte waren nichts
reflektionslos

Aber zutiefst inspirierend
warst du, riesig, allgegenwärtig
beinahe einschüchternd
strahlend

nein…

Du erinnerst dich nicht an den Winter
der unter allen anderen versinkt

Doch noch immer hängt der Winter
hängt an deinen Worten, deinem Geist
dem Gestern, dem einen Gestern von vor Jahren
im Gestein unter deinen Füßen

Irgendwann wird es wieder schneien
diesen unscheinbaren Diamanten
mutig zeigt er sich dir
und hofft auf deinen kühlen Blick

© Amy Herzog

Ich verschwinde…

Ich sitze hier auf einem Stuhl
und alles was ich weiß ist,
dass ich hier sitze

Doch ich spüre es nicht.

Alles was ich spüre ist,
dass ich suche –
verzweifelt

Und dann wieder lächelnd
in Erinnerungen schwelge,
doch ich erinnere mich nicht

Ich verliere nur,
und deshalb weine ich,
weil ich so vieles verloren habe

Nur was?

Doch ich überlege nicht.
ich sitze nur auf einem Stuhl
und spüre mich nicht

Ich verschwinde,
während Gesichter mich anlächeln
und sagen, es sei alles okay.

Doch ich verschwinde in (m)eine Welt –

Und das spüre ich.

© Amy Herzog

windstill…

Ich spüre keinen
Wind auf meiner Haut
kein Streicheln kann ich ahnen
leer bin ich, kalt und voller Wunden
selbst nach abertausend Liebesstunden

Verschenkt sich diese Stille Zeit?
deinen Schmerz doch kann ich spüren..

Stechend, brennend, kratzend kamen
bedingungslos in feinsten Stücken
füllen selbst die allertiefsten Lücken

Nur so tief wie deine Liebe dringt
und mir die Winde endlich wiederbringt…

 

 

© Amy Herzog

Verschwinden…

Niemand kann mich hier noch halten,
ich flüchte mich ins Labyrinth,
die Klauen nehmen mich gefangen,
dort wo wir fest zusammen sind.

Bestimmst du über die Gefühle,
so sollt ich bloß ein Kunstwerk sein,
auch die Gedanken sind nicht sicher,
und bald schon sind wir ganz allein.

Und niemand kann mich hier noch halten,
so leg ich mich in deine Hand,
ich stehe kraftlos vor dem Abgrund,
bis ich in dir restlos verschwand.

 

 

 

© Amy Herzog

Angst.

Ich habe Angst
Angst
davor zu funktionieren
und dabei meinen Schatten
den so geliebten
zu verlieren

Ich habe weiter Angst
Angst davor
dass mich keiner hält
und dabei noch zu lachen
während mein wahres
Ich langsam fällt

Ich habe Angst
Angst täglich zu leben
wo kein Halt und kein Versteck
noch den Sinn des Lebens
mir vergeben

Ich hab nur Angst
immer Angst
ohne meinen Schatten
gibt er doch die Dunkelheit
die wir nicht wirklich
mit uns hatten

Angst
ich habe Angst
als Licht zu funktionieren
doch ohne eine Quelle
mein Leben lang
zu frieren

 

 

© Amy Herzog

Einsam knien…

Ich knie einfach immer tiefer,
und bin letztendlich doch allein,
denn der, den ich aufrichtig Liebe,
der will nur wenig bei mir sein.

Er kommt und geht nur für das eine,
und ich, ich liebe trotzdem mehr,
dann geht er fort in fremde Arme,
dazwischen friere ich dann sehr.

Zwar sagt er, ich sei nur die eine,
und mache stets sein Leben bunt,
doch ich, ich knie hier alleine,
und er schlägt meine Seele wund.

Und knie ich hier immer tiefer,
mein Lachen bleibt dabei nur still,
so voller Angst vor einer Zukunft,
in der er mich dann gar nicht will.

 

 

© Amy Herzog

Stark, Schwach, tot..?

Aus Liebe würd‘ ich alles machen,
ein Kampf durch Wasser, Wüste, Wind,
selbst tausend Reisen durch die Hölle,
wenn nur am Schluss das Glück gewinnt.

Und bin ich wohl nicht unbewaffnet,
nein, meine Lieb‘ die stärkste ist,
doch frier ich weiter durch die Hölle,
weil mein Herz doch das Glück vermisst.

