Beichte #32

An manchen Tagen jagen mich solche Gedanken. Sind dann einfach da.

Der Gedanke berührt oder angeschaut zu werden zerreißt mich, weil man sich vor mir ekelt. – Du bist halt zu fett, viel zu hässlich. Zu leise, zu laut. Fühlst zu viel. Nicht gut genug. Bist zu behindert für menschlichen Kontakt. Charakter ist auch scheisse. Bist krank. Dumm, störend, nervig. Wirst nie gut genug sein.

Liege dann irgendwo rum, streichle meine Katzen und hinterfrage meine Existenz.

Die Angst vor Zurückweisung & ich mag Katzen.

Da war mal n Junge, der mich mochte. Er bewarf mich mit Essen, Brotstückchen, Obst, was man eben so mit sich führt in der Brotbox. Und natürlich reagierte ich negativ darauf, er reagierte belustigt. Oder erfreut, weil ich ihn wahrgenommen hatte.

Diese Erinnerung kam mir beim Schauen einer Dokumentation über Katzen. Es ging darin um widersprüchliches Verhalten. Na, bei Katzen ist das ganz einfach, du merkt es, wenn sie dich mögen, aber auch, wenn sie es nicht tun. Katzen sprechen eine eindeutige und gnadenlos ehrliche Sprache. Und ich kann sagen, dass ich Katzen mehr mag als Menschen. Gefühlt sind sie die Autisten der Tierwelt. Sie mögen keine Veränderung, brauchen viel Ruhe, viel Zeit für sich selbst, mögen aber auch nicht das allein sein, das einsam sein, sie brauchen andere Katzen/Menschen in ihrer Umgebung. Ich bin gern mit meinen Katzen zusammen allein. Die Kommunikation findet stets ehrlich auf der Gefühlsebene statt, meist nonverbal und jeder weiß woran er ist. Meine Katzen spüren es auch, wenn es mir nicht gut geht und sind mit ihrem heilsamen Schnurren direkt zur Stelle. Na und selbst mein Partner weiß: „erst kommen die Katzen und dann kommt lange nichts“.

Dies brachte mich aber weiter zu der Überlegung und auch zu einem der Hauptgründe, weshalb ich Menschen nicht so sehr mag. Nämlich aufgrund dieses widersprüchlichen Verhaltens. Sie verhalten sich anders, als sie empfinden, oft habe ich das Gefühl, dass sie lügen. Oft habe ich auch das Gefühl, selbst lügen zu müssen, damit sich die andere(n) Person(en) wohl fühlen. Menschen tun so, als wären sie nicht verletzbar, oft aus Angst vor Zurückweisung. Und da muss ich gestehen, dass ich diese Angst nicht wirklich kenne. So wie man es einer Katze ansieht, sieht man auch mir an, ob ich jemanden mag oder nicht. Und da ich mich mit Körpersprache schwer tue, sage ich meist auch, was ich empfinde. Und selbstverständlich werde ich da oft zurückgewiesen. Trotzdem habe ich davor keine Angst, denn am Ende hab ich ja immer noch mich.

Nach einer Zurückweisung steht man eigentlich nicht schlechter da als zuvor. Außer, dass man vermutlich traurig oder verletzt ist. Aber das ist man auch, wenn man gar nichts sagt oder lügt. Deshalb verstehe ich diese Angst nicht. Immerhin ist es besser zu wissen, woran man ist, statt gar nichts zu wissen. Menschen machen ihr Selbstwertgefühl davon abhängig, was andere über sie denken. Das wiederum verstehe ich sehr gut, denn ich bin ein Mensch, der an sich selbst unzählige Fehler findet nach einer Zurückweisung. In diesem Fall ist es wichtig, die Situation und sich selbst reflektieren zu können. Und am Ende lande ich doch an dem Punkt, dass ich, wenn ich mir selbst begegnen würde, ich mich dann ziemlich toll fände. Aber ich sehe ein, dass es anderen Menschen oft nicht so gehen kann. Denn die meisten Menschen mag ich ja auch nicht…oder ich kenne sie nicht.

Menschen die einen mögen signalisieren aus Angst vor Zurückweisung oft Desinteresse, schauen weg, wenn der andere sie anschaut. Mit einem Autisten funktioniert dieses Spiel oftmals nicht, denn ich schaue zum Beispiel meistens weg, kann den Blickkontakt nicht lange halten. Unabhängig davon, ob ich jemanden mag oder nicht. Dementsprechend kann ich dieses Verhalten auch nicht zuordnen, oftmals nehme ich dieses nicht einmal wahr, wenn sich eine andere Person so verhält. Zwar finde ich menschliche Reaktionen spannend, dennoch kann ich Körpersprache und sonstiges Verhalten kaum deuten und kann im Grunde nur auf das Wissen zurückgreifen, welches ich aus Büchern, Psychologiezeitschriften, zahllosen Internetseiten, etc. habe. Und da gibt’s stets so einige Möglichkeiten. Alles in allem ein ermüdendes Spiel, was man mit den Menschen hat.

Ich mag Katzen.

Unterm Strich mache ich mir mein Leben leichter, wenn ich Menschen mehr so sehe wie Katzen. Ich nehme also alle Informationen eines Menschen, all das widersprüchliche Verhalten und „berechne“ den Durchschnitt.

Nun, bei diesem Jungen, der mich mochte, der aber alles tat, um das Gegenteil zu zeigen, bei dem dachte ich, dass er mich nicht mag. Zwar sagte mir jemand, dass er mich in Wahrheit mochte und er glotzte mich auch ständig an – hätte es zu dieser Zeit schon Wahtsapp, Insta und so weiter gegeben, dann hätte er mich vermutlich auch heimlich da gestalkt, aber davon hätte ich nichts gewusst. Nun, was ich wusste war, dass er mich mit Essen bewarf. Den genauen Grund fürs anglotzen konnte ich nicht wissen. Und das mir jemand anderes sagte, dass dieser Junge mich mögen würde, das hätte gelogen sein können. Ich komme also zu dem Schluss, dass dieser Junge mich nicht mochte. Was nicht schlimm ist, denn da mich mancher Apfel hart getroffen hatte, mochte ich ihn auch nicht besonders.

Die Angst vor Zurückweisung wäre also aufgrund seines eigenen Verhaltens berechtigt gewesen.

Das ist natürlich nur ein Beispiel aus meiner frühen Vergangenheit, dennoch lässt sich das auf die meisten menschlichen Kontakte übertragen, mit denen ich mich seither herumärgern musste/durfte. Ich kann nur sagen, dass ich noch nie einem ausnahmslos ehrlichen Menschen begegnet bin und das wird sich vermutlich nie ändern. Da ist es leichter ganz nüchtern den Durchschnitt (aus Worten & Taten) zu betrachten und diesen für bare Münze zu nehmen.

Ich mag Katzen.

Lieber als Menschen.

So müder Honig sehnt
& schweigt auf deiner Zunge
wilder Hunger
schwankend schwappt die Nacht
mein kaltes Wort
in meine schwere Lunge
weißen Wein

So tropft auch deine tiefe
Lust in
mein hohles Gefäß
& schmeckt ein einz’ger Kuss
nach ganzer Welt
wie Funkenflug den lang ersehnten Sommer
in mein wundgeschminktes
Herz gelegt

© Amy Herzog

@amy_darklyrik

Autismus Erfahrung: Die Sprache der (meiner) Liebe

Hab gerade ein tolles Video bei einer TikTok Creatorin gesehen zum Thema Liebe bei Neurodivergenz. Sie bezog sich da auf das Buch „Fünf Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman. Dazu würde ich gern meine eigenen Erfahrungen teilen.

1 – Lob und Anerkennung: Tatsächlich spreche ich nur selten Komplimente aus. Oft habe ich das Gefühl (nicht böse gemeint), dass sich neurotypische Menschen mit Lob und Komplimenten gegenseitig zuklatschen. Es sieht dann für mich so aus, wie Menschen mit ihren Haustieren, mit Hunden zum Beispiel reden. „Ein ganz feiner Junge bist du, ein ganz lieber Junge, hier ein Leckerchen.“ 😀 Ne, also bei mir ist das eine ganz seltene Sache. Umgekehrt fühle ich mich auch leicht verarscht, wenn ich mit Lob überhäuft werde. Es muss schon sehr abweichend toll sein, neu, über die eigentlichen Grenzen hinaus. Wenn Menschen wachsen, sich weiterentwickeln und lernen finde ich das sehr toll. Wenn jemand gekämpft hat, mutig war, sich etwas getraut hat.

So Dinge wie ein neuer Haarschnitt, ne schicke Jacke…ne, also das ist nichts Besonderes für mich. Allenfalls finde ich das scheiße, weil es eine Veränderung ist. Besonders wenn ich von dieser Veränderung nichts wusste, finde ich diese blöd. Aber auch das sage ich ehrlich, wenn ich eine Person sehr mag.

Unterm Strich ist ein Lob, ein Kompliment, das von mir kommt, etwas Besonderes finde ich. Weil ich damit nicht um mich werfe und wenn ich dann etwas hervorhebe, dann ist das auch sehr anerkennend und aufrichtig gemeint.

