Fühlen

Kann nicht

kann nicht sprechen
weil meine Gedanken wild
umhertanzen
mich nicht bewegen
weil mein Körper unkontrolliert
erzittert und bebt
und ich kann nicht atmen
weil mein um sich schlagendes Herz
so viel Raum einfordert

© Amy Herzog

WARUM

WARUM
hören.wir.nicht
auf uns gegenseitig
zu verletzen
hören
auf zu schweigen
hören.auf.uns
fühlen uns
und hören.endlich.auf
uns zu verletzen
WARUM??
nicht

© Amy Herzog

Zugfahrtmelancholie

Morgengrauentau tropft Tränen
starre zu wenig aus dem
Fenster
und schreibe
Gefühle auf Durchreise
in Arme fallen
und zurückgelassen bleiben
Zugfahrtmelancholie
zerrt mich in ein Buch weil
ich nicht wissen will
wohin ich
denke
aber ich bringe
warme Brötchen mit

© Amy Herzog

urlaub

bin nun in mein Bett
gekrochen. schwitze unter
meiner Decke
seit dem Sex dunkelblau. und dann
schicke ich dir einfach
Urlaubsbilder
mit Sonne, Eis und Strand.
will schnell bei dir
sein, aber du bringst uns noch um
den Verstand.

© Amy Herzog

Wasser

in dir
bin ich pulsierendes Wasser
irgendwo
flussauf- und abwärts
beständig
nah

© Amy Herzog

trink

Komm,
und trink dich taumelnd
in mein Weltmeer
so komm,
und trink aus Lenden,
Lust und uns
mein ganzes Herz
leer

© Amy Herzog

magnetisch

seitdem die zeilen
magnetisch
sind
bin ich in dir
und
bleibe
bis du es nicht mehr
verbergen
kannst

© Amy Herzog

Polyamorie – Allgemeines und meine persönliche Gefühlswelt.

Es gibt viele Formen der Polyamorie. Die einen haben zwanglose Dates, dabei geht es um Körperlichkeiten. Andere führen mehrere Liebes-Beziehungen. Manche leben sogar zusammen, andere nicht. Der Unterschied zum klassischen Betrügen liegt darin, dass alle Beteiligten Bescheid wissen und damit auch einverstanden sind. Ein weiterer Unterschied ist, dass die (ich nenne es mal so-) Haupt-Beziehung sehr stabil ist, wohingegen die Beziehungen, in denen man den Partner betrügt, schon vor der ersten verheimlichten Nachricht vermutlich ein Ende finden sollte. Aber das ist nur meine Meinung. Eine offene Kommunikation ist unabdingbar.

Ich möchte hier einmal meine Gefühlswelt und meine Gedanken dazu teilen, vielleicht hilft das jemandem (bei der Selbstfindung zum Beispiel), vielleicht auch nicht. Egal. 😉

Zunächst mal ein paar Tipps bzgl.: Wie kann ich am besten meinen Partner damit überfallen. 😀

Sei dir bewusst, dass in der Gesellschaft und bis dato ggf. auch in deinem Leben bisher nur die Monogamie als das einzig Richtige angesehen wird. Dein Partner könnte denken, dass es an ihm/ihr liegt, nicht zu genügen, nicht gut genug zu sein, etc. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass dieses Thema nach dem ersten Ansprechen auf Eis gelegt wird. Es wird möglicherweise abgelehnt.

Mache dir im Vorfeld Gedanken darüber, weshalb du die Beziehung öffnen möchtest, damit du es erklären kannst. In meinem Fall geht es zum Beispiel um eine mögliche Liebe. Also nicht nur um Sex, sondern um meine umherschwirrenden Gefühle. 🙂

Wähle einen ruhigen Zeitpunkt, habt keinen Streit und lasst es auch da möglichst nicht zum Streit kommen. Redet in Ruhe darüber. Und wenn dein Partner nicht zugänglich ist, versuche es zu einem späteren Zeitpunkt erneut, denn wenn dir das wichtig ist, solltest du dafür einstehen. Gehe aber auch auf deinen Partner ein, denn seine/ihre Gefühle sind genauso valide wie deine. Versuche dich in deinen Partner hineinzuversetzen. Auch in die Klischees, die man diesbezüglich im Kopf hat. Dein Partner wird Angst haben, wird vielleicht auch Unsicher sein und mit Eifersucht zu kämpfen haben. Es liegt dann an dir, diese Gefühle aufzufangen und ehrlich und direkt zu argumentieren. Gib deinem Partner Zeit dich zu verstehen.