Es sind die Waffen zweier Monster,
und Schwach sind sie wohl eigentlich,
doch töten sie mich in der Hölle,
und mit mir auch die Lieb‘ und dich.

 

© Amy Herzog

Zwei Monster.

Wenn ich nur an die Monster denke,
schnell dann wird mir kotzeschlecht,
und ein Spruch passt hier angegossen,
aus zwei mal Unrecht wird kein Recht.

 

© Amy Herzog

Die Stimme in meinem Kopf…

Sie baut sich leis‘ und fest ihr Nest,
aus meinen Schmerzen und dem Leid,
und plötzlich bleibt die Zahl ein Test,
bis in? – sie sagt mir nicht wie weit.

Doch ich, ich möchte ihr Vertrauen,
weil sie mir sagt, der Mensch, der lügt,
„statt essen sollst du Gummi kauen“,
ich frage mich, wer hier betrügt.

Die Stimme – sie – beginnt zu klagen,
wird lauter, schimpft, gar bis sie schreit,
„wie kannst du es denn nur noch wagen,
als wär sie schlicht Notwendigkeit.

Ich denke nächtelang nur schwach,
sie nimmt das Leid, sie hat wohl recht,
hinfort ist Welt- und Lebenskrach,
mit ihr bin ich niemals geschwächt.

Doch bald schon bin ich ganz allein,
zu spät – ich wollte wohl nicht sehen,
sie macht nicht stark, sie macht nur klein,
doch jetzt wird sie so bald nicht gehen.

Jetzt sehne ich nur nach dem Menschen,
der vor ihr auch schon nicht bei mir,
im Büchlein kann ich leise wünschen,
mit ihr bin ich bald nicht mehr hier.

Was bleibt ist nur die stumme Leere,
mein falsches Lächeln und die Angst,
ein kaltes Nest und Knochenschwere,
„nur bis du nicht mehr zählen kannst“..

 

© Amy Herzog

Der stumme Wunsch…


© Amy Herzog   

Ohne…

bleiben leere Räume
niemand schleicht sich leis‘ heran
spendet Licht in dunklen Ecken
kann mein Lächeln wecken
(keiner – außer dir)
rasten Tränen wartend
quälen sich zu einsam hier
bleibt in meinem Herzen nur
der Stolz aus deinen Schlüsseln
sinkend an der dünnen Schnur
(halt mich – fleht der Geist)
wie es den schwachen Körper
in der Kälte, in der Leere
aus dem Glück des Lebens reist
bitte komme heute Heim
denn ohne dich
sind
Räume
leer

und ich allein…

Blind…

Tränen brennen auf der Wange,
Scherben fallen viel zu laut,
weiß und starr sind meine Wände,
kalter Staub liegt auf der Haut.

Niemand kann das winseln hören,
jeder flieht in seine Welt,
bunte Lichter wahren Scheine,
nur nicht den der wirklich zählt.

Drückt der Staub zur Erde nieder,
überhört den lauten Knall,
Regen nährt das falsche Leben,
und ich reise ins Sternenall.

 

 

© Amy Herzog

Frisch aus dem Eisfach.

Als würden sich Worte länger halten,
nur weil sie aus dem Eisfach kommen.
Sind sie doch benommen, benebelt,
fühlen sich wie frisch geknebelt
und lächeln emsig weiter.

Steif sind sie im eisigen Wind,
und heulen heimlich wie ein Kind.
Was nützen Tränen, die nicht stützen,
bildet sich aus vielen Pfützen
doch ein großes Meer?

Was ist schon Meer in diesem Eis,
wenn keiner was vom ander’n weiß?
Und Eis zerbricht, selbst unterm Licht,
im Eisfach halten Ewigkeiten nicht.
Wird’s so ums Herze warm?

 

© Amy Herzog

Herzblut..

Aus Liebe lieblos lieben lassen,
ein Schweigen dreht sich fort,
in Herzenswunden Blut vergossen,
bleib‘ ich vereinsamt dort.

Aus Liebe einsam Leid ertragen,
gestorben wird dann stumm,
die Tränen können auch nichts sagen,
doch keiner weiß warum.

Aus Liebe lachen bis zum Schluss,
und sei’s auch ohne Sinn,
bin glücklich mit dem kalten Kuss,
bis ich verblutet bin.