Wer jedoch reine Bestätigung sucht – der ist bei mir an der falschen Adresse. Da sollte also ausreichend Selbstwert vorhanden sein. Oder daran gearbeitet werden. In dem Zusammenhang – auch über einen Mangel an Selbstwert und dergleichen kann man reden. Und wenn es dahingehend Erfolge gibt, finde ich auch das sehr toll. 🙂

2 – Zweisamkeit – die Zeit für euch: So ein ständiges aufeinander hocken mag ich gar nicht. Für mich ist es eine tolle zweisame Zeit, wenn man sich zum Beispiel in der Selben Wohnung aufhält. Wenn ich weiß, dass ich gerade mein Ding mache und mein Partner seines. Wir haben beide Freude an dem was wir tun, sind irgendwie beisammen, obwohl jeder für sich ist. Ab und zu hole ich mir eine Umarmung oder mein Partner bringt mir nen Kaffee. Vielleicht schaut man zusammen einen Film, aber meist mag ich es am liebsten, wenn jeder sein Ding durchzieht. Na, ich schreibe zum Beispiel gerade und mein Partner ist im Wohnzimmer und macht irgendwas. Wahrscheinlich schaut er gerade eine neue Serie. Von der er weiß, dass ich nicht gern neue Dinge schaue, weshalb er diese allein schaut. Das ist sehr rücksichtsvoll und auch das ich mich zurückziehen kann, ist ein absolutes Zeichen der Liebe für mich als neurodivergente Person. Ja, ich fühle mich da sehr verbunden. Für neurotypische Menschen ist das meist nicht das, was man unter Zweisamkeit – Gemeinsamzeit versteht.

3 – Geschenke, die von Herzen kommen: Geschenke sind für mich völlig irrelevant. Ebenso Statussymbole, Stellung in der Gesellschaft / Hierarchien, Besitztümer, Geld, etc. Ich sah letztens ein Video, in dem eine Frau sagte, man solle sich als Frau nicht auf ein Kaffeedate einlassen. Und ich fragte mich natürlich warum. Und sie lieferte die Begründung: Weil der Typ nichts oder nicht viel in dich investieren möchte, womöglich nicht viel Geld hat. Ähm. Das war für mich sehr fragwürdig und die Männer tun mir da schon leid. Frauen scheint es oft wichtig zu sein, dass ein Mann ne gute Stellung hat, ein tolles Auto besitzt, viel Geld und Geschenke investiert. Und ich denke mir so…verdammt, ich kann doch nicht die einzige sein, die das merkwürdig findet. Oder ich bin keine richtige Frau. I don’t know.

Aber wer hat die Regel aufgestellt, dass man beim Daten viel Geld oder überhaupt Geld ausgeben muss, warum ist Geld so ein extrem wichtiges Thema? Geld beruhigt. Ich habe zum Beispiel bisher keine Schulden. Das beruhigt mich. Und ich schaue mindestens ein mal am Tag in mein Onlinebanking, was ich noch aufm Konto habe. Denn ich lebe nicht über meine Verhältnisse, aber geizig bin ich auch nicht. Wenn ich eines hasse, dann ist das ein gegenseitiges aufrechnen. Wenn ich etwas ausgebe, dann weil es verfügbar war. Dafür brauche ich kein „Danke“ oder sowas. Auch finde ich es merkwürdig mich zu bedanken, weshalb ich das auch regelmäßig vergesse. Leider wird das als unhöflich angesehen von neurotypischen Menschen. Geld ist so..naja da und dann halt weg, dann wieder da. Und so weiter.

Kleine Geschenke mag ich gern. Wenn mir jemand zeigt, dass er mich kennt. Manchmal bekomme ich so ein kleines Bällchen auf einem dieser Automaten, die im Kaufland rumstehen. Darin ist dann ein kleines Gummiteil oder so, mit dem ich rumspielen kann. Darüber freue ich mich riesig. Oder wenn man mir ein Gedicht schreibt. Oder wenn man mir zuhören möchte. Oder noch lieber – wenn man mir gegenüber offen und ehrlich ist. DAS kommt für mich von Herzen. Zeit. Akzeptanz und Toleranz. Interesse. Respekt. Dem anderen ein gutes Gefühl zu schenken, das ist ein tolles Geschenk. Der Geldwert ist völlig unerheblich.

Schenken an sich finde ich zum Beispiel eher anstrengend. Mit Menschen, die wert auf Geldwert legen. So muss ich dann wissen, was das Geschenk gekostet hat, das ich erhalten habe, damit ich ein Geschenk zurück schenken kann mit dem Selben Wert. Solche Leute kenne ich aber ganz bewusst nicht. „Von Herzen“ ist total individuell, so wie wir Menschen.

Schwer zu erklären.

4 -Hilfsbereitschaft: Menschen die ich sehr mag, helfe ich gern. Ich würde so einiges tun. Und ehrlich gesagt beschreibe ich mich selbst in dem Punkt etwas psychopathisch. Nun. Ich stelle keine Fragen, komme auch nachts und bringe gern ne Schaufel mit, falls nötig. Auch hier spielt Geld keine Rolle. Du brauchst Geld? Wenn ich es habe, gebe ich es dir. Da braucht kein Gefühl von „schuldig“ zu sein. Kein „Sie hat mir geholfen jetzt bin ich ihr was schuldig“. Nein. Wenn ich Hilfe brauche, dann bitte ich darum. Ist mir doch egal, ob ich vorher geholfen habe, damit mir die Hilfe quasi zusteht. Umgekehrt das Selbe. Wenn es mir möglich ist, dann helfe ich. Egal wann, egal was, egal wo. In Liebesdingen wird so oft aufgerechnet. Das finde ich sehr schade. Und wenn ich so denken würde, dann wäre ich einigen Menschen eine Menge schuldig. Denn ich brauche öfter mal Hilfe. Hilfe sollte nie auf Gegenleistung beruhen. Es ist für mich selbstverständlich, für Menschen die ich mag da zu sein.

Auch mache ich mir, wenn jemand ein Problem hat, direkt Gedanken bezüglich einer (langfristigen) Lösung. Ich krame mein Hirn und das halbe Internet durch, um das Problem zu lösen. Kann mich dann um Kopf und Kragen reden, Ratschläge geben, nach denen niemand gefragt hat. Oftmals finde ich auch etwas vergleichbares in meinen eigenen Erfahrungen. Dabei rede ich dann natürlich von mir, was für neurotypische Menschen oft so wirkt, als wolle ich vom Problem ablenken, lieber über mich selbst reden. Ich-bezogen sein. Das ist ganz und gar nicht so. Ein Beispiel: Wenn jemand einen Todesfall beklagt und traurig ist (mit Trauernden kann ich schlecht umgehen), aber ich versuche zu helfen, die Emotionen zu sortieren, indem ich zum Beispiel davon erzähle, wie ich mal jemanden verloren habe. Ich glaube, als der Vater meines Partners gestorben ist, habe ich von meiner toten Katze geredet.

Neurotypische Menschen schlagen vielleicht die Hände überm Kopf zusammen. Hach, das kann man nicht vergleichen. Und die verdammte Katze ist doch seit über zehn Jahren tot. Und überhaupt – es geht doch nicht um mich! Naja, aber diese Katze war mir unfassbar wichtig. Sie ist der einzige Vergleich, den ich hatte. Ich wollte meinen Partner verstehen und ihm helfen, seine Emotionen zu verarbeiten. Ich wollte, dass er sich nicht allein fühlt in seiner Trauer. Es war mein Versuch ihn wissen zu lassen, dass ich ihn verstehe. Dass seine Trauer okay ist. Das er diese zulassen kann. Und natürlich auch darüber reden kann, wenn er das möchte. Oder ich rede über positive Dinge, die den Verstorbenen betreffen. Über Erlebtes. Oder in dem Fall meines Partners auch über Eigenschaften, die er von seinem Vater hat. In dem Sinne von „da ist ganz viel von ihm in dir“.

5 – Zärtlichkeit: Das ist so ein Thema für sich. Oft mag ich es nicht, ohne Ankündigung berührt zu werden. Man sagt, dass das Meiste in einer Liebesbeziehung nonverbal ist. Und das auch nur so eine gute Beziehung, eine erfüllende Beziehung funktionieren kann. Berührung sagt viel über die Qualität einer Beziehung aus. Auch das Teilen von Berührungen in der Öffentlichkeit soll wichtig sein – immerhin steht man dann öffentlich zu der Person. Ich sehe das anders. Wenn ich das nicht möchte, oder auch mein Partner das nicht möchte, dann fühle ich mich nicht schlecht. Auch muss man nicht immer kuschelnd einschlafen. Und ich persönlich fände sogar getrennte Betten ziemlich toll. Zärtlichkeit geht bei mir mehr so in die andere Richtung. Verbale Kommunikation. Gemeinsam schweigen. Ich liebe schweigen. Auch dieses verliebt anglotzen, sich gegenseitig in die Augen schauen…kanns überhaupt nicht ab. Wenn man nicht umarmt werden möchte, nicht küssen, nicht streicheln und so weiter, dann fühlen sich neurotypische Menschen oftmals abgelehnt.

Zärtlichkeit spielt in meiner Welt keine allzu große Rolle. Zumindest nicht die körperliche. Sie besteht darin, dass ich nicht an Stellen berührt werde, wo ich es nicht mag. Lange Zeit habe ich gedacht, es sei normal, alles zulassen zu müssen. Aber ich weiß inzwischen, dass ich gar nichts muss. Und auch mein Partner muss nicht alles, was ich vielleicht möchte. Zärtlichkeit ist auch das wahren der Grenzen. Zärtlichkeit ist, wenn man offen miteinander redet. Sich öffnet. Vertraut. Und Vertrauen ist mir die wichtigste Basis, um Zärtlichkeiten auszutauschen. Ohne Vertrauen ist es mir extrem unangenehm berührt zu werden. Auch das wirkt dann oftmals ablehnend. Dabei ist das eigentlich nur ein Zeichen von „Hey, ich würde gern mehr Vertrauen aufbauen“.

Zärtlichkeit ist demnach auch Ehrlichkeit.

Einige Menschen sind zu dieser Art Zärtlichkeit gar nicht mehr in der Lage. Tinderfickereien sind normal. Menschen suchen Bestätigung. Sie labern eine stinkende Gülle (Lügen), um ficken zu können. Da kommt mir mein eben gegessener Auflauf wieder hoch. Andererseits analysiert mein Hirn gern solche Leute, weil’s da so viel zu diagnostizieren gibt.