Nun ein bisschen zu mir. Die Idee zu diesem Beitrag kam übrigens von meinem Partner. Mein Partner empfindet selbst nicht so und hat bisher nicht das Bedürfnis mehr als einen Menschen, das bin ich, romantisch zu lieben oder einem anderen Menschen sonst wie näher zu kommen. Das ist auch okay, dennoch bin ich dafür aufgeschlossen. Bei mir sieht das anders aus. Ich empfinde seit über 15 Jahren so. Seitdem befand ich mich in drei erwähnenswerten festen Beziehungen. Und gelegentlich kam es vor, dass ich mich romantisch einem anderen Menschen nähern wollte. Ich spreche ungern von Liebe aus meiner Person, weil sie nicht zu definieren ist. Der Einfachheit halber nenne ich es nun aber so.

Selten, aber es kam vor. In meiner ersten Beziehung, welche 2,5 Jahre anhielt, habe ich mich ein mal zusätzlich in einen anderen Menschen verliebt. Den Kontakt habe ich damals abgebrochen. In meiner zweiten Beziehung, die Ehe bestand 9 Jahre, die Beziehung an sich ging länger, verliebte ich mich zwei mal. Auch da habe ich die Kontakte abgebrochen. Warum? Weil das nicht richtig war, weil wir monogam sein müssen. Und weil ich nie das Gefühl hatte, mich meinem Partner so sehr zu öffnen. Betrogen habe ich nie. Nun, Emotional wohl schon, aber was kann man schon gegen Gefühle machen? Ich habe die Kontakte abgebrochen und jeweils ein paar Monate Liebeskummer in mir herumgetragen. Btw.: Die letzte Liebe ist mir bis heute im Herzen geblieben.

Wie ihr nun gemerkt habt, spreche ich nicht von Dates und Sex. Was nicht heißt, dass diese beiden Dinge ausgeschlossen sind. Aber es geht mir um mehr. Ich bin durch und durch ein Gefühlsmensch und nehme bevorzugt Gefühle mit ins Spiel. Ich bin ebenfalls ein Mensch, der nicht viel Platz im Leben für Menschen hat, weshalb ich auch nur eine weitere Person „suche“. Auf viel mehr kann ich mich gar nicht konzentrieren und dem auch nicht gerecht werden. Ja, es ist sehr schwer so einen zweiten Menschen zu finden, weshalb ich bisher auch niemanden in dieser Richtung habe. Wir sind halt zu monogam in Sachen Liebe. 🙂

Wie kann man sich das in mir vorstellen? Schwer zu erklären, aber man stelle sich einfach zwei Personen vor, die zwei Menschen völlig unabhängig voneinander liebt. Zwei Beziehungen pflegt, jede auf ihre Weise. Man ist selbst anders mit einem anderen Menschen, interagiert anders, andere Gespräche, andere Gefühle. Nichts davon ist besser oder schlechter, mehr oder weniger. Es ist einfach nur anders. Ich vergleiche nicht. Und es dienst auch nicht der Umorientierung.

Eine monogame Beziehung wird ja auch nicht hinterfragt mit: „was ist denn wenn er/sie sich in den anderen Menschen verliebt/mehr liebt?“ Das kann immer passieren! Und das hat dann nichts mit einem neuen Menschen zu tun, sondern mit der bestehenden und vermutlich instabilen Beziehung. Oftmals liegt das an mangelnder Kommunikation und am mangelnden Verständnis. In einer geöffneten Beziehung ist das nicht anders.

Als ich meinem Partner meine Gefühle eröffnet habe, haben wir in der darauffolgenden Zeit sehr viel darüber geredet, ich habe mich so gut es ging versucht zu erklären. Das war eine sehr große Öffnung meinerseits. Was unsere Beziehung im Nachhinein weiter gestärkt hat. Nicht immer war es ruhig in diesen Gesprächen, Streit würde ich es nicht direkt nennen, denn wir streiten uns eh fast nie und wenn dann nur sehr kurz. Ich bin aber auch eine sehr direkte und offene Person, sofern ich das Gefühl habe, das auch sein zu dürfen. Und genau das ist bei meinem Partner der Fall. Inzwischen ist das aber auch kein allzu großes Thema mehr, denn das ganze liegt schon ne ganze Weile zurück. Wir möchten also noch immer heiraten.

