Abend

blickdicht

Der Abend zerfällt
unter dem üblen Nachgeschmack
schlecht gewordener Lügen
statt von dir zu Träumen
atme ich den Durst
in den nächsten kalten Winter
und ziehe den Vorhang
meiner Augenfenster blickdicht

© Amy Herzog

Kaltgeworden

Dann sitze ich dir im Wohnzimmer gegenüber, zwischen uns eine brennende Kerze. Ich lausche deiner Stimme und betäube deine Fragen. Irgendwann fragst du, weshalb ich mich verändert habe, unerreichbar geworden bin, mich dir nicht öffne, nicht mehr antworte. Ich schaue dich mit ausdruckslosem Blick an, ziehe an meiner Zigarette, halte kurz inne. Dann frage ich, ob es dich interessiert, was ich zu sagen habe, oder ob du nur ficken willst. Du schweigst, dein Blick wird leer oder traurig. Das ist die Antwort, sage ich dir, stehe auf, lege meine Kleidung ab und nichts als meine kalte Haut auf dein Bett.

(Ein Drabble)

© Amy Herzog

nacht.tanz.anziehung

Der erste Wind
am Abend haucht mir ein
ich ziehe hin
du hältst mich an
ich verrückt
und du bist zu kaputt
lass uns über die Nähe tanzen
zusammenfestgedrückt
unter den Augen
zahlloser Glühwürmchen

© Amy Herzog

Porzellantraum…

Ein Traum im blütenweißen Rauch,
noch in der Fern‘ am Himmel blüht,
ein Feuer doch zum Abend brennt,
gar tief die Nacht im Hunger glüht.

Die Zärtlichkeit am Halse küsst,
am Fenster leis‘ der Regen klopft,
so wie sich jene Nacht verneigt,
im stillen Kalt vom Himmel tropft.

Die Sonne strahlt den Tag herein,
und Herzen halten sich im Zaum,
im Lichte nun der Rauch verweht,
zerbricht aus Porzellan der Traum.

© Amy Herzog