 

© Amy Herzog

Maske…

Wie kann eine Maske lächeln,
wenn sie aus dem Schmerz erbaut,
wo die Schreie brennend flehen,
doch das Lächeln lacht zu laut.

Wie kann eine Maske lächeln,
schweigend wie ein Grab bei Nacht,
funktionieren wie ein Uhrwerk,
gar zerbrechend noch gelacht.

Wie kann eine Maske lächeln,
wenn das Herz doch einsam weint,
wenn der Sinn in allen Stunden,
nur noch lacht, damit es scheint.

 

© Amy Herzog

Vom Herbstblatt…

Wie schwankend doch ein Herbstblatt ist,
so zweisam dort am Ast,
den Sommer doch schon bald vermisst,
im ankommen – nur fast.

Wie treibend doch die Winde sind,
so trägt das Herbstblatt fort,
gar freut es sich noch wie ein Kind,
auf einen neuen Ort.

Im Winterstraßen glänzend Frost,
das Blatt doch wartet fein,
ein Lächeln noch verbirgt den Rost,
wenn es zerbricht allein.

 

© Amy Herzog

Todeskuss..

Um den Herzschlag die Verwesung,
beißt sich durch der Klippen kalt,
nass geküsst von roten Lippen,
wie vom Tode selbst gemalt.

Was am Ende noch verblieb,
der Glockenklang der Ewigkeit,
verschwindend zeitlos in der Schleife,
frisst mich die Unendlichkeit.

Um den Herzschlag schwarze Dürre,
ward genommen Luft und Wind,
wie des Todes rote Lippen,
küsse ich in Liebe blind.

© Amy Herzog

Kalter Kuss..

Wie der Schnee auf meinen Poren,
so der Rauch um Hirn und Kuss,
auch das Herz in meinem Magen,
der noch schwer verdauen muss.

Wie das Eis in meinen Welten,
blau zersplittert schläft das Glas,
nur der ferne Sturm lässt hören,
wie mein Geist erstickt im Gas.

Wie die Wärme in den Bergen,
doch mein Schritt versinkt im Blei,
muss ich stumm im Hier verharren,
doch der Regen tönt den Schrei.

© Amy Herzog

Leblos..

Farbenlos versinkt die Welt,
und ringt um kein Gefühl,
die Seele ward herausgerissen,
das Herz ist alt und kühl.

Taub und stumm erstarrt das Herz,
der Feind ist nicht die Zeit,
doch als das Blatt vom Baume fiel,
versank die Welt im Leid.

Leblos schweigt der Regen noch,
die Wolken tragen schwer,
und meine Welt ertrinkt im Schnee,
die Seele stirbt noch mehr.

© Amy Herzog

Ich sehe noch heute…

Ich sehe noch heute –
im Augenwinkel mein Haar,
wie es wehte im Winterwind,
und warm kamst du mir nah…

Ich sehe noch heute –
im Schnee Hand in Hand,
und mit nur einer Berührung,
verschloss das Liebesband…

Ich sehe noch heute –
deinen schüchternen Blick,
als du im Frühling fragtest,
begleitest du mich ins Glück?

© Amy Herzog

Erdrückend.

Eingesperrt bin ich. In mir, in dir. Du kommst mir näher. Kälte kitzelt meine Nerven. Erdrückst mich. Heiß wird es. Suggerierst Sicherheit. Wärme. Schutz und Zuflucht. Ich genieße. Schließe meine Augen. Und falle in mein sicheres Schwarz.

Du lachst. Stumm. Aber du lachst. In meinem Kopf. Du zeigst mit dem Finger auf mich. Die Kranke nennst du mich hinter den Türen.

Dann wieder fängst du mich auf. Schenkst mir deine Liebe. Deine Ruhe. Lässt mich Freiheit spüren. Während ich eingesperrt bin. Und niemand kann mich hören. Ich bin stumm. Kalt. Ich genieße.

Schließe meine Augen. Und falle in mein ewiges Schwarz.

Farblos.

Wenn ich schlafen könnte,
wo ich doch nicht mehr atme,
dann würde ich jetzt schlafen.

Doch ich suche nach Farben,
während ich Schokolade fresse.
Sie schmeckt nur nach Asche.

Und reibt sich um mein Herz.
Pumpt durch mein kaltes Blut,
bis in meine tränenden Augen.