Ich würde sagen, dass Zärtlichkeit in meiner Welt einen sowohl großen, als auch einen sehr kleinen Teil ausmacht. Es kommt eben drauf an. Auf die Menschen, auf die Umgebung, auf mich. Zärtlichkeit beginnt da, wie wir jemanden behandeln. Und da kann ich sagen – es gibt eine Menge arschkalter Menschen auf dieser Welt. Und von den meisten will ich in keiner Weise berührt werden. Es gibt sogar Menschen (oder in bestimmten Momenten), die ich zwar berühren möchte, aber ich möchte nicht von ihnen berührt werden.

Abschließend lässt sich noch sagen, dass wenn ich jemanden sehr mag, dann rede ich gern über meine Spezialinteressen. Ja, manchmal ist das dann ein ewiger Monolog über klaffende Wunden, Ausscheidungen und so weiter. Oder – was sehr selten ist, mein Schreiben. Ich rede an und für sich sehr gern darüber, wenn ich denn die Person sehr mag. Oder gar zu schreiben in der Gegenwart. Das ist so ziemlich das Höchste der Gefühle, denn das mache ich üblicherweise nur allein. Sogar wenn mein Partner den Raum betritt, muss ich kurz unterbrechen, denn ich fühle mich dann in der Ausübung gestört. Auch Nachrichten auf dem Handy beantworte ich dann nicht. Das hat weniger mit Ruhe zu tun, denn die brauche ich gar nicht so sehr. Für mich ist das etwas sehr intimes und das vor anderen Menschen zu tun…nun, das ist, als würde man sich mitten im Einkaufszentrum vollständig entkleiden. Oft wirkt aber auch das desinteressiert, abweisend, ablehnend. Dabei ist es „in meiner Sprache“, ein sehr aufrichtiges Zeichen großer Gefühle. So was lässt sich nicht vortäuschen.

Ich liebe dich kann jeder sagen. Und viele sagen es vielleicht auch, wenn das denn nötig ist, um Sex zu bekommen.

Wissen zu teilen, Interessen zu auszubreiten – das ist für mich ein Zeichen von Liebe. Nicht im eigenen, sondern im Interesse der anderen Person zu handeln, ist ein Zeichen von Liebe. Hab zum Beispiel seit vielen Jahren mit jemandem kein Wort gewechselt – aus Liebe. Aber das ist eine andere Geschichte.

Aber nun, wenn man erst die gesamte autistische Sprache versteht, dann lässt sich unfassbar viel Liebe darin finden, wenn ich denn liebe. Ich würde sogar sagen, dass da so viel Liebe ist, dass sie kaum zu ertragen ist. Aber manch ein Mensch erträgt sie dann doch. 🙂

Beichte #31

Zur Zeit bin ich ziemlich stolz auf mich. Auch voller Selbstzweifel, aber auch stolz. Weil ich etwas lerne, von dem ich dachte, dass ich es aufgrund meiner Behinderung nicht können würde. Ein bisschen Angst war und ist auch dabei. Aber viel mehr die Freude, sogar Spaß. Wenn es ums Lernen geht, bin ich sehr ungeduldig. Immer will ich alles wissen und das sofort. Bis ins kleinste Detail. Ich muss perfekt sein. Ein Ziel, das ich nie erreiche. Weil es immer mehr zu lernen gibt. Und das wiederum bereitet mir Freude.

Btw: Ja, ich war in der Schule das Pissbalg, das sich ganz vorn hingesetzt hatte, um dem Lehrer alles bestmöglich aus der Nase ziehen zu können. Nein, ich war nicht beliebt. Ja, ich habe bei schriftlichen Aufgaben alle Bücher um mich herum aufgebaut, damit niemand abschreiben konnte. Und meine Pausen habe ich mit den Hausaufgaben verbracht. Und mein Freund war Super Mario. Oder alle meine Stifte und Farben.

Und ja, ich war und bin bis heute immer scharf auf irgendeinen Lehrer, bzw. auf Menschen, die ne Menge drauf haben.

Aber das tut nichts zur Sache. Ich lerne eben gern. Und gerade lerne ich etwas, von dem ich nicht geglaubt habe, es je lernen zu können. Ganz bestimmt stoße ich an meine Grenzen, genau so auch mein „Lehrer“, der nicht wirklich mein Lehrer ist, sondern mein Lover. Aber das passt ja. 😉 Weit entfernt bin ich noch vom Ziel, aber ich bin auf dem Weg. Und ich bin stolz auf uns, auf mich.

Beichte #30

Meist sind es die schmerzhaften Augenblicke, in denen ich gedenke etwas sinnvolleres zu tun, als zu schreiben oder anderweitig künstlerisch zu wüten. Über den Gedanken hinaus hat es mich bisher jedoch nicht getragen.

Postkarte

Vielleicht will ich mir etwas ausdenken, irgendeine krasse Story, die nur rein zufällig Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen aufweist, vielleicht will ich einen Moment lang wichtig sein, wahrscheinlich will ich dich abschrecken, damit du nicht weiterliest, vielleicht will ich, dass du angewidert bist, solltest du doch weiterlesen. Vielleicht will ich aber auch nur da sein, irgendwas sein, irgendwas, egal was. Nur nicht nichts. Nur nicht jemand, der sich etwas ausdenkt, oder jemand, von dem jeder denkt, dass er frei erfunden ist. Und Ähnlichkeiten rein zufällig entstanden sind. Irgendjemand hat diese Geschichte sicher erlebt. Wer sie schreibt, ist dabei egal. Und wer sie liest, nun, ich weiß nicht. Vielleicht bist du auch nichts, so wie ich. Genauso unsichtbar, genauso irrelevant. Nur ein verpuffender Regentropfen der Weltenzeit.

Liege ich in meinem Bett? Nachts um eins und starre ich die fast dunkle Decke an, an der sich die schwachen Lichter der Straßenlaternen abzeichnen, hier und da ein vorbeifahrendes Auto, leises Rauschen und würde ich kurz die Augen schließen, könnte ich vom Strand träumen, könnte ich unter meiner Bettdecke verschwinden und mein Smartphone ausschalten. Und dann verkünde ich zuvor freudig einen bevorstehenden Urlaub, erzähle euch allen vom Sand und von der Wärme auf meiner Haut. Und dann schalte ich mein Smartphone aus, werfe einen letzten Blick an die beinahe dunkle Zimmerdecke und verschwinde unter meiner Bettdecke. Ich schließe die Augen und bin unsichtbar.

Unsichtbar für alle Menschen, für alle Spiegel, die mich nicht mehr betrachten können, weil ich ihnen so fremd geworden bin, dass jeder Blick sehnlichst Heimweh ruft. Nicht leise winselt, nein, es ruft, es schreit mir im vorbeigehen hinterher. Irgendwo zwischen dem Loslassen und den auf mich hereinbrechenden Tränen finde ich mich wieder, suchend, suchend einen Weg heraus, als würde ich rennen, schneller atmen, schwitzen aus Augen und Haut. Immerhin reichte das schon aus für eine Postkarte. Ich würde dir schreiben, wie weich doch das Wasser hier ist, süß und klar, doch wenn du mich küssen könntest, schmecktest du das Salz auf meinen Lippen und die Kälte unter meiner Bettdecke. Aufatmen kann ich, weil du viel zu weit entfernt bist und ich, ich bin im Urlaub.

Niemand will die Wahrheit auf Postkarten lesen, es genügt ein tolles Strandbild und die Worte von Wasser und weichem Sand. Ich schreibe dir also nicht, dass es pausenlos regnet, kalt ist, so kalt, dass es heute sogar kurz die Schneeflocken aus den Wolken trieb und dunkel, so dunkel, dass ich nur existiere. Ich und dieses Zimmer, aus dem ich einen Weg heraus suche, mitten in der Nacht, inmitten der Gedanken, die ich nicht mehr denken will, der Gedanken, die mich dastehen lassen, starr wie ein verlorenes Kind im Wald. Oder vielleicht wie ein Geist, der noch immer in deinen Seilen hängt.

Mit den Jahren wurde ich ein geduldiger Mensch, ein ruhiger, einer der hinnimmt, während das Blut mein Fleisch langsam garen lässt. Warten hingegen, dem Alter bin ich entwachsen. Na, immerhin sage ich mir das immer mal wieder, wenn ich mich beim warten erwische. Warten auf einen Anruf, der eigentlich gar nicht wichtig ist und mich ohnehin nie erreichen würde, weil ich mein Smartphone ausgestellt habe, warten auf die nächste Gelegenheit, die ich gar nicht ergreifen würde, warten auf etwas Neues, das ich gar nicht wissen will. Warten um des warten Willens. Warten im Urlaub oder unter der kalten Bettdecke. Warten auf einen Mann, der ganz anders riecht als du. Und hin und wieder auf den Lieferservice oder der Lieferservice wartet auf mich. Gebratenes Gemüse, das vor meiner Wohnungstür erkaltet, weil ich doch verdammt nochmal im Urlaub bin und die Klingel ausgestellt habe.

Also lasst mich, lasst mich unsichtbar, lasst mich sein, lasst mich, was ich bin. Vielleicht will ich’s mir nicht ausdenken, keine krasse Story, keine Urlaubsbilder und wahrscheinlich will ich dir auch keine Postkarte schicken. Eine Postkarte aus dem verschneiten inneren meiner Bettdecke. Mit Lügen, Sonne und Strand. Während die nackte Wahrheit aufgestanden ist, sich auf den am offenen Fenster stehenden Stuhl gesetzt hat und eine Zigarette danach raucht. Und ich, die im Bett liegt, wie immer doch einfach nur existiert / und nicht, die fast dunkle Decke anstarrt und keine Sekunde mehr allein sein kann. Immer so ganz unspektakulär irgendjemanden anstarrend mit der unterschwellig überschwappenden Sehnsucht nach dir. Und mir.