Trotzdem bin ich meinem Partner gegenüber sehr ehrlich. Ich muss keine Nachrichten löschen und auch nicht „auf Fortbildung“ gehen. 😉 Ja, das sind so Ausreden, die man findet. Das finde ich widerlich.

Nun, wenn man sich verständigt hat, ist das ganze eigentlich ganz leicht. Ich lasse mich treiben und informiere meinen Partner, wenn’s was Neues in Sachen Liebe gibt. Ich rede sogar sehr gern darüber, sind ja schöne Gefühle. Es war ein unglaublich befreiendes Gefühl, ihm meine Geschichte zu erklären, meine freifliegenden Gefühle und auch über den Liebeskummer zu sprechen, den ich all die Jahre nur für mich behalten habe. Es ist nicht falsch so zu empfinden, es ist auch nicht falsch so leben zu wollen. Wer bin ich, dass ich für meinen Partner ALLES sein kann? Und wer ist mein Partner? Wundervoll, selbstverständlich und ebenfalls vollkommen ausreichend für mich, in jeder Lebenslage. Und stets mein Ritter in glänzender Rüstung. Nichts fehlt mir. Sicher, in der Monogamie ist das so. Aber ein anderer Mensch ist eben ganz anders und auch auf eine ganz andere Weise romantisch zu lieben. Und auch wenn ich die Liebe nicht definieren kann, einen Fehler kann ich darin nicht finden.

Es geht nicht darum, nicht gut genug sein, nicht um unzureichend sein. Es ist in mir einfach nur anders. Wie zwei Menschen, die fühlen. Und ich fühle einfach so unfassbar überschwappend. Und ja, selbstverständlich möchte ich einem Menschen dann auch nahe sein. So fühle ich eben. Und mein Partner bedeutet mir so viel, dass ich ihm das ehrlich sage, wenn es so ist. Man sieht aber, Polyamorie ist nicht mangelnde Liebe, Betrug, auch kein wildes Herumgepoppe. Es geht um Gefühle, um Bedürfnisse und um die Liebe, Kommunikation, Ehrlichkeit und um das Vertrauen in einer stabilen Partnerschaft. Ich fühle mich frei und mein Herzchen ist offen – für meinen Partner und für das, was da kommen mag.

Zeit

Die Zeit ist genau der Punkt. Die Menschen wissen zwar, dass diese nicht unendlich ist, aber ihr Handeln ist verschwenderisch. Sie geben sich mit wenig zufrieden. Mit Quantität, mit Belanglosigkeiten, die doch nur zum ewigen Hunger führen. Und am Ende des Tages bleibt immer ein kleiner Moment für das Gefühl übrig, etwas verpasst zu haben. Dass etwas nicht genug war. Warum? Weil es nicht genug war. Und warum? Weil sich die Menschen mit weniger zufrieden geben, als sie glücklich machen würde. Und warum das? Weil Träume, solange sie Träume sind, nicht zerstört werden können. Aber hey, die Zeit ist nicht endlos. Die Zeit an sich, ja, aber deine Zeit nicht. Ich schaue nicht auf die Uhr, weiß nicht was heute ist und auch nicht was morgen ist. Irgendein Tag wird es schon sein und in mir ist es, wenn ich wach bin, ohnehin immer Nacht. Aber ich fühle sie mit Qualität. Nein, es handelt sich dieses Mal nicht um einen Schreibfehler. Ich fühle. Denn ich habe keine Zeit für weniger.

kalt

übrig bleibt schwappendes Blut
in rostigen Rohren
und das zu tief in dir Verborgene
weil ich es nicht mehr kann
bin ich kalt
und findest du mich nahe Nacht
erkennst du mich
nicht

© Amy Herzog

Dieses Salz ist
und würde es mich nicht zerreißen
könnte ich dich nicht atmen
nicht fühlen, oft
und dann die Sehnsucht nach
Kerzen und Zimt

© Amy Herzog

Sonnenseufzen

Der Rhythmus fällt
aus verblühten Gedichten
Sonnenseufzen
schlägt jede Nacht tot
deinen ausgetrunkenen Vollmond
übergieße ich mit frisch aufgebrühtem Sex
und wenn mein Herz noch taumelnd fragt
atme ich Träume in deinen Nacken
die mein Mund nicht mehr
zu spüren wagt