Alles was ich finde bleibt grau.
Doch kann ich nicht schlafen,
und lebe in der farblosen Kälte.

© Amy Herzog

Die Träne..

Tränen spiegeln keine Worte,
leer im Staub und ausgeräumt,
allein im kalten Nichts der Hoffnung,
blickt der Geist, der weiter träumt.

Tränen spiegeln keine Nähe,
weisen ins Alaska fort,
unterm Eis die schwache Seele,
flüstert eine Liebe dort.

Tränen spiegeln keine Zukunft,
heiße Steine trocknen still,
niemand nimmt sie in der Wahrheit,
was die Träne wirklich will.

© Amy Herzog

Was übrig ist…

Meine Seele zu beschreiben,
wo doch niemand mit ihr singt,
unvollständig muss sie fürchten,
dass sie in der Nacht ertrinkt.

Nur die Maske, undurchdringlich,
lacht so laut – voll Heiterkeit,
doch der Ort der halben Seele,
flüstert von der Einsamkeit.

Mittendrin schlägt die Ruine,
messerscharf die Felsen sind,
fließt das Wasser für die Tränen,
ohne warmen, frischen Wind.

In der Unvollständigkeit gefangen,
leer und kalt verbleibt mein Raum,
draußen spielen fremde Lieder,
hier in mir verstirbt der Traum.

© Amy Herzog

Solang ich in der Kälte bin..

Das Gefühl von tiefer Wärme,
voller Sehnsucht ruft mein Sinn,
nach den grenzenlosen Weiten,
solang ich in der Kälte bin.

Das Gefühl der Liebesküsse,
schwimmt im Regen nur forthin,
bleibt mir nur der Duft der Leere,
solang ich in der Kälte bin.

Das Gefühl auf meiner Seele,
schlägt mein Herz im Neubeginn,
nur die Sehnsucht lässt es schlafen,
solang ich in der Kälte bin.

© Amy Herzog

Von der Schneeflocke..

So kann ich in die Zukunft blicken,
der Regen spiegelt schon mein Bild,
am blauen Himmel kann ich sehen,
das Wetter wird ganz langsam mild.

Und glitzert neben mir die Pfütze,
so dicht daneben schmilzt mein Eis,
die Ecken werden immer runder,
sie knistern leise, was ich weiß.

So werde ich im Meer verschwinden,
ganz einfach aus dem Weg geräumt,
und all die kuschelweichen Winter,
sie wurden nur von mir erträumt.

© Amy Herzog

Nur der Winter weiß um meine Sehnsucht…

Blaue Augen funkeln nicht im Schwarzen,
wenn der Stern des Himmels mit mir litt,
durch die Schleifen meiner tiefen Liebe,
doch mein Herze pocht mit jedem Schritt.

Und fortan kennt auch nur der graue Nebel,
streichelt sanft im Walde mein Gesicht,
Blicke schweifen schweigend über Berge,
wie an deinem Blatt mein Traum zerbricht.

Nur der Winter weiß um meine Sehnsucht,
wie der schwere Schnee im Fluss versinkt,
fahre leise durch des Glaubens Nächte,
bis mein Herz von deinen Tränen trinkt.

© Amy Herzog

 

Eule & Baum… (1/3)

Ich bin die Eule, tief im Winter,
die Flügel, bitterkalt und schwer,
am Schnabel glitzert eine Träne,
so einsam bleibt die Seele leer.

Ich bin die Eule, auf der Suche,
für den Kampf um Lebenssinn,
in der Schwärze aller Träume,
weiß ich kaum noch mehr wohin.

Ich bin die Eule, finde Wege,
hoch am Hügel steht ein Baum,
Wärme duftet um die Flocken,
tut sich auf für mich ein Traum.

© Amy Herzog

Mein Herz im Winter…

Mein Herz erfriert im kalten Winter,
der warme Raum so blau zerbricht,
nur schläft im schwachen Atemzug,
darunter Schnee und Stürme nicht.

Die Risse tief durch Wände ziehen,
und Schutz liegt nur in weiter Fern,
so würde, wenn ich könnte, fliehen,
in Dunkelheit nur schläft der Stern.

Mein Herz erfriert im kalten Winter,
doch eine letzte Kerz‘ noch brennt,
nur wenn die Flamm‘ erloschen ist,
es unterm Schnee ein niemand kennt.

© Amy Herzog