Warum so abgestumpft?

Weil du da draußen meistens Menschen begegnest, denen du völlig egal bist. Und das lassen sie dich spüren. Sie halten dich lediglich gelegentlich bei Laune, hier und da ein nettes verlogenes Wort, damit du dich kurz wichtig fühlst, damit du verfügbar bleibst, falls mal niemand anders verfügbar ist.

Damit du Zweifel hegst am „egal“. Obwohl es das einzige ist, das wirklich wahr ist.

Trauml(i)eben

Leere die See
in mir
& schließe mich ein in die Nacht
sacht, sag ich
zwischen Pflastersteinen
ruht Wildkraut geheimnisvoll im Schatten
& trinke ich den Mondschein
so ruhe auch ich
im Traum

& kann ich sein
schleiche ich leise unter deinen Füßen
zwischen Handel & gehandelt
werden verderben
die Menschen lauter Dinge
und schauen nicht
mehr hin

Langsam, sag ich
Traum
so nackt will ich dich spüren
im zarten Kuss & Duft aus weichem Bart
auf meiner Haut
& schweig! –
bis uns der Morgen
Ende graut

© Amy Herzog

der liebe kleiner tod

Langsam zog der Liebe
kleine Tod
& zaghaft reichte ich dir
meine Hand
so musste ich doch sterben
reines Herz zu groß
verschwieg mein letztes
Wort
und ließ dich los

© Amy Herzog

Zu real.

Hab mal wieder Sims 4 gespielt. Und hab’s dieses mal geschafft – bisher – nicht zu cheaten. Bin also noch keine Multimillionärin in nem Riesenpalast.

Wurde stattdessen Schriftstellerin. Nach 5 veröffentlichten Büchern habe ich 30 Simoleons verdient. Und ernährte mich von kostenlosem Joghurt. Das Ganze wurde mir dann zu real. Hab dann ausgemacht.

Wenn mein Autismus & AD(H)S sichtbar ist. #wutausbruch

Momentan kursieren viele Videos im Netz, die Autismus und oder AD(H)S in ein witziges Licht rücken. Große Influencer machen random Tests aus dem Internet, nicht mal die doch recht umfangreichen, sondern die, die dir am Ende nach wenigen Fragen sagen, dass die ganze Welt quasi ein wenig autistisch ist und oder AD(H)S hat. Und darüber wird sich dann lustig gemacht. Hunderttausende Menschen liken diesen Scheiß und fühlen sich total cool. Ja, es ist somit cool, ein bisschen Autistisch zu sein, ein wenig AD(H)S zu haben. Aber ist es das? Und ist es wirklich so lustig, sich über eine Behinderung lustig zu machen? Sich über tatsächlich Betroffene lustig zu machen, die Tag für Tag unter dieser Behinderung leiden, bzw. unter der Umgebung leiden, die behindernd wirkt? Ist es cool in einer Gesellschaft zu leben, die sich zu Großen Teilen gedankenlos lustig macht über Menschen mit Behinderung?

Wenn meine Behinderung sichtbar ist, wenn ich also nicht oder nur wenig maskiere, dann werde ich angestarrt, wie das siebte Weltwunder. Weil ich schaukelnd, wippend oder mit einem Stofftier durch die Gegend laufe. Am liebsten mit meiner kleinen Stoffente, die ehrlich gesagt mehr Persönlichkeit hat, als ich. Ich verstelle meine Stimme, denn über dieses Stofftier kann ich besser kommunizieren. Allgemein befinden sich in meinem Bett und und in der Umgebung so viele Stofftiere, dass es eher an ein Kinderzimmer erinnert. Es beruhigt mich, meine Bezugsdinge bei mir zu tragen. Wenn ich selbst nicht oder schlecht sprechen kann, dann übernimmt dies meine Begleitperson. Das wiederum erweckt zusätzlich den Eindruck, dass ich völlig Banane wäre. Und dementsprechend werde ich behandelt.

Wenn du in dieser Gesellschaft zusätzlich zum Autismus/AD(H)S nen Migrationshintergrund hast, übergewichtig/untergewichtig bist oder eine andere Körperbehinderung hast, usw.. tja, dann kann man sagen double fuck.

Ich musste mir meinen Platz auf dem 1. Arbeitsmarkt extrem hart erkämpfen und kann jetzt 15h/w arbeiten. Allein. Nachts. Nein, ich bin nicht faul. Nein, ich habe keine Kinder. Diese und weitere Fragen beantworte ich zwangsläufig beinahe täglich. Ständig muss ich mich beweisen, muss beweisen, dass ich nicht dumm bin, muss beweisen, dass ich tatsächlich Einschränkungen habe. Und ich muss dafür einstehen, dass ich nicht darauf reduziert werde. Bedürfnisorientiert wirst du in dieser Gesellschaft nicht behandelt, wenn du eine Behinderung hast. Bestenfalls versteckst du dich – aber bitte ohne Sozialleistungen. Du bist eine Last für’s System und das wird dir ständig gezeigt. Die Suizidrate ist um ein vielfaches erhöht. Verdammt, es sterben Menschen wegen solch einer Scheiße!

Ich will’s nicht sagen, tue es aber trotzdem: Euthanasie. Kinderfachabteilung. #google

Ja, lustig. Wirklich lustig. Zu einer anderen Zeit wäre ich entweder getötet worden oder zumindest zwangssterilisiert. Was können wir heute darüber lachen. Offensichtlich. [An dieser Stelle springt mir gedanklich ne Sicherung raus und Beleidigungen stapeln sich wie die Scheiße, die verbreitet wird] Ich bin wütend, schrecklich wütend!

Zu Hause ist mein Autismus und AD(H)S sichtbar. Ich habe meine Strukturen, bin nahezu ständig damit beschäftigt Dinge zu suchen (meistens mein Handy) – in dem Zusammenhang kommt es öfter mal vor, dass mein Partner meine Nachrichten liest und beantwortet, weil ich mit dem sozialen Kram, mit Beziehungsebenen etc, komplett überfordert bin. Ich vergesse es zu trinken, manchmal tagelang, weil ich hyperfokussiert an meinen Spezialinteressen sitze. Na, hier kommt recht viel, weil eben meine Interessen im Bereich der Kunst liegen. Aber auch Humanmedizin, aber das ist gerade nicht wichtig.

Ich habe mit körperlichen Auswirkungen zu kämpfen, (& Komorbiditäten)

im Grunde mit allen üblichen Reaktionen, die durch Stress ausgelöst werden. Mein Körper steht unter Dauerstress, weil ich keinen einzigen Reiz zu keinem Zeitpunkt filtern kann. Ich brauche ständig Rückzug, wirke abwesend, abweisend, manchmal vielleicht sogar Gefühlskalt, obwohl ich so intensiv empfinde.

Ehrlichkeit wird kaum erkannt, weil die Welt so verlogen ist. Und oftmals ist Ehrlichkeit dann auch noch unhöflich oder löst sonstiges Unbehagen in anderen Menschen aus. Overloads, Shutdowns, Meltdowns. Die ständige Angst vor Ablehnung. Weil ein „anders funktionieren“ in dieser Gesellschaft gleichbedeutend ist mit „zu cringe“. Es ist, als wäre ich in einem fremden Land und verstehe von niemandem die Sprache und niemand versteht mich. In diesem Fall ist fast der ganze Planet fremd. Mein Autismus ist jedenfalls perfekt dafür, um Menschen abzuschrecken.

Es gibt so viel zu diesem Thema zu sagen und dieser Text könnte lückenhafter nicht sein. Das sind nur diese sprichwörtlichen fünf Cents. Wer sich lustig macht über Menschen mit tatsächlichen Problemen, tja, das sagt im Grunde nichts über meine Behinderung aus, aber eine ganze Menge über deren Charakter. Over and out.

Beichte #29

Meine psychogene Amnesie, die einen Zeitraum von 2016 – Ende 2022 umfasste, ist seit ein paar Monaten weg. Einfach weg. Und die ganzen Erinnerungen sind plötzlich wieder da. Das sind sowohl gute, als auch schlechte. Viele Erinnerungen waren davon betroffen, darauf hatte ich keinen Einfluss. Manches war weg, verschwand einfach aus diesem Zeitraum. Und ich hatte mich daran gewöhnt.

Ich weiß nicht ob es einen Auslöser gab und wenn, dann weiß ich nicht welcher das gewesen sein könnte. Auch weiß ich nicht genau wann. Irgendwann Ende letzten Jahres. Recht plötzlich alles wieder da. Zum Teil war und ist das sehr anstrengend, weil mein Hirn halt einfach analytisch funktioniert. Und demnach all das „Neue“ nun analysiert. Inzwischen hat es sich aber etwas beruhigt.

Es hatte mir oft weh getan, wenn eigentlich schöne Augenblicke einfach verschwanden. Ich sie nicht in meiner Erinnerung halten konnte. Aber auch schlechtes verwand. Nicht alles, nicht immer, aber oft. Und ich hatte mich daran gewöhnt. Gewissermaßen war das auch wie ein kleines Sicherheitsnetz in meinem Kopf, das funktionierte, wie es wollte, aber doch irgendwie funktionierte.

Nur das jetzt seit einer Weile nichts mehr verschwindet, daran muss ich mich noch immer gewöhnen.

Es wäre trotzdem interessant zu wissen, was der Auslöser war. Ob es überhaupt einen Auslöser gab. Und falls ja, warum dieser erst nach so vielen Jahren, ich weiß nicht, „stark?“ genug war, um diese Amnesie zu durchbrechen. Ich nahm an, das sei inzwischen so manifestiert, dass es ein Leben lang so bleiben würde. Ich war nicht darauf eingestellt, auf diese enorme Veränderung.