© Amy Herzog

Das alte Spiel

© Amy Herzog

Nichts auf meinen Lippen

Nichts auf meinen Lippen
und in meinen Händen nur Staub
aus grauem Herz
und zwischen.Menschlichkeit
mein Puls flüstert müde
in knisternd streichelndem Herbstlaub
ein Blatt halte ich
und gieße dich darin auf
wie den Tee vor der Dunkelheit
damit ein bisschen Wärme
aus meinem Mund
und Glassplitter in meine Ferse
fällt und fließt und sticht
ich wünsche wieder
nichts auf meinen Lippen
und einmal nur ein kleines Herz
das nicht so klirrend bricht

© Amy Herzog

schmerzfrei (drabble-dienstag)

Bin ja schmerzfrei. Hab ne Schwäche für Merkwürdiges und eigentlich überrascht mich da nichts mehr. Die normalen Leute machen mir Angst. Wenn es aber so (neudeutsch) cringe wird, dass ich kaum mehr etwas damit anzufangen weiß, dann setze ich die Kopfhörer auf und singe: „Weine nicht, wenn der Regen fällt, dam dam…“ und halte meinen Mittelfinger hoch in die Welt. Dann fühle ich, ganz oder gar nicht! Und die Vorstadthausfrauen mit ihren Christuskreuzketten halten sich empört ihre Hände vor den Mund.

Wenn dann absolut Unmögliches im Merkwürdigen liegt, dann bleibe ich, selbst wenn ich aus meiner Dachluke den Mond anheule.

*zweiter Beitrag zum Drabble-Dienstag mit Lyrix, in freundlicher Vertretung von Grinsekatz. 100 Wörter mit den drei vorgegebenen Worten: Kreuz, Kopfhörer, Dachluke.

trostlos

Irgendwie trostlos
wenn die Jahre flüchten
am Ende ein kleines kaltes Leben
auf dünner Oberfläche
und dann bist du immer nur
gerannt, gerannt, gerannt
hauptsache hin
und schnell wieder weg

Und dann sagt irgendwer „Mein Beileid“

© Amy Herzog

bedeutung

In Grenzen rechnen
schnürt ein
manchmal ist das Große
nur sehr klein
und dann liegt darin
eine ganze Welt

© Amy Herzog

Kaltgeworden

Dann sitze ich dir im Wohnzimmer gegenüber, zwischen uns eine brennende Kerze. Ich lausche deiner Stimme und betäube deine Fragen. Irgendwann fragst du, weshalb ich mich verändert habe, unerreichbar geworden bin, mich dir nicht öffne, nicht mehr antworte. Ich schaue dich mit ausdruckslosem Blick an, ziehe an meiner Zigarette, halte kurz inne. Dann frage ich, ob es dich interessiert, was ich zu sagen habe, oder ob du nur ficken willst. Du schweigst, dein Blick wird leer oder traurig. Das ist die Antwort, sage ich dir, stehe auf, lege meine Kleidung ab und nichts als meine kalte Haut auf dein Bett.

(Ein Drabble)

© Amy Herzog

Orgasmen!

© Amy Herzog

Splitter

© Amy Herzog

Deine Kalliope

Dein hungriger Geist
so leergefühlt
wie ein einsam erfrorener Vogel
der vom Ast fiel

Wie treiben deine lauen Funken und
im Wellenschlag ertrunkene
Leidenschaft
verloren in der Nacht
und unsichtbar durch den Tag
über deiner ängstlichen Hülle nur eine
flackernde Glühbirne
die ihrer eigenen lauten Sehnsucht
vor deiner im Sterben lag

Mein hungriger Geist
so leergeküsst
nur lass mich schwimmen
im Kerzenschein durch die Vollmondnacht
und wie mein Leib aus Schmerz
die Kunst erschafft
lass mich die deine ewige
Kalliope sein

© Amy Herzog

verewigt

Dein altes Bild
tropft mir aus dem Mund
wie wärmend über Kinn und
ungeküsste dunkelzarte Lippen
malerisch auf Haut, Brust und Rippen
und duftet dickflüssigrot die Lust
spielendlieben Vollmondzungen
in Feuerkerzen, Luft und Wein
verewigt im tiefen Bauch
so bist du mein

© Amy Herzog

[hier aussagekräftigen titel einfügen]

© Amy Herzog

(K)eine vermisste Person.