Ein Soziopath ist Liebe ist Tod

Die Sprache hat sich nicht verändert, nur der Wahrheitsgehalt schwankt zwischen dem Glauben und einer sterbenden Hoffnung. Und du, du fliegst irgendwie darüber her oder kriechst darunter durch, vielleicht stehst du auch in der Gegend herum oder machst einen entspannten Eindruck, während deine Gedanken im Lesesessel entgleisen. Aber du bist nicht verrückt, nein. Du bist nur verliebt. Und dann öffnest du dir eine Flasche Wein, weil doch immer irgendwo irgendjemand darüber predigt, dass man ausreichend trinken solle und die aufgerissene Schokoladentafel neben dir erscheint dir in diesen Zeiten wie eine geeignete Tagesmahlzeit.

Erinnern willst du dich und willst du nicht. Willst dich erinnern daran, was er dir gesagt hat, wie der Wind an diesem Tag gerochen hat, wie seine Mimik einmal die Welt umrundet hat, nur um dich zu erreichen. Jedes Wort sezierst du, jedes Küsschen-Smiley bei Nacht bringt dich ihm ein Stückchen näher. Und dann redest du von Liebe. Dabei ist ein Soziopath doch jemand, der dich nicht fühlt. Nicht deinen Schmerz, nicht deine Nähe, nicht deine Liebe, ja nicht mal deinen Hass, wenn du ihn aufbringen könntest. Und wenn er dir egal ist, dann ist da einfach nur nichts. Und das, ja, das versetzt dir dann doch wieder diesen Stich von hinten in den Rücken.

Jedes seiner gesprochenen Worte buchstabierst du dir gedanklich vor wie ein Diktat voll roter Tinte nach jeder Zeile. Schwebst noch immer hin und her, krabbelst darunter durch, betrachtest jeden Mikromillimeter von allen Seiten. Was ist Lüge, fragst du dich. Kann doch niemand so viel Lügen und ist dann jede Lüge zwangsläufig das Gegenteil der Wahrheit? Dann findet er dich nicht schön, nicht liebenswert, nicht begehrenswert, dann bist du allenfalls ein weiteres kleines Spielzeug, welches, wenn es nicht mehr wie gewünscht funktioniert, in einer dunklen Ecke langsam an Glanz verliert und verstaubt.

Dann willst du glauben und du willst nicht. Willst das Gegenteil von allem glauben, was er dir jemals gesagt hat, selbst wenn es dir weh tut, ist es doch die Wahrheit, die du liebst. Und wie kannst du ihn weiter lieben, wenn an ihm keine Wahrheit haftet. Da sitzt du also in deinem Lesesessel, schwebst über dir herum, betrachtest die halbleere Weinflasche und die angefressene Schokoladentafel. Draußen neigt sich die Sonne ihrem neuen Ende und du ersehnst den Mond, weil du weißt, dass ihr den Selben Mond sehen werdet. Wie oft hältst du dann seine Hand in den Schlaf ohne sie zu berühren? Und wie oft küsst du ihm die Stirn ohne zu wissen was er träumt? Dann vibriert dein Handy und reißt deine dämmernden Augen wieder auf. Weil die Sprache nicht verändert ist, nur dein Glaube daran wehrt sich dagegen, während dein Körper zitternd und zehrend all das unausgesprochene aufsaugt und deine Kraft samt Sonnenstrahlen schwindet.

Dann schwebst du nicht mehr, Honey, es ist dunkel und es würde niemandem auffallen, wenn du dir selbst auch ein Ende bereitest. Und damit meinst du selbstverständlich nur, dass es ihm nicht auffallen würde. Und einen Augenblick lang findest du diesen Gedanken tröstlich, weil der, der deinen Schmerz nicht spürt, deinen Schmerz auch gar nicht spüren soll. Tröstlich, weil du gar nicht willst, dass er leidet, weil er doch sich selbst spürt und du nicht weißt, was er fühlt, während er dich nicht fühlt. Dann wieder zu erschütternd, weil du selbst doch so leidest, wenn du über dir schwebst und statt dich in deinem Lesesessel zu sehen, nur noch eine verrottende Hülle siehst, die langsam mit deinem geliebten Lesesessel verschmilzt, bis die Nachbarn einen merkwürdigen Geruch im Treppenhaus melden.

Eine einsame Taube sitzt auf deiner Balkonbrüstung und sucht in den erfrorenen Pflanzen nach Brotkrumen. Ihr gurrendes Abendlied schwenkt deinen Blick gen Mond und verschwendet einen weiteren Gedanken zur Nacht. Und wieder ist das Letzte woran du vor dem Schlafen gehen denkst das, woran du gar nicht denken willst, die Sprache, die du gar nicht verstehen kannst, die Buchstaben, die seziert brach liegen und die Liebe, die eigentlich nur Schmerz ist. Weil sie doch schon morgens mit den Sonnenstrahlen deine Stirn als erstes Küssen, wie die wärmenden Lippen eines Geliebten, wie das letzte Wort, das überlebt hat und dich schweben lässt und lacht. Nacht.

Küsschen-Smiley.

Gedanken aus dem Krankenbett

Da ich heute den ersten Tag wieder ein wenig lebendig zu sein scheine, vollgepumpt mit Medikamenten natürlich & mich zudem immer wieder schwer damit tue, mich einfach nur auszuruhen, also gar nichts zu machen, habe ich angefangen nachzudenken. Das Nachdenken endet bei mir nie gut, leider mache ich das öfter.

Na jedenfalls hab ich jetzt mal über ein spezielles Verhalten von Männern nachgedacht. I don’t know, ob Frauen das auch machen. Kann ich mir aber durchaus vorstellen. Aber aus meinen Erfahrungen heraus, welch bunte Kiste, sind da nur Männer mit diesem Verhalten. Es wird vielleicht n bisschen sarkastisch.

Und zwar: ein Mann will dich, so richtig haben will der dich. Von morgens bis abends, von links nach rechts. Und dazwischen auch. (Hi, Falschdenker) Kann sich aber nicht für dich entscheiden. Das „warum“ sei dahingestellt, denn dafür müsste man ja n total offenes Gespräch führen. Das geht ja mal gar nicht. Aber der will dich haben. Ok. Vielleicht willst du den auch haben. Keine Ahnung. Ist auch egal. Aber er stellt Besitzansprüche. Also er will dich, aber greift nicht zu. Aber andere sollen dich auch nicht haben. Und das zeigt der dir auch. Manchmal laut. Oft aber so passiv-aggressiv. Ein offenes Gespräch darüber? Nene, das gibt’s nicht. Und als Frau bist du irgendwann komplett immun gegen dieses Verhalten. Wenn du den Mann auch willst, fuckt dich das im Innern zwar total ab, aber oberflächlich kannst du’s super ignorieren und machst halt weiter wie bisher.

Also, noch geschwächt aus dem Krankenbett heraus, finde ich dieses Verhalten gerade total witzig. Ich versteh den Sinn dahinter einfach nicht.

Das ist so…wir warten auf nen Bus, der vielleicht irgendwann kommt, vermutlich aber nicht, vielleicht aber doch, dann aber wieder nicht, aber wer weiß, aber, wahrscheinlich, vielleicht doch, mal um die Ecke gucken, vielleicht ist meine Uhr kaputt, wir bleiben einfach stehen, weil, und aber ja, aber nein, aber ja, aber nein & am Ende sind wir zum Glück alle tot. Auf die Art wartet immerhin niemand ewig. Und als Frau gehste dann solange spazieren.

Hab da ne Meinung, nach der niemand gefragt hat.

Na es geht um diesen neuen Song der „militanten Veganerin“

Mir ist das nicht egal, was mit den Tieren passiert und in diesem Song kommt keine Lüge vor. Diese Dinge und viele mehr passieren täglich Milliardenfach. Mit Tieren. Ich verstehe ihre Verzweiflung und die unendliche Traurigkeit. Und einerseits finde ich ihren Einsatz große Klasse. Andererseits denkt kaum jemand um, wenn man so angegangen wird. Ich denke, man erreicht mehr, wenn man dieses Thema ruhig und sachlich dort verbreitet, wo es erwünscht ist. Es gibt eben Menschen, die das absolut nicht wollen. Das sind dadurch keine schlechten Menschen. Und Veganer:innen sind auch nicht die besseren Menschen.

Dennoch bin ich Zwiegestalten. Ja, sie ist sehr extrem. Und ich finde Extremismus nie gut. Andererseits ist das, was mit den Tieren passiert ebenfalls extrem. Aber lässt sich Gewalt mit Gegengewalt lösen?

Wie gesagt, ich verstehe das. Denke aber, dass sich mit etwas Ruhe und Einfühlungsvermögen mehr erreichen lässt. Selbst wenn jemand sagt, dass er weniger Fleisch isst, finde ich das toll. Jeden kleinen Schritt finde ich sehr toll. Aber ich flippe auch nicht aus, wenn mir bekannte erzählen, dass sie lecker Schnitzel essen waren.

Respekt und Verständnis geht in diesem Kampf für die Tiere oft verloren, dabei wäre es auch da so wichtig.

Was ich jedoch denke ist, dass jeder! wissen sollte, was er tut. Das jeder Konsum irgendwelche Konsequenzen nach sich ziehen kann. Und im Bezug auf den Konsum von Tierprodukten sollte jeder wissen, dass (und wie) Tiere dafür gegen ihren Willen leiden. Wer darauf dann zickig reagiert, tja, der will eben die Augen verschließen. Warum? Weil im Grunde jeder weiß, wie grausam das ist. Und man könnte kaum noch so genüsslich essen, wenn man daran denkt, was dafür passieren musste.