© Amy Herzog

w i e

Zeige mir w i e
SCHMERZhaft es sein kann
lass mich d e i n e n
Schmerz spüren
dein traumtötendes Leid
in verborgener Angst
und in zärtlichstiller Dunkelheit
wispere ich nah w i e
Hingebungsvoll meine Liebe ist

© Amy Herzog

‚diese sehnsucht begraben‘

© Amy Herzog

An meinen Winter

© Amy Herzog

Gar nichts.

© Amy Herzog

Eine Schlampe

Gott hat mir den Rücken gekehrt. Ich bin eine Schlampe. An meinen Fingern, an meinen schreibenden Fingern, klebt dein Schwanzgeschmack. Er hinterlässt seine Spuren. Nicht auf meiner Tastatur, nun, möglicherweise auch dort, aber viel mehr auf meinen Gedankensträhnen. Ich weiß, ich muss mir die Haare bürsten. All diese Knoten, all deine hinterlassenen Nester und dieser weiche Körper, in dem du geschwommen bist. Jetzt, wo ich deine Aufmerksamkeit habe, denke ich zu viel nach, über Brombeeren. Mit jeder gebürsteten Strähne fallen sie zu Boden. Du zerquetscht sie beim hinausgehen. Ich fühle dir hinterher. Und du denkst nur so: „Hä“. Ich bin eine Schlampe. Ich fühle mich wie der umgekippte Sack Reis, nur ein bisschen weniger relevant. Die Tasten kleben an meinen Fingern, sind damit verwachsen, vielleicht klebe ich auch an ihnen, dabei bin ich keine Schriftstellerin, werde ich nie sein. Gott sieht mich nicht. Hinge ich tot über’m Zaun, fiele es ihm nicht auf. Und dir auch nicht. Ich reibe mir den herausgequetschten Brombeersaft, welcher meinen teuren Boden versaut hat, auf meine nackte Haut. Er ist noch warm. Von dir. Er ist noch warm. Und ich fühle dir immer weiter nach, wie weit du dich auch entfernst. Du hast mich natürlich schon vergessen, die Schlampe, du hast mich nie erfahren. Diese Reproduktion meiner Selbst. Und nun bin ich nicht mehr ich, denn ich kann mein Spiegelbild nicht ertragen. Diese frisch gebürsteten Haare ekeln mich so an. Als hätte es mir nichts bedeutet. Als hätte es nichts bedeutet. Wenn es auch nur eine Sekunde lang so wäre, würde ich mir selbst den Rücken kehren müssen, so wie Gott, so wie du. Diese Reproduktion aber verteilt den Schwanzgeschmack auf der Tastatur, damit du mir bleibst, in meinen Worten tropfst, in mir verwest. Deine zertretenen Brombeeren jucken auf meiner Haut. Ich friere. Ich schwitze, ich tropfe, ich bin nackt und allein. Ich bin tot. Und du denkst nichts. Nichts. Gar nichts. Oder irgendwas. Kratze mir unter der Dusche das Lila von der Haut. Die Reste meiner Erinnerung verfangen sich unter meinen Fingernägeln. Gott war nie da. Du auch nicht. Ich bin eine Schlampe. Ich schreibe Lila.

22 30 Ende

zweiundzwanzig Stunden lachen
dreißig Minuten reichen mir nicht aus
hab’s kurz gespürt
und wieder an der Angst gerührt
zu lieben
verstecke mich dahinter
fühle, fühle, fühle
und hasse es
dafür

hasse dich
aber gerade ein bisschen mehr als sonst
kurz den Tod gewünscht
und bereut

schwer mir einzugestehen
wofür ich so früh aufgestanden bin
und bin nicht gut darin, etwas zu beenden
nicht zu brennen
was in Flammen steht

lerne schweigen
hab’s mir von dir abgeguckt
mit banalem Wort
und mitten im Satz ein kleines
Ende

© Amy Herzog

Wenn gestern morgen ist…

Manchmal, wenn ich dran denke,
aber nur wenn auch eine Träne
in die Wunde fließt,
kommt’s mir vor, als wäre es erst gestern gewesen
und wünsche mir dann,
es wäre doch das gestern von morgen

Aber sag mal, sagst du Bescheid,
wenn es soweit ist, wenn es morgen ist?
Denn heute lebe ich nicht.
Sind alle meine Figuren schon tot
und ich sehe nur den Staub.

Und.
Ich ersehne.
Dich. Und.
Dein Wort.

(das weiß nur ich)

© Amy Herzog

Furcht bleibt

tränen verschweißen meine augen
starre in verschwommenes
schreibe in fingerspuren auf sandpapier
glattgeschmirgeltes gedankengut
albträume räumen die nacht
und lassen die leiche spurlos verschwinden
ich denke an nichts, nichts, nichts..
aber wenn ich wieder klar sehe
atme ich tiefblutentkleidete furcht
in deine kalte richtung

(furcht sitzt da, wo das herz verblutete)
- der platz war noch warm

© Amy Herzog

Kaltes Herz


Suche nichts, mein Liebster
was nicht gefunden werden kann
kein Kompass ist dein
und die Sternbilder blenden
mein Herz in der Truhe
am Grund des tiefschwarzen
schimmert nur an der Oberfläche
anmutig salzigblautürkis
dein Herz aber muss schweigend still
zwischen den Welten verloren
gehen, leiden, enden
wenn’s mein erkaltetes Herz
schlagend finden will

© Amy Herzog

Wir

Ein dunkler Raum 
in zeitloser Zwischenwelt
rastet in unendlicher
grenzenlos
Poren sickernder
in hingebungsvollen
entblößten Seelenkörpern
durch Ewigkeit

Die Außenwelt zeigt
wie Farben
durcheinander
aneinander vorbei
verlieren und suchen
vermischt
in verbrauchten
Stunden

Wir liegen darin
suchen Liebe, Nähe, Sinn
Bedeutung im bedeutungslosen
Wahrheit in Lüge
und im verschiebenden
verschwiegenen
die Mitte
uns

Wir brauchen nichts
in der Dunkelheit
wir sind wir
wie wir sind
sind wir mehr
Sterne, Ozean, Mond
oder Pfütze

Fragen
die hier nicht
existieren
in der Zwischenwelt
wir sind klein
wir sind die Mitte
wir sind nackt
wir sind eins
wir sind wir

Mitte

© Amy Herzog

taumelnd

Die tagelange Schlaflosigkeit
macht mich taumelnd im Kreis
und zurück bleibt nur dieses Sehnen
nach zurückgerufenen Gedanken
die sich gegen dich wehren

Und dein Schweigen schlägt
lauter in meiner Brust
als dein Schreien jemals wiegt
und zurück bleibt nur dieses Hoffen
dass du in meinen Träumen liegst

Zu dunkel spüre ich die Anmut
deiner allumkreisenden Anwesenheit
doch zurück bleiben nur bleierne Lider
wieder wartend auf einen Hauch
sinken meine Gedanken nieder

© Amy Herzog

Anfangsmondlicht

Versteck dich nicht mein Liebster
im Mondlicht sehen wir alle gleich aus
und er kommt, er kommt gleich
um uns zu holen, damit wir uns finden

Schäme dich nicht mein Liebster
deine dunklen Narben sind mir Kunst
und im lilafarbenen Schimmer
meiner Hämatome sonnen wir uns

Und fürchte dich nicht mein Liebster
die Klingen zerschneiden Fäden
die wir uns auf unsere Lippen Nähten
doch wir brechen unser Herz nicht

So lasse dich fallen mein Liebster
meine Wunden bedecken nur das Ende
ich zeige dir den Anfang des Mondes
und gleich nimmt er uns mit nach Haus

© Amy Herzog

Unwirklich wirklich unauffindbar..

Ein neues Bild fand ich, fand mich
wie ein Moment der Freude
flüsternd in Gedanken – dich
und riss mich doch in Stücke

Atme weder ein noch aus
wie Blut drückt durch die Kehle
und starr‘ ich mich zum Spiegel ein
weil ich dein Herz noch fühle

Fand ich zwischen tausend Welten
eines nur, doch war allein
und war es Freude, wahrhaft Freude
schmecktest du wie süßer Wein

© Amy Herzog

Schlussendlich..

Ewigkeiten sind vergangen,

Nebelschwaden ziehen vorbei,

und die Seele liegt in Ketten,

wann nur bin ich endlich frei?

Ist die Kehle fast vertrocknet,

und ich sah ein Leben zieh‘n,

welches ich nie leben würde,

also begann ich zu flieh‘n.

Auf der Suche nach der Sonne,

war ich fast schon endlich da?

doch das Leben rannte hinten,

und schlussendlich ist es nah.