Was mich betrifft, ich erzähle im persönlichen Gespräch rein gar nichts über den Veganismus, außer das Thema kommt aufs Essen. Noch dazu lebe ich derzeit, im Bewusstsein der Konsequenzen, vegetarisch. Aufgrund meiner Essstörung. Fleisch ist für mich einfach kein Lebensmittel. Und ich weiß natürlich, dass der Konsum von Milchprodukten nicht nur zur qualvollen Haltung, sondern auch zur Schlachtung führt. Wie jeder Mensch auf seine Weise, versuche ich mein bestes zu geben.

Und natürlich sind auch Veganer:innen oder Vegetarier nicht fehlerfrei.

Nun, jeder sollte es also selbst entscheiden, aber dann auch die Augen öffnen für alle Richtungen.

Unterm Strich finde ich den Song ziemlich nice.

Vielleicht

Vielleicht verstehe ich
die Welt zu Kopf
und leben ist der Sinn nur irgendwie
und irgendeine schwere Luft
– zwischen uns
dann werde ich zu Wind
und säusel dir in roten Sommernächten
leicht Lavendelduft & Liebe
durch dein wehend Haar
& Hals &
sanfter Kuss

 © Amy Herzog

wieder

kalter Nachtwind zieht
& trägt
das Gelächter
betrunkener Geister
& dann ist es so
dass ne aufgerauchte Kippenschachtel
später
der verdammte Tag endlich
überstanden ist

© Amy Herzog

Tausend Tode

Bin ich nur ein Träumer
stiller Schatten
lächelt liebend Silhouetten tanzend an die Wand
nimmt mich doch aus jenem
stets die kleine
Wahrheit einsam an die Hand

So sterbe ich doch täglich
in die Nacht hinein
dann abertausend süße, kleine Tode
nur siehst du nicht
die spröden Knochen brechen
& mein Herze trauert
sich marode

© Amy Herzog

Autismus Erfahrung: Kleinigkeit zu Emotionen

Vielleicht wirke ich oft abweisend, in mich gekehrt, kühl. Aber das bin ich nie. Nie. Wenn ich allein bin und in einer reizarmen Umgebung/wohlfühl-Umgebung, dann spüre ich meine Gefühle sehr intensiv. Die meisten davon kann ich nicht klar definieren, trotzdem sind sie da. Sehr stark. Befinde ich mich in einer fremden Umgebung, in einer überfüllten oder bin ich auch nur mit einem anderen Menschen zusammen, dann spüre ich ungefiltert alles, was in meiner Umgebung ist. So sehr, dass ich mich selbst kaum bis gar nicht wahrnehmen kann. Diese ganzen Eindrücke und die Empfindungen der/des anderen Menschen kann ich nicht zuordnen/nicht einordnen. Nur spüren. Und vermuten, sehr viele Vermutungen kommen zusammen. Erst durch gezieltes nachfragen kann ich in Erfahrung bringen, was ein anderer Mensch empfindet. Leider sprechen die Menschen selten über ihre wahren Empfindungen. Und so kommt es, dass ich inzwischen selten nachfrage. Denn das, was ich spüre unterscheidet sich oft von dem, was mir gesagt wird. Und auch das Verhalten anderer Person/en ist oft abweichend. Und am Ende bin ich verwirrt. Deshalb sind Kontakte sehr anstrengend für mich. Meist analysiere ich Tage, Wochen oder gar Monate an Situationen herum. Immer bleibe ich mit unzähligen Fragen zurück, weil nichts wirklich zusammenpasst.

Ich möchte nicht sagen, dass Menschen absichtlich bewusst lügen, ich denke, dass es oft Selbstschutz ist. Jeder ist das Produkt seiner Erfahrungen.

Unterm Strich entsteht der Eindruck, ich sei gefühllos. Selten kann ich meine Gefühle anderen Menschen mitteilen. In vollem Umfang. Oft wirke ich abwesend, meist suche ich das Alleinsein – nicht zu verwechseln mit Einsamkeit. Einsam fühle ich mich extrem selten. Wenn, dann fühle ich mich eher verloren. Als stünde ich in meinem riesigen Wald voller Emotionen und finde nicht allein heraus. Und dann schließe ich innerlich die Augen. Damit ich da draußen in der Welt noch funktionieren kann.

Trotzdem mag ich den emotionalen Austausch sehr, wenn er offen und ehrlich ist.

– FIN –

Leichenstarrenliebe &
hässliches Herz
so graues Fleisch um rote Lippen
& ein totgefahrenes Wort

  • Fin –

© Amy Herzog

Mehr gibts bei Instagram: Amy_Darklyrik

Beichte #28

Es gibt ’n neuen Filter auf TikTok, der im oberen Bild das Gesicht verjüngt, man soll dann aussehen wie eine Vierzehnjährige. Unten wird das aktuelle Gesicht angezeigt. Und bei mir ist kein Unterschied zu sehen. Autisten werden oft 5-10 Jahre jünger geschätzt. Na wie dem auch sei – entweder ist der Filter kaputt, oder mein Gesicht. Und mein Männergeschmack wird dadurch auch nicht besser.

Wie Weltuntergangs- & Herzschmerzlyrik entsteht

& weitere 90er. Dazu Kopfbewegungen und Haare im Schleudergang like a Metalhead. Halbnackend laut mitsingen, damit es die halbe Stadt hört & ein flummiartig wippender Körper, der versucht die Buchstaben auf der Tastatur zu treffen. Ne, bin nicht auf Droge. Das ist normal so.

Beichte #27

Will das nicht netter ausdrücken. Also: es fuckt mich so ab, ehrlich, es fickt mich so hart weg, wenn Leute sich dumm stellen, wenn sie nicht ein mal auf die Idee kommen, selbst zu googeln, wenn sie ihr Gehirn so heftig auf Pause stellen, dass sie kaum mehr selbstständig denken können. Wo man sich einfach nur fragen kann, wie die Person eigentlich leben kann, allein atmen geht quasi so gerade eben. Es nervt mich so sehr. Es triggert mich so sehr. So eine Grundverweigerung gegen jede Art von Selbstständigkeit, gegen Weiterbildung. Es geht mir hier ums nicht wollen – nicht um nicht können aufgrund von Einschränkungen zum Beispiel. Ich meine so Leute, die allem gegenüber ignorant sind und sich am liebsten von früh bis spät den arsch auslecken lassen würden. Das fuckt mich so hart ab. Mich regt kaum was auf, weils mir die Aufregung meist nicht wert ist, aber DAS. DAS ist zum Haare ausreißen und zum Augen auskratzen.

Ich weiß nichts von liebe

Ach Mensch, ich weiß doch nichts
-nichts von Liebe
weiß nur, ich kann mich dreh’n
& wenn ich an dich denke
Mensch, ich weiß doch nichts, nichts
nichts von der Liebe
aber dann –
dann bleibt die Welt
einen Moment lang steh’n

Ach Mensch, ich weiß doch nichts
-nichts von Liebe
weiß nur, dass diese Welt mich beißt
& wenn ich daran denke
Mensch, ich weiß doch nichts, nichts
nichts von der Liebe
aber verdammt –
dann bleibt mir nur die Angst
die mich zerreißt

(c) Amy Herzog

Leinwandlyrik „vielleicht tut es weh“

VIELLEICHT TUT ES WEH

Inspiriert durch den neuen Song „KOMET“ von udolindenberg & apache 207

„Vielleicht tut es weh“ ist hier ein Zitat aus dem Song. Ganz bestimmt tut es weh, aber wir machen’s trotzdem.
Oder gerade weil.

Etwa 4 kg Gips, Acryl und Pigmentpulver auf Leinwand, ein Kometeneinschlag quasi.

Komet

Beide Künstler eigentlich nicht meine Musikrichtung. Aber Udo Lindenberg kennt man. Und man kennt doch mindestens 3 Songs auswendig, weil man sie besoffen oft genug gehört hat. Und Apache, naja der Song „Roller“ hat es mir vor ner Weile angetan. Versuche immer noch herauszufinden, ob der sarkastisch gemeint ist. Oder ironisch. Kann das selten trennen. Und wenn, dann nur zufällig. Bin trotzdem kurz davor mir alle Alben zu kaufen und hab Lust aufn Konzert. Soll sehr toll sein, selbst wenn es eigentlich nicht die Musikrichtung ist.

Aber die Kombi der beiden stimmen in dem neuen Song „Komet“ gefällt mir sehr.

Beichte #26

Bin sehr nonverbal geworden. Auch das Schreiben mit anderen Menschen fällt mir schwer, selbst auf kleine Kommentare reagieren dauert oft länger. Gerne würde ich wieder vorlesen vor der Kamera, aber dafür brauche ich wohl die Stimme, die ich nicht übrig habe. Zumal seit zwei Monaten auch die Werke drei anderer Autor:innen auf meinem Stapel liegen zum vorlesen. Es grenzt an einen Kraftakt meine Stimme zu benutzen, mit anderen zu reden.

Ich bin

Niemand kennt mich. Ich bin eine Existenz, ein Individuum, die sich selbst erzählende Geschichte einer wiederholten Wiederholung. Und ich bin es leid eine lächelnde Maske aufzusetzen, damit Andere sich wohler in meiner Gegenwart fühlen. Wer sind „die Anderen“ überhaupt, kenne ich die? Ich glaube nicht. Zumindest kennt mich niemand. Und manchmal ist der Unterschied zwischen dem Verlieren und Loslassen nicht spürbar oder nicht trennbar. Habe ich mich verloren oder nur die Maske losgelassen? Oder habe ich mich losgelassen und schlussendlich auch die Maske verloren? Ich weiß nicht, ob jemandem mein Lächeln wichtig war. So wichtig, dass sich jemand daran erinnert, dass es also in einer Erinnerung noch existiert. Aber wer soll „jemand“ sein, kenne ich den? Mich zumindest, kennt niemand mehr. Ich bin der Anfang meines vorangegangenen Endes, ich bin das Ende vor einer neuen Wiederholung. Ich existiere irgendwo, nur niemand kennt mich.