(C) Amy Herzog

wegen…

Was ich suchte
fand ich in keinem Wort
und zwischen keiner Zeile
nur jetzt, wo ich leise hier verweile
hinter fest verschlossenen Augen
beginnt es stumm zu regnen
mit einem Lächeln
wegen…

Ich kann nur schreiben
dass der Himmel hier blau ist
obwohl es seit einem Jahr regnet
und die Vögel sich bewegen
in lautesten Gesängen
nur ohne Luft
wegen…

Hinter verschlossenen Augen
liegt kein unbeschriebenes Papier
nur Händchenhaltend jetzt und hier
und alles was ihr draußen seht
ist Zeit, die niemals steht

Doch hier im Käfig
kann ich fliegend länger leben
wie an die Zeit den Sinn vergeben
und das alles wegen Regen
und noch mehr nur
wegen…

 

 

 

© Amy Herzog

Vor dem Sturm…

Die Wolken fliegen immer schneller,
doch Schwebe ich im Wind allein,
und fürchte mich vor dem Gewitter,
wann wird es nur gekommen sein?

Die Wolken wollen mich nicht halten,
sie lassen mich im Nichts zurück,
und wie sie mit den Worten flüchten,
so lassen sie mir nicht mein Glück.

Die Wolken bauen tausend Stürme,
doch noch sind die Gefühle mein,
ich schließe in dem Wind die Augen,
und schlafe ohne Furcht dann ein.

© Amy Herzog

Das wertvollste spiel.

Ich sehe traurig durch mein Fernglas
die mit reifen quietschende kurze Zeit,
als sei das Auto, das mich mitnimmt
nicht weit entfernt und schon vorbei
gefahren. Voll gepackt mit meinen
Erinnerungen, die ihren Wert verlieren.

Auf ins Niemandsland, an den Rand 
der Grenze des strahlenden Scheins.
Hat es mich vergessen, oder ich mich
verloren in der Sanduhr des nassen
Sandes? Die zwei Silben der Nähe des
ängstlich (selbst) verschütteten Bandes.

Es geht nicht um des Lebens Rennen,
doch geht es um den erkämpften Sieg.
Um mein Gehör, mein Gespür, zu folgen,
auch ohne zu wissen, wofür. Klopfend
an die Tür des Glücks. Mit meinen Regeln
einfach über die Grenze hinaus zu segeln.

Und dort angekommen, ist die Aussicht
in seinen spektakulären Farben frei. Zeit
bekommt einen Sinn ohne spürbar zu sein.
Doch weit ist dann kein Ziel, nur die Stille 
des Waldes bedeutet dann unendlich viel.
Hinter des Glückes Tür im wertvollsten Spiel.

© Amy Herzog

Dem Herzen folgen..

Ich möchte meinem Herzen folgen,
wohin es mich auch führen mag,
die Steine werden nie zu schwer sein,
denn tief im Herzen bin ich stark.

Die Wege sind zwar unergründlich,
und doch wird dieser richtig sein,
denn nur mein Herz erkennt die Antwort,
und lässt mich am Schluss nicht allein.

So wenn ich dieser Stimme folge,
die lautstark aus dem Herzen spricht,
wenn Nebelschwaden sich verziehen,
dann kann ich leben in dem Licht.

© Amy Herzog

Was du fühlst…

Es schmerzt unbeschreiblich,
zu fühlen, was du fühlst,
zu sehen, was du siehst.

Den Hass und die Güte,
die du in dir trägst.

Die Freude und das Leid,
was dich täglich bewegt.

Es schmerzt unerträglich,
und doch liege ich da
und lächle immerzu.

Wenn ich fühle, was du
fühlst – so wunderbar..

© Amy Herzog


© Amy Herzog

Richtungen…


Wie du gehst und dich bewegst,

Immer weiter in Richtung vorbei,

In meinem Herzen die Rätsel legst,

Wär ich doch nur wieder frei.

 

Seist du meine Mitte, mein Licht,

Weil mich ein Augenblick verirrte,

Die deinen Worte trinke ich nicht,

Weil es doch nur das Hirn verwirrte.

 

Ehe die Nacht vom neuen beginnt,

Gehe ich in Richtung ungeschehen,

Mein Herzblut nur noch kurz gerinnt,

Und Gefühle mit den Stürmen verwehen.

 

© Amy Herzog

Gefühlsmusik…

Sitz die Nacht still am Klavier,
und denke mich im Klang zu dir,
tanze schweigend über Tasten,
lasse Noten für mich sprechen.

Verbinde schreiende Gefühle,
bis ich keine Stunden zähle,
forme sie in Liebesworte,
schwinge mit an ferne Orte.

Der Ort ist nur erfüllt vom Glück,
als gäbe es dort kein Zurück,
schreiben Worte bis hin zu dir,
was ich wirklich für dich fühl.

Die Musik spricht Wahrheiten,
kein blabla, kein Rätselraten,
sie spricht nur das, was ich fühle,
das du sie hörst, ist was ich hoffe.

© Amy Herzog

Müde…

So müde, leer, verstaubt bin ich,
meine Seele geschwächt innerlich,
verstorben, von der Welt geweht,
nicht mehr da, versunken im Nichts.

Zu schwer ist es noch zu Sein,
zu klein ist meine Seele, allein,
nur noch ein Schatten, der weint,
zu zerbrochen, um existent zu sein.

Könnte nur noch jemand sehen,
richtig sehen, greifen, fühlen,
nein, nicht niemals weichen,
nur halten, lieben und bleiben.

Wortlos durch Lichter schreiten,
ohne Blicke zu verschwenden,
Schatten fühlen, Scherben zertreten,
einfach fühlen und annehmen.

© Amy Herzog

Treu ergeben…



Ich kann in deine Seele sehen,

Das was du tief im Herzen fühlst,

Und ich wage es niemals zu gehen,

Selbst wenn du mal herunterkühlst.

 

Bleibe nah an deiner Seite,

Auch wenn du mich mal nicht siehst,

Ich suche niemals mehr das Weite,

Auch wenn du nichts für mich fühlst.

 

Der Seele bleib‘ ich treu ergeben,

Denn ich habe kaum eine Wahl,

Würd‘ es dich nicht in mir geben,

Wär‘ das meines Herzens Qual.






© Amy Herzog

Warum es weh tut…

Ich weiß nicht, was ich empfinde,
was mich in der Nacht wach hält,
zitternd durch den Körper fegt,
und mir die Sterne noch erhellt.

Nur die Wärme kann ich spüren,
wie sie flattert durch den Bauch,
mich zuweilen lächeln lässt,
mir das Glück gedanklich haucht.

All das scheint so unerforscht,
ist es schön, oder doch nur schlecht,
schleicht die Kälte durch ein Fenster,
und ich frage mich, ist es echt.

Worte schleichen durch Gedanken,
weiter an meinem Herz vorbei,
zündet Flammen wo es flattert,
verzweifelt frag‘ ich was das sei.

Und dann spüre ich den Schmerz,
was gerade doch war noch gut,
Sehnsucht drängt sich einfach auf,
und es kocht das kalte Blut.

Zweifel an Gefühl und Wort,
bleiben, wenn der Morgen taut,
Angst und Herzschmerz bleiben,
nur das Flattern schwindet auch.

Das was bleibt ist Unwissenheit,
doch gleichzeitig kommt Erkenntnis,
warum das Herz nun doch weh tut,
bleibt am Tage kühl im Gedächtnis.

© Amy Herzog

Schatten meiner Selbst…

Rain

Dort oben war Licht und Liebe,
Kein Regen konnte je das Fühlen,
Zerstören, in sich begraben, fressen,
All das Licht vom Himmel verlassen.

Doch da waren sie, die Zerstörer,
Sie besetzten meine Seele schwer,
Nahmen mich in ihren Besitz, dunkel,
Ganz und gar wurden sie der Herr.

Aus dunklen Wolken bin ich gefallen,
Krallen Geister in mein übriges Sein,
Klein getreten und seelenlos vergessen,
Ergötzen sie sich am letzten Schein.

Nur noch ein Schatten meiner Selbst,
Redet neben verregneten Straßen daher,
Sie, die ich einst mal aus der Ferne,
Verehrte, sie ist weg, wer bin ich, wer?

© Amy Herzog

Unsichtbares fühlen…

Unter all den Fremden
sind wir fremd
verborgen
in unseren Herzen

In unserem Fühlen
sind wir nah
ohne Worte
scheint nichts verborgen

Unsichtbares
lässt uns fühlen
was verbunden
ist

Bleibt es doch nur
das wortlose
unsichtbare

© Amy Herzog