Entspannt euch, Zicken?

Wenn eine Frau für irgendwas krass einsteht, n Lauten macht für meist wichtige Themen, kommt immer irgendein Mann daher und sagt „die alte muss nur mal ordentlich durchgefickt werden“ quasi auflockern. Garantiert.

gift

Dein müdes Fleisch
geschmort
vor dem Sprenggeschoss
eines einzigen Kusses & ich vergifte
mich an den Erfahrungen
deiner verstorbenen
Gegenwart

Meine Seidenpapierhaut
entzündet &
der elendige Hungerfunken
aufgeschlagene Augen blättern durch den Tag
wie im Groschenroman
aschgrau

& die Sättigung hängt in den Seilen

© Amy Herzog

Schönen Valentinstag

Bin nicht romantisch. Ich weiß, jemand der Gedichte schreibt muss ja irgendwie romantisch sein, aber nein, ich bin eher pragmatisch. Oder habe eine andere Vorstellung von Romantik. Dieses gegenseitige zugeschleime kann ich gar nicht ab. Diese Herzchen, Küsschen, etc. Die Schätzchens, die Süßen. Oder jemanden bewundern, den Boden unter den Füßen küssen. Kannst mich am Arsch lecken, das war’s dann aber auch. Mein „Ich liebe dich“ beschränkt sich auf ein „Hi, Bro.“ So oder so ähnlich. Und ich habe heute keine Blumen bekommen. Das finde ich ziemlich romantisch, weil ich lieber Kakteen mag. Oder Kacktussen. Ich mag zuhören. Aufeinander zugehen. Respekt. Ehrlichkeit. Oder einfach Dasein. Sich nahe sein. Immer. Das ist für mich romantisch. Ich brauche keine Kerzen, keine Liebeslieder und keine Einladung in ein schickes Restaurant. Ich brauche niemanden, der mir ständig sagt, dass er mich liebt, oder sich heute, am Valentinstag besonders lieb mir gegenüber verhält. Ich brauche jemanden, der mir hilft, an jedem Tag, zu jeder Zeit ne Leiche verschwinden zu lassen, bzw. jemanden, dem ich dabei helfen kann. Nicht, dass ich gerade ne Leiche hätte, aber man weiß ja nie. Ich brauche keine großen Taten, keine Süßholzraspeln. Beständigkeit, Gewissheit geben und entgegennehmen in einer Welt, die ungewiss ist. Das brauche ich. Das ist für mich Romantik.

Beichte #25

Kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal wirklich gelacht habe. Krasse Freude empfunden habe. Fühle meistens alles und nichts zugleich. Erdrückend. Sehe keinen Sinn darin zu lachen, zu Lächeln. Klar, Maske ist da. Und es ist auch mal was witzig. Aber dieses Innere lachen ist nicht da. Fühle mich auch unwohl, wenn ich andere lachende, lächelnde Gesichter sehe. Bin fürs Abschaffen von Mimik.

Aprikosen

Jeden verdammten Tag
betrunken
an den Resten deiner Säure
oder Liebe & ätzende Tränen hinterlassen
Sickergruben in meinem Bauch

Die Sekunden quellen aus
meinen Augen
wie die tanzenden Maden
in einer Restmülltonne glücklicher
Sommernachtsromanzen

Verschluckter Verwesungsprozess dampft
aus meiner Kehle
& fühlt sich irgendwie verloren
oder schweigt
unter der 15 Watt Birne

Während auf dem Tisch
eine halb geleerte
Dose leicht gezuckerter Aprikosen
weißlich-grün überzogen
die abgestandene Zeit schimmert

© Amy Herzog

BuKo? BuKo. & Zahnfee.

Ich musste 31…kurz nachzählen…ja, 31 Jahre alt werden, um aus einem Video zu lernen bzw. zu erfahren, was ein BuKo ist. Habe ich das gebraucht? Nein. Werde ich es trotzdem nicht vergessen? Ja. Das ist ein Bums-Utensilien-Koffer. Im Grunde eine Handtasche mit entsprechendem Inhalt, falls man wen auf Tinder oder in ner Disco abschleppt und nun, das kommt jetzt wenig überraschend, Geschlechtsverkehr mit der abgeschleppten Person hat. Dazu fällt mir ein, dass ich sowas bisher nie gebraucht hätte, denn ich habe noch nie jemanden über ne Dating-App gedatet. Bin da irgendwie kurz stolz drauf, scheint heutzutage ne Leistung zu sein. Da bleibe ich auch weiterhin stark, oder irgendwas. Erfordert keine Stärke. Diese Gülle ist mir viel zu oberflächlich und oftmals auch zu hohl, wie ich allein durchs Schreiben erfahren habe.

Was kommt also rein? Wenn man bedenkt, dass die erweiterte Selbstbefriedigung, bei welcher man dann statt nem Satisfyer (falls ihr noch keinen habt, meine Damen, besorgt euch einen), einen wildfremden Menschen auf- oder unter sich hat, an jedem Ort stattfinden könnte? Parkbank, unter nem Baum, bei Ikea im Bällebad, auf einer McDonaldstoilette oder… keine Ahnung. Ich will es vermutlich auch nicht wissen. Also, man braucht Kondome. Frische Unterwäsche. Feuchttücher. Feuchttücher? Ersetzen diese eine Dusche? Oder? Gleitgel. Wofür ist das? Ist man nicht heiß genug auf den fremden Menschen? Warum hat man dann Sex damit? Egal. Die Pille. Glaub nicht, dass ich davon noch welche übrig habe. Hab die letzte vor 15 Jahren eingeworfen. Zahnbürste. Abschminktücher. Also, wenn ich Abschminktücher dabei habe, dann brauche ich den Rest nicht.

Sowas scheint ziemlich normal zu sein. Ich finde es traurig und kalt, weil ich ein Mensch bin, der sich aufgrund von Emotionen jemandem annähern möchte. Diese Grundlage von „siehst geil aus, komm poppen“ kann ich nicht teilen. Ich teile Menschen nicht ein in äußerlich schön oder hässlich. Menschen sind so abgestumpft, mir fehlen gerade sogar etwas die Worte. Ich mein, es ist mir total egal, wer mit wem und weshalb. Das einzige, was ich daraus lerne ist, dass ich noch vorsichtiger, noch distanzierter Menschen gegenüber sein muss, als ich es eh schon bin. Ich bin naiv, leichtgläubig. Glaube an Liebe was, wie ich herausgefunden habe, das Selbe ist, wie an die Zahnfee zu glauben.

Diese allgemeine Haltung der Menschen macht mich sprachlos. Die Zeit in der wir leben. Und das, was wir uns selbst antun. Eher sterbe ich tausend Tode an gebrochenem Herzen, als so ein Mensch zu sein.

Verschwunden

Das Leben verläuft sich
wie die Wasserfarben um den Tiefpunkt
meiner Augen
in der Leere des Blickes

Die Salzspuren auf meinen Wangen
als suchten sie das Wort
in meinem Mund
& flüstern das Rauschen der vergangenen Nacht
in mein Ohr

Sag, kannst du es hören &
war’s das Meer,
an das wir immer wollten
oder nur der Sand des letzten Sommers
auf deiner Matratze

Als verschluckte ich mich selbst
so wollte ich nicht finden
was mir nun den Staub auf die Haut legt
und den Grauschleier über
die Morgensonne zieht

Ach immer weh
atme ich schweren Nebel in den Tag
& lasse keine Geschichte zurück

Ich bin verschwunden

 © Amy Herzog

Anmachspruch

Wie man eine Künstlerin anmachen kann: „Willst du mit mir im Baumarkt shoppen gehen?“ Als Zusatz könnte noch helfen: „Ich bezahle.“ Kleiner Hinweis aber dazu…es ist teurer, als ein Restaurant mit Stoffservietten.

Beichte #24

Ich lebe nicht dafür, dass Männer mich attraktiv oder begehrenswert finden, nicht für ihre Blicke oder ihre Bewertung. Mein Wohlbefinden ist weder von positiver noch von negativer Bewertung abhängig.

Nacht

Deine Lippen schmecken
nach längst vergangenem Zauber
& dein Pulsschlag
säuselt noch den müden Gesang von
Herbstblatt & Salz
in die Himmelsaugen der
letzten Nacht

Dein Hals aber duftet
nach Mondlicht & legt sich
auf meine Wange
wie heißer Atem aus meiner Brust
& kocht dir meine Stimme
hingebungsvoll weich

Stoß um Stoß
entblößt sich dein verletzter Kern
wie der Sonnenaufgang
am Horizont
& deine Lippen zittern
mit dem Blick gen Ewigkeit & mehr
in die tiefen Augen unserer
Träume, Nacht & Meer

© Amy Herzog

Selfie

Kohlezeichnung abgezeichnet von einem selfie. Macht mir zur Zeit Spaß, auch Personen zu zeichnen (reale oder imaginäre) An Nase und Mund muss ich noch viel üben, das sind meine Endgegner 😅

Fremdgehen

Andere Frauen anschauen, hinterherschauen, hübsch finden, begehren, küssen, mit ihnen schlafen, mit ihnen schreiben oder telefonieren. Mit anderen Frauen ausgehen, feiern, weibliche Freunde haben. Flirten, gemeinsam lachen. Auf der Arbeit über andere Themen mit Kolleginnen reden, die nichts mit der Arbeit zu tun haben. In der Öffentlichkeit andere Frauen nett anlächeln, freundlich zu weiblichen Servicekräften sein. Frauen ein Kompliment machen. Dinge, die laut einigen Damen im Internet als Fremdgehen angesehen werden.

Aber atmen darf Mann noch. Das hab ich nachgelesen.

Umgekehrt gelten im Grunde die selben Regeln. Ja, auch hier dürfen die Frauen in dem Fall noch atmen. Sich „hübsch“ machen für draußen, da wo andere einen anschauen könnten, ist aber auch ein Problem. Draußen also vielleicht besser nicht atmen. Ich weiß nicht. Bin da einfach jedes Mal geschockt, wenn ich so etwas lese.

Wenn man seinem Partner nicht vertraut, dann ist die Beziehung eh für die Tonne. Aber bei all diesen Regeln kommt es mir eher so vor, als würden die, die diese Regeln aufstellen, sich selbst nicht vertrauen. Unsicher seiner/ihrer Selbst sein. Nun, und wenn der Partner einen nicht mehr liebt, dann macht er doch eh, was er will bzw. in dem Fall was er nicht soll. Und mir fiele es schwer, jemanden dauerhaft zu lieben, der mir mehr Regeln aufstellt, als meine Mama damals. Und ich hab auch keine Lust die Mama eines erwachsenen Menschen zu sein.

Oft ist es auch so, dass nicht das gleiche Recht für alle gilt. Vermutlich weil wir da an unsere Grenzen stoßen oder diese gar überschreiten müssen. Über den Tellerrand schauen müssen. Und am Ende doch erfahren, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Da bin ich auch menschlich.

Ich kenne Beziehungen mit solchen Regeln. Sind Exen. Sicher funktionieren monogame Beziehungen, wenn das beide so möchten. Aber eine Beziehung kann doch nicht dauerhaft zufriedenstellen, wenn man mit dem Partner über nichts, was solch eine Regel brechen würde, reden kann, weil die Angst vor einem Donnerwetter zu groß ist. Und das über Jahrzehnte, na im schlimmsten Fall das ganze Leben über. Das viele Menschen ihren Partner betrügen bzw. belügen brauche ich nicht zu schreiben. Vermutlich liest das hier jemand, der seinen/ihren Partner schon betrogen hat.

Ich persönlich halte nichts von solchen Regeln. Aber auch nichts davon, seinen/ihren Partner um Erlaubnis bitten zu müssen. Es gibt nur eine Regel, die für mich nicht verhandelbar ist. Und diese hat im Grunde auch etwas damit zu tun, eben nicht um Erlaubnis zu bitten. Nämlich mit dem Partner über alles offen und ehrlich zu sprechen. Sich mitzuteilen. Nicht um Erlaubnis zu bitten. Sondern aufeinander einzugehen. Aufeinander zuzugehen. Ich finde nur lügen scheiße. Darüber hinaus finde ich jedes menschliche Bedürfnis und Gefühl valide. Bin doch selbst nur ein Mensch.

Warum sollte ich einem Menschen, noch dazu einem Menschen den ich liebe, das Mensch sein absprechen, wo ich selbst doch menschlich sein will.

Es geht gar nicht darum, nicht auch mal eifersüchtig zu sein, wütend zu sein oder keine Grenzen zu setzen. Aber wenn ich Grenzen setze, dann sind das meine Grenzen, nicht die meines Partners. Und wenn mein Partner anderer Meinung ist, dann ist das mein Problem. In einem offenen Gespräch, lassen sich diese Dinge, all diese Verbote aber regeln. Das geht tatsächlich. Und wie gesagt, jedes Gefühl, jede persönliche Grenze ist valide. Aber es sollte kommuniziert werden. Und wenn dann doch keine Einigung stattfinden kann. Nun, dann hat sich da niemand gegenseitig belogen, man findet lediglich heraus, dass man als Paar nicht zusammenpasst. Nur ohne jahrelangen Käse, den man sich innerhalb einer Partnerschaft bereitet, weil beide oder einer von beiden genau dieser Tatsache nicht begegnen möchte. Ist das dann auch betrügen? Sich selbst?

Autismus: Die „Stille Stunde“ in Supermärkten für Menschen mit Behinderung

In der Schweiz gehört „die stille Stunde“ schon zum Standard. In meiner Stadt gibt es nicht einen Supermarkt, der diese eingeführt hat. Und allgemein ist das Angebot in Deutschland eher spärlich. Was mich interessieren würde, wie klappt es da mit der tatsächlichen Umsetzung? Denn Menschen sind ignorant, egoistisch, selbstverliebt und jucken sich einen Dreck um andere. Die eigenen Bedürfnisse werden stets über die der Anderen gestellt. Ich meine das gar nicht böse. Wir alle sind menschlich & haben so ne Ecke in uns drin. Ich schließe mich hiermit nicht aus. Und natürlich spüren wir es, wenn unser eigenes Bedürfnis behindert wird. Wir sind wilde Tiere, besonders wenn’s ums Essen geht – Stichwort: Feiertag. Die Leute rennen durch die Geschäfte, als würden sie verhungern…oder als gäbe es alles gratis. Und deshalb würde es mich interessieren, wie das mit der Umsetzung in Deutschland klappt.

Ich persönlich bin nur selten in einem Geschäft. Ich lasse meist einkaufen. Obwohl ich eigentlich gern selbst schaue. Und ich war schon Jahrelang nicht mehr allein einkaufen. Wozu auch? Von zehn Dingen auf einer Einkaufsliste habe ich am Ende vielleicht die Hälfte und bin den Rest des Tages völlig erschöpft. Durchaus bin ich auch allein lebensfähig, das gut oder schlecht sei dahingestellt. Als ich allein gewohnt habe, habe ich jedenfalls meist bei meiner Arbeit gegessen. Kühlschrank war halt chronisch leer. Und immer nur Nudeln mit nichts ist halt auch nicht so nahrhaft. Und die Googlesuche „Pfannkuchen nur mit Mehl und Wasser“ macht auf Dauer auch keinen Spaß. Naja, ich war zu der Zeit zusätzlich chronisch pleite. 😉 Dafür weiß ich, wie man mit 10 Euro für Lebensmittel den Monat überlebt.

Das ich ein Mensch mit Behinderung bin ist bekannt, für jene, die es nicht wissen, ich bin Autistin/AD(H)Slerin. Und für genau diese Menschen – genauer gesagt für Menschen mit Reizfilterschwäche – ist diese „Stille Stunde“. Auch Menschen mit Depressionen könnten dieses Konzept für sich nutzen. Menschen mit sozialer Phobie. Angststörung. Und so weiter. Die Richtung ist klar. Und bei der „Stillen Stunde“ werden ein oder zwei Tage in der Woche gewählt, in denen die Supermärkte die Reize für kurze Zeit minimieren. Das Piepen der Kasse wird leise/ausgestellt, die Neonlampen gedimmt, die Musik/Werbungsdurchsagen ausgestellt. Und auch die Menschen verhalten sich ruhig. Gut fände ich auch, wenn nur eine gewisse Anzahl von Kunden zeitgleich in das Geschäft dürfen. Oder wenn man ein Attest vom Arzt braucht, um den Zugang zu erhalten.

Denn auf einen Menschen mit Behinderung, der genau dann besser einkaufen könnte, kommen zwanzig Pissnelken, die GENAU JETZT lautstark ihre Scheiße kaufen wollen. Dieses Phänomen beobachte ich immer wieder. Dinge, die eigentlich gar nicht so wichtig sind, müssen aus Prinzip durchgesetzt werden. Nein, man kann keine halbe Stunde warten, später oder früher einkaufen. Das macht den Menschen wütend. Es wird rebelliert, weil es mal ein mal nicht um ihn geht.

Ich bin sehr neugierig. Mit der stillen Stunde sind natürlich nicht alle (mich persönlich) belastenden Reize entfernt. Die Größe des Geschäftes, die viel zu große Auswahl. Ein Putzmittel reicht nicht, nein, es müssen zwei volle Gänge sein. Zwei Sorten Nudeln genügen auch auch nicht. Es muss ein ganzer Gang sein. Die zwei Gänge voll mit Alk sind aber ok. 😉 Ich bin mit der großen Auswahl jedenfalls wahnsinnig überfordert und kaufe dann halt eher manchmal nichts. Nicht weil ich mich nicht entscheiden kann, sondern weil es einfach zu viel ist und ich den sprichwörtlichen Wald vor lauter Bäumen nicht sehen kann. Zusätzlich mein Endgegner: das grelle, manchmal flackernde, summende Licht. Die unzähligen Gerüche von Lebensmitteln und Menschen. Manchmal auch Parfum mit ein bisschen Mensch dran. Schrecklich. Dann bleibt hier einer stehen, da erzählen sich welche ihre Lebensgeschichten, und von der anderen Seite spricht mich plötzlich jemand an und ich kann kaum noch die Sprache verarbeiten.

Die Stille und das gedimmte Licht klingen in meinem Ohren wunderbar.

Immer mal wieder recherchiere ich in meinem Wohnort und in umliegenden Städten, weil wir dann auch für ein Paket Margarine 30 Kilometer fahren würden, haha, ob es einen Supermarkt mit der Stillen Stunde gibt. Leider nein. Und deshalb hab ich mal wieder ne neue Idee. Alle Supermärkte kontaktieren. Das werde ich in den nächsten Wochen tun. Mal schauen, ob es was bringt. 🙂 Ich kann schon sehr nervig sein. 🙂

Kunst

Kunst ist voll von Menschen. Von meiner Liebe. Kunst ist einsam. Kunst ist viel. Kunst ist Flucht. Ja, ich flüchte. Ich mache den ganzen Tag nur Kunst.

Schlange

Liebe ich die Schlange
bis in mein
Verenden & müde durch die Welt
die mich nicht hält
so schenke ich
die Lust, oh meine Schlange
wenn wir uns fänden
mit dem letzten Atemzug
& meine Seel dem
Vater Tod

© Amy Herzog